Die Trierer des Jahres 2009
Namen sind Nachrichten, Menschen machen Schlagzeilen. Im Superwahljahr 2009 beherrschten vor allem Kommunalpolitiker die Lokalberichterstattung. Lang gediente Stadtpromis nahmen ihren Abschied, für andere ist er programmiert. Im Gegenzug machten Menschen von sich reden, die vor zwölf Monaten noch kaum jemand kannte. 16vor stellt einige der Trierer des Jahres 2009 vor. Die Auswahl erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, zumal schon jetzt absehbar ist, dass einige Protagonisten im kommenden Jahr für noch mehr Schlagzeilen sorgen dürften.
Dass ausgerechnet ein Ackermann Marx ablöste, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Am Mittwoch der Karwoche gaben 16vor und sodann auch das Domkapitel sowie der Vatikan bekannt, dass der bisherige Trierer Weihbischof Dr. Stephan Ackermann zum Nachfolger des bereits im Februar 2007 als Erzbischof nach München gewechselten Dr. Reinhard Marx ernannt wurde. Rund 14 Monate hatten die katholischen Gläubigen des Bistums auf diese eigentlich nahe liegende Personalie warten müssen. Die Amtseinführung des neuen Bischofs am 24. Mai wurde für Tausende in und um den Dom zum Freudenfest – und für den nicht zu Starallüren neigenden Ackermann zum Triumphzug.
Ein Student als Spitzenkandidat? Noch dazu ein Nordlicht, das erst wenige Jahre zuvor nach Trier gezogen war! Mit der Nominierung von Sven Teuber als Frontmann der Trierer SPD für die Kommunalwahl und damit designierten Fraktionschef im Stadtrat, starteten die Genossen und allen voran Parteichefin Malu Dreyer im Dezember 2008 ein reichlich gewagtes Unterfangen. Zu jung, zu unbekannt, und vielleicht auch etwas zu unterkühlt für den gemeinen Moselfranken, mutmaßten nicht wenige. Zwölf Monate später sitzt Teuber fest im Sattel, in der neu gewählten und von 11 auf 15 Sitze angewachsenen Fraktion scheint er unangefochten, wird sein Führungsstil offenbar respektiert. Die Skeptiker sind einstweilen verstummt, und Teuber führt die Sozialdemokraten am Augustinerhof – darunter mehr Frauen als Männer – mit dem ihm eigenen Selbstbewusstsein.
An Selbstbewusstsein mangelte es auch Georg Bernarding nie. Mehr als ein Vierteljahrhundert bestimmte der gebürtige Saarländer die Trierer Stadtpolitik maßgeblich mit – zunächst als persönlicher Referent des damaligen Oberbürgermeisters Felix Zimmermann, ab 1987 dann als Sozial- und Sportdezernent. Seit 2002 war Bernarding zudem Bürgermeister. Seine Partei aber erkannte zu spät, was sie an ihm hatte. 2006 ließ sie Bernarding nicht bei der OB-Wahl antreten, auch die Furcht vor der Berichterstattung des damaligen Monopolblatts Volksfreund soll den Ausschlag gegeben haben. 2009 dann wurde der Sportsmann eines der Zugpferde des Kommunalwahlkampfs seiner Partei. Mit Verve warf sich Bernarding für die CDU in die Bresche. Es nützte alles nichts, im Februar ist nun Schicht im Schacht, tritt Bernarding als Bürgermeister ab.
Zählt Katrin Werner nun zu den Gewinnern oder Verlierern 2009? Eigentlich kann sich die 36-Jährige getrost auf der Siegerseite wähnen: Ihre Partei Die Linke zog am 7. Juni in den Stadtrat, rasch rückte Werner für ihren schnell entnervten Genossen Marc-Bernhard Gleißner nach. Am 27. September dann der zweite Streich: Überraschend schaffte Katrin Werner über die Landesliste ihrer Partei den Sprung in den Deutschen Bundestag. Die gelernte Einzelhandelsfrau hätte also allen Grund zum Jubeln, wäre da nicht der permanente Streit mit dem Chef der Ratsfraktion, Dr. Johannes Verbeek. Wenn morgen Kommunalwahl wäre, würde die Linke wohl kaum mehr in den Stadtrat einziehen. Gewählt wird aber erst 2014, und auch über die nächste Bundestagswahl im Herbst 2013 wird sich Katrin Werner bislang wohl eher wenig Gedanken machen.
Selbst unter Triers Grünen tendierte Angelika Birks Bekanntheitsgrad bis zum Oktober noch gen Null. Bis Birk sich für das Amt der neuen Trierer Bürgermeisterin bewarb. Gegen eine solch hochkarätige Kandidatin schienen fast alle anderen Bewerber von vornherein chancenlos – außer einer Jugendamtsleiterin aus Wesel. Am Ende setzte sich Birk innerhalb des Ampelbündnisses durch, wohl auch, weil sie das nach Lage der Dinge “richtige” Parteibuch hat. Im Februar tritt die Neue ihr Amt an, dann werden auch die Trierer sie kennenlernen. Und Birk wird rasch feststellen, dass man als Dezernentin doch sehr auf sich allein gestellt ist: kein Redenschreiber, kein persönlicher Referent, nicht einmal ein eigener Chauffeur wird ihr zur Verfügung stehen. Bei den Grünen ist man voll des Lobes über Birk, sie brenne regelrecht auf ihre künftige Aufgabe als Bildungs- und Sozialdezernentin, ist zu hören.
