Trier trommelt sich zum Weltrekord

Rekordkulisse auf der Eurener Flur bei "Trier trommelt". Foto: Marcus Stölb Trier wird sich in der nächsten Ausgabe des Guinness-Buchs der Rekorde wiederfinden: Am Sonntagnachmittag glückte auf der Eurener Flur der Weltrekordversuch zum 40-jährigen Bestehen der Lebenshilfe-Werke. Unter dem Motto “Trier trommelt” sorgten rund 1.700 Menschen für ein lautstarkes und ausgelassenes Happening, wie es die Moselstadt in dieser Form noch nicht erlebt hat. Menschen aller Altersklassen, Behinderte und Nichtbehinderte, machten mächtig Wirbel für ein selbstbestimmtes Leben, und von OB Klaus Jensen über Guildo Horn bis zu Ralf Gustke von den “Söhnen Mannheims” reihten sich prominente Unterstützer ein.

TRIER. Oskar Matzerath hätte seine Freude gehabt – oder wäre traumatisiert von dannen gezogen. Nicht erst seit der Verfilmung des gleichnamigen Romans von Günter Grass weiß man um die Wirkung der Blechtrommel. Doch was sich am Sonntagnachmittag auf der Eurener Flur abspielte, dürfte so schnell nicht mehr überboten werden: Mindestens 1.682 Blechtrommler sorgten für einen neuen Weltrekord – und damit für einen Eintrag der Trierer Lebenshilfe-Werke in der nächsten Auflage des Guinness-Buch der Rekorde. Exakt fünf Minuten und sechs Sekunden veranstalteten die Teilnehmer ein ohrenbetäubendes Spektakel und überboten damit locker den bisherigen Rekord, der bei drei Minuten lag und vor mittlerweile acht Jahren von der Band “The Monkees” aufgestellt wurde.

“Trier trommelt” war der Höhepunkt der groß angelegten Feierlichkeiten zum 40-jährigen Bestehen der Lebenshilfe-Werke der Moselstadt. Schon den ganzen Tag über hatten sich hunderte Besucher auf dem Festgelände in der Diedenhofener Straße getummelt, doch um kurz nach 15 Uhr nahm der Andrang merklich zu. Von allen Seiten strömten Menschen zum Check-In-Stand auf dem Werksgelände, ungezählte Fahrräder lehnten an den Zäunen, auf den umliegenden Straßen staute sich zeitweilig der Autoverkehr. 1.500 Snaredrums hatte die Lebenshilfe geordert. Wer eines der Instrumente ausleihen wollte, bekam ein orangenes Bändchen, wer seine Trommel gleich mitbrachte, trug ein blaues am Handgelenk. Dafür, dass alles mit rechten Dingen zuging, bürgte Dr. Ulrich Dempfle, und noch bevor um kurz nach halb fünf der Weltrekordversuch startete, konnte der Notar bereits vermelden, dass ausreichend Trommler vor Ort waren.

Darunter fanden sich Menschen aller Generationen, behinderte und nichtbehinderte, Prominenz aus Lokal- und Landespolitik, Sport und Musik. Während auf der Bühne die Band “Bonanza” die Stimmung anheizte, füllte sich zusehends die Wiese neben dem Baseballfeld der “Trier Cardinals”. Auch Baudezernentin Simone Kaes-Torchiani und Hwk-Präsident Rudi Müller versuchten sich im Trommeln, ebenso OB Klaus Jensen und seine Frau, Sozialministerin Malu Dreyer. Sie hoffe, dass sie die Masse nachher nicht aus dem Takt bringe, scherzte Dreyer, schließlich habe sie ja noch nie in ihrem bisherigen Leben auf einer Blechtrommel gespielt.

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Nicht nur das unterschied Dreyer und die weitaus meisten Weltrekordteilnehmer von Ralf Gustke, Drummer der “Söhne Mannheims” und an diesem Nachmittag so etwas wie der Schlagzeugsachverständige. Gustkes Karriere begann vor 35 Jahren auf einer “Dash-Trommel”, einem umgedrehten Waschpulverkarton. Der gebürtige Heidelberger hatte darüber zu richten, ob es sich bei der Darbietung in Trier auch tatsächlich um einen Trommelwirbel handelte.

