Bistum trennt sich von Kirche
QUINT. Bischof Ackermann wird noch in diesem Monat die Quinter Kirche Mariä Himmelfahrt profanisieren. Damit gibt das Bistum erstmals seit Jahrzehnten einen Trierer Sakralbau auf.Â
Mariä Himmelfahrt ist Teil der Pfarrgemeinde St. Peter in Ehrang, die über insgesamt drei Kirchen verfügt: neben Mariä Himmelfahrt und St. Peter auch Christi Himmelfahrt. Außerdem finden in der Kapelle des Marienkrankenhaus regelmäßig Sonntagsgottesdienste statt.
In der zweiten Hälfte der 1960er-Jahre hatten die damaligen Gremien der Pfarrei beschlossen, die seit 1948 vorhandene Notkirche für die Arbeiter der Klöckner-Werke auf der Quint durch eine größere Kirche zu ersetzen. Die Kirche Mariä Himmelfahrt wurde schließlich 1972 fertig gestellt und 1973 eingeweiht.
Doch in den vergangenen Jahren sank der Besuch der Eucharistiefeiern wie auch andersorts dramatisch: “Wurde der Sonntagsgottesdienst dort anfangs von rund 200 Menschen besucht, so sind es heute etwa 30 bis 40 Gläubige, die einmal pro Woche in dieser Kirche Gottesdienst feiern”, berichtet Pastor Dr. Markus Nicolay, der im Jahr 2007 eine Kommission einberief, die sich unter anderem mit dem Immobilienbestand der Kirchengemeinde befasste. Das Ergebnis nach einem mehrmonatigen Meinungsbildungs- und Beratungsprozess: an einem schwerwiegenden Einschnitt führt kein Weg mehr vorbei. “Neben die Defizitargumente ‘fehlende Finanzen’, ‘fehlende Kümmerer’ und, mit Umsetzung des Pastoralplanes 2020 durch das Bistum, ‘nicht mehr gewährleistete priesterliche Versorgung aller Kirchen’, trat zunehmend auch die inhaltliche Frage, wie viele Gottesdienstorte und –zeiten tun unserer kleiner werdenden Sonntagsgottesdienstgemeinde eigentlich gut?”, erläutert Nicolay die Ausgangslage.
In seiner letzten Sitzung vor den Sommerferien beschloss der Pfarrgemeinderat
einstimmig, bei Bischof Dr. Stephan Ackermann den Antrag auf Profanierung der Kirche zu stellen. Der Verwaltungsrat der Kirchengemeinde schloss sich diesem Votum einstimmig an. Nachdem der Bischof die vorgeschriebenen diözesanen Gremien informiert und gehört hat, wird er die Kirche nach Auskunft der zuständigen Stellen mit Wirkung vom 22. November für profan erklären.
“Aus diesem Anlass feiern wir an diesem Tag dort um 10 Uhr einen letzten Gottesdienst, dem Monsignore Dr. Michael Kneib als Vertreter des Bischofs vorstehen wird”, kündigt Nicolay an. Auch die Frage einer Anschlussnutzung sei breit diskutiert worden, so der Pastor weiter. “Die anfängliche Idee einer Weiternutzung durch die Stadt Trier im Untergeschoss als Kinderhort, im Kirchenraum als Turnhalle, hat sich offenbar aus Kostengründen zerschlagen”, erklärte der Geistliche. Trotzdem würden auch weiterhin alle Möglichkeiten einer “angemessenen profanen, möglichst sozialen, Anschlussnutzung” geprüft.
Es ist das erste Mal seit Jahrzehnten, dass sich das Bistum von einem Sakralbau im Stadtgebiet von Trier trennt. Andernorts, beispielsweise im Ruhrbistum Essen, wurden bereits zahlreiche Kirchen profanisiert. Vor wenigen Monaten hatte die Evangelische Kirchengemeinde Trier bekanntgegeben, den Standort Christuskirche in Heiligkreuz aufzugeben.
von 16vor




