“Die Mannschaft hat sich nicht weiterentwickelt”
Seit April dieses Jahres ist Fritz Fuchs Sportlicher Leiter bei Eintracht Trier. Ein einfaches Amt hat er nicht übernommen. “Wenn das so weiter geht, fallen mir bald alle Haare aus”, sagte er einmal am Rande eines aufreibenden Eintracht-Spiels. Im Interview mit 16vor spricht der 66-Jährige, der 168 Bundesligaspiele für den FCK absolvierte, über die wechselhafte Vorrunde, sein Verhältnis zu Mario Basler und die nähere Zukunft der Eintracht.
16vor: Herr Fuchs, wenn Sie zurückdenken an den zweiten Spieltag und den Sieg in Saarbrücken. Hätten sie damals geahnt, dass der FCS um den Aufstieg mitspielt und die Eintracht auf Platz zehn überwintert?
Fritz Fuchs: Nein, ich wäre jede Wette eingegangen, dass wir vor Mannschaften wie Saarbrücken stehen und am Ende der Hinrunde ganz vorne dabei sein würden. Saarbrücken hat aber die Kurve bekommen und eine große Kontinuität an den Tag gelegt, die es bei uns nicht gab. Ich bin daher riesig enttäuscht.
16vor: Haben Sie eine Erklärung dafür, dass der SVE nur im Mittelfeld steht?
Fuchs: Ja, ich habe meine Erklärungen, woran es gelegen hat. Die habe ich auch immer intern gegenüber allen Beteiligten geäußert. Das soll auch intern bleiben.
16vor: Wie fällt denn Ihr Fazit der Hinrunde aus?
Fuchs: Es gab Licht und Schatten. Positiv war die Pokalgeschichte. Man hat in den Spielen gegen Hannover und Bielefeld gesehen, wozu die Mannschaft im Stande ist. Ähnlich wie gegen Saarbrücken. Zwischendurch gab es aber viele Spiele, in denen man nicht wusste, wo man dran ist. Die Hinrunde war eine richtige Achterbahnfahrt. Dieses Auf und Ab hat uns viele Punkte gekostet. Deshalb bin ich auch überhaupt nicht zufrieden.
16vor: Wie würden Sie Ihr Verhältnis zu Trainer Mario Basler beschreiben?
Fuchs: Unser Verhältnis ist, wie es schon immer war. Wir kennen uns ja schon lange. Menschlich ist es ganz normal. Sportlich muss man aber manchmal oder oft anderer Meinung sein und kontrovers diskutieren. Das haben wir auch getan, und ich habe mich dabei immer sehr deutlich geäußert. Insofern ist unser menschliches Verhältnis nicht gestört, obwohl wir manchmal hart und kontrovers diskutieren.
16vor: Wie wichtig ist denn Baslers Rolle für den Verein und die Mannschaft?
Fuchs: Für den Verein war Mario Basler mit Sicherheit ein Glücksfall, was seinen Bekanntheitsgrad angeht. In Moment seiner Verpflichtung war seine Person ganz wichtig für Trier und seine Außendarstellung. Gerade bei den Pokalspielen hat man gesehen, wie populär er immer noch ist. Er übernahm die Mannschaft auf einem Abstiegsplatz und hat sie ins Mittelfeld und zum Rheinlandpokal-Sieg geführt.
16vor: Hat sich die Mannschaft Ihrer Meinung nach in dieser Saison unter Basler weiterentwickelt?
Fuchs: Da kann ich nur ein lapidares Urteil fällen: Die Mannschaft hat sich nicht weiterentwickelt, auch einzelne Spieler nicht. Es steht mir nicht zu, zu beurteilen, inwieweit das mit dem Trainer zusammenhängt. Wie gesagt, wir haben intern oft diskutiert.
16vor: Viel diskutiert wurde auch über den ein oder anderen Neuzugang. Sind Sie manchmal selbst überrascht, wie schnell mancher Hoffnungsträger bei Eintracht Trier zum Mitläufer wird? Ich denke da an bundesligaerfahrene Spieler wie Markus Anfang oder Christopher Reinhard.