Eine Grüne als Bürgermeisterin? Unter einem Manfred Maximini hätte es das nicht gegeben! Dem Kürenzer Ex-Sozialdemokraten waren die Grünen Zeit seines kommunalpolitischen Lebens zuwider, mit Leuten wie Anja Matatko (die nicht einmal Mitglied der Grünen ist), hatte er so seine Probleme. Das beruhte indes auf Gegenseitigkeit, und so hielt sich im rot-grünen Lager die Betroffenheit in Grenzen, als Maximini im Herbst 2008 seinen endgültigen Abschied aus der Kommunalpolitik bekanntgab. Den hatte er zwar immer wieder angekündigt, doch bis zuletzt waren nicht wenige überzeugt davon, dass er sich ein weiteres Mal als UBM-Spitzenkandidat in die Pflicht nehmen lassen würde. Bis Christiane Probst auf den Plan trat und das Ruder übernahm.
Ulrich Holkenbrink und Manfred Maximini sind seit langem befreundet. Doch während der eine seinen Ausstieg aus der Kommunalpolitik noch selbst bestimmen konnte, wurde dem Schul- und Kulturdezernenten nicht erst mit dem Ausgang der Kommunalwahl das Heft des Handelns aus der Hand genommen. Selbst wenn die Union am 7. Juni die absolute Mehrheit der Ratsmandate erzielt hätte – ihren OB-Kandidaten von 2006 hätte sie dennoch nicht für eine weitere Amtszeit vorgeschlagen. Mit Holkenbrink tritt nun ein Mann von der politischen Bühne, den irgendwie alle nett finden – und für den man sich ganz ohne Häme freuen kann, dass er wieder dorthin zurückkehrt, wo er nach Meinung vieler ehemaliger Schüler und auch Eltern wirklich gut war: in den Schuldienst.
Der DFB hat Eintracht-Trainer Mario Basler beim Wort genommen, als dieser vor einem Pokalspiel auf die Frage eines Journalisten nach der Siegchance seiner Mannschaft antwortete, er würde auf sie wetten. Ob das nur als Redewendung gemeint war, kann man bei einem Zocker wie Basler – der 41-Jährige saß schon mit am Tisch bei Stefan Raabs “TV Total Pokernacht” und ist Werbeträger eines Wettanbieters – nicht wissen. Die vermeintliche Wettaffäre überschattete die vorherigen Erfolge im DFB-Pokal, wo Eintracht Trier zunächst den Bundesligisten Hannover 96 schlug (3:1) und dann den Zweitligisten Arminia Bielefeld mit 4:2 aus dem Wettbewerb warf. In der Liga ist die Eintracht so launisch wie ihr Trainer auf Pressekonferenzen. Auf fünf Siege in den ersten acht Spielen folgten vier Niederlagen. Seitdem hat der SVE jeweils zweimal gewonnen, verloren und unentschieden gespielt. Aber allein die Popularität Mario Baslers zieht Sponsoren an und sorgt dafür, dass der Regionalligist Eintracht Trier in überregionalen Medien präsent ist. Wünschenswert für 2010 wäre, dass er dies vor allem durch positive Auftritte seines Teams schafft.
Mit zahllosen Gerichtsverhandlungen und schließlich in der Insolvenz endete vor wenigen Wochen das Kapitel Antenne West. Während es schon erste Zahlungsschwierigkeiten gab, hegte der Geschäftsführer Sven Herzog mit seinem im Zerfall begriffenen Unternehmen noch Expansionspläne. So bewarb er sich zum Beispiel im Frühjahr um die Frequenzen der ersten Hörfunkkette in Rheinand-Pfalz, die von RPR1. genutzt werden. Vor acht Jahren hatte sich der 41-Jährige, gegen den gerade ein Ermittlungsverfahren läuft, bereits mit der Herzog Telecom AG verhoben. Derzeit ist Herzog und fast die komplette ehemalige Geschäftsführung von Antenne West in die Vermarktung von Werbung auf Videowänden involviert.
Christian Jöricke und Marcus Stölb
von 16vor





29. Dezember 2009 (16:13 Uhr)
“Am Mittwoch der Karwoche gaben 16vor und sodann auch das Domkapitel sowie der Vatikan bekannt…”
Nicht schlecht, die Reihenfolge! Aber es hat ja in der Tat gestimmt.
Ich wünsche der Redaktion von 16vor auch im neuen Jahr ein – in der Regel war es ja so – glückliches Händchen im journalistischen Wettrennen mit einer bekannten Trierer Tageszeitung!
6. Januar 2010 (02:11 Uhr)
Sven Herzog gehört nach meinem Rechtsempfinden unbedingt aus dem öffentlichen Leben entfernt.
Und dass Bischof Stefan in in Fußstapfen seines Namensvetters (Karl) Marx tritt, ist auch nicht wahrscheinlich.
Dass aber Kathrin Werner das Mandat im Bundestag für die Linken erworben hat, vermag ein Lichtblick für Trier und die Stadtratsfraktion der Linken sein.
Auf die “Eselsbank” und nicht in die Politik hat endlich Ulrich Holkenbrink seinen notwendigen Weg gefunden.