“Das hat der Stadtteil verdient”

Eine ununterbrochenene Grünfläche könnte Trier-West dereinst prägen und die Mosel mit dem Fuß des Markusbergs verbinden. Foto: Marcus StölbMan kann nicht sagen, dass es an Ideen für eine Aufwertung des kommunalpolitisch lange Zeit vernachlässigten Stadtteils Trier-West mangeln würde. Nun sind einige stadtplanerische Entwürfe für das Viertel links der Mosel hinzugekommen. Studenten der RWTH Aachen und der FH Trier entwickelten Konzepte, wie der Westen zu einem attraktiven Quartier entwickelt werden kann. Dass die Ideen dereinst eins zu eins umgesetzt werden, glauben selbst ihre Geber nicht. Doch es lohnt, sich von den Entwürfen inspirieren zu lassen. Anfang 2010 beraten die zuständigen Gremien über einen “Masterplan” für Trier-West, der den Rahmen für die weitere Entwicklung abstecken soll. Für Baudezernentin Simone Kaes-Torchiani ist klar: An einer Verlagerung des Verkehrs von der Luxemburger Straße auf eine neue Trasse westlich der Bahnstrecke wird kein Weg vorbeiführen.

TRIER-WEST. Als einen “Saurier” beschrieb FH-Professorin Marion Goerdt am Donnerstag das Eisenbahnausbesserungswerk. Tatsächlich wirkt das Gebäude im Westen der Stadt wie ausgestorben, doch anders als bei den fossilen Amphibien und Reptilien besteht bei der gigantischen Halle zumindest noch Hoffnung, dass dereinst Leben zurückkehren könnte in das Innere des Industriedenkmals. Wer sich mit der weiteren Entwicklung des Stadtteils auseinandersetzt, für den führt jedenfalls kein Weg an dem imposanten Gebäude vorbei; einem riesigen Findling gleich liegt es inmitten des Quartiers. Jede umfassende Aufwertung von Trier-West steht und fällt deshalb mit einer attraktiven Konversion des Ausbesserungswerks.

Entwarfen ein Konzept, wie Trier-West städtebaulich aufgewertet werden könnte: Markus Fischer, Sebastian Müller und Alexander Frank. Foto: Marcus StölbDas mussten auch Marion Goerdts Studenten rasch erkennen, als sie städteplanerische Ideen für das Viertel entwickelten. Angehende Planer wie Markus Fischer, Vesela Manolova, Sebastian Müller und Alexander Frank etwa. Kern ihres Konzepts bildet ein Grünstreifen, der die Mosel mit dem Fuß des Markusbergs verbindet. Berg und Fluss prägen und begrenzen den Stadtteil, und weil es in Trier-West ohnehin an attraktiven Aufenthaltsflächen mangelt, schlagen die vier FH-Studenten eine von der Mosel bis zum Hang reichende Freiluftfläche vor. Ein Steg für Fußgänger und Radfahrer würde die Brücke zum anderen Moselufer schlagen.

Nach den Vorstellungen der Vier sollte entlang des Moselufers eine attraktive und hochwertige Wohnanlage geschaffen werden. Die Gebäude müssten architektonisch ansprechend gestaltet sein, damit sie die bislang bescheidene Aussicht vom östlichen Moselufer auf den Westen der Stadt deutlich aufwerten. Weiter westlich im Stadtteil wären verschiedene Wohnformen, beispielweise für Studenten-WGs oder Senioren, denkbar. Was das Eisenbahnausbesserungswerk anbelangt, schlagen die Hochschüler in ihrer innerhalb eines Semesters entstandenen Arbeit vor, die Halle mit Boxen zu füllen, in denen vor allem Kunst und Handwerk nachgegangen werden könnte. In ihrem Konzept würde die Halle auch künftig überdacht sein.

Sehen riesiges Potenzial in dem Stadtteil: Petra Opitz, Vitalij Strel und Jutta Louis. Foto: Marcus StölbDas ist ein wesentlicher Unterschied zum gemeinsamen Entwurf von Petra Opitz, Jing Jiang, Vitalij Strel und Jutta Louis. Ginge es nach den vier Kommilitonen, würde aus dem Innern des alten Eisenbahnausbesserungswerks ein öffentlicher Raum: Die denkmalgeschützten Fassaden blieben bestehen, doch das Dach müsste nach dieser Idee weichen. Innerhalb der Mauern wäre Platz für ein paar Reihenhäuser sowie Einrichtungen wie beispielsweise ein neuer Kindergarten. Der Charme dieses Konzepts: Es sieht ebenfalls eine ununterbrochene grüne Freifläche von der Mosel bis zum Markusberg vor, doch würde der Grünstreifen nicht etwa am Eisenbahnausbesserungswerk vorbei, sondern hindurch geführt, was dessen Charakter als öffentlicher Raum noch betonen würde.

