Geschenktipps von 16 VOR
Ja, ist denn schon Weihnachten? Noch nicht, aber bald. Und deshalb wird es höchste Zeit, dass wir Ihnen, liebe Leser, etwas schenken. “Wie bitte? 16vor schenkt uns jeden Tag tolle Artikel und dann wollen die uns jetzt noch zusätzlich etwas schenken?”, werden Sie nun verwundert fragen. Ganz genau. Wir geben Ihnen vielfältige Tipps, womit Sie an Heiligabend anderen oder sich selbst eine Freude machen können. Gleichzeitig lernen Sie dabei auch noch ein bisschen die 16vor-Redaktion kennen.
Christian Baron: Jenseits von Gut und Böse von Michael Schmidt-Salomon.
Äußerst originell argumentiert der Trierer Philosoph in seinem neuesten Werk, dass Moral als religiöse Erfindung lediglich an nicht beweisbare Glaubenssätze gekoppelt ist, archaische Instinkte weckt und mit einem sakrosankten Kritikverbot belegt wird, das unweigerlich zu “Hexenverbrennungen”, “Heiligen Kriegen” und “Abu Ghraib” führen muss. Das bemerkenswert mutige Plädoyer wider die Moral ist geeignet für alle, die sich ungern von Autoritäten ihr Denken vorschreiben lassen – und auch für kritikfähige Gläubige.
Benedikt Bastong: Edle Gewürze für den hippen Hobby-Koch von heute.
Denn Kochen ist cool, spätestens seit im TV Star- und Sterneköche rühren, braten und sich duellieren. Ausgefallene Gewürze gibt’s zum Beispiel auf dem Weihnachtsmarkt: Orangen- oder Zitronenpfeffer, Chilifäden oder indische Currys. Wer doch lieber ein Kochbuch verschenkt: “Salz” von Ingo Holland ist das Kochbuch des Jahres 2009 und befasst sich mit der Welt des edlen Kristalls, etwa dem Schwarzen Hawaii-Salz.
Christa Blasius: Maigret-Romane.
Die 75 Maigret-Romane von George Simenon sind derzeit wieder in einer neu übersetzten Ausgabe zu haben. Man kann sie verschenken a.) an Menschen, die sich für Übersetzungen interessieren; ein präziseres und eleganteres Deutsch findet man derzeit sonst nirgends. Oder b.) an jene, die sich gar nicht fürs Lesen interessieren. Die Buchrücken im dezenten Diogenes-Design (schwarze Schrift auf weißem Grund plus roter Punkt) machen sich gut in jedem Regal. Am besten aber c.) an alle jene, die über die Feiertage grippemäßig ans Bett gefesselt sind. Tässchen Tee in Reichweite, Heizung auf Hundert und 75 Maigret-Krimis auf der Fensterbank. Das wird ein Fest!
Dennis Drögemüller: Entspannung schenken.
Wer zum Fest ein bisschen Entspannung verschenken möchte, wird im Park Plaza Hotel am Nikolaus-Koch-Platz fündig: Vita Massagen bietet in der hoteleigenen Wellness-und Sauna-Landschaft alles von medizinischen Massagen bis zu speziellen Wellness-Anwendungen wie Kräuterstempelmassagen oder Hot-Stone-Behandlungen. Geschenkgutscheine sind vor Ort erhältlich.
Simone Dürmuth: Leonard Cohen – Live in London.
Wer Leonard Cohen kennt und schätzt, der wird dieses neue Live-Album lieben. Über die Jahre ist die Stimme des Sängers gereift und streichelt jetzt mit einem wohligen Vibrato die Seele. Wer also nicht nur “einfach eine CD” verschenken will, sondern zweieinhalb Stunden Wohlfühlen, der kann mit dieser Doppel-CD kaum etwas falsch machen. Besonders geeignet ist dieses Präsent für jemanden, mit dem man dann auch gerne das erste Hören teilt.
Volker Haaß: Misanthropisches zum Fest.
Wer das Bedürfnis verspürt, sich an Weihnachten dem Regime der Harmonie und Fröhlichkeit zu widersetzen, sollte es mal mit einer Buchreihe für seine Liebsten versuchen. Es bieten sich mehrere Werke von populären Autoren an, die mit ihren menschenverachtenden Geschichten bekannt geworden sind.
