Konjunkturklima aufgehellt
TRIER. Das Konjunkturklima in der Region Trier hat sich gegenüber dem Frühjahr deutlich aufgehellt. Das berichtet die Industrie- und Handelskammer.
In der aktuellen Konjunkturumfrage der IHK hätten 25 Prozent der Unternehmen ihre derzeitige Geschäftslage als gut, weitere 45 Prozent als befriedigend und 30 Prozent als schlecht bezeichnet, heißt es. An der Umfrage haben sich rund 170 regionale Unternehmen aus Industrie, Handel und dem Dienstleistungssektor beteiligt. Damit hat sich die Lage gegenüber dem Frühjahr (24 Prozent gut, 26 Prozent schlecht) kaum verändert. Deutlich aufgehellt hat sich jedoch der Blick der Unternehmen in die Zukunft.
Derzeit glauben 23 Prozent der Befragten an bessere Geschäfte in den kommenden zwölf Monaten, während 30 Prozent eine Eintrübung ihrer Betriebskonjunktur befürchten. Noch vor vier Monaten standen lediglich zwölf Prozent Optimisten 47 Prozent Pessimisten gegenüber. Entsprechend stieg der IHK-Konjunkturklimaindikator von 80 auf 94 Punkte und nähert sich damit dem positiven Bereich oberhalb von 100 Punkten.
Trotz der Stimmungsaufhellung bestünden “konjunkturelle Rückschlagspotenziale”, warnt die Kammer. So befürchten Unternehmen steigende Steuer- und Abgabenbelastungen im Zuge der notwendigen Haushaltssanierungsmaßnahmen und damit einhergehend auch dämpfende Effekte auf den privaten Konsum. Weitere mögliche Risiken werden in steigenden Arbeitslosenzahlen, auftretenden Liquiditätsengpässen sowie Zahlungsausfällen und Insolvenzen bei Geschäftspartnern gesehen. Auch ist die Industriebranche noch nicht über den Berg. Hier bezeichnen lediglich 15 Prozent der Befragten ihre Geschäftslage als gut, 41 Prozent jedoch als schlecht. 51 Prozent der Befragten des sekundären Sektors schätzen ihre Auftragsbestände als unterdurchschnittlich ein, nur 15 Prozent als überdurchschnittlich. Ebenso gestalteten sich in den vergangenen drei Monaten die Auftragseingänge – insbesondere aus dem Ausland – noch rückläufig. Auf der Aktivseite ist zu vermerken, dass sich die noch im Frühjahr 2009 extrem negativen Exporterwartungen derzeit dem neutralen Bereich annähern. Auch die kurz- und mittelfristigen Geschäftserwartungen weisen auf ein Ende der Talfahrt der Industriekonjunktur hin.
IHK: “Strohfeuer Abwrackprämie ist abgebrannt”
Die eher binnenorientierten Branchen Handel und Dienstleistungen scheinen in der Region von der Wirtschaftskrise noch kaum betroffen: Über 80 Prozent der Befragten charakterisieren ihre aktuelle Geschäftssituation als befriedigend oder sogar gut. Allerdings sind im Handel die mittelfristigen Geschäftserwartungen für die kommenden zwölf Monate von Skepsis geprägt. 16 Prozent der Kaufleute erwarten eine Verbesserung; dem stehen 43 Prozent gegenüber, die eine Eintrübung ihrer Betriebskonjunktur fürchten. Insbesondere der Kfz-Handel blickt nach eigenen Angaben in eine schwierige Zukunft. Das “Strohfeuer” der Abwrackprämie ist abgebrannt.
Im Vergleich zum Vorjahr haben sich die Finanzierungskonditionen der meisten Unternehmen kaum verändert, doch melden aktuell fünf Prozent der Befragten, ihnen seien Kreditwünsche abgelehnt oder Kredite nicht verlängert worden. Vor vier Monaten waren dies lediglich zwei Prozent. Eine verbreitete “Kreditklemme” existiert damit in der Region nicht. Von einer Verschlechterung der Kreditkonditionen sprechen 18 Prozent der Firmen. Dies betrifft vornehmlich Zinsen und Sicherheiten, aber auch Dokumentationspflichten oder den Abschluss von Warenkreditversicherungen. Für 14 Prozent der regionalen Unternehmen haben sich die Finanzierungsbedingungen laut IHK sogar verbessert.
Insgesamt zeichne sich eine Angleichung der einzelnen Branchenkonjunkturen im befriedigenden Bereich ab. Hinsichtlich der tatsächlichen Geschäftslage habe die weltweite Wirtschafts- und Finanzkrise, mit Ausnahme der Industriebranche, bisher in der Region keine tiefen Spuren hinterlassen; der entsprechende Lagesaldo liege gerade einmal bei minus fünf Punkten. Diese Medaille habe jedoch auch ihre Kehrseite: Aufgrund der vergleichweise niedrigen Exportquote des verarbeitenden Gewerbes in der Region sei zu erwarten, dass diese zunächst von weltwirtschaftlichen Erholungstendenzen nur unterdurchschnittlich wird profitieren könnten.
von 16vor




