Weihnachten in der Besetzerfamilie
Während die meisten Studenten längst ihre Sachen gepackt hatten, um nach Hause zu fahren und die Feiertage im Kreise ihrer Familien verbringen, entschieden sich einige der Besetzer des Seminarraums B 22 dazu, auch über Weihnachten ihren Bildungsstreik auf dem Taforster Campus fortzusetzen. Schließlich habe der Kampf für eine bessere Bildungspolitik “jetzt erst richtig begonnen”, sagen sie. So wird der Bildungs- auch gleich noch zum Weihnachtsstreik. Doch völlig sang- und klanglos wird das Fest an den Besetzern nicht vorbeirauschen: Eine Kommilitonin sorgt an Heiligabend fürs Weihnachtsessen, und eine kleine Bescherung soll es auch geben.
TRIER. Jonas Beller ist einer der Weihnachtsstreikenden. Damit führt er gewissermaßen eine Familientradition fort: “Ich bin in der Friedens-, Umwelt- und Frauenbewegung aufgewachsen. Schon mit drei Jahren stand ich vor einem Atomkraftwerk und habe demonstriert. Deswegen bleibe ich jetzt auch hier dabei”. Beller entschied sich mit drei anderen Mitstreitern, auch an Heiligabend den Raum B 22 an der Universität besetzt zu halten, anstatt mit der Verwandtschaft zu feiern: “Natürlich wäre ich gerne bei meiner Familie”, räumt er ein, um dann sogleich zu ergänzen: “Aber für mich ist es wichtiger, auf die Krankheiten unserer Gesellschaft hinzuweisen und meine Mitmenschen wachzurütteln”.
Die Besetzung während der Weihnachtstage wurde erst durch mehrere Diskussionsrunden zwischen Uni-Präsident Professor Peter Schwenkmezger, Hochschulkanzler Dr. Klaus Hembach und den Streikenden möglich. Während es am Dienstag noch so schien, als seien die Fronten verhärtet, ging Schwenkmezger am Mittwoch auf die Studierenden zu und einigte sich mit ihnen auf eine geduldete Besetzung während der Schließung der Universität zwischen dem 24. Dezember und dem 4. Januar. Voraussetzung der Vereinbarung ist, dass die Studierenden während dieser Zeit die “volle Verantwortung für B 22 sowie die Ein- und Ausgänge” übernehmen. “Ich komme die Tage mal vorbei, um zu sehen, wie es euch geht”, kündigte Schwenkmezger an, als er sich von den Besetzern in die Feiertage verabschiedete.
Auch Katya Engelmann wird Weihnachten an der “Alma Mater” verbringen: “Für mich haben die Feiertage keine große Bedeutung. Ich hätte allerdings auch großen Verzicht geübt, um das Ding hier am Laufen zu halten”, berichtet sie. Die Streikenden sehen ihre Aktion in erster Linie als Symbol für ihre Beharrlichkeit: “Wir werden an den Feiertagen neue Kraft schöpfen. Wichtig ist, dass wir überhaupt präsent sind und die Öffentlichkeit sieht, dass wir solange besetzen, bis unsere Forderungen erfüllt sind”, erklären Engelmann und Beller unisono. Die vergangenen Wochen haben nach Auskunft der Beteiligten aus einer einstmals heterogenen Gruppe eine Art Familie gemacht, für die der Raum B 22 so etwas wie ein Wohnzimmer darstellt. Deswegen waren sie sich von Anfang an auch einig, selbst an Weihnachten an ihrem Projekt gemeinsam weiter zu arbeiten.
Wichteln und Weihnachtsessen
Fragt sich, wie denn der Heiligabend im engeren “Familienkreis” in B 22 gefeiert wird? “Eine Besetzerin wird ein Weihnachtessen zubereiten und an die Uni bringen. Außerdem werden wir wichteln und unsere Geschenke zusammen auspacken, die wir von zu Hause zugeschickt bekommen haben”, berichtete Katya Engelmann am Vorabend von Heiligabend gegenüber 16vor. Ein kleiner Weihnachtsbaum und eine Lichterkette an der Wand sollen außerdem ein wenig weihnachtliche Stimmung erzeugen. Nach den Feiertagen wollen die Besetzer dann ihre Arbeit fortsetzen: “Die Ferien sind ideal, um konstruktiv zu arbeiten, weil niemand von uns Veranstaltungen besuchen muss”, erklärt einer aus der Runde.
Die Universität Trier ist mit der Einigung zwischen Hochschulleitung und den Studierenden die einzige in Rheinland-Pfalz, an der auch während der Schließungszeiten die Besetzung fortgeführt wird. “Wir bedauern natürlich, dass nur wir so hartnäckig sind und hier sitzen bleiben. Gleichzeitig sind wir der Hochschulleitung dankbar, dass sie uns entgegengekommen ist“, kommentiert Beller das Ergebnis. In Zukunft wollen die Protestler dafür sorgen, die Wahrnehmung der Öffentlichkeit für den Bildungsstreik zu verändern. Ihrer Ansicht nach geht es dabei nicht ausschließlich um Hochschulpolitik, sondern vielmehr um eine generelle Bildungsdebatte und langfristig um einen Gesellschaftsentwurf. Katya Engelmann blickt deswegen optimistisch nach vorne: “Wir sind die größte Studentenbewegung seit den 68ern und haben gerade mal die Aufwärmphase hinter uns”.
von Volker Haaß





24. Dezember 2009 (15:18 Uhr)
Ich wollte nur grad klarstellen, dass es sich nicht um eine reine Studentenbewegung handelt. Wir sind ständig bemüht auch Schüler, Azubis, Gwerkschaften usw. mit ins Boot zu holen. Deswegen ist die Bezeichnung Studentenbewegung vielleicht etwas unglücklich gewählt, obwohl man ehrlich zugeben muss, dass wir nun mal die sind, die das Ganze angezettelt haben und auch jetzt am Intensivsten daran arbeiten.
Katya Engelmann
24. Dezember 2009 (16:55 Uhr)
Hey Katya, Grüße nach B22!
Ich muss aber gerade mal sagen: Wir sind nicht die die das Ganze angezettelt haben.
Der Schülerstreik ging dem Bildungsstreik vorraus und wir haben im Prinzip alle (SchülerInnen, Studierende, Gewerkschaften,… und wer noch alles dabei ist) daran angeknüpft. Leider treten die SchülerInnen eben durch Medienberichte etwas in den Hintergrund…
Und B22, um das auch nochma klar zu stellen, ist nicht nur Wohn-, sondern vor allem Arbeitszimmer ;)
Ansonsten: Guter Artikel
24. Dezember 2009 (22:41 Uhr)
Ich wünsche Euch allen fröhliche Weihnachten in B22.
Danke, dass ihr für uns die Stellung haltet.
Liebe grüße
25. Dezember 2009 (00:42 Uhr)
P.S.: Die Besetzenden würden sich über eine regere Unterstützung aus der Bevölkerung freuen, sowohl personell als auch finanziell.
