Diplom mit Zukunft macht Schule
Soll niemand behaupten, das Diplom habe seine besten Zeiten hinter sich: Rund 160 dieser Abschlüsse wurden am Sonntagnachmittag in der ehemaligen Reichsabtei St. Maximin vergeben. Insgesamt 152 Kinder haben sich in diesem Jahr in Trier an der vom Verein Lokale Agenda 21 e. V. ausgerichteten und im Rahmen der Initiative “Land der Ideen” ausgezeichneten Reihe “Zukunfts-Diplom” beteiligt. Und das “Zukunfts-Diplom” macht Schule: Erstmals nutzten auch wissbegierige Jungen und Mädchen aus der Südeifel und dem benachbarten Großherzogtum das außerschulische Angebot zur nachhaltigen Bildung.
TRIER. Wie schon in den vergangenen Jahren führten Michael Sternenfänger, besser bekannt als Klaus-Michael Nix vom Stadttheater, und sein Sternchen Sabine Mock durch die Diplomfeier, die in diesem Jahr in der alten Reichsabtei im Norden der Stadt stattfand. Die beiden zeigten den rund 160 kleinen Wissbegierigen und weiteren Gästen, darunter vielen Eltern und Geschwistern, was es mit dem alten Gemäuer um sie herum auf sich hat und weshalb es nicht nur wichtig ist, gute Ideen zu haben, sondern diese auch in nachhaltiges Handeln umzusetzen. Wie man Ideen gemeinsam verwirklicht, erfuhren die Kinder auch in dem lehrreichen Märchen “Das Sternchen und die lebendigen Steine” – wobei sich einige der Zuschauer im Fall von Beko dem Stein wohl auch an Bernd das Brot erinnert fühlen konnten.
Es war die bereits sechste Auflage der Erfolgsreihe, und mindestens sechs Veranstaltungen mussten die kleinen Teilnehmer im Alter zwischen 5 und 13 Jahren auch absolvieren, damit sie gestern ein “Zukunfts-Diplom” in den Händen halten konnten. Die Palette der Angebote reichte von “Entdeckertouren durch den Bücherdschungel” über Backstubenbesichtigungen und einem Klosterbesuch. Die Teilnehmer konnten erfahren, wie Schokolade hergestellt wird und was Menschenrechte sind, einen Obdachlosen kennenlernen oder erfahren, was in und an einem Bach lebt. Insgesamt 101 Einzelveranstaltungen hatten die Organisatoren um Projektleiterin Charlotte Kleinwächter vom Verein Lokale Agenda auf de Beine gestellt.
[Galerie nicht gefunden]Doch ausgezeichnet wurden am Sonntag nicht nur 152 Kinder aus Trier und Umgebung, gekommen waren auch viele der insgesamt 83 Zukunfts-Diplomabsolventen aus der Verbandsgemeinde Neuerburg sowie dem angrenzenden Großherzogtum. Die Neuerburger hatten sich ein Beispiel am Verein Lokale Agenda Trier e.V. genommen und die Veranstaltungsreihe erstmals durchgeführt. Mehr als 200 Kinder hatten sich angemeldet, 83 von ihnen erreichten den Abschluss. Christian Calonec-Rauchfuß, Koordinator des Zukunfts-Diploms bei der VG Neuerburg, kündigte am Sonntag an, dass es im nächsten Jahr in der Südeifel und den Ardennen eine Neuauflage des in diesem Jahr vom Mainzer Umweltministerium geförderten Pilotprojekts geben wird: Die Erfahrungen des Debüts spornten an. Calonec-Rauchfuß räumte aber auch Optimierungsbedarf ein: “Vorgesehen sind für 2010 beispielsweise ein vereinfachtes Anmeldeverfahren und eine optimierte Öffentlichkeitsarbeit”.
Neben den Teilnehmern wurde am Sonntag auch das Projekt als solches ausgezeichnet: Das “Zukunfts-Diplom” ist ein “Ausgewählter Ort” im “Land der Ideen”. Unter rund 2.000 Bewerbern konnten sich die Trierer als einer der Preisträger des bundesweit ausgetragenen Innovationswettbewerbs “365 Orte im Land der Ideen” durchsetzen. Jörg Grote von der Regionalgeschäftsleitung der Deutschen Bank, der die Auszeichnung an Charlotte Kleinwächter und den Agenda-Vorsitzenden Alfred Gettmann überreichte, lobte das “Zukunfts-Diplom” als Möglichkeit, Kindern “unterschiedliche Erfahrungen zu vermitteln und durch die Begegnung mit Unbekanntem ihren Horizont zu erweitern”. Das stärke deren Persönlichkeit und bereite sie auf Handlungsmöglichkeiten in der Gesellschaft vor.
Derart hehre Ansprüche dürften indes die wenigsten Kinder umgetrieben haben – bei ihnen standen offenkundig der Spaß und die Neugierde im Vordergrund, wie die Kommentare der Teilnehmer deutlich machten: Von “alles super” bis “mir hat es überall sehr gut gefallen” reichten die Eindrücke. Die Initiatoren hoffen nun, dass sie auch im nächsten Jahr mit einem vergleichbar abwechslungsreichen Angebot aufwarten können. Man sei noch auf der Suche nach Sponsoren, hieß es. (mst/aw)
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