“Kein Glück im Osten”*
Die Auswärtsschwäche der TBB Trier hält an: mit 78:61 verlieren die Trierer verdient das letzte Auswärtsspiel des Jahres 2009 beim Mitteldeutschen BC in Weißenfels. Ausschlaggebend: 25 Trierer Ballverluste, ein blendend eingestellter MBC und ein indisponierter Chris Copeland.
WEISSENFELS. Die letzte Auswärtsreise der TBB für dieses Jahr war auch gleichzeitig die weiteste: Gut sieben bis acht Stunden mit dem Mannschaftsbus quer durch die Republik nach Weißenfels in Sachsen-Anhalt. Viel Aufwand für das Trierer Team, das in letzter Zeit im Ruf steht, die Punkte am besten lieber gleich per Post zu schicken. Leider verlief das Spiel beim starken Aufsteiger genau wie erwartet.
Die “Wölfe” aus Weißenfels starteten mit aggressiver Verteidigung und schneller Offensive in die Partie: 3:0 durch den späteren Topscorer des Spiels Ade Dagunduro, 5:2 durch Guido Grünheid, der eine schlampige Defense von Chris Copeland eiskalt ausnutzt. James Gillingham gleicht per Dreier aus, dennoch sind die Hausherren klar im Vorteil. Trier lässt sich das Tempo der “Wölfe” aufzwingen, obwohl Yves Defraigne es gerade vor Auswärtsspielen gebetsmühlenartig wiederholt: In fremder Halle muss das Tempo kontrolliert werden, wenn man mit zwei Punkten nach Hause fahren will. Gleichzeitig hat es der MBC in der Trierer Hälfte viel zu einfach. Zwei Dreier in Folge von Pilcevic und Gamqrelidze bedeuten das 13:7, Trier verzettelt sich zu oft, steht zu weit weg vom Mann. Zur ersten Viertelpause steht es 19:15, “nur” vier Punkte Rückstand bei allerdings bereits sechs Ballverlusten für die TBB.
Das zweite Viertel beginnt ähnlich. Trier kann sich etwas besser in die Partie spielen, wirkt aber schlechter organisiert als die “Wölfe” und läuft konstant einem Rückstand hinterher. James Gillingham kassiert zwei Offensivfouls innerhalb von 30 Sekunden und geht folgerichtig auf die Bank, was die Trierer Defense nicht unbedingt stärkt. Der MBC kommt immer wieder dank seiner starken Verteidigung ins Laufen, beim Stand von 25:19 nach vier Punkten in Folge nimmt Defraigne die fällige Auszeit. Die fruchtet zumindest im Ansatz. Die TBB kommt mit Punkten von Maksym Shtein und einem Dreier von Jamal Shuler, der jetzt warmlief, auf 25:24 heran, kann durch drei Freiwürfe von Shuler in der Folge sogar ausgleichen (27:27). Doch viel mehr ging nicht. Beim Stand von 35:30 werden die Seiten gewechselt, die TBB hat immer noch viel zu viele Ballverluste auf dem Konto.
Dagunduro eröffnet die zweite Halbzeit mit einem Dreier zum 38:30; die TBB konnte dem nicht mehr allzuviel entgegensetzen, die starken Weißenfelser Grünheid, Dagunduro und Anatoly Kashirov zogen ihr Spiel auf; Highlight des dritten Viertels ein Alley Oop von Dagunduro auf Grünheid, der krachend zum 43:36 abschloss. Gegen Ende des dritten Viertels wurde die Führung zweistellig, vor allem auch dank einer Weißenfelser Verteidigung, die Chris Copeland zur Bedeutungslosigkeit verdammte. Stichwort Defense: James Gillingham musste bereits fünf Minuten vor Ende der Partie mit fünf Fouls vom Parkett, spätestens jetzt war die Messe gelesen. Weißenfels kam ohne Mühe zum Endresultat von 78:61. Bei Trier war über die gesamte Spielzeit einfach zu wenig zusammen gelaufen, außer Jamal Shuler (18 Punkte, 4 Rebounds bei 5 Turnovers) konnte kein Trierer Spieler wirklich überzeugen: Copeland komplett abgemeldet, Brown (immer noch) im Formtief, Pekovic unglücklich.
Die Auswärtsbilanz der TBB bleibt also katastrophal (sieben Spiele, sechs Niederlagen), dazu kommt ein schweres Heimprogramm in den nächsten Wochen. Bamberg (30.12.), Berlin (9.1.) und Bremerhaven (30.01.) sind alles andere als einfach zu spielen; dazwischen geht’s noch nach Düsseldorf und Frankfurt. Bis Ende Januar entscheidet sich also, ob es für die Trierer dieses Jahr wirklich gegen den Abstieg geht, oder ob ein sicherer Mittelfeldplatz angepeilt werden kann. Für die Play-Offs scheint die Mannschaft zumindest zurzeit nicht konstant genug.
* Bernd Begemann
von Tom Rüdell