AUCH LEBENSMITTELSPENDEN SIND IMMER HERZLICH WILLKOMMEN!
Liebe Grüße, B22
25. Dezember 2009 (09:57 Uhr)
Also seid mir bitte nicht bös, aber euren Lebenunterhalt müsstet ihr doch auch ohne Streik selbständig bestreiten. Oder würdet ihr dann auch um Lebensmittelspenden bitten.
Mir ist gerade der Begriff “schnorren” in den Sinn gekommen…..
Ich werde das Gefühl nicht los, dass euer Streik langsam zum Selbstzweck verkommt.
25. Dezember 2009 (11:34 Uhr)
@Jens:
aha B22 ist ein Arbeitszimmer?! ;-) Nur seltsam, dass in der letzten Uni-Woche jemand morgens mit einem Bademantel und in Badelatschen aus dem Raum kam ;-)
25. Dezember 2009 (11:44 Uhr)
Frohe Weihnachten! “Studentenbewegung”?! Das ich nicht lache…
25. Dezember 2009 (16:27 Uhr)
Das Ganze ist inzwischen äußerst lächerlich, nutzt lieber die Zeit euer Studium endlich zu Ende zu bringen und dem Staat (und somit auch der arbeitenden Bevölkerung) nicht noch länger auf der Tasche zu liegen!
25. Dezember 2009 (18:17 Uhr)
wenn ihr nur halb so viel zeit zum lernen und studieren nutzen würdet wie zum protestieren und streiken, wäre euer studium schon längst abgeschlossen……lehrjahre sind keine herrenjahre!
25. Dezember 2009 (20:44 Uhr)
Rührend…, süss…,
tja wenn die Welt sonst keine Probleme mehr hat, kann ich beruhigt schlafen gehen…
25. Dezember 2009 (23:06 Uhr)
Frohe Weihnachten.
Macht weiter.
@markus: stimmt, es müsste Studierendenbewegung heißen.
@lächerlich: meine Steuergelder dürfen sie gerne verbrauchen.
@”gebürtiger Trierer”: keine Jahre sind Herrenjahre.
26. Dezember 2009 (00:01 Uhr)
frohe weihnachten und solidarische grüße aus karlsruhe ;)
26. Dezember 2009 (01:13 Uhr)
…göttlich!
Endlich Leute, die auch meiner Meinung sind!
Investiert die Zeit in euer Studium! So anstrengend kann das BA/MA Studium ja anscheinend doch nicht sein, wenn Zeit bleibt, sinnloserweise einen Raum zu besetzen!
Ich selber befinde mich auch im MA Studium und habe zuvor ein BA Studium durchgezogen! Auch ich musste nebenbei arbeiten gehen und meine Familie bekam mich trotzdem noch zu Gesicht! Bafög stand mir übrigens keines zu und von meinen Eltern war auch nichts zu erwarten, falls jemand jetzt meint, das wieder als Argument anführen zu müssen! Wenn man sich selbst ein wenig organisiert bekommt, dann sollte das auch funktionieren!
Dieser Streik ist längst zum Selbstzweck geworden!
26. Dezember 2009 (07:11 Uhr)
Solidarische Grüße an B 22 !
Richtig- letztlich geht es um einen Gesellschaftsentwurf, der den Anforderungen des begonnenen – habenden dritten Jahrtausends genügt.
Die Weltwirtschaftskrise war mehr als eine Kolik, eines eigentlich überholten Systems…
26. Dezember 2009 (10:46 Uhr)
@Kopfschüttler
@Markus
@Lächerlich
@gebürtiger Trierer
Das Verständnis der Trierer Ureinwohner ist unglaublich. Scheinbar hat sich seit den 80ern, als ich noch bei den letzten Die-Ins auf dem Hauptmarkt mir Sätze wie “Euch hat man wohl vergessen, zu vergasen” habe anhören dürfen, nur soviel geändert, dass nun die Söhne- und Töchter-Generation der damaligen älteren Herrschaften deren Einstellung eins zu eins geerbet haben. Auch die dürften inzwischen mitgekriegt haben, dass man derlei Äusserungen nicht mehr öffentlich macht – dafür müssen jetzt diese Pseudo-Sätze wie “geht erst mal arbeiten” oder “studiert doch mal richtig” herhalten. Auch das damals so beliebte “Geht doch nach drüben” ist nicht mehr im Beschimpfungskanon enthalten, weil das “drüben” sich ja bekanntlich in ein “hüben” verwandelt hat. Miese Zeiten für konservative Beschimpfer und Verständnislose also – aber leider haben diese immer noch eine fette Mehrheit – in Trier mehr als woanders im Land. Und: leider sind viele von denen inzwischen online und dürfen ihre verständnisfreien Vorurteile auch anonym absondern. In den Köpfen hat sich noch nichts geändert.
26. Dezember 2009 (14:49 Uhr)
Ich kann nicht glauben, welche Kommentare ich hier lese. Da nutzen junge Menschen ihr demokratisches Recht auf Protest und werden hier auf übelste Weise beschimpft. Habt ihr euch jemals mit den Forderungen der Protestierenden ernsthaft auseinandergesetzt, bevor ihr Unterstellungen wie “Das ist ja nur noch Selbstzweck” aussprecht?
Meine Solidarität gilt den Menschen, die nicht der Wirtschaft überlassen wollen, wie ein Studiengang aussehen soll. Leute, die endlich einen Diskurs darüber anregen, was Bildung bedeutet und wie sie organisiert sein soll – schließlich sind wir erst so weit gekommen, weil Leute sich über Jahrzehnte nicht damit auseinander gesetzt haben, wie ein gerechtes Bildungssystem aussehen soll. Also: Wie wäre es mit vernünftigen oder konstruktiven Beiträgen statt wüsten Beschimpfungen.
Weiter so, Leute!
26. Dezember 2009 (17:10 Uhr)
die aufforderung, sich zusammenzureißen und endlich das studium durchzuziehen statt zu streiken, ist ja nicht mehr zu ertragen!
glaubt ihr, die ihr so redet, etwa im ernst wir würden nicht in der lage sein, ein bachelor-studium zu schaffen? wir KÖNNEN das wohl, aber wir WOLLEN nicht.
wir wollen nicht die immer gleichen ideen auswendig lernen und reproduzieren, was schon vor uns und vor euch da war. wir wollen denken lernen, das braucht zeit und das braucht platz für kreativität.
dank an alle, die in trier auch über weihnachten die stellung halten und dafür kämpfen, dass das denken lernen nicht ausrangiert wird.
26. Dezember 2009 (18:22 Uhr)
Schön, dass du dich als “Beobachter” so dermaßen aus der Anonymität heraus wagst…. Insofern ist deine Kritik natürlich sehr angebracht…. *kopfschüttel*
26. Dezember 2009 (19:57 Uhr)
“Ihrer Ansicht nach geht es dabei nicht ausschließlich um Hochschulpolitik, sondern vielmehr um eine generelle Bildungsdebatte und langfristig um einen Gesellschaftsentwurf”
Was kommt als nächstes? Eine Kommune in der AB-Cafete?
