Fundstücke in neuem Licht

Das Buch "Fundstücke", das 100 prächtige Fotos von Objekten der Dauerausstellung zeigt, ist ab sofort im Landesmuseum und im Buchhandel erhältlich. Foto: Rheinisches Landesmuseum TrierUnter dem Titel “Fundstücke” hat das Rheinische Landesmuseum Trier einen opulenten Bildband mit 100 ausgewählten Sammlungsstücken von der Urgeschichte bis zur Neuzeit herausgegeben. Auf 228 Seiten findet man auf ästhetische Art altbekannte Stücke wieder und folgt auf den ganzseitigen Farbfotografien neuen Perspektiven des Museumsfotografen Thomas Zühmer.

TRIER. In der Schriftenreihe des Rheinischen Landesmuseums werden seit mehr als 20 Jahren wissenschaftliche Veröffentlichungen zu speziellen Themen und Ausstellungen herausgegeben. Im September 2009 geht man mit dem ab sofort im Buchhandel erhältlichen Band 36 “Fundstücke. Von der Urgeschichte bis zur Neuzeit” neue Wege. “Genau wie die neue Dauerausstellung, die im nächsten Monat eröffnet wird, ist auch dieses Buch attraktiv, modern und frisch”, so der Museumsdirektor Dr. Eckart Köhne bei der gestrigen Präsentation im Multivisionsraum des Landesmuseums. Das gebundene Buch soll ein “Schaufenster für die Besucher” sein und diese animieren, sich die Originale im Museum anzusehen und dort zu erleben. Gleichzeitig sollen die 100 ausgewählten “schönsten und interessantesten” Stücke des Museums auch als Führer durch die schon seit 2006 konzipierte Dauerausstellung dienen, die ab dem 12. Oktober zu sehen sein wird.

Es ist nicht das erste Buch, welches durch das größte der Trierer Museen führt. Bereits 1903 gab der Museumsgründer Dr. Felix Hettner den “Illustrierten Führer durch das Provinzialmuseum in Trier” heraus, in dem fast alle der ausgestellten Stücke im Bild gezeigt wurden. 1977 folgte zum 100-jährigen Bestehen des Hauses der ebenfalls in schwarzweiß gehaltene “Führer durch das Landesmuseum Trier” mit über 350 Abbildungen. Diese beiden Werke mit gewollt dokumentarischem Charakter entsprechen ihrer Entstehungszeit genau wie der nun erschienene vierfarbige Band mit ganzseitigen Farbfotografien, der sich nicht bloß an ein Fachpublikum richtet, sondern “die interessierte Öffentlichkeit mit allen Altersgruppen und Gesellschaftsschichten” erreichen und neugierig machen soll.

Die etruskische Schnabelkanne ist ein umgearbeitetes vasenähnliches Gefäß mit einem gegossenen Henkel, der einen nackten Jüngling zeigt und von zwei Löwen flankiert wird. Gefunden wurde die um 400 vor Christus entstandene Kanne in einem Prunkgrab eines keltischen Kriegers. Foto: Thomas Zühmer, Rheinisches Landesmuseum TrierDie 100 ganzseitigen Fotos zeigen oftmals Details der ausgewählten Statuen, Münzen, Gläser, Schmuckstücke und Reliefs. Der Museumsfotograf Thomas Zühmer erkundet mit seiner Kamera poröse Oberflächen, glänzende Bronzestücke, millimeterfeine Inschriften und vor allem auch die changierenden Farben der korrodierten Metalle. Diese entstehen erst durch das hohe Alter der Fundstücke und lassen sie dadurch lebendig werden.

Jeweils eine Doppelseite ist einem Fundstück gewidmet. Die gesamte rechte Seite nimmt das Foto ein, welches optimal ausgeleuchtet ist, um den eigenen Charakter des jeweiligen Stückes hervorzuheben. Meistens ist der Hintergrund klassisch schwarz gehalten, die Details sind bildfüllend. Ton in Ton mit dem Hintergrund präsentiert sich zum Beispiel eine römische Gemme oder die bronzene Venus aus Hinzerath, was die edle Provenienz der Stücke besonders betont. Gleichsam als Erinnerung an die Geschichte der beiden älteren Museumsführer stehen den Fotografien Zühmers auf der jeweils linken weißgrundigen Buchseite die klassischen Schwarzweißaufnahmen derselben Objekte gegenüber – so wie man sie aus der archäologischen oder kunsthistorischen wissenschaftlichen Dokumentation kennt. Ergänzt wird die Abbildung des jeweils gesamten Objekts um dessen Maße, zeitliche Einordnung und Inventarnummer.

In jeweils nicht mehr als 1500 Zeichen hatten die dreizehn Autorinnen und Autoren aus dem Landesmuseum dann Raum, um Wissenswertes und Interessantes zum jeweiligen Fundstück zu schreiben. Und so erfährt man hier, dass das Treverermännchen einen der im Trier des 3. Jahrhunderts so beliebten Ponchos trug, sich die beiden Kaiser Diokletian und Maximinian auch gerne zusammen auf einer goldenen Münze abbilden ließen und dass circa 3500 Jahre altes Holz, welches einst eine Wasserquelle einfasste, fast neu aussieht und wunderbar erhalten ist.

WerbungMehr als die Hälfte der Fundstücke stammen aus der Römerzeit. Doch gerade die Exponate der Stein-, Bronze- und Eisenzeit machen deutlich, wie weit gefasst die Sammlungen des Museums sind. Die neuesten Stücke sind aus der Neuzeit und sind in dem chronologisch sortierten Band ganz am Ende zu finden. Mit dem Ölgemälde des Briten George Clarkson Stanfield, der 1858 das Moselufer mit der Martinsmühle romantisierend darstellt, endet das spannende Buch, welches zum Durchblättern und Schmökern geradezu einlädt. Viele der ausgewählten Stücke sind bekannt und lassen sich durch durch die neue Sichtweise neu entdecken. Ergänzt wird der Band durch bibliografische Angaben zu den einzelnen Fundstücken und einem Überblick über die Geschichte des Landesmuseums.

Erfreulich ist ebenso der Preis. Das Buch kostet 19,90 Euro (im Museumsshop sogar nur 14,80 Euro), was in Anbetracht der hochwertigen, großformatigen Fotografien auf dem ansprechenden Papier ein gutes Angebot ist. Möglich wurde dies durch die Übernahme der Druckkosten von den 6000 Exemplaren der Erstausgabe vom Förderkreis des Rheinischen Landesmuseums. Und so durfte sich der Vorsitzende Remigius Kühnen auch auf den ersten Band freuen, den Museumsdirektor Köhne ihm gestern überreichte.

Fundstücke. Von der Urgeschichte bis zur Neuzeit. Herausgegeben vom Rheinischen Landesmuseum Trier. Stuttgart, Theiss. 2009

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