“Ich mache das ordentlich!”
Ende September wird ein neuer Bundestag gewählt. Im Wahlkreis 204 “Trier” bewerben sich sechs Kandidaten um das Direktmandat. Unter ihnen ist auch Dr. Per Knöß, der von den Liberalen ins Rennen geschickt wurde. Seine Chancen, im Herbst ins Parlament einzuziehen, tendieren eigentlich gen Null, doch seiner Motivation tut das keinen Abbruch. Was er anpacke, das nehme er ernst, stellt der Mediziner denn auch klar, und mit seiner Bewerbung um das Mandat wolle er vor allem ein ordentliches Zweitstimmenergebnis für seine Partei befördern. Bei der letzten Bundestagswahl kamen die Freidemokraten im Wahlkreis auf immerhin auf 10,5 Prozent der Zweitstimmen.
TRIER. Dr. med. Per Knöß scheint die Frage irgendwie erwartet zu haben: Was ihn, den Oberstabsarzt der Reserve, denn in die Politik verschlagen habe, will der Reporter nun wissen. Knöß kramt in seinem Portemonnaie, muss aber nicht lange suchen. Er zieht einen etwas in die Jahre gekommenen Zettel heraus und sagt erst einmal: “Von der Seite meines Vaters kann es nicht kommen, das war eine reine Soldatenfamilie”. Dann schon eher vom Großvater mütterlicherseits: Knöß faltet das Papier auseinander, ein Totenzettel seines 1992 verstorbenen Opas, in dem vermerkt ist, dass dieser sich im südtirolischen Brixen einige Verdienste als evangelischer Sozialist erworben hat.
Ein Sozialist ist aus dem Enkel nicht geworden, und anfangs deutete auch wenig daraufhin, dass aus Per Knöß ein Liberaler werden könnte. In der Schule jedenfalls habe er eher “auf CDU/CSU-Kurs” gelegen, berichtet er. Doch gegen Ende, noch vor seinem Abitur, habe sich seine parteipolitische Präferenz dann geändert, erzählt Knöß. In jenen Jahren habe er festgestellt, dass ihm die Christdemokraten dann doch eine Spur zu konservativ waren. Die Freidemokraten sagen ihm da schon mehr zu, schließlich sei er sehr für “Toleranz gegenüber anderen Einstellungen” betont Knöß, der sich selbst einen Pragmatiker nennt, dem “ideologisches Handeln” zuwider ist. Unmittelbar nach dem Abitur trat er erstmals für die FDP bei einer Kommunalwahl an.
Erst vor zwei Jahren trat Knöß dem FDP-Kreisverband Trier-Saarburg bei, nun übernimmt er für seine Partei eine Aufgabe, die jene, die sie schon einmal ausgeübt haben, als eher “undankbar” bezeichnen: Der 32-Jährige führt die Liberalen als Direktkandidat in die Bundestagswahl, und anders als die Kandidatenkollegen von CDU, SPD, Bündnis 90/Die Grünen und Die Linke taucht er nicht einmal auf einem Listenplatz seiner Partei auf. Im Klartext: Knöß’ Chancen, tatsächlich ins Berliner Parlament einzuziehen, tendieren gen Null. Schließlich liegt es nun schon einige Zeit zurück, dass zum letzten Mal ein Freidemokrat einen Wahlkreis gewann: Bei der ersten gesamtdeutschen Bundestagswahl 1990 holte der damalige Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher das Direktmandat in seiner einstigen Heimatstadt Halle.
Egger: “Per ist überzeugt und überzeugend”
Knöß ficht seine schier aussichtslose Ausgangslage nicht an. Mit “großer Ernsthaftigkeit” stelle er sich der Herausforderung, die ihm zudem großen Spaß mache, versichert er. Außerdem seien die Chancen für einen FDP-Direktkandidaten ja wohl noch nie so groß gewesen wie derzeit, meint er und verweist auf das anhaltende demoskopische Hoch für seine Partei. Und mal ganz abgesehen davon: “Man lernt bei so einer Herausforderung immer was hinzu”, und lebenslanges Lernen werde ja permanent eingefordert, gibt er zu bedenken.