Das Ganze erinnert mehr und mehr an die Volksfront von Judäa. Oder an die Judäische Volksfront – ach nein, die sitzt da drüben…
26. Dezember 2009 (20:35 Uhr)
@Markus:
Zitat: “Studentenbewegung”?! Das ich nicht lache…”
Bevor man sich zum spottenden Klugscheißer erhebt, sollte man eventuell den Besuch eines Ortographie-Kurses in Erwägung ziehen. Ansonsten wirkt es dann doch ein wenig so, als stilisiere sich hier einer zum Chefkritiker angeblich verlauster Faulenzer, der selbst offenbar nach dem Grundschulabschluss die Segel gestrichen hat.
26. Dezember 2009 (23:26 Uhr)
Sich mit den 68ern in eine Reihe zu stellen, während man – mit Billigung der Obrigkeit in persona des Uni-Präsidenten – ein sinn-, lust- und ideenfreies Happening veranstaltet, ist gelebte Realsatire. Wann springt Herr Sonnenborn endlich aus B22?
27. Dezember 2009 (10:52 Uhr)
tzzz…
Zwei Sachen sind unendlich
—> Das Universum (nicht 100%ig bewiesen)
—> Die Dummheit mancher Menschen (kann man hier nachlesen)
Auf das die Proteste und die Besetzung weitergehe bis jedem ungeachtet der sozialen und geographischen Herkunft die Möglichkeit und das Recht zur Bildung ermöglicht und gewährleistet wird!
27. Dezember 2009 (17:08 Uhr)
Ich befürchte, dass die “Besetzer” sich mit diesem Artikel bzw. mit ihren Forderungen nach Lebensmittelspenden nun mal wieder gar keinen Gefallen getan haben. Diese “Besetzung” wird langsam zum albernen Happeníng, zur reinen Selbstdarstellung und wird an den teils berechtigten Forderungen rein gar nichts verändern.
Die Behauptung, dass man besetzen werde, bis “unsere Forderungen erfüllt sind”, ist aus dem Munde von doch angeblich mitdenkenden Studenten lächerlich und wecken eher den Eindruck, als habe man es hier mit trotzigen Kindern zu tun, die nicht nachgeben können oder wollen. Wer sich die Forderungen mal durchgelesen hat und ein Mindestmaß an Realitätssinn aufweisen kann, wird zu dem Entschluss kommen müssen, dass vieles nicht machbar, realitätsfern und teils einfach nur frech ist. Ein nicht geringer Teil der Forderungen ist undurchdacht und lässt den Eindruch aufkommen, dass es dem harten Kern längst nicht mehr um ein realistisches Konzept geht, sondern um wilde und völlig falsch verstandene Bildungs- und Sozialromantik, die es so nie gegeben hat und die es auch niemals geben kann. Leider rücken sich die Besetzer immer mehr in eine widerlich linksextreme Ecke, so dass man die Leute einfach nicht mehr als mitdenkende Gesprächspartner ernstnehmen kann.
Aha, sie besetzen, bis ihre Forderungen erfüllt ist. Das kann ja dann lustig werden, denn viele Forderungen sind, wie gesagt, schlichtweg überhaupt nicht erfüllbar bzw. können gar nicht von Einzelpersonen erfüllt werden. Es wird hoffentlich nur noch eine Frage der Zeit sein, bis Herr Schwenkmetzger auch mal wieder an die vielen Studenten denkt, die sich entweder gar nicht für diese Forderungen interessieren oder diese als unberechtigt und realitätsfremd einordnen, gleichzeitig aber mal gerne wieder ihren regulären Raumplan hätten. Die Besetzer schaden mittlerweile sehr vielen ihrer Mitstudenten, merken dies aber gar nicht. Die linke Einstellung, dass ein vernünftiger Kompromiss Verrat an der gerechten Sache sein könnte, macht auch diese Aktion langsam aber sicher zur kompletten Farce und wird wohl mit einem Polizeieinsatz und diversen Anzeigen beendet werden. Schade drum!
Eins sei noch gesagt: Das hier immer wieder geforderte Recht auf freie Bildung fängt erstmal im Kopf der Leute an. Dazu brauch man weder Raum B 22 noch eine revolutionäre Umstrukturierung der Unis oder gar der Gesellschaft. Diese Besetzer reden immer von einem notwendigen Gesellschaftsentwurf, den sie durchsetzen wollen, ziehen aber offenbar gar nicht in Betracht, dass ein absoluter Großteil ihren Gesellschaftsentwurf gar nicht haben will. Mit welchem Recht reden diese Besetzer dann von irgendwelchen Gesellschaftsentwürrfen, die _sie_ gerne so hätten, die andere aber gar nicht wollen?
Bilden kann ich mich auch fernab der Uni- nämlich mit meinen eigenen Gehirnzellen. Was ich lese, mit wem ich diskutiere, worüber ich nachdenke… das alles hängt nicht wirklich davon ab, ob die Uni Trier 1 Million mehr kriegt oder ob 3 neue Dozenten eingestellt werden oder ob bald jeder, der den Hauptschulabschluss mit Ach und Krach geschafft hat, auch studieren darf. Wer sich wirklich selbst und frei bilden will, kann das auch im stillen Kämmerlein tun, vor und nach dem vollbesetzen Seminar, fernab der Bib, fernab der Mensa… nur wollen das viele nicht, denn es ist ja viel toller, den Raum B22 zu besetzen. Wie gesagt, sehr schade!
27. Dezember 2009 (23:37 Uhr)
Hört mir doch auf mit “Bologna”! Nicht 1999, sondern 1964 war das Schlüsseljahr der deutschen “Bildungskatastrophe”. Dieses Wort jedenfalls benutzte Georg Picht – Heidegger-Schüler und Professor für Religionsphilosophie -, um die nach seiner Meinung zu geringe Abiturientenquote anzuprangern.
Sein Kampfbegriff fiel auf fruchtbaren Boden. Abiturienten um jeden Preis war fortan die Devise. Zwischen 1964 und 2008 stieg die Quote der Studienberechtigten von 7 auf 45 Prozent eines Jahrgangs. Damit selbst jene, die kurz vorm Ziel schlappmachten, nicht leer ausgingen, erfand man 1969 die Fachhochschulreife, und passend dazu die Fachhochschulen.
Diese waren von Anfang an Bachelor-mäßig verschult. Daran störte sich fast 40 Jahre lang niemand. Vor allem nicht die Universitätsstudenten, denen es eine Wonne war, auf die FH’ler herabzublicken und sich daran zu weiden, dass dereinst ihr Diplom ohne den karriereschädigenden Zusatz “(FH)” auskommen würde.