Fuchs: Das ist richtig. Durch die Reihe haben alle Spieler an Qualität verloren. Dieser Realität müssen wir ins Gesicht sehen, wir dürfen uns da nicht in die Tasche lügen. Das wäre fatal, denn Trier muss aus dieser Liga raus. Mannschaft und Spieler müssen besser werden. Dazu gehört auch der Trainer.
16vor: Ein weiteres Beispiel ist Sahr Senesie. Er hatte einen sehr guten Saisonstart, danach lief bei ihm kaum noch was. Können Sie sich erklären, warum?
Fuchs: Wenn die Erfolgserlebnisse ausbleiben, wie vor und nach dem Pokal-Aus gegen Köln, trifft das die psychisch nicht so stabilen Spieler besonders. Von dieser Sorte haben wir einige. Die hängen dann durch und verlieren noch mehr an Leistungsfähigkeit. Darunter hatte Sahr Senesie besonders zu leiden, zumal ihm die Fans, die sich im Großen und Ganzen sehr gut verhalten haben, das auch gesagt haben. Plötzlich trifft er dann keinen Ball mehr. Da sind dann bestimmte Leute gefragt, die Spieler wieder aufzubauen.
16vor: Mario Basler kündigte bereits an, dass einige Spieler den Verein in der Winterpause verlassen sollen. Können Sie schon mehr dazu sagen?
Fuchs: Es wird niemand ausgeliehen werden. Florian Bauer verhandelt derzeit mit dem Oberligisten SVN Zweibrücken, der ihn gerne verpflichten würde. Alles andere ist aus der Luft gegriffen.
16vor: Positiver dürfte es finanziell bei Eintracht aussehen. Die Erfolge im Pokal haben dem Verein sicher gut getan.
Fuchs: Ja, das ist die erfreuliche Geschichte. Es freut mich für die Protagonisten im Verein, dass sie nicht mehr jeden Pfennig fünfmal herumdrehen müssen. Man hat dem Verein wieder ein gesundes Fundament gegeben. Es ist aber entscheidend, dass man jetzt auf dem Boden bleibt und – da spreche ich alle Beteiligten an – dass man professionell, akribisch und ehrlich arbeitet. Dann hat der Verein eine Zukunft, die Voraussetzungen sind da.
16vor: Zur Professionalität gehört auch Ehrgeiz. Manchmal hatte man in der Hinrunde das Gefühl, dass der fehlt, zum Beispiel nach dem 0:0 gegen Mainz. Da zeigte sich mancher sogar zufrieden mit dem schwachen Spiel.
Fuchs: Ich erinnere mich an das Spiel. Wir haben rund 40 Minuten gut gespielt, die zweite Halbzeit war dann ganz schlecht. Die Achterbahnfahrt zeigte sich also auch in diesem einzigen Spiel. Ich kann nicht nachvollziehen, wie man damit zufrieden sein kann. Ich jedenfalls war es nur mit der ersten Halbzeit.
16vor: Was sind nun die Ziele für die Rückrunde?
Fuchs: Ich persönlich hoffe, dass es uns gelingt, uns zu stabilisieren. Von der Meisterschaft zu reden, wäre unrealistisch bei 15 Punkten Rückstand. Da müsste schon ein Wunder passieren. Auf den dritten Platz sind es aber nur vier Punkte. Dieser Platz muss unser Ziel sein.
von Christian Palm





23. Dezember 2009 (13:34 Uhr)
Sehr gutes Interview mit klaren Worten.
23. Dezember 2009 (15:19 Uhr)
Fritz Fuchs spricht offen und ehrlich!
Dann soll er als sportlicher Leiter auch etwas unternehmen und im Stall ausmisten…
23. Dezember 2009 (20:52 Uhr)
Kann mich der Meinung von RST nur anschließen: ein sehr gutes Interview, das exakt die Probleme anspricht.
@ Storno
Das wird er auch tun – drauf kannst du dich verlassen.
24. Dezember 2009 (15:25 Uhr)
Sehr gutes Interview: Interessante Fragen sowie klare Aussagen in ungewohnter Deutlichkeit. Fuchs leistet sich eine eigene, nonkonformistische Meinung. Falls er (wie erwartet) auf taube Ohren stoßen sollte- Herr Fuchs, übernehmen Sie.