1977 in Wilhelmshaven geboren, gilt Knöß als sehr zielstrebig. Innerhalb von sechs Jahren absolvierte er sein Medizinstudium an der Gutenberg-Uni in Mainz sowie am Mutterhaus der Borromäerinnen in Trier. Es folgten Stationen an mehreren Bundeswehrkrankenhäusern, bis er im April 2007 als Assistenzarzt ans Zentrum für Histologie, Zytologie und Molekulare Diagnostik auf den Petrisberg wechselte. Seit etwas mehr als einem Jahr darf sich der Träger des Ehrenkreuzes der Bundeswehr in Silber auch Oberstabsarzt der Reserve nennen, wobei das gebürtige Nordlicht der Teilstreitkraft Marine zugeteilt ist.
Fragt man den Trierer FDP-Chef Thomas Egger, was Knöß denn für eine solche Kandidatur prädestiniere, kontert dieser soldatisch knapp: “Per ist jung, engagiert, geradlinig, politisch überzeugt und überzeugend”. Knöß plädiert für die Beibehaltung des dreigliedrigen Schulsystems, doch müsse dieses durchlässiger werden; er ist für eine stärkere Eigenbeteiligung im Gesundheitswesen, betont aber zugleich, dass man hierbei die soziale Situation der Betroffenen im Auge behalten müsse; die Leistungsbereitschaft des Einzelnen sei zu fördern, wer arbeite, müsse mehr Geld in der Tasche haben als derjenige, der keinen Job hat, fordert er. Knöß ist für den Bau des Moselaufstiegs und gegen das vorzeitige Abschalten von Kernkraftwerken. Er hält nichts davon, weiteres Geld in die Kohlekraft zu investieren.
Für den Wahlkampf hat er sich ein Unterstützerteam zusammengestellt, dem unter anderen der frisch gewählte Trierer FDP-Vize Tobias Schneider und Martin Heuskel, Jungliberaler und bis vor wenigen Monaten noch Mitglied der CDU, angehören. Wie auch die anderen Kandidaten wird Knöß in den kommenden Wochen von einem Termin zum nächsten tingeln. Da bleiben dem 32-Jährigen und seiner Frau nur noch wenig Zeit für die gemeinsamen, zeitintensiven Hobbies, die vom Sporttauchen bis zum Fernreisen reichen. In New York war Knöß auch schon mal, am 11. September stand er auf dem World Trade Center – 2000, auf den Tag genau ein Jahr bevor die Türme von Terroristen in Schutt und Asche gelegt wurden.
“Kurs ändern 2009 – Neustart für Deutschland” – mit diesem Slogan zieht er nun in die kommenden Wochen des Wahlkampfs und verspricht schon mal: “Wenn ich das mache, dann ordentlich”. Schließlich soll am Ende auch ein “ordentliches Zweitstimmenergebnis” für die Liberalen stehen. Die Messlatte liegt bei jenen 10,5 Prozent, welche die FDP 2005 im Wahlkreis 204 verbuchte.
von Marcus Stölb





17. August 2009 (07:53 Uhr)
zitat:
“[...]dem “ideologisches Handeln” zuwider ist.”
fein, fein, wenn man so frei ist.
nur: wie begründet man dann seine entscheidungen? mit reiner willkür? reiner zufall?
also gibt es keine gründe, keineideale, auf die die eigenen (politischen & persönlichen) entscheidungen fussen? hmm, da braucht man dann wohl eine autorität, die einem sagt, was man zu tun hat, herr soldat ;-)
oder man fängt an, in scholastischer manier herumzueiern: einerseits für das dreigliedrige schulsystem, andererseits soll es durchlässiger werden; einerseits für eine stärkere eigenbeteiligung, anderseits aber bitte die soziale situation des einzelnen beachten; woraus folgt: einerseits weniger staat, andererseits soll dieser jeden einzelfall prüfen?