Was die Unistudenten in ihrer Hoffart übersahen: Auch ihr eigenes Studium war – lange vor Bologna – nur noch eine Karikatur des humboldtschen Bildungsideals. Für jeden halbwegs aufgeweckten Geist war es schon in den 80er Jahren eine Zumutung, an einer deutschen Uni zu studieren. In dieser intellektuellen Massenviehhaltung saufen kluge Menschen reihenweise ab, weil sie nicht erkannt, geschweige denn gefördert werden.
Daher ist die Entwicklung zum Einheitsabschluss nur konsequent. Dass die Mehrzahl der Studenten NICHT dagegen demonstriert, zeigt: Sie haben es nicht anders gewollt.
Für jene aber, die es anders wollen, wünsche ich mir Eliteuniversitäten nach englischem Vorbild. Natürlich mit Stipendien, damit jene, die materiell arm, aber geistig reich sind, nicht an einer deutschen Massenuni verblöden müssen.
28. Dezember 2009 (09:55 Uhr)
@Etwas Kritik:
Schweigende Mehrheit kann jede/r. Ist inhaltsleer und lame.
Bashing ala “bäh, mit denen red ich nicht, das sind Linke, vielleicht sogar Radikale” ist mir jetzt ehrlich gesagt auch zu erwachsen. Dann doch lieber Sandburgen bauen. ;-)
Ach ja…
Forderungen nach http://www.bildungsstreik-trier.de/?q=node/86
Einfach damit es bequemer nachlesbar ist.
1. Anpassung aller (modularisierten) Studiengänge an die Bedürfnisse der Studierenden im Sinne einer freien Bildung
2. Demokratisierung der Hochschule
3. Abbau von Zulassungsbeschränkungen
4. Abschaffung aller Studiengebühren
5. Verbesserung von Lehre und Forschung
6. Bedarfsdeckende Ausfinanzierung der Hochschulen
7. Bereitstellung von lernfördernden Räumlichkeiten
8. Aufstockung des Lehrpersonals
9. Einheitliche Transparenz des Universitätshaushalts
10. Humane Arbeitsbedingungen für alle Beschäftigten
11. Stärkere Einschränkung von Zwangsexmatrikulationen
12. Verbesserungen der digitalen Verwaltungsplattformen von LSF und StudIp
13. Ausstieg aus den bisherigen Ranking-Verfahren
14. Infrastrukturen für Studierende
Ist das eine “linksextreme Ecke”?
Bei dem Bezug auf `68 wusste ich ja nicht ob ich lachen oder heulen soll. Einerseits nett sich das zum Vorbild zu nehmen andererseits … der sogenannte “Bildungsstreik” ist purer Reformismus. Im Endeffekt werden vielleicht ein paar Brotkrumen vom Teller geklaubt um sie 4 Jahre später wieder aus der Hand gepickt zu bekommen.
Kritik an gesamtgesellschaftlichen Misständen, vielleicht sogar am Kapitalismus? Fehlanzeige.
Mein Wunsch fürs neue Jahr? Weg mit dem “Bildung-” vor dem Streik, her mit dem “General-”.
Dann klappts vielleicht auch mit den großen Vorbildern (hoffentlich eher Paris als Berlin) bzw vielleicht sogar damit sie zu übertreffen. Wäre auch ein paar Jahrzehnte nach deren Scheitern höchste Zeit.
Solidarische Grüße und ein frohes Neues an die Besetzer.
Weg von der reinen “Studentenbewegung” zu wollen ist doch schonmal ein verdammt guter Anfang.
28. Dezember 2009 (12:15 Uhr)
Guten Morgen!
Ja, in meinen Augen ist das eine ziemlich linke Nummer, und einiges kann man auch in die linksextreme Ecke stellen. Das linke Gehabe fängt für mich schon bei der Grußformel “solidarische Grüße” an, aber das stört mich nicht, jeder wie er mag. Der Linksextremismus geht in meinen Augen dort weiter, wo Forderungen gestellt werden, die weder finanzierbar noch sonstwie umsetzbar sind und die schon gar nicht dem Willen der Mehrheit der Studenten entsprechen.
Nehmen wir doch mal beispielsweise das hier: 1. Anpassung aller (modularisierten) Studiengänge an die Bedürfnisse der Studierenden im Sinne einer freien Bildung
Erstmal vermute ich, dass die meisten, die sich irgendwie “solidarisch” erklären, selbst gar nicht verstehen, was diese hochtrabenden Worte denn heißen sollen, aber zum Geisteszustand vieler Studenten später mehr. Was sind denn die Bedürfnisse der Studenten? Sind die Bedürfnisse aller das, was die Bedürfnisse der Besetzer sind? Ich glaube nicht! Was ist denn eine freie Bildung? Erklärt das doch mal der unwissenden Bevölkerung- wenn ihr es denn könnt! Inwiefern hängt eine freie Bildung maßgeblich von finanziellen Zuwendungen ab? Inwiefern ist eine freie Bildung gemäß “ich studier so lange was ich will und wie ich es will und andere sollen das bezahlen” mit irgendeinem gesamtgesellschaftlichen Solidaritätsdenken vereinbar? Bitte, füllt doch mal eure leeren Phrasen! Und wenn ihr das nicht könnt, weil das den Horizont so mancher 19-jähriger Neu-Studenten, die außer der Schule und dem Jugendraum nix kennen, übersteigt, dann sollten einige langsam wirklich lieber Sandburgen bauen!
So, und nun mal zu dem Problem, was hier schon angesprochen ist: Die Massenuni. Es gilt in Deutschland als chic, dass wir immer mehr Zugangshemmnisse zum Studium abbauen als so viele Leute wie möglich zum Abi schleppen. Das klingt toll, das klingt modern, das klingt doch mal nach Chancengleichheit! Leider ist das alles gar nicht so toll, und niemand profitiert davon, wenn alle alles haben können sollen, was eine Unizugangsberechtigung angeht. Dass früher nur 7% einen Jahrgangs zum Studium zugelassen worden sind, hatte, und das kann man gar nicht verneinen, natürlich finanzielle Gründe. Kinder aus sogenannten “armen Bauernfamilien”, die es in der Region zahlreich gab, konnten kein Gym besuchen. Deren Eltern hatten weder das Geld für die Bücher noch für die Busfahrkarte. Und dass das nicht richtig war, wird niemand bestreiten. Heute haben wir ein verbessertes Sozialsystem, wir kennen Bafög und Stipendien, wir können Bücher ausleihen. Die Forderung, dass es nicht am Geld liegen darf, wer was lernt, unterschreibe ich immer! Aber die Forderung, dass jeder studieren soll, unterschreibe ich NICHT! Der Anstieg von 7 auf geschätzte 45% an Abiturienten liegt nicht nur daran, dass heute die finanziellen Mittel andere sind. Das liegt in erster Linie daran, dass die Anforderungen derart nivelliert worden sind, dass heute jeder irgendwie durchgeschleppt werden soll, egal, ob seine intellektuelle Begabung das zulässt oder nicht! Und das ist ein Problem- und zwar für alle!