Anfangen sollte man mit Michel Houellebecq, dem bekanntesten französischen Belletristen der letzten Jahre. Egal ob “Ausweitung der Kampfzone”, “Elementarteilchen” oder “Plattform”, alle seine Bücher sprießen vor konservativem Defätismus. Wem das alles doch zu rückständig ist, kann sich mit Matias Faldbakken begnügen, der mit seiner Romanreihe in Skandinavien für viel Aufsehen gesorgt hat. Seine ersten beiden Werke, “The Cocka Hola Company” sowie “Macht und Rebel” sind geradezu satirische Meisterwerke, über das dritte Buch kann der hier Schreibende nur spekulieren, also lässt er dies lieber.
Annika Hand: Zeit schenken.
“Wunderliches Wort: Die Zeit vertreiben! Sie zu halten, wäre das Problem. Denn, wen ängstigts nicht: wo ist ein Bleiben, wo ein endlich Sein in alledem?” fragte Rainer Maria Rilke. Eine mögliche Antwort: Die Zeit lässt sich in manchen Augenblicken in ihrer Ewigkeit erleben. In Augenblicken, in denen wir uns ganz auf den Anderen einlassen, ihm zuhören, statt bloß teilnahmslos zu nicken, ihm mit ganzer Seele zugewandt sind, statt innerlich schon an ganz andren Orten zu sein. Zeit kostet uns nichts und ist doch eines der wertvollsten Güter, die wir einem geliebten Menschen schenken können.
Christian Jöricke: Zeitungsabo schenken.
Was würden wir von 16vor mit einer Million Euro machen? Wir würden sie zu den anderen legen. Und zwar so lange, bis wir genug hätten, um einen Verlag zu gründen und eine eigene Zeitung herauszugeben. Bis es soweit ist, empfehle ich, Abos von anderen wichtigen Presseorganen zu verschenken. Wer schnell gut informiert und unterhalten sein will, dem sei natürlich die kompakte taz als Präsent empfohlen. Wer für die Lektüre nur am Wochenende Zeit hat, sollte die famose Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung im Dauerbezug bekommen.
Thomas Lenz: De Superjhemp. Cräsh am Paradäis.
Charel Kuddel heißt der luxemburgische (Comic-)Nationalheld, der durch übermässigen “Kachkéis”-Verzehr zu “Superjhemp” wird und der das kleine Großherzogtum “Luxusbuerg” regelmäßig vor Weihnachten vor allerlei Kalamitäten retten muss. Er kämpft im diesjährigen Band “Cräsh am Paradäis” gegen die Folgen der Finanzkrise, bringt gierige Banker zur Strecke und stockt seinen geheimen “Bouneschlupp”-Vorrat auf. Ein prima Geschenk also für alle Berufspendler, die endlich mal wissen wollen, was den “Luxusbuerger” wirklich bewegt. Der Comic ist erhältlich am Bahnhofskiosk in Luxemburg und in jeder luxemburgischen Buchhandlung.
Bettina Leuchtenberg: Karten für die Antikenfestspiele.
Damit sie nicht zum Altertümchen werden. Ich verschenke Kultur – nicht als Aktie, sondern ganz real. Zusammen mit der aus Nordrhein-Westfalen anreisenden Großmutter schauen wir mit drei Generationen “Ödipus/Antigone”. In der Hoffnung, dass das WM-Viertelfinale uns von Hupen und Gröhlen verschont und nicht wie einst bei “Medea” die Atmosphäre zerstört. Denn die Antikenfestspiele sind absolut unterstützenswert. Und Klassiker sind auch etwas für die Jugend.
Christian Palm: Pädagogisch wertvolles Spielzeug.
Das ideale Geschenk für Vater und Sohn: Wie kein anderes Präsent verbindet das “Brennende Finanzamt” diffusen erwachsenen Ärger über Politik, Banken und “Die da oben” mit kindlichem Spieltrieb. Wer dies kaufte, interessierte sich laut Amazon auch – wer hätte das gedacht – für die zugehörige Feuerwache. So bleibt die heile Weihnachtsfamilienwelt im Gleichgewicht.
Tom Rüdell: Sinnvolle Bekleidung.
Ein Fantrikot der “Addis Afros“, einer Basketballmannschaft aus der 1. Äthiopischen Liga. Kostet 35 Euro und tut Gutes, denn: Man unterstützt sowohl das Team, junge Kerle, die von einem guten Coach sehr viel lernen, als auch ein Streetwork-Projekt mit einem spendenfinanzierten Freiplatz. Dahinter stecken zwei Trierer: Martin Dirr ist vor Ort in Addis Abeba und organisiert, Christian Dirr ist zuhause in Trier und verkauft Trikots. Nachteil: Die Trikots kommen erst im Januar. Bestellungen per Mail an christian.dirr@wirrtuos.de.