also, wenn schon gleich mal der ganze kurs deutschlands geändert werden soll – mitsamt eines neustarts (ja jungs, dückt den reset-button ;-) ) -, dann würde ich zumindest gerne wissen, wohin die reise geht. ein “wir sie sind so frei wie der wind” reicht mir da nicht…
17. August 2009 (09:37 Uhr)
@ Rainer Landele
Na diese Beschreibung passt doch zum Abstimmungsverhalten der Trierer FDP im Stadtrat: “Mals so, mal so”. Wie soll es da mit einer “Ampel” nur klappen. Da sehe ich schwarz ;-)
17. August 2009 (12:50 Uhr)
Besonders schön finde ich, dass dieser redaktionelle Wahlaufruf für den “jungen, engagierten, geradlinigen, politisch überzeugten und überzeugenden” Herrn Knöß auf der Home von 16vor direkt neben der kostenpflichtigen Anzeige des FDP-Kandidaten platziert ist.
So sieht man als Leser wenigstens auf den ersten Blick, aus welcher Motivation heraus die Redaktion Herrn Knöß in solch schillerndem Licht dargestellt hat…
(Anm. d. Red.: Bei besagtem Beitrag handelt es sich nicht um einen “redaktionellen Wahlaufruf”, sondern um ein Porträt. 16vor wird in den kommenden Wochen noch die Bewerber von CDU, Grünen und Linke um das Direktmandat vorstellen, natürlich unabhängig davon, ob diese kostenpflichtige Anzeigen schalten oder nicht. Der Beitrag über den SPD-Direktkandidaten Manfred Nink erschien bereits in der vergangenen Woche)
17. August 2009 (13:39 Uhr)
Lieber “Leser”,
bitte erst mal informieren, bevor man mit einem solchen Vorwurf kommt. Die Redaktion von 16vor hat es m.E. am Allerwenigsten in Trier verdient, mit dem Vorwurf konfrontiert zu werden, parteiisch zu sein oder einen Zusammenhang zwischen Anzeigenschaltung und Berichterstattung herzustellen.
Zu der “kostenpflichtigen Anzeige”: Ein Blick auf die Werberichtlinien von 16vor zeigt, wie günstig im Verhältnis beispielsweise zu einer bekannten Trierer Tageszeitung die Anzeigenpreise hier sind. Wenn man daraus die Motivation der Redaktion ableiten will, dann gute Nacht!
17. August 2009 (16:10 Uhr)
@augur
mittlerweile sehe ich da auch alles eher duster anstatt auf grün. mist, wir hätten doch weiter mit der cdu verhandeln sollen. war schon immer so: klare absprachen die eingehalten wurden bei der cdu, rumgeiere mit der spd. siehe nur mal hamburg…shit…
rl
p.s.: diese aussage ist die aktuelle, reinst persönliche einschätzung eines einfachen mitglieds der grünen trier und spiegelt nicht zwingend die einschätzung unserer polit-profis aus vorstand und stadtrat wieder. ;-))))
17. August 2009 (17:22 Uhr)
@ Rainer Landele
Dann will ich auch mal persönlich werden:
Ich fand es schade, dass manche Grüne unsere Wahlkampagne für die CDU von vornherein als “Etikettenschwindel” oder “alten Wein in neuen Schläuchen” einstuften. Stattdessen hätte ich mir ein gesundes Misstrauen gewünscht, d.h. dass die Grünen die CDU beim Wort nehmen. Das hätte richtig spannend werden können.
Denn die “Wir haben das Hinterzimmer zugemauert”-Kampagne war ja nur deshalb möglich, weil in den letzten Jahren tatsächlich “Glasnost” bei der Trierer CDU stattgefunden hat und weiter stattfindet. Glasnost heißt: Man setzt sich kritisch mit der eigenen Politik der vergangenen Jahrzehnte auseinander und kommt dabei zu Erkenntnissen wie dieser:
“Am Viehmarkt liegt in stiller Ruh, der Größenwahn der CDU” (Berti Adams).