Wenn ich meine eigene Oberstufenzeit Revue passieren lasse, erinnere ich mich an viele, die da saßen, die eigentlich überhaupt keine Lust auf eine Oberstufe hatten, deren Eltern das aber so wollten… die keine Lust aufs Lernen, aber auch keine Lust zum Arbeiten hatten… die schon früher bemerkt haben, das Lernen ihnen nicht so liegt, denen man das aber nie mal deutlich gesagt hatte…. nun ja. Da saßen viele, die sich selbst und die anderen gequält haben- und die Lehrer mit dazu. Da wurde das Lesen fremdsprachlicher Lektüren nicht zum intellektuellen Genuss, sondern zur nervigen Farce, weil da Leute saßen, die überhaupt nicht kapiert haben, was man da lesen konnte. Und damit die Klausur nicht allzu übel ausfiel, wurde das Niveau eben angepasst und dann hatten die Nixkönner wenigstens noch ihre schrftliche 4 und auf dem Zeugnis vielleicht sogar ein Befriedigend, obwohl ihre Kenntnisse lächerlich waren/sind und niemals dem entsprechen können, was man früher auf einem Gym an Bildung erwerben konnte.
Und so ging das auch in der Uni weiter. Da sitzen Leute, die nicht aus Interesse an Bildung dort sitzen, sondern dort ausharren, weil Papi das will, weil sie selbst nix anderes wissen oder können, weil Arbeiten ja auch doof ist, weil Studieren ja geil sein soll… Himmel. Das, was da heute in Proseminaren sitzt und abläuft, hat doch nix mehr mit einem humboldtschen Bildungsideal zu tun! Und das hat nicht mal in erster Linie etwas damit zu tun, dass dort heute meinetwegen 50 Leute sitzen und keine 20! Wenn das 50 tolle Leute wären, wärs doch egal! Auch mit 50 Leuten kann man super diskutieren, sich vernetzen, Arbeitsgemeinschaften bilden, Einzelaspekte in Gruppenarbeit neu beleuchten und vertiefen! Das Problem ist, dass von den 50 Leuten geschätzte 40 überhaupt kein Interesse daran haben, was da läuft! Und/oder dass sie überhaupt nicht in der Lage sind, dem zu folgen, was dort diskutiert wird!
Schaut doch mal in die Räume rein! Wie viele Studenten sitzen ihre Zeit ab, indem sie Käsekästchen spielen oder Kinderriegel essen oder 20 mal während der Veranstaltung aufs Klo gehen! Viele Seminare sind heute keine akademischen Veranstaltungen mehr, sondern erweiterte Kinderbetreuung von jungen Erwachsenen, die die Uni als Zeitvertreib ansehen und an einem akademischen Abschluss, für den man etwas leisten muss, so wenig interessiert sind wie Oskar Lafontaine und realistischen Konzepten!
Und wer möchte, dass akademische Veranstaltungen wieder ein akademisches Niveau bekommen, der sollte als erstes mal aufhören, die Einheitsschule für alle zu fordern! Wir können der Sache nur habhaft werden, indem wir an den Unis aufräumen und all denen, für die es nur ein lästiger Zeitvertreib ist, klarmachen, dass sie dann dort falsch sind! Wenn mal wieder alle, die überhaupt nicht dem Niveau einer guten Uni entsprechen, dort ausgesiebt werden, dann hebt sich auch wieder das Niveau und dann sind die Räume auch mal wieder leerer. Dann ist wieder mehr Platz für die, die dort _wirklich_ etwas tun wollen und die wirklich lernen, diskutieren, verändern wollen…
Und dann brauchen wir auch kein Bachelor mehr! Der Bachelor bedient auch die Tatsache, dass immer mehr ungeeignete Studenten verschult durch dieses System geführt werden müssen, weil wir ansonsten eine extrem hohe Abbrecherquote hätten! Das ist doch alles politisch so gewollt und jeder, der Einheitsschulen fordert, unterstützt das auch!
28. Dezember 2009 (17:51 Uhr)
B22 – eine Stellungnahme
Zunächst ein Wort zu den beteiligten Studierenden: In der Regel sind diese darauf angewiesen ihr Studium parallel zum Streik fortzuführen, da die mangelnde Beteiligung am Bildungsstreik die Möglichkeit zum Boykott ganzer Lehrveranstaltungen ausschließt.
Wenn “anonyme Kopfschüttler” und “die etwas kritischen” Dozenten diese Bewegung unterstützen würden, bekämen sie auch die nötige Einsicht und Weisheit um die gesamtgesellschaftliche Relevanz solcher Aktivitäten zu begreifen. Stattdessen zeigt man nur all zu oft mit nackten Fingern und schlechten Argumenten (“Schnorrer”…) auf Streikende wie damals auf “Die Weiße Rose” um die Geschwister Scholl, ihre Kommilitonen und Universitätsprofessor Hubert.
Nun zu den Forderungen: Eine Liste existiert bereits, mehr dazu auf http://www.bildungsstreik-trier.de. Wie man sich vorstellen kann, ist die Erstellung einer derartigen Liste mit Forderungen auf Bundesebene ein etwas komplizierteres Projekt und zwangsweise von längerer Dauer.
Zur “Bedürftigkeit”: Wenn um Unterstützung gebeten wird, ist damit Hilfe zur Linderung gesellschaftlicher Erkrankungen gemeint. Diese äußern sich z.B. in Form von leistungsdruck- und stressverursachten Erkrankungen im physischen und psychischen Sinne, aber auch durch Politikverdrossenheit, Unmündigkeit und mangelndes Demokratieverständnis.
Um dem entgegenzuwirken, investieren die Besetzenden viel Zeit, Geld und Energie, welche sie eigentlich für ihre überladenen Studiengänge bräuchten. Das ist belastend aber zum Wohle der Gesellschaft hinnehmbar.
Wenn sie aber mehr Menschen einladen und ihren Blick für die zunehmende Brisanz der gesellschaftlichen Misstände schärfen wollen, können sie ihnen nicht auch noch den Kaffe ausgeben. Dies scheint aber leider notwendig zu sein, um Möglichkeiten und Anreize zur Mitarbeit zu offerieren.
Zum Thema “demostrieren bringt doch nichts, die Politik macht ja doch was sie will”:
Wäre das Volk davon ausgegangen, stünde die Mauer noch heute!
28. Dezember 2009 (20:27 Uhr)
@ Jonas
Respekt… Immer wenn man glaubt, man hätte schon so einiges gesehen an schiefen Bildern und jeglicher Perspektive entbehrenden historischen Vergleichen, dann taucht aus den unendlichen Weiten des (lokalen) Internets wieder jemand auf, an dem diverse Stunden Geschichtsunterricht ganz offensichtlich ergebnislos abgeperlt sind.