Stefan Krapp, Mitarbeiter am Lehrstuhl von Professor Kunibert Wachten an der RWTH Aachen, betonte bei der Eröffnung der Ausstellung, dass es sich bei den gesamten Entwürfen zwar nicht um “Profi-Arbeiten” handele – schließlich stünden die Studenten ja noch in ihrer Ausbildung; “aber da stecken ganz viele Ideen drin”. Das hob auch Baudezernentin Simone Kaes-Torchiani (CDU) hervor, die die Kreativität der Absolventen beider Hochschulen lobte.  Sie nehme von der Ausstellung viele Anregungen mit und wolle versuchen, dass sämtliche Arbeiten – in der EKA ist bis Freitag kommender Woche nur eine Auswahl zu sehen – im Frühjahr in den Viehmarktthermen gezeigt werden. “Dieser Stadtteil hat es verdient”, so Kaes-Torchiani.

Am alten Ausbesserungswerk (oben Mitte) führt keine Planung vorbei. Foto: Marcus StölbVerdient hätte es Trier-West, dass ein Teil der inzwischen unzähligen Ideen und Konzepte auch umgesetzt wird. Immerhin: Ein “Masterplan” ist in Arbeit, Anfang kommenden Jahres werden sich die zuständigen städtischen Gremien mit ihm befassen, kündigte die Baudezernentin im Gespräch mit 16vor an. Dieser von einem externen Büro erstellte Plan soll den Rahmen für die künftige Entwicklung des Stadtteils setzen. Knackpunkt einer Aufwertung des Quartiers ist neben einer neuen Nutzung für das Eisenbahnausbesserungswerk auch die Verlagerung des Verkehrs von der Eurener und der Luxemburger Straße auf eine neue Trasse westlich der Bahngleise, auf denen spätestens 2015 wieder Personenzüge verkehren sollen.

Für Simone Kaes-Torchiani ist klar: An der neuen Straße führt kein Weg vorbei, zumal auch nur auf diesem Wege das Ausbesserungswerk vernünftig erschlossen werden könne. Wie die Trasse finanziert werden soll, ist allerdings noch völlig offen. Die Baudezernentin zeigt sich jedoch optimistisch, dass Trier-West in den kommenden Jahren endlich den seit langem erhofften städtebaulichen Schub erfahren wird. Ohne private Investoren ist diese Aufgabe nicht zu stemmen. Deshalb sei es umso wichtiger, nun einen attraktiven Rahmen abzustecken, innerhalb dessen dann in die Detailplanung gegangen werden könne, so Kaes-Torchiani: “Da steckt viel Musik drin”.

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4 Leserbriefe | RSS-Abo

  1. Raimund Scholzen schreibt:

    Was? Es ist schon der 13.12., d.h. die Meldung ist schon zwei Tage alt, und es gibt noch keinen Leserbrief zu Trier-West? Ist der Stadtteil denn so uninteressant, daß sich niemand dazu äußern mag, wenn zum wiederholten Male gute Ideen präsentiert werden, die den Stadtteil aufwerten wollen? Das enttäuscht mich sehr. Der Stadtteil hat mehr verdient als nur eine Disco A 1 und einen Aldi auf dem Ausbesserungswerksgelände (der ohnehin einer vernünftigen Nutzung dieses Geländes im Wege steht). Spätestens seit 1991 gibt es Planungsempfehlungen sowohl durch hiesige wie auswärtige Fachhochschulen, Universitäten und Planungsbüros, aber getan hat sich – außer dem unseligen Aldi – bisher nichts. Ich bin gespannt auf die Ausweisung dieses Geländes (d.h. “die Musik”) im künftigen Flächennutzungsplan der Stadt.

  2. Barbara schreibt:

    fangt doch mit der Luxemburger Straße mal an. ( die peinlichste Straße Deutschlands)
    dann kann das Projekt – Trier West – auch ernst genommen werden. Sicher hat dieser Stadtteil mehr verdient!

  3. Michael schreibt:

    Mit der der neuen Trasse West und der Wiederinbetriebnahme der Bahngleise für den ÖPNV wird im Gefolge der Ruf nach Moselaufstieg (Verbindung der B49 mit der A48 Trier-Luxemburg) lauter.
    Denn es muß etwas als Entlastung für die überlastete B51 zum Autobahnzubringer A48 und Bitburg getan werden.

  4. Michael schreibt:

    Und erst dann macht eine neue Trasse West als Verbindungsspange zwischen Pallien und Euren Sinn. Es würde den Verkehr in Trier West erheblich bündeln und freie Planungsflächen generieren.

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