Deutliche Rückmeldung

Die Konsequenz eines Donnerwetters: Die TBB Trier schießt die Paderborn Baskets mit 99:63 aus deren eigener Halle. Im Vergleich zu den letzten beiden Spielen wirkten die Trierer dabei wie ausgewechselt und zeigten eine starke Mannschaftsleistung.

PADERBORN. Auswärts gegen Ludwigsburg und zu Hause gegen Braunschweig hatten die Mannen von Yves Defraigne noch ganz schön alt ausgesehen, dem jeweiligen Gegner viel zu viel gestattet und folgerichtig den Unmut ihres Trainers auf sich gezogen. Der kündigte Konsequenzen an – und die zeigten Wirkung.

Der Trierer Starting Five (Brown, Gillingham, Shuler, Copeland, Evans) war schon in der ersten Minute anzumerken, dass sie sich nicht ein drittes Mal abschießen lassen wollte, schon gar nicht beim Tabellen-Siebzehnten Paderborn. Offensiv wurde engagiert der Weg ans Brett gesucht und auch mehrmals gefunden; in der Defensive standen die Trierer deutlich besser als die Gastgeber, die den Einstieg in die Partie komplett verschliefen: 2:8 nach Punkten von Gillingham und Evans, 4:11 nach einem Korbleger mit verwandeltem Bonusfreiwurf von Brian Brown, 6:13 durch George Evans nach schönem Zuspiel von Miladin Pekovic. Trier war drin in der Partie, Paderborn lief hinterher. Yves Defraignes vielzitierter “Gameplan” funktionierte wie am Schnürchen: Die Zone attackieren, dabei in der Offensive immer in Bewegung bleiben und so Räume für die Scorer schaffen. Der mittlerweile eingewechselte Derek Raivio erhöhte per Dreier auf 10:18, Jamal Shuler traf einen Mitteldistanzwurf nach schönem Block von Maksym Shtein zum 12:21 Viertelstand.

Der gleiche Trick funktionierte direkt nach der Pause für Raivio und Shtein. Raivio lieferte den nächsten Dreier gleich hinterher, bevor der mit viel Übersicht agierende Pekovic wieder sehenswert durch die Zone schnitt und zum 12:28 einlegte – Paderborn stand fassungslos daneben und konnte von Coach Olaf Stolz nur durch eine Auszeit aus der Schockstarre geweckt werden.

Auch danach spielte aber hauptsächlich die Gastmannschaft – Pekovic und Copeland trafen von weit draußen, Gillingham und Shuler zeigten nochmal ihren bereits am vergangenen Freitag erfolgreich praktizierten Backdoor-Pass mit anschließendem Korbleger. Paderborn machte es Trier viel zu einfach, die Gäste nutzten das zur disziplinierten Trainingseinheit. Gegenwehr kam allenfalls von Kevin Langford und dem hart arbeitenden Malik Moore, der sich allerdings selten gegen James Gillinghams starke Defense frei machen konnte. Gillingham war es auch, der den kurzzeitigen Versuch der Paderborner, die Trierer Offensivmaschine mit (schlampiger) Zonenverteidigung zu kontrollieren, mit einem Dreier zunichte machte: 23:39.

Werbung1400 Zuschauer in der Maspernhalle sahen eine TBB, die diszipliniert als Team agierte und die richtigen Antworten hatte: ein Dreier des Paderborner Centers Matt Terwilliger wurde mit zweien von Copeland und Brown erwidert. 29:52 stand es zur Pause. Die Partie war schon zu diesem Zeitpunkt nicht mehr wirklich spannend, aber zumindest für die sieben mitgereisten Trierer Fans durchaus unterhaltsam.

Auch in der zweiten Hälfte änderte sich daran nicht mehr viel. Den Gastgebern gelangen fünf schnelle Punkte durch Kevin Langford und Malik Moore, ansonsten spielte alleine die TBB, die ihren Gegner jetzt regelrecht demontierte. Auf Paderborner Seite war Moore der einzige, der sich gegen die Niederlage stemmte, seinen Teamkameraden muss man schon fast die BBL-Tauglichkeit absprechen. Die bewährte Kombination aus Inside Game und Distanzschüssen sorgte für eine komfortable Trierer Führung, die zwischenzeitlich auf über 40 Punkte anwuchs. Für Trier bedeutete das Spielzeit für die Bank und Gelegenheit für das ein oder andere Kabinettstückchen, wie das spektakuläre Give-and-Go zwischen George Evans und Maik Zirbes nach Ballgewinn von Miladin Pekovic, bei dem der Youngster zum 45:81 abschließen konnte. Die letzten Minuten spielte Trier mit Raivio, Karamatskos, Picard, Zirbes und Andreev; Samy Picard hätte per Freiwurf die Hundert vollmachen können, verlegte aber den zweiten: 63:99 der Endstand.

Es war eine Partie, die man richtig einschätzen muss: Paderborn spielt in dieser Verfassung definitiv gegen den Abstieg und kam als Aufbaugegner gerade recht. Dennoch war es beeindruckend zu sehen, wie genau das Trierer Team die Vorgaben seines Coaches umsetzen konnte – mit diesem Teamplay (21 Assists, fünf Spieler zweistellig) ist für Trier auch gegen stärkere Gegner einiges drin.

Beste Trierer:

Derek Raivio: 22 Punkte, 4 von 4 Dreier, 4 Assists – Triers Point Guard hatte gegen Braunschweig verletzungsbedingt pausiert – das war zu spüren. Gegen Paderborn durfte er schalten und walten, wie es ihm gefiel und traf aus allen Lagen.

Miladin Pekovic: 11 Punkte, 3 von 4 Dreiern, 4 Rebounds, 3 Assists, 2 Steals – der Neuzugang gefiel vor allem durch eine hervorragende Spielübersicht und engagierte Verteidigung. Und er hat offensichtlich seinen dringend benötigten Distanzwurf endlich wieder gefunden.

George Evans: 14 Punkte, 7 von 8 am Brett – das klassische “Evans-Spiel”, allerdings auch ohne echte Gegenwehr.

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