17. August 2009 (18:34 Uhr)
@Klartexter
Man sollte auf die ganzen “hochstehenden” Postings all der “Leser”, “Trierer”, “ich”s und, wie sie alle heißen, überhaupt nicht eingehen. Die Qualität ist mehr oder weniger durchgängig.
Wenn ich mir die Werbe-Rotation ansehe, dann taucht da auch “bezahlte Werbung” für die CDU und die Grünen auf. Und auch die SPD glaube ich schon ausgemacht zu haben. Ist man bei 16vor etwa universalparteiisch? (na gut: UBM, Linke und NPD scheinen dieses käufliche, willfährige Medium noch nicht für sich entdeckt zu haben)
Was für ein SCHWACHSINN!
17. August 2009 (18:36 Uhr)
@FRank Jöricke
nun, man sollte aber auch den wahlkampf (und seine sprüche) nicht mit den verhandlungen nach der wahl vergleichen, oder? wenn man es kurz macht, dann hatte die cdu eine ziemliche hürde aufgelegt: sie wollte bernarding unbedingt halten. wie sollen da die grünen rüber hüüfen? die hürde der spd? hmm, ruf an ; ein tipp: kaum haben sie mal nicht verloren bei ‘ner wahl, meinen sie, schon wieder den dicken max hinsichtlich der dezernante machen zu können.
17. August 2009 (18:37 Uhr)
Sorry, die Linke wohl schon. Oder? Auch egal!
18. August 2009 (08:51 Uhr)
Die angestrebte Kandidatur ist mutig, wenn auch “zufällig”: mal hüh, mal hott. Er hat so gar nichts von einem geradlinigen Ostfriesen.
18. August 2009 (10:01 Uhr)
Man braucht keine Ideologie, um politisch verantwortlich zu handeln. Im Gegenteil. Ideologie ist der sinnvollen politischen Arbeit eher abträglich. Lesen Sie mal die gängigen Definitionen, dort ist der Begriff doch im heutigen Gebrauch eher negativ geprägt, z.B. dadurch, dass Ideologen sich vermehrt dadurch auszeichnen, dass eigene Grundannahmen axiomatisch als gegebene Tatsachen verklärt und lästige Gegendarstellungen einfach ausgeblendet werden.
Es geht wohl im genannten Statement eher darum, gerade keine von oben verordnete Betonkopf-Mentalität an den Tag zu legen, übrigens auch ein seit langem in den Grundlagen der “Inneren Führung” der Bundeswehr verankertes Prinzip, welches blinden ideologischen Gehorsam ausschließen soll.
In diesem Sinne haben Sie Ideologie allerdings offenbar recht effektiv verinnerlicht, wenn Sie so süffisant neben dem Thema daherschreiben. Woher kommt denn Ihre Autorität? Für differenzierte Betrachtung ist man dann vielleicht auch als Grüner Listenletzter ideologisch nicht so ghanz gewappnet. Hauptsache, mal was gegen Soldaten geschrieben und sich ins pazifistische Fäustchen gelacht. Gratulation. Damit erweisen Sie sich wohl eher einen Bärendienst…
18. August 2009 (13:47 Uhr)
@metallkopf
ah, mal wieder keinen humor und daher den smilie hinter dem wörten soldat nicht verstanden? ist ja fast ebenso wie bei veerbeck damals, als ich ihn hinterfragte bei seiner spitzenkandidatur für die linke. na, hoffentlich geht herr knöß dann nicht im herbst den gleichen weg :-)
was ihre “differenzierte Betrachtung” des wörtchen ideologie betrifft, brauchen sie es ja nur mal aus dem griechischen zu übersetzen, dann wäre auch ihnen schnell klar, wieviel die begriffe ideologie und idealismus geschichtshistorisch miteinander zu tun haben.
und jetzt raten sie mal, vom wem beide begriffe immer schön attackiert, diskreditiert werden (seit jahrhunderten): von opportunistischen-manager-real-politiker-typen, die außer ihren eigenen, begrenzten interessen nichts anderes gelten lassen. ausdrücklich: herrn knöß meine ich damit null! schließlich kenne ich ihn nicht und fragte nur, aber wahrscheinlich kennen sie, metallkopf, auch dieses (frage-)zeichen nicht?