Um es ganz klar zu sagen:
Ein Vergleich der aktuellen Streikbewegung mit den 68ern ist nicht ganz unproblematisch, aber eventuell noch nachvollziehbar.
Ein Vergleich der aktuellen Streikbewegung mit den Protesten in der ehemaligen DDR 1989, die zum Mauerfall führten ist einigermaßen lächerlich.
Ein Vergleich der aktuellen Streikbewegung mit der “Weißen Rose” ist absolut bodenlos. Und tun Sie mir jetzt bitte den Gefallen und fragen nicht, warum.
28. Dezember 2009 (22:59 Uhr)
“Stattdessen zeigt man nur all zu oft mit nackten Fingern und schlechten Argumenten (”Schnorrer”…) auf Streikende wie damals auf “Die Weiße Rose” um die Geschwister Scholl, ihre Kommilitonen und Universitätsprofessor Hubert.”
Ich finde diesen Vergleich mit der “Weißen Rose” ehrlich gesagt unter aller Kanone. Vielleicht solltet Ihr Eure “Bewegung” mal mit etwas mehr selbstkritischer Distanz betrachten.
29. Dezember 2009 (08:31 Uhr)
Guten Morgen,
schön, dass es eine “Stellungnahme” gibt, weniger schön, dass diese inhaltlich nahezu komplett an dem vorbeigeht, was vorher hier kritisiert wurde.
Dass es eine Liste mit Forderungen gibt, ist bekannt, ohne dass Herr Beller darauf nochmals hinweisen müsste. Es kritisiert auch niemand die Tatsache, dass es Forderungen gibt, es wird aber sehr wohl kritisiert, dass diese Liste zum überwiegenden Teil auch Phrasendrescherei besteht. Von mir angesprochen wurde zB die Formulierung “die Bedürfnisse der Studenten”. Nun, was sind denn die Bedürfnisse der Studenten letztendlich? Sind die Bedürfnisse der Besetzer die Bedürfnisse der gesamten Studierendenschaft? Sind die Bedürfnisse der Besetzer die Bedürfnisse der Gesamtgesellschaft? Ich wage das sehr zu bezweifeln, nicht umsonst steht der Bildungsstreik in seinen Auswüchsen mittlerweile sehr in der Kritik und wird von vielen Studenten, wenn man sich mal auf dem Tarforster Campus umhört, mehr als sinnlose, alberne Belastung empfunden. Das Audimax wurde lange blockiert, Veranstaltungen konnten nicht stattfinden, einzelne mussten befürchten, dass sie wegen Ausfalls der Veranstaltungen keine Points bekommen, es gab nur Chaos… toll! Fragt sich, inwiefern so etwas legitimiert ist, wenn sich letztendlich kaum einer der Studenten dafür interessiert oder es gar als unnötig und in der Durchführung inakzeptabel abtut. Dass die Besetzer von einer wilden linken Bildungs- und Sozialromantik träumen, die es so nie gegeben hat und nie geben wird, ist ja offensichtlich. Sie ignorieren aber leider völlig die Tatsache, dass geschätzte 97% allein der Trierer Studenten überhaupt keinen Wert auf den ach so selbstherrlichen Einsatz für die vermeintlichen Erkrankungen der Gesellschaft legen, weil sie a) gut damit zurechtkommen oder b) es vielleicht nicht immer toll, aber notwendig und akzeptabel finden. Tja, und wie ich es bereits ausgeführt habe: Wer auf der einen Seite die Einheitsschule für alle und den Abbau von Zugangshemmnissen zur Uni fordert, muss sich darüber bewusst sein, dass der Masse statt Klasse fordert. Und wenn irgendwann die Klasse kaum mehr da ist, die Masse die Veranstaltungen regiert… dann sind Studienformen wie Bachelor letztendlich die einzige Möglichkeit, die Masse durch die Uni zu leiten. Schade, dass man darauf in der Stellungnahme nicht mal eingeht.
Zum Thema Bedürftigkeit: Hier muss man sich wirklich zusammenreißen, dass einem nicht der Kragen platzt. Die Besetzer sind also bedürftig? Pardon, aber das ist sowas von lächerlich und wirklich Bedürftigen gegenüber ein absoluter HOHN! Es ist die alleinige Entscheidung dieser Leute, dort oben zu sitzen und sich einzureden, man bekämpfe ja gesellschaftliche Erkrankungen und stehe damit moralisch auf einer höheren Stufe als der Rest der Bevölkerung, der die vermeintlichen Erkrankungen noch nicht bemerkt hat. Jedem das seine- wer Spaß daran hat, in diesem miefenden, versifften Raum zwischen Plakaten und ungespülten Kaffeetassen zu sitzen, um sich selbst auf die Schulter klopfen zu können, der sollte dies tun. Sich dann aber als bedürftig zu deklarieren und Lebensmittelspenden einzufordern- nee. Das geht gar nicht. Das ist frech und respektlos all jenen gegenüber, die wirklich bedürftig sind. Jeder, der auch nur mit dem Gedanken spielt, den 4 Nasen dort oben irgendwas an Lebensmitteln zu spenden, wäre besser damit beraten, diese Lebensmittel der Trierer Tafel zu geben oder eine Patenschaft in Afrika zu übernehmen. Dort verhungern nämlich jeden Tag Tausende Kinder, ohne das es wirklich jemanden interessiert. DAS sind gesellschaftliche Erkrankungen- und nicht die Tatsache, dass es im Leben nicht immer alles umsonst gibt und man diese ewig gestrige Nehmermentalität langsam nicht mehr hören kann!
Noch kurz zum Vergleich mit der Weißen Rose: Wenn sich die Besetzer in ihrem Tun wirklich mit den Geschwistern Scholl auf eine Stufe stellen wollen, íst ihnen wohl nicht mehr zu helfen. Wenn die Tatsache, dass junge Menschen ihr Leben eingesetzt haben, um gegen den Nationalsozialismus zu kämpfen und hingerichtet worden sind, von den Besetzern als vergleichbar mit dem Rumsitzen in einem Seminarraum angesehen wird, wage ich wirklich am Geisteszustand einiger Damen und Herren aus B 22 zu zweifeln.
29. Dezember 2009 (11:23 Uhr)
@Beobachter:
Weder bin ich konservativ, Trierer Ureinwohner, noch “die Söhne- und Töchter-Generation der damaligen älteren Herrschaften”! Ich bin einfach jemand der es satt hat, dass sich ein kleiner (!) Haufen von selbsternannten Vertretern der Studierendenschaft Triers planlos um die eigene Achse drehen und unsere Uni mit Transparenten zumüllen! Dies schürt Unmut bei allen und führt zu gar nichts.
@B22: Tut uns einen Gefallen und räumt den Raum endlich! Wartet ab was passiert und dann kommen wir ALLE wieder.
Zu Deinen Die-Ins Beobachter? Es kam dann doch alles wie es kam und es war gut so…
29. Dezember 2009 (11:28 Uhr)
@Maurizio Becker: Persönliche Beleidigungen helfen der Diskussion weiter zu kommen. Weiter so Maurizio!
