Eintracht Trier wieder Pokalschreck
Eintracht Trier ist dabei, wieder Pokalgeschichte zu schreiben. Nach einem 0:2-Rückstand siegte die Mannschaft von Mario Basler am Dienstagabend in der zweiten Runde des DFB-Pokals noch mit 4:2 gegen den Zweitligisten Arminia Bielefeld. Das Weiterkommen ist kein Wunder, sondern Resultat einer geschlossenen Mannschaftsleistung gegen schwache Bielefelder. Der SVE tat das, was der Trainer gefordert hatte: kämpfen. Vor allem der dreifache Torschütze Sahr Senesie ging über die Schmerzgrenze hinaus. Nun hofft man in Trier auf das große Los im Achtelfinale.
TRIER. Schon die achte Minute hätte das Ende für die Trierer Pokalträume bedeuten können. Sahr Senesie prallte mit einem Gegenspieler zusammen, musste behandelt werden, hielt aber humpelnd durch. Ansonsten passierte kaum Nennenswertes in der ersten Halbzeit, die die Bielefelder B-Startelf als lockere Laufeinheit zu betrachten schien. Auf Trierer Seite sorgte einzig Josef Cinar mit einem Kopfball für etwas Gefahr (38.), während die Arminia, deren Mannschaft Trainer Thomas Gerstner auf sieben Positionen im Vergleich zum vorigen Zweitliga-Spiel veränderte, völlig blass blieb.
Dafür fiel der Start in Halbzeit zwei umso stürmischer aus. Zweimal traf Slatko Janjic. Mit seinen Toren nach 33 Sekunden und viereinhalb Minuten versetzte er den Trierer Pokalträumen einen herben Dämpfer. “Leider haben wir es nicht geschafft, den Vorsprung zu verwalten”, beklagte Gäste-Trainer Gerstner nach dem Spiel. Vielleicht lag der Fehler seiner Mannschaft darin, den Vorsprung überhaupt verwalten zu wollen, statt auf die Vorentscheidung zu drängen.
Denn wie unsicher eine 2:0-Führung sein kann, zeigte sich, nachdem sich der SVE vom Rückschlag erholt hatte. Erst fand ein abgefälschter Schuss von Senesie den Weg ins Tor, eine knappe Viertelstunde später verwandelte der 24-Jährige einen zweifelhaften Elfmeter zum 2:2 (61. / 75.). Dass er überhaupt noch auf dem Platz stand, ist der medizinischen Abteilung zu verdanken. In der Halbzeit bekam er Spritzen ins lädierte Bein: “Mein Knie ist komplett taub”, sagte er. Ähnlich ging es wohl Cinar, der bereits vor der Partie mit Schmerzmitteln behandelt wurde.
So ging es in die Verlängerung, in die die Ostwestfalen deutlich besser starteten, ihre Chancen aber nicht nutzten. Auf der Gegenseite hatte Senesie auch an der Trierer Führung seinen Anteil. Bielefelds Ersatz-Torwart Rowen Fernandez kann dessen Schuss nicht festhalten und Risser staubt ab (110.). Den Schlusspunkt setzte Senesie dann wieder selbst. Den letzten Konter verwertet er zum 4:2 (120.).
So reichten den Bielefeldern vier starke Minuten nach der Pause und eine überlegene Nachspielzeit nicht zum Sieg. Die runde halbe Million Euro an Fernsehgeldern für die nächste Pokalrunde geht daher nach Trier.
Naturgemäß machten im Anschluss große Namen als Wunschgegner die Runde. Cinar wünscht sich die Bayern, während Gustav Schulz auf den FC Köln hofft. Für letzteren ist das Weiterkommen die Erfüllung eines ganz persönlichen Traums. Bereits beim Halbfinale anno 1997 war er dabei. Damals stand der Ur-Trierer als Balljunge hinter der Bande, wie er nach dem Sieg erzählte.
Derweil genoss Basler sichtlich den Gang durch die nationalen Medien, berichtigte Gerhard Delling beim Interview, als der von einem “glücklichen Sieg” sprach und fand nur Lob für seine Mannschaft: “Wir haben ein großes Spiel abgeliefert”.
Seinen Anteil am Sieg hatte auch das Trierer Publikum. “Wahnsinn, überragend, weltklasse”, sagte Senesie über die Zuschauer. “Die Stimmung war fast wie in Dortmund”. Triers Topscorer muss es wissen, schließlich kickte er fünf Jahre für den BVB.
Bis zum kommenden Freitag sollte er wieder Gefühl in sein Knie bekommen. Dann geht es in der Regionalliga gegen die Zweite Mannschaft von Bayer Leverkusen. Erst nach diesem Spiel dürfen die Spieler feiern. “Aber nur, wenn sie gewinnen”, nannte Basler eine entscheidende Bedingung.
Wer der Gegner im Achtelfinale sein wird, entscheidet sich am Samstag bei der Auslosung im Rahmen des “Aktuellen Sportstudio”. Gespielt wird am 27. und 28. Oktober.
Die Trierer Spieler in der Einzelkritik:
Kenneth Kronholm: Der Schlussmann zeigte wenige Unsicherheiten und parierte in Bielefelds Drangphasen einige Male glänzend.
Josef Cinar: Obwohl angeschlagen ins Spiel gegangen, hielt er durch und gewann viele wichtige Kopfball-Duelle.
Kevin Lacroix: Der zweite Innenverteidiger machte in 120 Minuten weniger Fehler als zuletzt in der Regionalliga pro Halbzeit.
Andy Rakic: Gewohnt zuverlässig sorgte der Linksverteidiger für Stabilität auf seiner Seite.
