“Die waren besser. Fertig. Aus.”

Nicht nur Sahr Senesie war frustriert: Eintracht Trier trat nicht so auf, als habe man den 1. FC Köln mit allen Mittel besiegen wollen. Foto: Daniel Prediger2009 ist nicht 1997. Für Eintracht Trier reichte es gestern Abend nicht zur großen Pokal-Sensation gegen den 1. FC Köln. Weil die Rheinländer sich keine Blöße gaben und den Trierern Mut und Ideen fehlten, verabschiedet sich der Viertligist chancenlos aus dem Achtelfinale. Der einzige Trierer Gewinn ruhte nach dem Spiel auf den Schultern von Sahr Senesie.

TRIER. Der Angreifer hat vor dem Spiel immer wieder gerne betont, wie gut er sich nach gemeinsamen Zeiten in der Jugendnationalmannschaft mit Lukas Podolski verstehe. Als sichtbares Zeichen dafür sicherte er sich nach dem Schlusspfiff das Kölner Trikot mit der Nummer 10, das zuvor der deutsche Nationalstürmer 90 Minuten spazieren trug.

Weder Podolski noch seinen Mitspielern war große Mühe anzusehen beim 3:0-Erfolg gegen Trier. Der Klassenunterschied zeigte sich in der Lässigkeit, mit der der FC das Spiel kontrollierte und nur das Nötigste für den sicheren Sieg tat. “Wir haben uns 20 bis 25 Minuten gut gewehrt”, befand ein wenig begeisterter Mario Basler nach dem Spiel. Danach setzten die Kölner ihre Überlegenheit auch in Tore um.

Erst nutzten sie einen Stellungsfehler der Trierer Defensive zu einer sehenswerten Kombination. Milivoje Novakovic vollendete nach einer misslungenen Abseitsfalle mühelos zum 0:1 (25. Minute). Gerade mal vier Minuten später köpfte Abwehrspieler Mohamad zum 0:2 ein. Zwischen den beiden Toren meinte ein Zuschauer auf der Haupttribüne: “Bis 0:2 holen wir auf”. Er sollte sich irren.

Wenig zu sehen war anschließend vom Trierer Kampfesmut, den eine Legion als Römer Verkleideter vor dem Spiel demonstrierten sollte. Nur eine einzige gelbe Karte gab es zu notieren auf Seiten der in jeglicher Hinsicht harmlosen Trierer. Selbst Basler hatte sich etwas mehr Engagement und Einsatz gewünscht, wie er auf der Pressekonferenz sagte. Das fehlende Selbstvertrauen nach zuletzt vier Niederlagen in der Regionalliga tat sein übriges dazu, dass Trier nicht in das Spiel zurückfand. “Die Kölner haben das clever gemacht und Trier nicht mehr ins Spiel kommen lassen”, sagte der ehemalige FIFA-Schiedsrichter Herbert Fandel, der die Begegnung als Zuschauer verfolgte, nach dem Spiel.

Eintracht ohne Ehrentreffer

Das endgültige Aus für die Trierer Pokal-Träume war das 0:3. Ein Schuss des Portugiesen Maniche wurde unhaltbar für Kenneth Kronholm abgefälscht (52.). Dass es bei diesem, noch einigermaßen erträglichen Ergebnis blieb, ist dem Aluminium verdanken, das sowohl Podolski als auch Maniche trafen. Zwar kam der SVE noch zur ein oder anderen Chance, aber der eingewechselte Florian Bauer und Senesie vergaben ihre Chancen zum Ehrentreffer. “Die waren besser. Fertig. Aus.” Die knappe Analyse von Senesie war mal wieder treffend. Ebenso wie die von Mittelfeldlegende Wolfgang Overath: “Das war ziemlich eindeutig, Trier hatte kaum eine Chance”, sagte der Präsident des 1. FC Köln gegenüber 16vor. “Man hat gesehen, dass da ein paar Klassen dazwischen lagen.”

Den verdienten Applaus gab es anschließend für mitreißende Pokalspiele in dieser Saison. Leider gehörte das Achtelfinale nicht in diese Kategorie. Dass es in dieser Saison aber noch mindestens ein weiteres Pokal-Erfolgserlebnis für Eintracht Trier geben wird, ist seit diesem Abend ausgemachte Sache: Die Auslosung zur vierten Runde des Rheinland-Pokals ergab am Dienstag die Paarung Eintracht Trier II gegen Eintracht Trier. Der Gewinn des regionalen Pokals und die damit verbundene Qualifikation für den DFB-Pokal ist eines der verbleibenden Trierer Saisonziele.

