“Vollbeschäftigung ist möglich”
Nur noch drei Tage bis zur Bundestagswahl. Welche politischen Vorstellungen haben die Trierer Direktkandidaten? Wie stehen sie zu einem flächendeckenden Mindestlohn oder zum Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan? Was halten sie vom Moselauftstieg und befürworten sie eine Verlängerung der Restlaufzeiten für Kernkraftwerke? Und was denken sie über Angela Merkel oder Oskar Lafontaine? 16vor gab 30 Satzanfänge vor, die von den Kandidaten ergänzt werden sollten. Heute: Sascha Gottschalk, Bewerber von Bündnis 90/Die Grünen.
1.) Wenn ich könnte, würde ich nach dem 27. September 2009 als erstes Internetsperren und die Vorratsdatenspeicherung abschaffen lassen.
2.) Ein flächendeckender Mindestlohn sorgt dafür, dass Menschen von Ihrem Einkommen auch leben können.
3.) Reich ist für mich ein Mensch, wenn er alle Chancen hat, sein Leben so zu gestalten wie er es will.
4.) Unter dem Begriff “Leistungsträger” verstehe ich vor allem Menschen, die nicht alleine in der beruflichen Karriere ihre Erfüllung sehen, sondern sich darüber hinaus im Ehrenamt bei Vereinen und Verbänden und in der Familie engagieren.
5.) Damit Kinder aus einkommensschwachen Familien mehr Chancen erhalten, braucht es längeres gemeinsames Lernen und eine bedingungslose Kindergrundsicherung
6.) Die Umstellung auf Bachelor und Master hat wenig von dem erfüllt, was sich an Hoffnungen mit ihr verband und den Studierenden die Finanzierung sogar deutlich erschwert.
7.) Eine “Rentengarantie” sorgt dafür, dass Menschen im Alter würdevoll ohne Transferleistungen leben können, die aufgrund ihres geringen Verdiensts keine ausreichende Vorsorge aufbauen konnten.
8.) Staatliche Bürgschaften für Banken und Unternehmen sollten an strikte Bedingungen geknüpft werden.
9.) Vollbeschäftigung ist möglich und wird wegen des demographischen Wandels wahrscheinlicher, wenn wir unser Bildungssystem reformieren und auf Zukunftstechnologien setzen.
10.) Steuersenkungen nach der Wahl sind hohle Versprechungen von Parteien ohne bessere Ideen und gehen zu Lasten der Schwächsten und zukünftiger Generationen.
11.) Die Verlängerung der Restlaufzeiten für deutsche Kernkraftwerke ist gefährlich, verhindert den Ausbau der erneuerbaren Energien und nützt ausschließlich den großen Energiekonzernen.
12.) Die Abwrackprämie hat das Elektroauto, den Preis für Altmetalle und 5 Milliarden Euro gekillt.
13.) Mein ganz persönlicher Beitrag zum Klimaschutz ist, dass ich Bio kaufe, Bahn und Fahrrad fahre, Ökostrom beziehe und für die GRÜNE Idee werbe.
14.) Der Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan erfolgt im Rahmen eines UN-Mandats auf Einladung der afghanischen Regierung und sollte dem Schutz der afghanischen Bevölkerung dienen.
15.) Damit Trier in den kommenden vier Jahren besser an die Schiene angebunden wird, müssen im Personenverkehr die Umsteigezeiten in Koblenz und Saarbrücken deutlich verbessert, die RE auf der Eifelstrecke modernisiert und neue Haltepunkte eingerichtet werden, wobei es neue Impulse auch für den Güterverkehr auf Eifel- und Hunsrückstrecke als Ergänzung der Moselstrecke geben muss, um mehr Güter von der Straße auf die Schiene zu verlagern.
16.) Der Moselaufstieg hält, wie Gutachten bestätigen, in keiner Variante, was er verspricht, belastet Mensch und Umwelt und die öffentlichen Kassen und macht aus der B 51 eine Mautumfahrerstrecke, die vom Rhein-Ruhrgebiet bis ins Saarland reicht.
17.) Dass der Steuerzahler die Verluste des Flughafens Hahn tragen muss macht dieses Prestigeprojekt der SPD-geführten Landesregierung zu einem weiteren Millionengrab, gleich neben Nürburgring und Flugplatz Zweibrücken.
18.) Mein politisches Vorbild ist Joschka Fischer.
19.) Angela Merkel sollte nicht ein weitere Wahlperiode Möglichkeiten verpassen dürfen.
20.) Frank Walter Steinmeier hat das GRÜNE Wahlprogramm abgeschrieben, mal vier genommen und es Deutschlandpakt genannt.
21.) Guido Westerwelle ist der Sprecher der Turbokapitalisten, die jetzt für ihre Politik der Deregulierung belohnt werden wollen, welche die Finanzmarktkrise ausgelöst hat.
