“Wir schließen nichts aus!”

Der Kita auf dem Trimmelter Hof - hier vor der Sanierung - droht erneut die Schließung. Archiv-Foto: Marcus StölbDer aufwändig sanierten Kindertagesstätte auf dem Trimmelter Hof droht erneut die Schließung. Mit dieser Hiobsbotschaft von der Tarforster Höhe überraschte Bürgermeister Georg Bernarding (CDU) am Donnerstagmittag in einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz. Weil mehrere Erzieherinnen und auch einige Kinder über unterschiedlichste Beschwerden klagen, veranlasste die Verwaltung mehrere Raumluftanalysen. Deren Ergebnisse werden aller Voraussicht nach kommende Woche vorliegen, doch im Rathaus trifft man bereits Vorbereitungen für einen neuerlichen Umzug in ein Ausweichquartier.

TRIER. Augenreizungen, Atemnot, Probleme mit den Nasennebenhölen, Müdigkeit, triefende Nasen – lang ist die Liste der Symptome, über die mehrere Erzieherinnen der Kindertagesstätte auf dem Trimmelter Hof klagen. Doch all die Beschwerden haben auch eines gemeinsam: ihre Ursache ist bislang völlig unklar. Klar scheint nur, dass ein Zusammenhang zwischen den Symptomen und dem Arbeitsplatz der betroffenen Frauen existiert. Deshalb nehme man die Situation “sehr ernst”, versicherte Georg Bernarding am Mittag gegenüber der Presse.

Der Bürgermeister und Sozialdezernent machte aus seiner Verärgerung keinen Hehl, doch mit Schuldfragen wollte sich Bernarding nicht lange aufhalten. Zumal ja erst einmal geklärt werden muss, welches die tatsächlichen Ursachen für die körperlichen Beschwerden bei den Kita-Beschäftigten sind. “Wir schließen nichts aus”, stellte der Dezernent klar, der denn auch zunächst die Ergebnisse von mehreren Raumluftanalysen abwarten möchte. Unter anderem ist auch dieses Mal das Gesundheitsamt eingeschaltet. Darüber hinaus beauftragte das Rathaus zwischenzeitlich ein Spezialinstitut in Oberursel damit, ein so genanntes VOC-Screening vorzunehmen. Hierbei wird die Raumluft auf “volatile organic compounds” (VOC), zu Deutsch leichtflüchtige organische Verbindungen untersucht, erläuterte Klaus-Peter Quiring vom Amt für Gebäudewirtschaft der Stadt am Donnerstag in einer eiligst einberufenen Pressekonferenz.

Quiring hält es für nahezu ausgeschlossen, dass die Kita erneut von Schimmel befallen sein könnte. Tatsächlich hatte das Gesundheitsamt noch eine Woche vor Wiedereröffnung der Einrichtung am 10. August gezielte Messungen der Raumluft vorgenommen, bei denen nichts auf einen neuerlichen Schimmelbefall hindeutete. Dass sich hieran innerhalb der vergangenen Wochen etwas geändert haben könnte, gilt als eher unwahrscheinlich.Lediglich in einem Punkt hofft die Verwaltung, rasch Abhilfe schaffen zu können: Die Erzieherinnen berichten auch über zeitweilig üblen Geruch in den Räumen. Hier scheint es Probleme mit der neuen Lüftung zu geben. Quiring glaubt indes nicht, dass die Beschwerden der Frauen und einiger Kinder darauf zurückzuführen sind.

Ratlosigkeit und Verärgerung im Rathaus

Liegt die Ursache im Boden? Der Linoleumbelag wurde im Zuge der Arbeiten nicht ausgetauscht. Archiv-Foto: Marcus StölbWas die Ursachenforschung weiter erschweren dürfte: Mit Ausnahme der Lüftung sowie mehrerer Seekieferplatten in der Dachverkleidung, die im Zuge der Sanierung durch Gibsbetonplatten ausgetauscht wurden, sind keine neuen Baustoffe in die Einrichtung eingebracht worden. Auch deshalb konzentriert sich das Interesse nun auf den Fußboden, dem Proben entnommen wurden. Doch der Linoleumbelag wurde im Rahmen der Arbeiten nicht ausgetauscht, und weil die Beschwerden der Erzieherinnen erst nach dem Wiedereinzug auftauchten, ist auch hier fraglich, ob man der Ursache näher kommt.

Für alle Beteiligten ist die Situation, diplomatisch formuliert, mehr als misslich. Mehr als 20 Monate war die Kita wegen Schimmelbefall und Sanierung geschlossen. In dieser Zeit mussten die Kinder in Ausweichquartieren auf dem Petrisberg untergebracht werden. Das verursachte nicht nur zusätzliche Ausgaben für die Miete der Räume (Kostenpunkt: mehr als 4.400 Euro monatlich), sondern machte auch einen Bus-Shuttle-Service notwendig. Allein dieser Transfer zum Petrisberg und wieder zurück belastete das städtische Budget mit 260 Euro am Tag. Insgesamt kostete die Sanierung und die vorübergehende Auslagerung der Kinder samt Erzieherinnen die Stadt bislang mehr als 800.000 Euro. Hiervon entfielen laut Verwaltung rund 580.000 Euro auf die eigentliche Sanierung. Die Endabrechnung liege aber noch nicht vor, heißt es.

Doch nicht minder schwer wiegen die Umstände für Erzieherinnen und Eltern. Die arrangierten sich so gut es ging mit dem unfreiwilligen Ausnahmezustand. Stünde der Kita nun ein neuerlicher Umzug ins Haus, dürfte der Frust bei vielen Betroffenen groß sein. Bernarding hat dafür vollstes Verständnis, er selbst sei auch “nur noch verärgert” über die Situation. Doch zugleich verhehlten Bernarding, Quiring und der ebenfalls anwesende Jugendamtsleiter Achim Hettinger auch nicht ihre momentane Ratlosigkeit.

Die könnte noch größer werden, sollten die Ergebnisse der nun veranlassten Untersuchungen zu keinem Ergebnis führen, mit dem sich die Beschwerden bei den Erzieherinnen erklären lassen. Dann könnte der Kita drohen, was im alten Polizeipräsidium in der Südallee seit Jahren Status quo ist.

Print Friendly

von

1 Leserbrief | RSS-Abo

  1. Achterberg kai schreibt:

    Es gibt doch Gutachter? Eventuell sollten Fachbüros bzw. staatlich anerkannte
    Prüfer ans Werk.

Schreiben Sie einen Leserbrief

Angabe Ihres tatsächlichen Namens erforderlich, sonst wird der Beitrag nicht veröffentlicht!

Bitte beachten Sie unsere Kommentarrichtlinien!

Noch Zeichen.

Unterstützen

In Evernote merken