29. Dezember 2009 (12:59 Uhr)
Mmpfff – hab gerade köstlich gelacht.
Wie weltfremd das kleine versprengte Trüppchen Protestierender ist, zeigt sich in den Vergleichen mit dem Mauerfall und der weißen Rose.
Vielleicht solltet ihr euer Verhalten wirklich einmal reflektieren und überlegen, wie weltbewegend eure Veranstaltung tatsächlich ist und ob eure Forderungen auch nur im entferntesten von einer Mehrheit von Studierenden mitgetragen und gutgeheißen werden.
Letztlich ist es einfach nur lächerlich, unter Ausschluss der Öffentlichkeit ein derartiges Sit-in abzuhalten und dann auch noch hochtrabende Vergleiche anzustellen.
Aber nichts desto trotz: ihr habt bestimmt ein schönes Happening. Könnt ihr auch noch ganz lange von erzählen…..
29. Dezember 2009 (16:40 Uhr)
Bei aller berechtigten Kritik an den Studienbedingungen sollte man sich mal die Mühe machen zu unterscheiden, wer in der bei genauren Betrachtung ziemlich hetrogenen Gruppe der Studierenden eigentlich was fordert:
1.
Der Vorwurf, das Studium sei zu verschult, kommt von einem Teil der Universitätsstudierenden, primär aus geisteswissenschaftlichen Fächern.
Das Problem sollte dort gelöst werden, wo es gelöst werden kann – nämlich in einer Reform der Studienordnungen der entsprechenden Fachbereiche. Zu verschulte Studiengänge sind kein grundsätzliches gesellschftliches Problem, sondern Ergebnis handwerklich mangelhafter Umsetzungsarbeit in den Fachbereichen und Dekanaten.
2.
Der Vorwurf, die Mittelausstattung ist zu schlecht, wird jede Universitätsleitung unterschreiben. Dafür muss man keinen Raum besetzten, dafür sollte man nach Mainz fahren um zu demonstrieren!
3.
Grundsätzlich:
Wenn man das politische Ziel verfolgt, mittelfristig bis zu 40% eines Jahrgang mit einem Hochschulabschluss “auszustatten”, dann wird dies nur durch eine Stärkung von Fachhochschulen und Berufsakademien gelingen. Es ist illusorisch zu glauben, dass 40% der Abiturienten ein akademisches Studium klassischen Zuschnitts an einer Universität durchlaufen können und wollen.
Klar ist dann auch: Dies ist mit Sicherheit kein Studium nach humboldschen Bildungsideal.
Aus Gerechtigkeitsaspekten entscheidend wird sein, wie der Zugang zu FH-/Uni genau von statten gehen wird.
29. Dezember 2009 (17:19 Uhr)
Lieber Kritiker,
Ich möchte auf deine durchaus richtige Kritik eingehen und versuchen, die von dir genannten Punkte aufzugreifen. Allerdings möchte ich sie in Hinsicht auf den Streik aus einer anderen Perspektive beleuchten: Du hast eine wie ich finde richtige Analyse der Situation an der Schule und damit vermutlich auch der Uni geschildert. Viele sitzen nur dort, weil sie nicht wissen, was sie sonst machen sollen und behindern damit ihr Umfeld. Auch ich leide darunter und fühle mich von all diesen uninteressierten, unkritischen und gelangweilten Mitschülern ausgebremst. Deine Schlussfolgerung finde ich allerdings gefährlich und vom Ansatz her falsch, nämlich diese Leute einfach auszusortieren und außen vor zu lassen. Man darf dieses Desinteresse nicht als Gegebenheit hinnehmen und so tun als seien es die ganzen Schüler und Studierenden selbst Schuld. Denn wenn wir mal ehrlich sind ist unsere Motivation und Willenskraft viel mehr von unserer Erziehung und Erfahrung abhängig als von unserem Willen. Da unsere idyllischen Familien nunmal auseinanderbrechen muss das Bildungssystem hier viel intensiver eingreifen als es das bisher tut und diese “Erziehungspflicht” für jene, die es nötig haben nimmt es im Moment nicht wahr. Deswegen kommt es meiner Meinung nach zu immer mehr Desinteresse und das ist durchaus ein Gesellschaftliches Problem. Dadurch kommen wir auch direkt zum nächsten Punkt: die Bedürfnisse der Studenten. Was sind denn demnach ihre Bedürfnisse? Die meisten würden wohl am liebsten ihr gesamtes Leben vor der Glotze mit Bier Titten und guter Musik verbringen. Im Alltag heißt das: Studium so schnell und einfach, wie möglich über die Bühne bringen und einen möglichst einfachen, gut bezahlten Job bekommen, sich ein Auto kaufen und fertig ist das Kunstwerk. Du siehst hoffentlich ein, dass gerade dieses Desinteresse eine Interessensvertretung unmöglich macht. Jetzt kann man sagen (so wie du das tust) dann brauchen wir solche Reformen, die die Studierenden bei der Stange halten und mit dem Füttern, was sie verstehen. Den Rest macht dann die schlaue Elite, die begriffen hat, wie die Welt funktioniert und der Rest soll zuarbeiten und die Schnauze halten. So war es übrigens auch in der Sowjet- Union und, Entschuldigung aber unter dieser Argumentationsrichtung bist du der Linksextremist. Deswegen schlage ich vor diese Links- Rechts Diskussion ab hier fallen zu lassen.
Der Bildungsstreik gibt hierrauf eine andere Antwort auch wenn ich zugeben muss, dass sie manchmal unglücklich formuliert ist. Die Antwort heißt eine andere Bildung einzuführen, eine Bildung, die jeden dazu befähigt, sich eine Meinung zu bilden, diese zu artikulieren. Eine Bildung, die Interesse an der Gesellschaft weckt und nicht vor dieser abschreckt. Eine Bildung, die nicht für jene begünstigte Elite gemacht wird, die einfach die besseren Startvorraussetzungen hatte. Das ist definitiv keine “Bildungs- und Sozialromantik” sondern die einzige Bildung, die ein sozialer- demokratischer Staat haben kann. Leider geht die Entwicklung gerade komplett in die entgegengesetzte Richtung und zieht immer mehr den stummen Konsumenten heran und das dagegen überhaupt noch aufbegehrt wird sollte man auf jeden Fall unterstützen. Denn wenn erst dann werden wir so weit sein, dass die wirklichen Probleme (die du auch angesprochen hast: Afrika ect.) in das Bewusstsein der Gesellschaft eindringen. Im Moment habe ich tatsächlich den Eindruck, dass diese Entwicklung von Politik, Wirtschaft und Medien ganz bewusst gefördert wird. Es ist also unglaublich wichtig, dass es noch junge Menschen gibt, die dagegen rebellieren. Das es dabei auch einige Mitläufer gibt sollte man als Begleitphänomen einfach nachsehen, die sind glaube ich jedoch engagierte junge Menschen, die ihre Meinung sagen und sich für ihre Interessen einsetzen. Und das sollte doch auch genau in deinem Sinne liegen oder?
