Bewerbermangel trotz “Klausurenschutz”

Alles unter einen Hut zu bringen wird für jobbende Studenten immer schwieriger. Foto: Simone DürmuthTausende Studenten starteten in diesen Tagen ihr Studium an Fachhochschule und Universität. Viele von ihnen werden in den kommenden Wochen und Monaten auch auf den Trierer Nebenjobmarkt strömen. Die Umstellung auf Bachelor und Master hat die zeitlichen Möglichkeiten, sich nebenher noch etwas hinzuzuverdienen, jedoch merklich eingeschränkt. Das bekommen inzwischen auch jene Unternehmen zu spüren, die seit jeher stark auf studentische Aushilfskräfte setzen und nun Schwierigkeiten haben, qualifiziertes Personal zu finden.

TRIER. Ums finanzielle Überleben kämpfen dank Bafög, Studienkrediten, Stipendien sowie der  Unterstützung durch die Eltern zwar nicht viele Studenten, doch ein Großteil geht nebem dem Studium noch einer Beschäftigung nach. Der Soziologie-Student Paul Hanert beispielsweise wird von seinen Eltern unterstützt, verdient sich aber selbst noch etwas dazu:”Von dem Geld meiner Eltern zahle ich Miete und Essen. Aber den Urlaub leiste ich mir von meinem eigenen Geld”, berichtet der 24-Jährige. Ganz anders ergeht es hingegen Inci Wasner: Sie bekommt kein Bafög, und die Unterstützung durch ihre Mutter reicht nicht einmal für die Miete: “Würde ich nicht arbeiten, könnte ich nicht studieren”, bringt die BWL-Studentin ihr persönliches Dilemma auf den Punkt.

Die finanzielle Situation von Inci Wasner begann sich zu verschlechtern, als sich das Bafög-Amt im ersten Semester mit den Zahlungen verspätete – was durchaus kein Einzelfall ist. Da sich die getrennt lebenden Eltern außerstande sahen, ihre Tochter übergangsweise zu unterstützen, machte diese Schulden; mehrere Monate lebte sie “auf Pump”. Als das Bafög-Geld endlich überwiesen wurde, war das Konto der Studentin bereits tief im Minus. “Um die Schulden schnell zurückzahlen zu können, bin ich so viel wie möglich arbeiten gegangen”, erzählt Inci Wasner, doch “das hat sich negativ auf mein Studium ausgewirkt. Im fünften Semester schließlich konnte ich nicht genug Scheine vorweisen und das Bafög wurde mir gestrichen”.

Inzwischen ist die 25-Jährige im 11. Semester und der Abschluss liegt noch in weiter Ferne. Zugleich wird der Zeitdruck immer größer, denn aufgrund der Umstellung auf Bachelor/Master-Studiengänge werden Kurse für die Diplomabschlüsse bald nicht mehr angeboten. Trotzdem arbeitet Inci Wasner jede Woche bis zu 20 Stunden, um sich ihr Studium zu finanzieren.

Eine solche zusätzliche Arbeitsbelastung ist aufgrund der strikten Stundenpläne für Bachelor-Absolventen kaum mehr vorstellbar. Das merken auch die Betriebe, die vorwiegend Studenten beschäftigen: Seit der Umstellung gehe die Zahl der Bewerbungen deutlich zurück, berichten einige Unternehmer. Beim Outdoor-Ausstatter “Kleine Fluchten”, wo drei Viertel des Personals von Hochschülern gestellt werden, ist die Personaldecke inzwischen so dünn, dass man überlegt, einen weiteren Festangestellten einzustellen. Erschwerend kommt hinzu, dass die Bewerber einiges an Fachwissen aus dem Outdoor-Bereich mitbringen und sich eher langfristig an den Betrieb binden sollten.

Aber auch in der Gastronomie, wo häufig auf studentische Arbeitskräfte gesetzt wird, sorgt der Bewerbermangel inzwischen für Probleme: Beispielsweise im “Zapotex”, wo zur Zeit zehn Studenten und lediglich zwei Festangestellte beschäftigt sind. Laut Uwe Jeismann, Personalchef der Kneipe, würde man gerne noch ein bis zwei Studenten zusätzlich einstellen – allein es mangelt an Bewerbungen. Achim Wagner, Leiter der Jobvermittlung für Studenten der Agentur für Arbeit in Trier, bestätigt diesen allgemeinen Trend: “Seit der Umstellung gehen die Anfragen an unsere Jobvermittlung deutlich zurück. Wenn, dann suchen die Studenten Jobs für die Semesterferien”.

Dabei passen sich Betriebe wie das “Zapotex” den Bedürfnissen der Hochschüler durchaus an: Einst von Studenten gegründet, die sich damit ihr Studium finanzierten, legt man nach wie vor großen Wert darauf, fast ausschließlich Leute vom Campus zu beschäftigen. Darum wurde auch der “Klausurenschutz” eingeführt: “Für unsere Studenten geht das Studium natürlich immer vor. Wer Prüfungen hat, der arbeitet in dieser Zeit weniger oder gar nicht. Das bringt ja nichts, wenn die bei uns die Nacht durcharbeiten und dann durch die Klausuren rasseln”, erklärt Uwe Jeismann.