Thomas Kempny: Der Youngster rechtfertigte seine Aufstellung mit einer großartigen Leistung vor allem in der ersten Halbzeit, als er dem früheren Jugend-Nationalspieler Michael Delura die Grenzen aufzeigte. Das fand auch Basler: “Thomas hat ein sensationelles Spiel gemacht.”
Christopher Reinhard: Ruhig und unaufgeregt organisierte er in seinem dritten Spiel für die Eintracht das zentrale Mittelfeld und ist nicht mehr wegzudenken.
Markus Anfang: Der Routinier spielte etwas defensiver als zuletzt und blieb vor der Abwehr neben Reinhard unauffällig.
Martin Wagner: Der kleine Flügelspieler hatte viele Ballkontakte, blieb aber weniger torgefährlich als in Runde eins gegen Hannover.
Gustav Schulz: Weil Kempny die rechte Abwehrseite übernahm, durfte er wieder offensiver ran und setzte nach der Halbzeitpause einige Akzente nach vorne.
Sahr Senesie: Der dreifache Torschütze war präsenter als in vielen Spielen zuvor. Beim Elfmeter übernahm er die Verantwortung.
Wilko Risser: Die einzige echte Spitze ackerte viel für die Mannschaft und wurde dafür mit einem Abstaubertor belohnt. Vorher agierte er im Abschluss einige Male unglücklich.
Andreas Anicic: Nachdem der 24-Jährige für Anfang kam, sorgte er mit Flanken für einige Gefahr. Trotzdem musste er kurz vor Ende der Verlängerung wieder raus.
Tayfun Pektürk: Der Neuzugang machte in seinem ersten Heimspiel viel Druck über die rechte Seite und provozierte den Elfmeterpfiff.
Aydin Ay: Half mit seinem Kurzeinsatz, den Sieg über die Zeit zu retten.
Eintracht Trier: Kronholm – Rakic, Lacroix, Cinar, Kempny – Reinhard, Anfang (52. Anicic / 113. Ay), Wagner (52. Pektürk), Senesie, Schulz – Risser
Arminia Bielefeld: Fernandez – Schuler, Bollmann, Mijatovic, Fischer (69. Lamey) – Risgaard, Delura, Kirch (27. Halfar), Federico Janjic (77. Feick) – Berisha
Tore: 0:1 Janjic (46.), 0:2 Janjic (50.), 1:2 Senesie (61.), 2:2 Senesie (75.), 3:2 Risser (110.), 4:2 Senesie (120.)
Schiedsrichter: Christian Bandurski (Oberhausen)
Zuschauer: 6.630
von Christian Palm





23. September 2009 (13:02 Uhr)
Ich fand gerade Rakic auf seiner Seite nicht “zuverlässig” und “für Stabilität” sorgend – hätte Delura mal ein bisschen schlauer gespielt, wäre nicht nur das 0:1 aus Trierer Sicht über die linke Eintracht-Abwehrseite gefallen… Die Trierer Mittelfeldzentrale war sehr stark, Lacroix und Cinar auch!
23. September 2009 (14:34 Uhr)
finde das kann man so nicht sagen, denn dadurch dass trier immer versucht hat den ballführenden zu doppeln steht der am weitesten vom ball entfernte spieler blank. sieht natürlich im ersten moment immer doof aus aber trier (bes. rakic) hat dann doch immer sehr gut verschoben! die bälle auf aussen müssen dann eigentlich im mittelfeld unterbunden werden, da hatte trier die erste halbzeit dann natürlich auch glück gehabt dass bielefeld so schlampig gespielt hat! ich fand rakic einen der besten auf dem platz!
23. September 2009 (20:27 Uhr)
Genau Rakic saumässig schwach im Zweikampf… sein Gegenspieler konnte flanken wann immer er wollte…
23. September 2009 (22:16 Uhr)
Hut ab vor dieser Mannschaftsleistung: Sehenswerte spielerische Akzente und bedingungsloser Einsatz auf Seiten der Eintrachtelf sorgten für diese kleine Pokalsensation. Zum wiederholten Male bietet diese Eintracht-Mannschaft in der laufenden Spielzeit dar, worauf die Anhänger für ein paar Jahre verzichten mussten. Nun verbietet die Vereinshistorie zwar Schwärmerei, nicht aber das stille Genießen eines tollen, mitreißenden Fußballabends.
23. September 2009 (23:26 Uhr)
@super: wenn rakic gut verschoben hätte, wäre delura ja nicht so oft frei gewesen ;) die gegengerade hat ja oft genug seinen namen gerufen, damit er nach außen rückt…
24. September 2009 (14:30 Uhr)
@cc: man verschiebt doch nur dann wenn der ball gespielt wurde… natürlich ist delura frei gewesen, aber auf links war das auch so zu beobachten, allerdings hat bielefeld versucht alles über rechts zu machen! in england oder in der buli haben die aussen mittlerweile alle recht viel freiraum (weil sie dann auch meistens am weitesten vom ballführenden entfernt sind, daher auch die 30m diagonalpässe die nie ankamen). so ist das heutzutage im modernen fussball :-)
25. September 2009 (10:30 Uhr)
@super: danke, der moderne fußball ist mir bekannt ;) der außenspieler sollte trotzdem schnell genug wieder zurückschieben, wenn der ball auf seine seite kommt, bei rakic war das nicht immer der fall. aber du hast ja die “objektiven” *hust* kicker-noten im rücken ;)
auf dass die eintrachtler sich beim nächsten pokalspiel schnell genug in alle himmelsrichtungen verschieben :)!