wovon herr knöß sich mit seiner aussage abgrenzen wollte, das konnte ich mir schon vorstellen. nur denke ich, daß dieses gerede vom ideologisch unbefleckten handeln oftmals zu unreflektiert ist. gerade dann z.b. wenn es von gläubigen menschen (egal welcher konfession) kommt. oder von leuten, die ziele habe. oder von leuten, die sich politisch engagieren. oder von einer partei, die meint einen neuen kurs fahren zu wollen, aber nicht antworten mag, mit welchem ziel, weil sie ja ach so liberal frei sei. wieso nun also meine einlassungen in dem ersten post am thema vorbei gingen, darf gerne ihr gegeimnis bleiben.
zum abschluß: es ist fein, daß mein letzter platz auf der grünen liste für sie immer noch ein gewichtiges argument gegen mich und meine beiträge darstellt. wenn sie’s brauchen, machen sie ruhig die nächsten fünf jahre weiter so. nur: sich vorzustellen, daß ich – aus welchen für sie absurden gründen auch immer – freiwillig diesen platz einnahm, das können sie anscheinend nicht? (dieser platz ist übrigens begehrt genug, um darüber fast noch in kampfabstimmung zu gehen. doch der konkurrent verzichtete. yeah, wenigstens einen aus dem weg geräumt ;-) )
p.s.: um ihnen noch klar eine antwort zu geben (“Woher kommt denn Ihre Autorität?”): ja, ich bin totaler fundi-ideologie. ich bin überzeugt, daß der staat die aufgabe hat, die gerechtigkeit in der gesellschaft zu fördern. versagt er hierbei, verliert der staat seine existenzberechtigung. das gegenteil wäre es, das “recht des stärkeren” für fördern – lehne ich fundi-ideologisch aus meinen tiefsten, inneren überzeugungen komplett ab. s o w a s nenne i c h “innere führung” LOL
19. August 2009 (03:53 Uhr)
@ Rainer Landele
Bei den Vorstellungen Ihres Mitgliedes Jensen zur Aufteilung der zukünftigen Dezernate wird es für die SPD schwierig den “dicken Max” zu markieren, wenn sie eine Ampel haben will, jeder was abkriegen soll vom Kuchen und die Baudezernentin (vorerst) bleiben wird, denn Jensen sieht sich ja als unparteilicher Moderator ;-)
19. August 2009 (12:52 Uhr)
@augur
wie? jensen ist (auch) im gleichen verein mitglied wie ich? ups, wußte ich ja noch gar nicht – weil es wohl ein irrtum ihrerseits ist.
die frage wäre dann aber schon, stecken sie mich nun eher zu den sozen oder jensen eher zu den grünen ;-)
19. August 2009 (18:41 Uhr)
@R.L.:
Nur weil man einen Grinsekopp hinter einen gehässigen Kommentar malt, bedeutet das nicht, dass man damit automatisch Humor hätte. WTFLOLBBQ!!!!!!111EINSELF!!1!
Mit der Frage nach Ihrer “Autorität” meinte ich weniger die Ihnen selbst innewohnende, sondern eher die, der Sie nachfolgen.
Darüber, was “gerecht” ist, lässt sich ja nun wirklich leidlich streiten. Vor allem, wenn man betrachtet, wie das deutsche Steuersystem sich in dem Bestreben, es möglichst in allen Einzelfällen “gerecht” zu gestalten zu einem der ungerechtesten Monstrositäten – allein schon aufgrund seiner Unverständlichkeit – geworden ist.
Wie weit soll denn der Staat bei der Herstellung von “Gerechtigkeit” ins Detail gehen? Brauchen wir womöglich einen Staatskommissar, der klein Manfred das Schäufelchen im Sandkasten wegnimmt und es klein Lisa gibt, weil Manfred jetzt lange genug damit gespielt hat, und Lisa ja auch mal möchte und dürfen soll?
