Ideen für Triers fast vergessene Thermen
Unter Triers neun Welterbestätten fristen sie ein Schattendasein – die Barbarathermen im Süden der Stadt. Dabei war die Anlage einst die größte ihrer Art nördlich der Alpen. Bereits seit einem halben Jahrzehnt laufen nun Restaurierungsarbeiten, ist die Anlage nur über eine Aussichtsplattform zu besichtigen. Wie das Land als Eigentümer die Thermen dereinst präsentieren will, ist noch völlig ungewiss. Jan Weber und Eva Ziegler, Studenten der Fachhochschule, haben sich Gedanken gemacht, wie dem Welterbe mehr Beachtung verschafft werden könnte. Schließlich sind die beiden überzeugt davon, dass Triers fast vergessene Thermen eine Zukunft haben. Â
TRIER-SÜD. “Betreten der Baustelle verboten” warnt ein Schild am Eingang, der verschlossen ist. Das Gelände ist verwaist, weit und breit sind keine Touristen zu sehen. Jan Weber und Eva Ziegler, Studenten des Fachs Innenarchitektur der FH, möchten neues Leben in die Barbarathermen bringen und die Anlage vor allem durch digitale Spielereien aufwerten. Zentrale Idee des im Juni entwickelten “Stegreifs” bilden insgesamt vier begehbare würfelähnliche Boxen mit einem Volumen von 64 Kubikmetern. Drei davon sollen auf der ehemaligen Mittelachse der Thermenanlage angebracht werden, jeweils eine im Zentrum des Warm-, Lauwarm-, und Kaltbeckens. Eine weitere befände sich auf der gegenüberliegenden Seite der Südallee und würde als Hinweisschild auf die Attraktion dienen.
Der Clou des Entwurfs besteht darin, dass in den Boxen Bildschirme installiert werden, die eine digitale Rekonstruktion der Barbarathermen aus dem zweiten Jahrhundert anzeigen. Zudem soll der Betrachter, ausgestattet mit einem Infrarot-Stick, durch Bewegungsänderungen den Blickwinkel auf dem Bildschirm verändern können. Die technische Neuheit arbeitet nach dem von Johnny Chung Lee entwickelten “Wiimote Project”, welches sich auch der Videospiele-Hersteller Nintendo zu Eigen machte. Die Konstruktion rundet eine transparente Innenwand ab, die einen Vergleich zwischen dem ursprünglichen und dem heutigen Zustand des jeweiligen Teils der Barbarathermen ermöglichen soll.
Die beiden Studenten zeigen mit weiteren Ideen einen möglichen Weg in die Zukunft der Welterbestätte auf: So empfehlen sie, dass aus den 50er Jahren stammende Haus am Eingangsbereich neben der Südallee durch eine ganzheitliche Efeubewachsung zu einem “grünen Volumen” umzugestalten, das für Ausstellungen genutzt werden könnte. Ihrer Meinung nach fehlt auf dem Gelände eine Räumlichkeit für Schulklassen und größere Reisegruppen, in dem die geschichtliche Bedeutung und Entwicklung der Barbarathermen ausreichend dargestellt wird. Auch der Ausstellungsraum soll dabei ganz im Stile des Digitalzeitalters errichtet werden und durch einen Videowürfel den historischen Werdegang erläutern. Davor möchten die Nachwuchsarchitekten ein weiteres Gebäude platzieren lassen, das als Kassenraum und Zugang zum Kellergeschoss dienen kann. Die dritte bauliche Veränderung stellt eine Art Memorandum für den ehemaligen Geschlechterturm dar, der als Symbol in die Mitte des heutigen Geländes platziert würde.
Neben der fortschreitenden Digitalisierung von historischen Plätzen planen die angehenden Innenarchitekten eine weitere Besonderheit: Die Begehung der Thermen, so sieht es der Entwurf vor, soll den Besuchern während des ersten Jahres selbst überlassen bleiben. Danach erst würden Trampelpfade oder einzelne Begehungsbrücken installiert, die gegebenenfalls wieder umgebaut werden könnten, so die Idee. “Wir wollen bewusst kein Wegesystem schaffen, sondern den Besuchern die Wahl ihrer Gehwege selbst überlassen”, erläutert Jan Weber.
Das Vorhaben, die römischen Ruinen im Süden der Stadt aufzuwerten, ist nicht neu: Seit der Schließung der Anlage und dem Beginn der Restaurierungsarbeiten gab es bereits mehr als 30 Einzelprojekte, die von der FH Trier und anderen Hochschulen entwickelt wurden. Allein es fehlte bislang das Geld, um dem Wunsch nach einem Mehr an kultureller Bedeutung für die in der Mitte des 19. Jahrhunderts ausgegrabene Anlage gerecht zu werden. “Ich kann mir ehrlich gesagt nicht erklären, warum diese überaus wichtige römische Stätte im touristischen Trier weniger Bedeutung genießt als beispielsweise die Kaiserthermen. Da muss etwas getan werden”, fordert Eva Ziegler.