Mit freundlichen Grüßen
Jonas G.
29. Dezember 2009 (17:29 Uhr)
hmm… im letzten Absatz fehlt ein Wort:
“Das es dabei einige Mitläufer gibt soltle man als Begleitühänomen nachsehen. Die meisten sind glaube ich engagierte junge Menschen, die ihre Meinung sagen nud sich für ihre INteressen einsetzen. Und das sollte doch auch genau in deinem Sinne sein oder?”
nochmal liebe Grüße
Jonas G.
30. Dezember 2009 (00:37 Uhr)
@Markus
Zitat:”Ich bin einfach jemand der es satt hat, dass sich ein kleiner (!) Haufen von selbsternannten Vertretern der Studierendenschaft Triers planlos um die eigene Achse drehen und unsere Uni mit Transparenten zumüllen! Dies schürt Unmut bei allen und führt zu gar nichts. (…)
Zu Deinen Die-Ins Beobachter? Es kam dann doch alles wie es kam und es war gut so…”Zitatende.
Führt zu gar nichts: werter Markus – was führt denn zu was? Aber es muss ja zu gar nichts führen – denn du bist’s ja zufrieden! Mit allem! “Es war gut so” – man muss sich schon in einer verdammt prvilegierten Position befinden, um die Gegenwart derart gottgefällig zu beurteilen – und nicht nur die Lage der Studierenden. Wenn du selbst dazugehörst: schnapp dir doch Muttis Staubsauger und mach die Uni sauber! Dieser schreckliche Müll, diese vielen Meinungen!
Wenn die Mehrheit nicht mitdemonstiert, ist das nicht ein Zeichen des Wohlgefühls und der Privilegiertheit, sondern Zeichen für die Schockstarre, das Ist-doch-eh-egal-Gefühl dieser Generation, der der Arsch auf Grundeis geht – im Bewusstsein, dass es ihr nie mehr so gut gehen wird wie Ihren Eltern. Da sie sich trotz mehrerer Jobs weder eine Kindertagesstätte noch irgendeine Art von menschenwürdiger Altersvorsorge werden leisten können, werden sie sowieso keinen Nachwuchs zeugen und daher demnächst aussterben. Spätestens dann ist die Uni “müllfrei”, mein Lieber. Und vorher kann man sie dann gern noch ein bisschen verschulen und an die Kandarre legen, gell?
30. Dezember 2009 (16:18 Uhr)
Ich habe die Argumentation von “etwas Kritik” und Jonas G. verfolgt und kann beide Seiten nachvollziehen. Der “Kritiker” hat sicherlich recht, wenn er sagt, dass ein grosser Teil der Leute desinteressiert ist. Das trifft nicht nur in Sachen Bildung zu, man sieht diese Haltung in vielen Bereichen im ganzen Land. Es gibt immer Leute die aus Bequemlichkeit heraus nichts tun, weil es ein schwererer Weg ist, etwas zu tun, statt zu warten, solange es einen nicht direkt betrifft. Und es gibt Leute die an einem Streik ebenfalls eher aus Bequemlichkeit als aus Überzeugung teilnehmen. Das ist Fakt.
Das bedeutet jedoch nicht, dass es keine Probleme gibt, denen es beizukommen gilt. Diese angesprochenen 97% vom “Kritiker” mögen den Streik als sinnlose Zeitverschwendung abstempeln der ihnen “[lästig erscheint]“, aber das entsteht eben aus der genannten Bequemlichkeit dieser 97%, denn würden alle am gleichen Strang ziehen, dann würde einem Streik sicherlich mehr Beachtung geschenkt werden. So würde es nicht lächerlich wirken, sondern ganz im Gegenteil eine enorme Wirkung haben.
Nun bleibt die Frage offen, für wen gestreikt wird, wessen “Bedürfnissen” versucht wird nachzukommen. Nach Meinung des “Kritikers” ist eine “Bildung für jeden” ein Produkt Linkem Denkens. Nicht durchführbar (ich entschuldige mich, sollte ich dies falsch aufgegriffen haben) und träumerisch idealistisch.
Ich stimme jedoch Jonas G. zu, dass man sicherlich in einem sozial-demokratischem Staat auf eine Bildung hoffen kann, die jedem zugänglich ist und eine umfangreiche Bildung beinhaltet (Dies wird ja mit Bachelor und Masterstudiengängen vereitelt, die dann den Studierenden meines Erachtens von allem, was nicht direkt mit seiner Ausbildung zu tun hat, abhalten. Dies wiederum führt zu einer Generation von Menschen mit Scheuklappen, die nur auf eine Sache spezialisiert sind.). Es ist kein träumerisches Denken, so etwas ist machbar, finanzierbar. Das “Masse statt Klasse”-Denken sehe ich hier nicht. Es geht unter anderem schätze ich auch darum, das Studium für den Studierenden finanzierbarer zu machen, für jemanden, der sicherlich die Klasse hätte, aber das Studium ohne enorme elterliche Mitfinanzierung nicht schaffen würde. Man würde dieser “Klasse” ermöglichen zu studieren, denen es momentan teilweise verwehrt bleibt (Wer meint BaföG reicht um Miete, Bücher und alltägliche Anschaffungen zu decken, den muss ich leider berichtigen).
Wenn das Engagement gross genug wäre, würde der Staat etwas an der Lage ändern können. Denn man muss sich in Erinnerung rufen, dass man in einer Demokratie zu Lösungen kommen können muss und nicht gnadenlos ignoriert werden kann, wenn genug Leute (ich entschuldige mich für die Wiederholung) am gleichen Strang ziehen, denn dies ist schliesslich der Sinn dieses Systems.
Ich wage also zu behaupten, dass man etwas ändern KANN, wenn die Bequemlichkeit in der Prioritätenliste nicht weiter oben steht als die eigenen Prinzipien. Deshalb ist es löblich, dass Studenten ein Beispiel setzen und ermutigen, an so etwas teilzunehmen, auch wenn man, wie der “Kritiker” bereits sagte, aufpassen muss, dass es nicht ins Lächerliche abrutscht oder aus genannter Bequemlichkeit oder Mitläuferdenkens weitergetrieben wird, sondern aus Überzeugung.
Dies lediglich von meiner Seite, ich lasse mich sehr gerne berichtigen, da ich die Sache nur von außen betrachten kann und lediglich versuche es nachzuvollziehen.
Grüsse
Saki
PS: Ein weiterer Punkt geht an den “Kritiker” wenn er sagt, dass man das Engagement für den Streik nicht mit der “Weissen Rose” vergleichen kann. Das geht wohl ein paar Schritte zu weit, wenn man bedenkt, zu welchen Bedingungen die Geschwister Scholl ihren Widerstand leisteten.