Wenn Sie von “Gerechtigkeit” reden, wo genau fängt da die Eigenverantwortung an?
19. August 2009 (23:12 Uhr)
@metallkopf
ach, was sie nun schon gehässigkeit nennen, ist wohl eher eine überempfindlichkeit ihrerseits. wußte gar nicht, daß die preußische zeit in trier sich so verfestigt hat: über’s und mit dem militär witzelt man nicht. jawohl!soll ich nun genauso “beleidigt” spielen, wie sie meinen beiträg gehässig nennen? ein wenig lächerlich solch eine überempfindlichkeit. gerade als harter krieger.
die frage nach der “autorität”, der ich folge, wurde von mir klar beantwortet. sie haben diese antwort anscheinend nicht verstanden. aber ich gebe gerne nochmals einen tipp: sie ist keine außerhalb von mir, sie wohnt mir selbst inne.
zum thema gerechtigkeit: es ist unzweifelhaft, daß nicht klar ist, was gerechtigkeit ist. so wie auch schon ein berühmter sagte “was ist schon wahrheit”, fragen sie, was ist schon gerechtigkeit. nur: egal, was jeder politisch tätigige mensch darunter versteht, habe ich die erfahrung gemacht, daß es zumeist einen riesenunterschied ausmacht, ob dieser politiker als ideal nun gerechtigkeit, wahrheit, freiheit, macht, liebe, geld etc.pp angibt. es wäre also ein irrtum, anzunehmen, nur weil man eine sache nicht wirklich bis zum letzten kenne (bzw. benennen könne), hätte diese sache keinen einfluß aufs (politische) entscheiden und handeln. aber es ist ja heutzutage eher mode und üblich, sich die frage, welches ideal man über sein leben gehängt habe und was dieses ideal bedeute, gar nicht mehr zu stellen (deswegen mein ausdruck: “manager-politiker” – und das halten sie dann auch noch für professionell). das las ich auch hinter den worten von herrn knöß und deswegen stellte ich die fragen. übrigens war meine aussage ein wenig unkorrekt, als ich meinte, der staat hätte die gerechtigkeit zu fördern. ich meinte vielmehr, die politik bzw. die politiker.
sie fragen auch nach eigenantwortung. oje, die fässer werden immer tiefer, die hier geöffnet werden. nun, ich sehe diese gerade null im gegensatz zu meinen eigenen vorstellungen von gerechtigkeit. und ich habe mit dem, was ich zu ihrer frage nach der “autorität” sagte, auch schon manches zu eigenverantwortung ausgedrückt, nicht wahr?
aber: die frage, wie sie sie stellen, finde ich bezeichnend. sie fragen nämlich, wo fange die eigenverantwortung an, anstatt zu fragen, wo sie ende .
wo endet ihre eigene verantwortung?
der begriff der eigenverantwortung wird doch politisch forwährend verwendet, um die eigene verantwortung gegenüber den anderen (schwächeren) zu bestreiten. “eigenverantwortung” schallt es doch denen entgegen, die solidarität und gerechtigkeit verlangen. und gerufen wird dieses wort von jenen, die nichts von ihrem kuchen, ihrer erlangten (macht-)position abgeben wollen. viele von diesen haben in den letzten monaten (erneut) bewiesen, was sie unter ihrer verantwortung verstehen: für sich soviele schäfchen ins trockene zu bringen, wie möglich. von nicht einem derjenigen, die die letzten zehn jahre diese lustige wort “eigenverantwortung” (lustig wegen der ergänzug des wortes ‘verantwortung’ um das wörtchen ‘eigen’) bei jeder talkshow ins mikro blubberten, habe ich in den letzten monaten erfahren, das sie auch nur ansatzweise die verantwortung für die derzeitige politisch-ökonomische situation übernommen habe. und da ich ja auch irgendwie grüner bin, ganz am ende: für die ökologische situation übernehmen diese damen und herren natürlich auch keine verantwortung. nicht jetzt und nicht in zukunft. zumindest nicht freiwillig.