Dorian Steinhoff: Statue des Kölner Doms.
Seit vorletztem Sonntag ist die Geschichte um ein unterhaltsames Kuriosum reicher. Was der Papst dazu sagt, dass mit katholischen Sakrilegen auf Ministerpräsidentendarsteller geworfen wird, weiß man nicht. Was man weiß, ist, dass dieses Ereignis nach Trittbrettfahrern schreit. Wer also einen kleinen Nachwuchs-Sponti in seinem Freundes- oder Familienkreis hat, sollte ihm unbedingt eine Statue des Kölner Doms schenken. Dabei ist bei der Modellauswahl unbedingt zu beachten, dass die beiden Turmspitzen so weit auseinander liegen wie ein menschliches Augenpaar.
Marcus Stölb: Tag für Tag von Sempé.
Paul Tamburin darf nicht fehlen, der Fahrradhändler aus dem kleinen Städtchen Saint-Céron, dessen Geheimnis Jean-Jacques Sempé Mitte der 1990er lüftete – und mit dem der grandiose Franzose ein weiteres Mal seine Fans verzückte. Auf Seite 119 sehen wir Tamburin im Blaumann, wie er gedankenverloren einen Fahrradschlauch aufpumpt. Man möchte versinken in dieser und den gut 130 weiteren, meist heiter-melancholischen Zeichnungen, die nun in einem Band erschienen sind: “Tag für Tag” ist Pflichtlektüre für einen jeden Sempé-Freund; doch wer das Geheimnis des Fahrradhändlers noch immer nicht kennt, der sollte sich erst einmal diese tragikomische und wohl anrührenste Geschichte aus der Feder des Mannes zulegen, der mehr ist als nur der Vater des kleinen Nicks.
Wolfgang Valerius: Die Klais-Orgel für den CD-Player.
Die Orgel wird zuweilen auch als die Königin der Instrumente bezeichnet. Entsprechend behäbig kommt sie daher meist in Gottesdiensten und Konzerten daher. In manch einer alten Dame schlummert aber gelegentlich eine kecke Prinzessin, die freilich auf den (richtigen) Prinz wartet, der sie wachküsst.
In der Abtei Himmerod ist dieses Märchen nun hörbare Wirklichkeit geworden. Der in Melbourne beheimatete Konzertorganist Thomas Heywood hat im Sommer an der weithin bekannten Klais-Orgel eine für unsere Region bislang einmalige CD mit dem Titel “The Music Box” eingespielt, die fernab scholastischer Polyphonie puren Hörgenuss bietet. Dargeboten auf musikalisch wie spieltechnisch höchstem Niveau erklingen Werke von Haydn (Andante aus der “Sinfonie mit dem Paukenschlag”), Prinz Johann Ernst von Sachsen-Weimar (Concerto G-Dur), Mendelssohn Bartholdy, Tschaikowsky (Krönungsmarsch), Sibelius (Frühlingslied), Grieg (Hochzeit auf Troldhaugen) und Lyadov (A Musical Snuffbox).
Geeignet für alle, die sich die Freude an der Musik und am Musizieren bewahrt haben! Erhältlich ist die CD in der Himmeroder Buch- und Kunsthandlung zum Preis von 14,95 EUR plus Versand (Tel. 06575 – 951328).
Ulrich Wirth: Beurk! C’est bon.
Hirn oder Hammelhoden, Kalbskopf oder Kaldaunen. Nicht zu vergessen die Andouille, in die die Franzosen unbarmherzig so ziemlich jedes Gekröse stopfen. Die meisten ächten solche Kost schlichtweg als “pfui”. Eine Minderheit jedoch schätzt die deftige “cuisine canaille”. Der Pariser Bistro-Küche mit ihren Innereien und abwegigen Gemüsen wie Topinambur huldigt dieses Kochbüchlein. 46 Rezepte, die ich mir selbst geschenkt habe, um nicht als Ignorant zu sterben. Nota bene: Der Autor hat größtes Interesse an der Gründung einer kulinarischen Selbsthilfegruppe.
Nicole Zillien: Grenzgang von Stephan Thome.
Falls jemand noch verzweifelt ein Geschenk für lesefreudige, möglichst im ländlichen Raum lebende Ü30er (w/m) sucht: “Grenzgang” von Stephan Thome (22,80 Euro) ist ein schöner Schmöker für die Feiertage, der – mal furios, mal etwas länglich – von der Suche nach ein bisschen Lebensglück erzählt.
von 16vor