Simone Dürmuth

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9 Leserbriefe | RSS-Abo

  1. keinname schreibt:

    Herzlich willkommen in der Realität von Bachelor und Master…

  2. Anja Matatko schreibt:

    “denn aufgrund der Umstellung auf Bachelor/Master-Studiengänge werden Kurse für die Diplomabschlüsse bald nicht mehr angeboten.”

    Wo steht das denn? Sämtliche Diplomveranstaltungen heißen nun vielleicht anders, aber es gibt doch für jeden Diplom-Kurs einen Bachelor- oder Master-Kurs, der als äquivalent anerkannt wird! Warum sollte sich daran “bald” etwas ändern?

  3. marcus schreibt:

    Liebe Trierer Studis: Mal schlau machen, was in Österreich gerade passiert (http://www.taz.de/1/zukunft/wissen/artikel/1/uni-brennt-weiter/) und dann selbst aktiv werden: http://www.bildungsstreik.net/wir-machen-weiter/

  4. su ass et schreibt:

    Ein Skandal allererste Klasse, das viele Firmen jetzt gezwungen sein sollen richtiges, nach Tarif zu bezahlendes, Personal einzustellen.

    Wo bleibt eigentlich die Revolution?

  5. Hyperboreas schreibt:

    @Anja Matatko

    Das steht z.B. in den BA/MA-FAQ der Uni Trier:
    “Zu bedenken ist allerdings, dass – wenn sich Ihr Studium lange hinzieht (lange heißt mehr als 2-4 Semester über der Regelstudienzeit) – Sie damit rechnen müssen, dass die Veranstaltungen für Ihren Abschluss wegfallen und nur noch solche für die neuen Abschlüsse angeboten werden.”
    Und das ist auch Realität. In einigen Studiengängen sind Veranstaltungen, die im alten System vorgesehen waren, im neuen System weggefallen, d.h. es gibt möglicherweise für jemanden, der nach den alten Ordnungen studiert, eben keine äquivalente neue Veranstaltung. Faktisch werden also die alten Studiengänge unstudierbar, wenn man dem Plan 1 oder zwei Jahre hinterherhinkt.

  6. Thomas Walter schreibt:

    “Beim Outdoor-Ausstatter “Kleine Fluchten”, wo drei Viertel des Personals von Hochschülern gestellt werden, ist die Personaldecke inzwischen so dünn, dass man überlegt, einen weiteren Festangestellten einzustelle”

    Furchtbare BaMa-Welt – jetzt müssen Firmen Leute schon festanstellen, weil die Billigkräfte keien Zeit haben. Wo soll denn das hinführen? Nachher können Unternehmen den Betrieb nicht mehr mit 90% Praktikanten/Minijobbern laufen lassen, sondern müssen tatsächlich Perspektiven bieten. Oder gar Leute anstellen, die keinen halben Hochschulabschluss haben.

  7. Torsten Egner schreibt:

    @Anja Matatko

    Ich habe erfahren, dass an Ihrem Lehrstuhl Kartographie in diesem Semester bestimmte Vorlesungen nicht stattfinden, die für Studierende im Hauptstudium vorgesehen sind. Studierende, die trotzdem in diesem Semester die erforderliche Zahl an Semesterwochenstunden erreichen wollen, um zur Diplom-Prüfung zugelassen zu werden, müssen eine Veranstaltung im Bereich Fernerkundung besuchen. Diese Veranstaltung ist grundlegend anders konzipiert und erfordert einen wesentlich höheren Zeit- und Arbeitsaufwand. Womit wir wieder beim Thema wären: solche Studierende haben erheblich weniger Zeit für Nebenjobs und anderes zur Verfügung.
    (Ich bin davon nicht betroffen. Falls die Schilderung auf einer Fehlinformation beruht, bitte ich um Entschuldigung. Das können Sie ggf. gerne richtig stellen.)

  8. Philipp schreibt:

    @ Thomas: Da stimme ich instinktiv erstmal zu. Jedoch handelt es sich gerade bei Leuten, die trotz Hilfe durch Eltern UND Bafög nicht genug haben, um ein zweischneidiges Schwert. Bei Fällen wie den oben geschilderten weiß ich ehrlich gesagt auch nicht, was die denn sonst machen sollte.

  9. bacheloropfer schreibt:

    bachelor und master ist sowas von verschult und schränkt uns total ein, was belegungen von vorlesungen uä angeht. ich würde und müsste neben dem studiu arbeiten, aber bei fünf vollen wochentagen dürfte das nich gehen. die wochenendjobs sind unwahrscheinlich begehrt, so dass von knapp 15 studenten kaum alle angepasst an ihren stundenplan jobben könnten.
    herzlichen dank an den überflüssigen bologna-prozess, der ein gutes system auf international trimmen will und somit runterschraubt…

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