Wahl-Triererin auf Zeit
Tausende Erstsemester starteten in diesen Tagen ihr Studium an der Universität und Fachhochschule. Hinzu kommen rund 120 Hochschüler aus 22 Ländern, die im Rahmen des Erasmus-Austauschprogramms ein oder zwei Semester an der Mosel verbringen werden. MarÃa del Mar MartÃn Cortés aus Andalusien ist eine der Triererinnen auf Zeit. 16vor-Mitarbeiterin Simone Dürmuth traf die spanische Jura-Studentin und sprach mit ihr über ihre Erwartungen an das kommende Jahr und erste Erfahrungen in Deutschland.
TRIER. Ich treffe MarÃa zum ersten Mal auf einem Konzert im Karussell am Zuckerberg. Sie ist die Bekannte eines Freundes, sie will Leute kennenlernen, auch deutsche, und so landet sie irgendwie in unserer Mitte. Die ersten Kommunikationsversuche gestalten sich schwierig: Ihr Deutsch ist schlecht, wie nicht anders zu erwarten nach nur einem halben Jahr Onlinekurs; mein Spanisch ist nicht existent. Aber mit Händen und Füßen und viel Gelächter klappt es dann doch irgendwie.
Sie erzählt, dass sie große Angst davor hatte, nach Deutschland zu kommen. Weil sie die Sprache so schlecht beherrscht und kaum jemanden kennt. Außerdem hat sie den ihr angebotenen Wohnheimplatz nicht genommen und wohnt jetzt erst mal bei einem Bekannten, der zur Zeit verreist ist. In ein Studentenwohnheim wollte sie bewusst nicht einziehen. Einer ihrer Freunde war letztes Jahr in Trier und hat ihr erzählt, dass es besser sei in einer WG in der Stadt zu wohnen. Auf diese Weise sei es auch leichter, deutsche Studenten kennenzulernen. Und auch das Heimkommen nach einer durchfeierten Nacht ist einfacher, wenn man nicht auf den letzten Bus angewiesen ist. Dieser Freund war es auch, der so viel Schönes über Trier erzählte, dass MarÃa unbedingt für ein Jahr hier leben will.
Die WG-Suche gestaltet sich aber mehr als nur schwierig für MarÃa. Und das nicht nur, weil zu Semesterbeginn die Suche generell kompliziert ist. Sie glaubt, dass es für viele ein Problem ist, dass sie so schlecht Deutsch spricht. “Dabei würde ich jeden Abend Paella für meine Mitbewohner kochen!”, sagt sie und muss jetzt lachen. Mariá betont, dass sie sich nicht diskriminiert fühlt. Nur ein bisschen benachteiligt vielleicht.
Aber nach den ersten Tagen ist von ihren ursprünglichen Ängsten kaum noch etwas geblieben. Seit einen Monat besucht sie nun einen Sprachkurs an der Uni. Und die Leute – sie sagt es immer wieder – die Leute seien so nett zu ihr. Die Tutoren des ERASMUS-Programms und auch alle anderen Menschen die sie trifft, alle helfen ihr wo immer sie können. Das hätte sie nicht erwartet, dass die Deutschen so nett und hilfsbereit sind. Es ist wenig geblieben, was MarÃa nicht gefällt in Trier: Das Wetter, natürlich, es ist ihr viel zu kalt hier. Und das Obst. Es sei teurer und schlechter als zu Hause in Spanien. Trier hat MarÃa neugierig gemacht.
Sie will viel Reisen, mehr von Deutschland sehen. Hamburg und Bremen stehen auf der Wunschliste – dort verbringen ihre Freunde ihr ERASMUS-Jahr. Aber erst einmal geht es auf die Burg Cochem und nach Bonn – die Tutoren haben Ausflüge organisiert.
von 16vor




