Unbehagen!

Auch Routinier James Gillingham konnte nicht verhindern, dass das Spiel der Trierer kippte. Foto: Ulrich RabenortAm vergangenen Samstag erlebten Fans und Mannschaft eine der bittersten (Auswärts-)Niederlagen der laufenden Saison, vor allem weil sie ebenso hausgemacht wie überflüssig war: die TBB verspielte eine komfortable 16-Punkte-Führung und verlor mit 79:77 gegen Aufsteiger Phoenix Hagen. Matchwinner: der gerade erst in Hagen eingetroffene Michael Hakim Jordan (17 Punkte, 6 Assists), der von den Trierern zu keiner Zeit zu stoppen war.

HAGEN. Zurzeit läuft es auswärts so richtig mies für die TBB. Das liegt zum einen am schlechten Timing, man könnte auch “höhere Gewalt” dazu sagen. Beim letzten Auswärtsspiel in Ulm lag die Hälfte der Mannschaft krank im Bett – zudem hatten die Gastgeber sich gerade am vorherigen Spieltag eine heftige Klatsche beim designierten Absteiger Paderborn abgeholt und brannten auf Wiedergutmachung. Das gestrige Spiel bei Aufsteiger Phoenix Hagen stand aus Trierer Sicht ebenfalls unter weniger guten Vorzeichen: Erst wenige Tage zuvor hatten die Hagener die Verpflichtung des Point Guards Michael Jordan (heißt wirklich so) bekannt gegeben – All Star, BBL-Veteran, Deutscher Meister mit den Köln 99ers. Und, um schon mal pessimistisch in die Zukunft zu blicken – der nächste Auswärtsgegner MBC Weißenfels hat gestern den amtierenden Deutschen Meister Oldenburg geschlagen und kann damit fast als die berühmte “Mannschaft der Stunde” gelten.

Zum anderen aber ist die Auswärtsschwäche der TBB ein Phänomen, dass nichts mit Spielplänen, Grippeviren oder Transfercoups zu tun hat. Das Team hat in fremden Hallen ganz einfach ein Kopfproblem, wie am Sonntag in Hagen mehr als deutlich wurde. Die TBB hat sich selbst geschlagen. Und das gibt zu denken.

Der Reihe nach: Vor rund 2000 Zuschauern in der Hagener “Phoenix Arena”, einer notdürftig umfunktionierten Squash-Halle, musste die TBB sich den Einstieg in die Partie hart erarbeiten – vor allem der Hagener Shooting Guard Quentin Pryor fand immer wieder den Weg durch die Trierer Defense und hatte beim Stand von 9:5 bereits sieben Zähler, darunter einen Dreier auf dem Konto. Trier fing sich, gab mit einem Dreipunktspiel und einem Dreier des starken Chris Copeland sowie einem Dreier von James Gillingham die richtigen Antworten: 11:14. Zur ersten Viertelpause führten die Gäste hauchdünn mit 18:19, eine konzentrierte Hagener Defense hatte da bereits vier Trierer Ballverluste produziert.

Ins zweite Viertel startete die TBB besser. Hagen blieb zwar gefährlich, vor allem, weil Michael Hakim Jordan, eine der spektakuläreren Nachverpflichtungen der Liga jetzt zu seinem Spiel gefunden hatte und seine ersten Punkte im Hagener Dress markierte (23:24). Trier gelang es jedoch, seine beiden “big men” Copeland und Evans gut in Szene zu setzen und mit einer cleveren Mixtur aus Inside und Outside den Trierer Vorsprung langsam auszubauen (Dreier von Copeland zum 34:39, Dreier von Shuler zum 36:42). Als Copeland dann einen sehenswerten Alley-Oop-Pass von Derek Raivio zum 38:44 durch die Reuse drücken konnte, war das vielzitierte Momentum auf den Seiten der Gäste: Copeland war nicht zu bremsen, hatte zur Halbzeit 18 Punkte auf dem Konto. Auf Hagener Seite hielten lediglich Routinier Michael Jordan und der wieselflinke Chase Griffin dagegen. Halbzeitstand: 38:48.

Auch der Einstieg in die zweite Hälfte bot den circa 50 mitgereisten Trierer Fans keinen Grund zur Beunruhigung. Shuler trifft seinen zweiten Dreier, George Evans legt nach schönem Zuspiel von James Gillingham nach; ein weiterer Dreier von Derek Raivio sorgt für die höchste Trierer Führung von 40:56. Die Partie schien gelaufen.

Doch dann zeigte Michael Hakim Jordan, warum ausgerechnet er Phoenix Hagen aus der Tabellenkeller führen soll. Sein Dreier zum 43:56 rüttelt sowohl seine Mannschaft als auch die Halle wach, Hagen kann mit einem Dreipunktspiel von Bernd Kruel, einem Dreier von Chase Griffin nach schönem Steal und einem weiteren Dreipunktspiel von den Trierer Vorsprung auf 52:57 eindampfen. Innerhalb von Sekunden lief alles gegen die Gäste aus Trier – auch mental. Raivio sucht zweimal zu schnell den Abschluss aus der Distanz, George Evans begeht ein übermotiviertes Offensivfoul. Die Hausherren bestrafen diese Schwächephase sofort. Aaron Fleetwood trifft per Alley Oop zum 54:57 – die Trierer Defense im Tiefschlaf, Hagen unter Führung von Jordan offensiv voll dabei, ein 11:0-Lauf ist der Mühe Lohn.

Kurzzeitig kamen die Gäste zurück, konnten mit zwei Dreiern von Pekovic und Raivio die Führung wieder auf fünf Zähler zur letzten Viertelpause ausbauen (58:63). Doch der rote Faden im Trierer Spiel war komplett zerrissen.

Noch einmal wirkte es so, als könnte die TBB den Kopf aus der Schlinge ziehen: ein weiterer Dreier von Pekovic zum 61:70 machte Hoffnung. Doch Hagen ließ sich nicht abhängen – und bereits sechs Minuten vor dem Ende fiel Trier endgültig auseinander. Das 66:72 von George Evans war der letzte Trierer Feldkorb – danach verrannten sich die Gäste ein ums andere Mal in der Hagener Defense, vor allem dem vorher so starken Christopher Copeland gelang jetzt überhaupt nichts mehr. Allerdings wurde er auch nicht mehr im Low-Post in Stellung gebracht, das Trierer Spiel wirkte verzweifelt und kopflos – trotz deutlicher Ansagen von Yves Defraigne, der an der Seitenlinie fast verzweifelte. Der Rest ist klar: Hagen spielt Stop-the-Clock, kann zum 74:74 ausgleichen, Copeland zeigt mehrfach Nerven an der Freiwurflinie (nur 2/5), Hagen führt 75 Sekunden vor Ende erstmals seit der Anfangsphase mit 76:74. Trier findet in kein einziges System mehr hinein, Hagen fährt die Partie mit 79:77 nach Hause. Ein hergeschenkter Auswärtspunkt.

Ein (mal wieder) sichtlich genervter Yves Defraigne konstatierte: “Auswärts muss man schlau spielen, um zu gewinnen. Das ist uns nicht gelungen.”

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1 Leserbrief | RSS-Abo

  1. Christian schreibt:

    Es ist einfach nicht zu glauben. Danke für den schönen Bericht und die Werbung für die Afros!

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