Mehr als eine Stunde hatte sich die Masse bereits warm gespielt, da betrat Guildo Horn die Bühne. Als Sozialpädagoge Horst Köhler arbeitete Horn vor etlichen Jahren bei der Lebenshilfe, bei der seit 1972 auch Stefan Bohnert beschäftigt ist. Das “Lebenshilfe-Urgestein” (Guildo über Bohnert) assistierte dem Schlagerbarden, der meisterhaft die Masse auf das Event einstimmte. “Wir können das”, skandierte die Menge in Sprechchören. Dann wurde es ernst: Nach einem kurzen Probelauf begann der Weltrekordversuch, eine gewaltige Geräuchkulisse baute sich über dem Platz auf, nicht enden wollender Trommeldonner hallte über die Eurener Flur bis in die angrenzenden Stadtteile hinein. Hatte es anfangs den Anschein, als könnten drei Minuten eine sehr lange Zeit werden, wollte der Wirbel plötzlich kein Ende mehr nehmen. Am Ende wurden die angepeilten “mehr als drei Minuten” weit überboten. “Ihr seid Weltmeister”, rief Gustke über den Platz, woraufhin der Riesenjubel noch ein wenig riesiger wurde.

“Alle Menschen gehören in die Mitte der Gesellschaft”, hatte Ulrich Schwarz, Leiter der Lebenshilfe-Werke, vor Beginn des Weltrekordversuchs das eigentliche Ziel des Aufsehen erregenden Events betont, noch vorhandene Barrieren in den Köpfen müssten eingerissen werden. Von Barrieren war am Sonntag nichts zu spüren, und der verursachte Wirbel dürfte bei allen, die dabei waren, noch einige Zeit nachhallen.

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4 Leserbriefe | RSS-Abo

  1. Zirkusfan schreibt:

    Wirklich ein toller Rekord!! Sehr schade nur, dass sich der Artikel vor allem auf den Weltrekord beschränkt und von den anderen Darbietungen des Lebenshilfefests nicht viel erwähnt. So wird zum Beispiel kein Wort von der tollen Zirkusdarbietung im Zirkuszelt der Familie Casselly erwähnt. Innerhalb weniger Tage hatten die Zirkusmitglieder mit den Mitarbeitern der Lebenshilfe und einigen Schülern der Porta-Nigra-Schule ein sagenhaftes Zirkusprogramm einstudiert. Hier konnte man wagemutige Seiltänzer, faszinierende Zauberer, witzige Clowns, sportliche Tierdresseure, geschickte Jongleure, wilde Trampolinspringer, mutige Fakire und und und in einem mehr als 2-stündigen Programm bewundern. Viele Augen blieben nicht trocken beim Blick in die strahlenden Gesichter der Darsteller! Es war zu spüren, wieviel Spaß es ihnen gemacht hat in der Manege zu stehen. Aus eigener Erfahrung mit einer Zirkusprojektwoche (Grundschule Mariahof im April 2008) kann ich solch ein Projekt nur weiterempfehlen!! Auch damals wollte 16vor.de leider nicht über das Projekt berichten. Zirkus-Antiphatie?!

  2. Faber Annette schreibt:

    Wir können das!
    Wir selbstsicher klingt dies, wenn man eine solche Aufgabe zu bewältigen hat. Ja es ist geschafft, eine tolle Stimmung, fröhliche und glückliche Menschen!

    Und auf der Heimfahrt wird an der Ampel stolz der Arm mit dem orangen Bändchen gehoben und ein Strahlen geht von Auto zu Auto.

    Ja, wir können das!

  3. Lebenshilfe-Werke schreibt:

    Danke Trier!!!

    Das war großartig! Ein herzlichs Dankeschön an alle die uns so toll unterstützt und mitgetrommelt haben. Es war ein rundherum schöner Tag!

  4. bei aller Liebe schreibt:

    Und weil ich jetzt 5 Minuten auf eine Snare-Drum eingeschlagen habe habe ich was für die Integration behinderter Menschen in der Gesellschaft getan?
    Bei aller Liebe – da erkenne ich keinen Zusammenhang.

    Nächste Woche mache ich dann einen Hundertmeterlauf für die Rettung des Regenwaldes.
    Und in der Woche darauf breche in den Weltrekord im Silberbesteckpolieren – und bringe damit das Thema der Massentierhaltung in die Mitte der Gesellschaft.
    Eben – das hat alles auch nichts miteinander zu tun.

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