Und was bleibt von dieser Pokalsaison? Zwei Runden lang wurde Eintracht ihrem Ruf als Favoriten-Schreck gerecht, auch wenn sie nicht wie 1997 zwei Europapokal-Sieger, sondern mit Hannover und Bielefeld “nur” zwei graue Mäuse des deutschen Profifußballs aus dem Wettbewerb kegelte. Das Wichtigste in der aktuellen Situation dürften die Einnahmen sein, die sich der Club mit dem Einzug ins Achtelfinale verdient hat. Bleibt zu hoffen, dass es in der Regionalliga bald aufwärts geht, damit die Verantwortlichen das Geld nicht in einen neuen Trainer investieren müssen.

Eintracht Trier: Kronholm – Kempny (36. Anicic), Lacroix, Cinar, Dingels – Reinhard (66. Bauer), Anfang (36. Pektürk), Wagner, Schulz – Senesie – Risser

1. FC Köln: Mondragón – Ehret, Mohamad, Geromel (54. McKenna), Brecko – Petit (88. Pezzoni), Maniche, Podolski, Freis – Ishiaku, Novakovic

Tore: 0:1 Novakovic (25.), 0:2 Mohamad (29.), 0:3 Maniche (52.)

Zuschauer: 10.800 (ausverkauft)

Schiedsrichter: Marco Fritz (Korb)

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6 Leserbriefe | RSS-Abo

  1. Super Mario schreibt:

    “Bleibt zu hoffen, dass es in der Regionalliga bald aufwärts geht, damit die Verantwortlichen das Geld nicht in einen neuen Trainer investieren müssen.”

    Die Eintracht sollt das Geld wohl eher brauchen, um Verbindlichkeiten (auch bei der Stadt) zu tilgen.

    Jetzt dürfen sich die Kartenkäufer erst einmal auf das nächste hochklassige Regionalliga-Heimspiel freuen, daß man ihnen ja so großzügig mit ins DFB-Pokal-Bundle gepackt hat.

  2. mokkaschnitte schreibt:

    Das Spiel: erwartungsgemäß. Aber ich hatte gleich zu Beginn schon ein komisches Gefühl, als ich von zwei musikalischen Darbietungen lokaler Karaokesänger traumatisiert wurde. Ach ja und noch ein Tipp an die Veranstalter: Muss man eigentlich von Musik und Sprechern akustisch dermaßen zugedrönt werden, dass man noch nicht mal Fangesänge versteht? Leider eine Unart, die man auch beim TBB massiv betreibt und als “Stimmungsmache” missversteht. Früher sprachen die Zuschauer über das Spiel und das Wetter und waren -glaub ich- auch gut unterhalten. Man sollt es nicht übertreiben.

  3. Michael Merten schreibt:

    Kompliment an die Mannschaft der Eintracht! Gegen die Kölner Erstliga-Kicker hattet ihr einfach keine Chance, da sie sehr konzentriert und professionell aufgetreten sind. Aber ihr habt euch bis zuletzt immer wieder gewehrt und einige schöne Chancen herausgeholt. Schade, daß es nicht wenigstens zum Ehrentreffer gereicht hat. Danke für eine insgesamt sehr spannende Pokalsaison!

  4. Mike schreibt:

    Ich bedauere als alter Eintrachtler lediglich die Trierer Zuschauer, die sich ob der spielerischen Stärke der Eintracht-Mannschaft und ihres schwachen Auftritts verschaukelt vorkommen dürften. Wo war das Aufbäumen, wo der Siegeswille? Damit keine Missverständnisse aufkommen: Nicht das Ergebnis, sondern die Art und Weise seines Zustandekommens ist, gemessen an der Klasse dieser Eintracht-Elf, einfach enttäuschend. Aufkommende Vergleiche mit den Uerdingen-Bezwingern sind geradezu lächerlich. Mit deren Einstellung wäre ein schwacher FC vielleicht zu schlagen, mindestens jedoch zu ärgern gewesen. Dabei wäre Siegeswille, dessen Nonexistenz gleich aus dem innersten Mannschaftskreis (medial wirksam) bestätigt wurde, Grundvoraussetzung sein. Arme alte Dame Eintracht, ich leide einmal mehr mit dir.

  5. genauso schreibt:

    Zitat Supermario:

    ” Die Eintracht sollt das Geld wohl eher brauchen, um Verbindlichkeiten (auch bei der Stadt) zu tilgen. ”

    Das finde ich lustig. Sie glauben doch nicht ernsthaft, dass die jemals ihren Verbindlichkeiten gegenüber der Stadt nachkommen ……

  6. Super Mario schreibt:

    Zitat genauso:
    “Das finde ich lustig. Sie glauben doch nicht ernsthaft, dass die jemals ihren Verbindlichkeiten gegenüber der Stadt nachkommen ……”

    Ich finde das auch lustig! Deshalb eben auch der Konjunktiv ;-)

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