Im Amphitheater ertrunken

"Finale Mosel" ist ab dem 14. Oktober erhältlich.Für seinen Jubiläumskrimi hat sich Mischa Martini mehr Zeit gelassen als sonst. Während die Fans von Hauptkommissar Waldemar “Walde” Bock sich bisher jeden Herbst auf einen neuen Fall freuen konnten, mussten sie sich nach “Tango Mosel” (2007) ein Jahr länger gedulden. Aber das Warten hat sich gelohnt. In “Finale Mosel” geht es fast so zu wie in der Oper “Elektra”, die darin aufgeführt wird. Doch neben einem Mord, einem vermeintlichen Toten und einigen Intrigen bietet der zehnte Band auch reichlich komische Momente, viele detailreiche Bezüge zur Stadt und amüsante Anspielungen auf aktuelle Ereignisse und den hiesigen Medien- und Kulturbetrieb.

TRIER. Im Amphitheater hat es einen Toten gegeben, der auf kuriose Weise ums Leben kam – er ist ertrunken. Nach der Premiere von “Elektra” bei den Antikenfestspielen wurde der Hauptdarsteller René Tiefenbach, der nach einem Karriereknick durch Drogeneskapaden gerade ein gelungenes Comeback feiern konnte, beim Urinieren in ein Ausgrabungsloch gestoßen, wobei er unglücklich auf den Boden auftraf.

Das Lokalfernsehen veröffentlicht ein Foto des Leichnams, das aufgenommen wurde, bevor man ihn entdeckte. Waldemar Bock und seine Kollegen können schließlich den Fotografen ausfindig machen. Dabei handelt es sich um einen ehemaligen Freund Tiefenbachs aus dem Drogenmilieu, gegen den der Sänger in einem unmittelbar bevorstehenden Prozess aussagen wollte. Doch im Laufe der Ermittlungen stößt das Trierer Kripo-Trio Walde, Gabi und Grabbe auf eine ganze Reihe von Tatverdächtigen mit mehr oder weniger guten Motiven.

Durch einen originellen Einstieg ist der Leser sofort drin in der Handlung. Genauer gesagt: in einem Stück im Stück. Mischa Martini weiß inzwischen längst, wie man einen Krimi effektvoll aufbaut. Mit Einschüben, zum Beispiel in Form von Nebenhandlungen (Waldes Familienleben mit seiner schwangeren Frau Doris und Tochter Annika), sorgt der Autor für längere Ungewissheit über das Schicksal von Personen oder das Ergebnis von Ermittlungen, und humorvolle Dialoge (“Die Luxemburger Staatskapelle spielt…” “Gegen wen?”) oder komische Situationen vor allem an Kapitel-Enden bieten die dramaturgisch nötige Entspannung. Spätestens nach Dreiviertel des Buches legt man es nicht mehr weg. Bei einem guten “tatort” schaltet man schließlich auch nicht nach einer Stunde um.

Was Martinis Moselkrimis neben der handwerklichen Qualität auszeichnet, ist das – manchmal auch mit einem breiten Pinsel aufgetragene – Lokalkolorit. Walde trinkt mit seinen Freunden “Ockfener Bockstein”, der Pathologe Hoffmann bekommt “Domsteinpralinen” geschenkt und die Tiere im Wildgehege des Weißhauswaldes werden mit Spezialfutter aus dem Automaten gefüttert. Für ortsunkundige Krimifreunde ist die Story bereits unterhaltsam, Trier-Kennern dürften die Anspielungen und lokalen Bezüge  ein zusätzliches Vergnügen bereiten. “Da waor eisch schon!”, “Su ass ett!” und “Dat is doch den…” werden keine seltenen Reaktionen von mit dem Stadtgeschehen vertrauten Lesern bei der Lektüre sein.

WerbungBei zahlreichen Figuren wie dem Intendanten Franz Kehlheim, dem Lokalsenderchef Eckhard Fürst und dem Journalisten und Opernfreund Sacher sind Parallelen zu wirklichen Personen unverkennbar. Etwas zu offensichtliche Hinweise auf Vorbilder gibt Martini durch Beschreibungen. Dafür ist der Wiedererkennungseffekt in direkter Rede umso subtiler. Der Autor trifft sehr genau den Sprachstil bekannter Trierer und Ex-Einwohner, gegen die er lustvoll Spitzen austeilt.

Charakteristisch für die Moselkrimis sind auch Bezüge zu aktuellen Ereignissen. In “Finale Mosel” spielt Martini beispielsweise auf die Diskussion um die Nutzung des Amphitheaters und die Kontrollen beim Altstadtfest an. Bekannt ist der Verfasser zudem für seine sorgfältige Recherche. Für eine hohe Authentizität in seinem neusten Werk hat er sich gründlich in verschiedenen Einrichtungen, Bauwerken und der Konzertwelt umgetan.

Auch wenn für René Tiefenbach der letzte Vorhang gefallen ist – das Ende der Reihe bedeutet der Titel des zehnten Falles nicht. “Der Name spielt nur auf die finale Vorstellung des Sängers an”, versichert Martini.

“Finale Mosel” (Weyand, 2009) erscheint zur Frankfurter Buchmesse am 14. Oktober.

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2 Leserbriefe | RSS-Abo

  1. salamander schreibt:

    Es ist verständlich,dass die lokale buchkritik den orstansässigen autor nicht verreisst.Man kennt sich,man sieht sich,vielleicht mag man sich sogar .

    Diese Regio-Krimis sind ja seit geraumer zeit ein durchaus ernstzunehmender faktor im tourismus-geschäft.

    “Finale Mosel” kenne ich nicht,aber die anderen werke von Martini habe ich mir angetan.

    Wie gesagt,es ist verständlich,dass die lokale…

  2. Dirk schreibt:

    Wenn ich der Kritik Glauben schenken darf, schließt die neue Geschichte in jeglicher Hinsicht an die bisherigen an. Freut mich sehr! Nun wünsche ich mir, dass möglichst bald auch das Hörbuch erscheint, weil ich leider mehr Zeit im Auto als auf dem heimischen Sofa verbringen muss…

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