22.) Renate Künast hat als Ministerin gezeigt, dass die Verbraucher/innen bereit sind, für bessere (Bio-)Qualität auch mehr zu bezahlen und damit einen Boom einer ganzen Branche ausgelöst.
23.) Oskar Lafontaine hat immer dann gekniffen, wenn es ernst wurde.
24.) Ich glaube an die parlamentarische Demokratie und an moralische Lösungen für aktuelle Probleme.
25.) Wirklich wichtig im Leben ist mir, dass ich bei guter Gesundheit bin und meinen Beitrag leisten kann, aus unserer Welt eine bessere zu machen.
26.) Wenn ich entspannen will treffe ich mich mit Freunden in einem Cafe.
27.) Politik ist für mich eine spannende Angelegenheit, bei der es gilt, Unterstützung für seine Position zu finden, Mehrheiten zu gewinnen und mit den besten Argumenten zu überzeugen um für eine gerechte Gesellschaft einzutreten.
28.) Wenn ich einen meiner vier Mitbewerber wählen müsste, würde ich Manfred Nink wählen, denn irgendeinen Bewerber müßte ich ja wählen, weil Nichtwählen gilt nicht.
29.) Sollte ich nicht in den Bundestag kommen, werde ich mich weiter an anderer Stelle politisch engagieren.
30.) Man sollte mir einmal nachsagen, meine Tätigkeit würde keine Früchte tragen.
von 16vor





24. September 2009 (10:42 Uhr)
zitat:
“11.) Die Verlängerung der Restlaufzeiten für deutsche Kernkraftwerke ist gefährlich, verhindert den Ausbau der erneuerbaren Energien und nützt ausschließlich den großen Energiekonzernen…”
…inclusive aller Ihrer Lobbyisten. Welcher Partei die angehören ist dann ja nicht schwer zu erraten…
Erich H.
24. September 2009 (11:41 Uhr)
“Eine “Rentengarantie” sorgt dafür, dass Menschen im Alter würdevoll ohne Transferleistungen leben können, die aufgrund ihres geringen Verdiensts keine ausreichende Vorsorge aufbauen konnten.”
Haben Sie da die Rentengarantie nicht etwas mißverstanden? Garantiert wird doch, daß Renten nicht fallen, auch wenn es die Löhne tun (von denen die Renten ja abgezweigt werden). Es wird keine Mindestrente garantiert, sondern es wird eine Rentenkürzung ausgeschlossen, und zwar für alle, nicht nur für Geringverdiener. Eine kleine Rente bleibt klein, eine große groß, nur sollen beide niemals weniger werden, auch wenn das Geld knapp ist (die spannende Frage wäre, wo das Geld dann hergenommen werden soll). Und nur am Rande: auch die staatliche Rente ist eine Transferleistung.
24. September 2009 (16:58 Uhr)
Hihi. Und demnächst will Herr Gottschalk dann auch ein Zubrot von BMW und Gazprom! Ganz wie sein großes Vorbild.
Aber vielleicht hat er das bis dann ja auch vergessen. So wie die Tatsache, dass merkwürdiger Weise die Deregulierung der Finanzmärkte unter Rot-Grüner Regierung erfolgte… Ebenso wie der Ausbau der Sicherheitsgesetze durch Schily.
Ich kann mich jedenfalls nicht erinnern, den “Sprecher der Turbokapitalisten” seinerzeit auf der Regierungsbank sitzen gesehen zu haben.
24. September 2009 (18:38 Uhr)
Ist mir zu langweilig, das ganze.
24. September 2009 (21:20 Uhr)
Kompetenter und sympathischer Mann aus einer sehr guten Partei! Schade, dass er nur wenig Chancen hat. Da verpufft meine Erststimme ja quasi, dann lieber taktisch Herrn Nink wählen, um den Sieg von Kaster zu verhindern! Aber umso mehr: Zweitstimme Grün! Ich finde, alle diejenigen, die nicht möchten das ein CDU Direktkandidat gewinnt, sollten sich in diesem Fall vereinen und SPD wählen.
25. September 2009 (08:26 Uhr)
“Man sollte mir einmal nachsagen, meine Tätigkeit würde keine Früchte tragen.” Tippfehler, mangelnde Beherrschung der deutschen Sprache oder unfreiwillige Komik?
25. September 2009 (12:42 Uhr)
Freud
25. September 2009 (12:47 Uhr)
@Stefan
Ich habe den Satzanfang tatsächlich anders verstanden als er wohl gemeint war, nämlich im Sinne einer gemeinen Unterstellung, einer unhaltbaren Behauptung. Natürlich trägt meine Tätigkeit Früchte!