Tatsächlich waren die Barbarathermen zum Zeitpunkt ihrer Errichtung die zweitgrößte Badeanlage im Römischen Reich, übertroffen nur von den Trajansthermen in Rom. Ein Grund für die marginale Bedeutung im Stadtbild ist indes auch, dass ein Großteil heute nicht mehr sichtbar und nur ein kleiner Ausschnitt der riesigen Anlage noch vorhanden ist. Seit 2004 wird die Anlage zudem restauriert und ist für Besucher unzugänglich. Nach Abschluss der Arbeiten sollen die derzeit provisorisch überdachten Ruinen wieder freigelegt werden.
“Die Barbarathermen sind Teil eines großen Sanierungsprogramms des Weltkulturerbes in Trier. Die einzelnen Stegreife und Projekte der Studierenden dienen uns als Ideensammlung. Die Umsetzung erfolgt dann über ein professionelles Architektenbüro”, erklärte auf Nachfrage Thomas Metz, Leiter der Generaldirektion Kulturelles Erbe in Rheinland-Pfalz. Wann die Realisierung eines der vielen Entwürfe von der Landesregierung angepackt wird, steht jedoch noch in den Sternen.
von Volker Haaß





22. Oktober 2009 (18:55 Uhr)
Man sollte sich erst einmal einen besseren Namen einfallen lassen! “Barabarathermen” klingt irgendwie altmodisch und doof.
Besser fände ich z.B. “HadrianThermen” (sie gleichen den Thermen, die Hadrian in Nord-Afrika bauen ließ) oder “Marcus Aurelius Thermen” (zu seiner Zeit könnten sie gebaut worden sein).
“Megathermen” oder “Kolossalthermen” wäre auch nicht schlecht.
22. Oktober 2009 (22:47 Uhr)
Wie wäre es mit Giga- oder Hyperthermen? Oder Helmut-Schröer-Gedächntis-Thermen?
23. Oktober 2009 (12:31 Uhr)
Das ist ein interessanter Vorschlag, auch die Benennung in ein neues Konzept mit einzubeziehen!
Der Name stammt zwar von der – natürlich – wesentlich jüngeren Pfarrei, aber Barbara ist ja ein römischer Name, der “die Barbarin” bedeutet. Und passt das nicht als Name für das Volksbad – im Gegensatz zu den Kaiserthermen als Prachtbad?
“Altmodisch und doof” ist da vielleicht etwas unscharf als Argument ….
Könnte sich das nicht gut mit vermarkten lassen: Ein Wettbewerb zur Namensfindung mit großer Abschlussveranstaltung in den Thermen, bei der das neue Schild enthüllt wird. Das würde auch zur Auseinandersetzung mit dem Thema innerhalb Triers beitragen.
23. Oktober 2009 (18:10 Uhr)
Ich bin wirklich sehr technikaffin, mag solche Spielereien sehr und kann die ambitionierten Vorschläge der FHler eigentlich nur loben, aber (musste ja kommen, das aber):
1.) Wer soll das bezahlen, wer hat so viel Geld?
2.) Wer soll das unterhalten und warten? (Man sieht z.B. an dem Abfahrtszeitensystem für Busse sehr schön, daß technische Anzeigen in der Öffentlichkeit nicht funktionieren)
3.) Wer soll das beschützen? Gegen Vandalismus, Diebstahl etc. Oder sollen die Barbarathermen so eingemauert und aus dem Stadtbild ausge-x-t werden wie die Kaiserthermen?
Die Barbarathermen aufzuwerten, schön und gut. Aber für mich bestand ein ‘Wert’ auch darin, daß diese Thermen (weil abseits von den üblichen Touristenroute Porta-Palastaula-Kaiserth.-Amphith.) weniger überlaufen waren.
24. Oktober 2009 (13:50 Uhr)
@Julius
Für mich hatten die Barabarathermen auch diesen besonderen Charme einer vergessenen alten Ruine abseits des Touristenstroms. Es wäre eigentlich schön, gerade das zu erhalten und aus diesen ehemals größten Thermen nördlich der Alpen einen Geheimtipp für wirklich historisch Interessierte zu machen.
Dabei würde es mir gefallen, wenn man durch wechselnde Ausstellungen in dem (erweiterten oder umgebauten) Haus am Eingangsbereich auf z.B. die Geschichte dieser Anlage, das römische Badewesen im Allgemeinen hinweisen könnte und auch vereinzelte Objekte, die dort gefunden worden sind (und jetzt im Landesmuseum sind), zeigen würde.
12. Juni 2010 (10:06 Uhr)
Was ist denn jetzt mit den Barbarathermen?
Wir machen als Klasse einen Ausflug nach Trier.
Sind die Resataurationsarbeiten beendet?
Was ist aus dem Projekt der Fachhochschüler geworden?
Übrigens finde ich den Namen barbarathermen passend.