Denkmäler außerhalb des Alleenrings
Mit dem 423 Seiten starken Werk über die Denkmäler der Stadterweiterung und der Stadtteile Triers ist jetzt der zweite der beiden Trier-Bände der Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland veröffentlicht worden. Das Geschenk an Trier machte die Direktion Landesdenkmalpflege in der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz.
TRIER. Die römische Porta Nigra, der mittelalterliche Dom oder das in den 50er Jahren errichtete Humboldt-Gymnasium finden sich in dem seit Mittwoch vorliegendem Band “Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz, Trier, Band 17.2″ nicht. Denn das frisch erschienene, gebundene und repräsentative Werk ist der nicht nur in Fachkreisen freudig erwartete zweite Teil mit den topographischen Bereichen “Stadterweiterung und Stadtteile”. Er komplettiert den bereits 2001 erschienenen ersten Teil “Altstadt” um die Gebiete Triers außerhalb des Alleenrings und bezieht auch die bis 1970 eingemeindeten Vororte und Dörfer wie Biewer, Eitelsbach, Filsch, Oberkirch, Tarforst und Ruwer mit ein.
Mehr als drei Jahre hat die Autorin Dr. Ulrike Weber zusammen mit ihrem Team der Generaldirektion für den Band geforscht und geschrieben. Als amtliches Werk dient es zum einen den kommunalen Denkmalpflegeämtern als Arbeitshilfe. Denn in der Topographie werden ausschließlich Bau- und Kunstwerke aufgenommen, welche nach dem rheinland-pfälzischen Denkmalschutz und -pflegegesetz als Kulturdenkmäler einzustufen sind. Eigentümern und Interessierten bietet es umfangreiche Informationen zu interessanten Gebäuden und Orten, welche Geschichte schreiben.
990 Abbildungen und Karten laden die Leser ein, Neues und Interessantes über die Bauwerke und Objekte zu entdecken, mit denen man in Trier lebt. “Auch mich bereichert das Buch zum Beispiel bei den Texten über Trier-Süd um viele neue Erkenntnisse”, so Oberbürgermeister Klaus Jensen bei der offiziellen Präsentation vor wenigen Tagen im Lesesaal des Stadtarchivs. “Viele Gebiete sind nun zum ersten Mal untersucht und publiziert. Dies ist eine wichtige Grundlage für eine transparente Denkmalarbeit in Trier.”
Vor allem die Stadterweiterungen des 19. Jahrhunderts, mit denen die im Mittelalter geschrumpfte Stadt wieder an die römischen Ausmaße herangekommen ist, werden auch aus denkmalpflegerischer Sicht als Ensembles betrachtet. Von der westlichen Moselseite aus zeigt sich die Stadt trotz der im Süden durchschneidenden Uferstraße von einer denkmalpflegerisch beachtenswerten Seite: Die Häuser und Villen am Katharinenufer, dem Martinsufer und dem Zurlaubener Ufer sind nicht nur jeweils bauliche Gesamtanlagen, auch die einzelnen Gebäude sind schützenswerte Einzeldenkmäler. Ensembleschutz genießen beispielsweise auch die Speestraße im Süden oder die Petrustraße im Norden der Stadt. Aber auch Gesamtanlagen wie die Fachhochschule auf dem Schneidershof, der Bahnhof in Ehrang oder das Gesamtareal der Abtei St. Matthias sind absolut lesenswerte Kapitel in der Topographie.
Denkmäler der eingemeindeten Dörfer wie Tarforst, Pfalzel und Olewig und Eitelsbach sind oft sakralen Ursprungs, hier sind Kirchen, Kreuzwege, aber auch imposante Wohnhäuser, Höfe, Denkmäler im eigentlichen Sinne, Skulpturen und Weingüter aufgeführt. Bauwerke wie das Kenner Wasserwerk mit Arbeiterwohnhäusern oder die Kürenzer Arbeitersiedlung der Domäne Avelsbach sowie die Wasserdruck- und Niederdruckbehälter am Petrisberg für die Wasserversorgung zeugen von der Industrialisierung und dem Wachstum der Stadt nach 1900.
Nicht ganz schlüssig ist der Umgang mit Denkmälern, die heute nicht mehr existieren, von denen man aber weiß. Während im Flyer zum Band ausdrücklich darauf hingewiesen wird, dass die Topographie – anders als beim Großinventar – abgegangene Denkmäler grundsätzlich nicht behandelt, zeigt das Buch zumindest im Bild und in den einführenden Texten das Gegenteil. Sowohl die Quinter Hütte als auch das Quinter Viaduct stehen heute nicht mehr. Der ursprüngliche Bau des Hauptbahnhofes wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. Diese inkonsistente Betrachtungsweise kann nur ein unvollständiges Bild geben. Ohne Frage sind diese Denkmäler für die Entwicklung und das Verständnis der Topographie bedeutend, dies wären zweifelsohne zum Beispiel auch die Schaffnerhäuser, Vierfamilienhäuser für das Elektrizitätswerk in Trier-West gewesen, die Heinrich Tessenow in Trier gebaut hat und auch nur noch auf einem Foto existieren. Das Werk selbst wird mit Verwaltungsgebäude, Maschinenhalle und Luftschutzbunker ausführlich dargestellt, aber hier ohne die Häuser des kurz in Trier weilenden Architekten. Sein einziges bauliches Zeugnis in Trier, ein Einfamilienhaus in Euren, steht als wohl einziges Tessenowhaus bis dato nicht unter Denkmalschutz.
Die Kosten für das Werk liegen bei 300.000 Euro, die zum größten Teil vom Land Rheinland-Pfalz finanziert wurden. Finanziell beteiligt haben sich sowohl die Stadt Trier als auch der Trier-Gesellschaft e.V., der als gemeinnütziger Verein den Wiederaufbau, die Instandsetzung und die Erhaltung von Kulturdenkmalen in der Stadt Trier zum Ziel hat. Weitere Informationen unter www.trier-gesellschaft.de.
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz, Band 17.2: Stadt Trier. Stadterweiterungen und Stadtteile. Bearb. von Ulrike Weber, Worms 2009. Erhältlich im Buchhandel für 48,00 Euro.




