Auch am Neckar nichts zu holen
Die TBB verliert ihr zweites Auswärtsspiel gegen EnBW Ludwigsburg mit 93:65. Ausschlaggebend war eine sehr starke, voll motivierte Heimmannschaft – und eklatante Schwächen in der Trierer Defensive.
LUDWIGSBURG. Triers Coach Yves Defraigne war sauer und machte keine Anstalten, das zu verbergen: “Wir haben gespielt wie letzten Freitag gegen Göttingen – leider ohne die gute Offensive, dafür defensiv genau so schlecht. Im Moment spielen wir nicht wie ein Playoff-Team, wir verhalten uns auswärts richtiggehend dämlich”, so das Fazit des 44-jährigen Belgiers in der abschließenden Pressekonferenz; das Ganze vorgetragen in mühsam beherrschtem Ton und mit einem Gesichtsausdruck, der sehr an Tommy Lee Jones in “Men in Black” erinnerte, als er versucht Will Smith von dummen Fehlern im Gebrauch mit der Super-Waffe abzuhalten.
Wie kam’s?
Die TBB ging tatsächlich mit dem Rückenwind aus dem starken Heimsieg gegen Göttingen in die Partie. Knapp 2800 Zuschauer in der neuen Ludwigsburg Arena sahen einen George Evans, den die EnBW Ludwigsburg zunächst nur schwer stoppen konnte; vor allem Brian Brown setzte den Trierer Center immer wieder in Szene oder punktete selbst. Bis auf 6:10 konnte sich Trier absetzen, bevor Ludwigsburgs Routinier Quadre Lollis den ersten von insgesamt 14 Ludwigsburger Dreiern versenken konnte: 9:10.
Schon gleich nach der Anfangsphase zeigte Trier Schwächen in der Defensive, ließ vor allem Michael King viel zu frei gewähren. Der Shooting Guard und spätere Topscorer der Partie (22 Punkte) traf zwei Dreier in Folge zum 17:12, einen davon aus dem Fastbreak. Defraignes folgerichtige Auszeit zeigte nur begrenzt Wirkung, Ludwigsburg konnte bis zum Viertelende locker weiter punkten (weitere Dreier von Chaney und King). Zudem stimmte jetzt die Intensität in der Verteidigung auf Seiten der Hausherren, die sich von guter Stimmung in der sehr schönen neuen Halle anstecken ließen. Lediglich zwei Dreier von Derek Raivio hielten die Trierer im Spiel, mit 25:20 ging es in die Viertelpause.
Trier tat sich auch im zweiten Viertel schwer mit der gut organisierten Ludwigsburger Offensive. Ein ums andere Mal gelangen den Hausherren saubere Pick-and-Roll-Situationen. Dazu kam eine Dreierquote von gefühlten 100 Prozent, dabei aufgrund der laschen Trierer Verteidigung kein einziger Notwurf. Auch die nächste Trierer Auszeit beim Stand von 37:22 änderte daran nur wenig; die Gäste kamen lediglich durch eine zweifelhafte Foulentscheidung des mittelmäßigten Schiedsrichtertrios noch einmal in Schlagdistanz: Richard Stokes pfiff ein Unsportliches Foul gegen DavidMcCray, Trier holte vier Punkte aus Evans’ Freiwürfen und dem anschließenden Ballbesitz zum 37:30; doch Ludwigsburgs Antwort bestand kurz darauf wieder aus einem getroffenen Dreier von Richard Chaney. Maksym Shtein kann mit der Hupe zur Halbzeitpause noch auf 43:34 verkürzen und den Vorsprung damit einstellig machen – psychologisch wichtig, aber in Anbetracht des Spielverlaufs nicht wirklich als günstige Prognose verwertbar.
Im dritten Viertel spielten dann fast ausschließlich die Barockstädter. Trier fand defensiv nach wie vor kein Mittel und rannte sich ein ums andere Mal in der Ludwigsburger Defense fest. Chaney, King und Center Kyle Visser punkteten scheinbar nach Belieben bis zum 68:48 Pausenstand.
Trier wirkte im vierten Viertel nervlich und körperlich fertig. Routinier James Gillingham kassierte wegen einer Rangelei mit Youngster Philipp Heyden ein technisches Foul und musste daher mit fünf Fouls auf die Bank; danach fehlte der Mannschaft endgültig der Kopf. Heyden traf kurz darauf mit nur einer Sekunde auf der Schussuhr nach Einwurf zum 85:57. Zwei Minuten vor Ende stand Maik Zirbes während eines Trierer Angriffs beim Stand von 89:57 völlig abwesend in der Gegend herum und produzierte damit einen hässlichen Fehlpass – klare Verhältnisse in der neuen Arena.
Mit 93:65 endet das zweite Auswärtsspiel der TBB katastrophal – auch wenn gegen die Hausherren in dieser Verfassung nichts zu holen war, ist die Niederlage in der Höhe besorgniserregend. Der “Man in Black” Defraigne gelobte denn auch Konsequenzen: “Die Playoffs können wir erst mal vergessen – wir denken jetzt von Spiel zu Spiel. Und wir werden gleich im nächsten Training damit anfangen, diese Fehler abzustellen.”
Beste Trierer:
George Evans: 14 Punkte, 6 Rebounds – konnte sich verschiedentlich gegen Kyle Visser durchsetzen.
Chris Copeland: 13 Punkte – in der ersten Hälfte aufgrund starker Defense fast völlig abgemeldet, in der zweiten Hälfte annähernd in Normalform.
von Tom Rüdell




