Auch als Kabarettist flott
Es ist nicht leicht, nach einer Karriere als Profisportler beruflich wieder Fuß zu fassen. Entweder man eröffnet ein Sportgeschäft, wird Trainer seines Fachs oder Co-Kommentator oder man steigt einfach nochmal ins Cockpit, zur Abwechslung bei der Konkurrenz. Der ehemalige Langstreckenläufer Dieter Baumann überrascht da mit dem Mittel seiner Wahl, nochmal zu Applaus zu kommen, obwohl es eigentlich auf der Hand liegt. Er ist Kabarettist geworden. Mit zahlreichen Bezügen zum heute stattfindenden Trierer Silvesterlauf stellte er am Dienstagabend sein Programm “Körner, Currywurst, Kenia” im Chat Noir vor.
TRIER. Abends schnell nochmal ans Waschbecken, um mit frisch geputztem Atem nicht unangenehm aufzufallen, bei all den sportlichen “Odol”-Gurglern, die sich erwartungsgemäß im Chat Noir eingefunden haben. Aber auch walkende und nicht-walkende Hausfrauen mit ebenso tadelloser Mundhygiene sorgen neben den Ironmen, Altherren-Cracks und Nachwuchschampions für eine volle Hütte.
Dann der Startschuss. Aus den Lautsprechern tönt der wortgewordene Lauf. Man hört die Reporterstimmen, die Stimmen zu seinem größten Rennen. Der Kommentar von Gerd Rubenbauer und Dieter Adler lässt allen, die es erlebt haben, das Finale des olympischen 5000-Meter-Laufs 1992 noch einmal lebendig werden. Und dann kommt er, quasi über die Ziellinie, und lässt sich wie ein Olympia-Sieger begrüßen.
Jetzt beginnt der neue Lauf des Dieter Baumann. Hier kann er als Alleinunterhalter im Mittelpunkt stehen, bekommt Beifall von seinen Fans und kämpft sich alleine, nur mit zwei “Hasen” aus dem Publikum, und nicht ohne Selbstironie durch zwei Stunden Programm. Immer agil, mit Tempowechseln und Zwischensprints. Er schlüpft beim Erzählen der zahlreichen Anekdoten in die verschiedenen Charaktere, erzählt anschaulich und gestenreich und man glaubt ihm: er ist wirklich dabei gewesen. Aber Baumann hat noch Kraft; da ist die Lücke: kurz vor der Ziellinie legt er noch einen Strip aufs Parkett und schämt sich nicht, sich zum Affen zu machen. Gold für Baumann.
Dabei profitiert der 44-Jährige von seiner Herkunft, denn seine schwäbische Aussprache ist für manchen Lacher gut (“Nasepflaschder”). Ansonsten verlässt sich das Programm auf bewährte Elemente. Publikumsanimationen zur Pulskontrolle (“Los! Auf geht’s! Noch zehn! SCHNELLER!”), Witze über Sex und Frauen, viele Witze über Afrikaner. Doch Baumann darf das, er ist ja der weiße Kenianer. Er spricht quasi über Brüder, nie respektlos. Schließlich das Bekenntnis zum Alkohol (“Zisch”). Ja, hier hat Baumann das Publikum auf seiner Seite. Nur einmal verliert er seinen Charme, beim Vergleich einer jungen Frau mit einer Schildkröte. Doch auch das wird ihm verziehen, wie ihm schon so manches verziehen wurde.
Baumann bewegt sich dabei in seinem Kosmos: Trainingspläne, Reporterstimmen, Körnerfutter, Siege und Niederlagen und der Ehrgeiz, der niemals ruht. Alles in allem ein unterhaltsamer Abend, mit einem ganz feinen Geschmack von Pfefferminz. (fcb)
Körner, Currywurts und Kenia
Dieter Baumann im Chat Noir
Es ist nicht leicht, als Sportler eine zweite Karriere zu beginnen. Man wird Trainer seines Fachs, Reporter, wenn man sich charmant als Großmaul hervorgetan hat, oder man steigt einfach nochmal ins Cockpit, zur Abwechslung bei der Konkurrenz.
Dieter Baumann überrascht da mit dem Mittel seiner Wahl, nochmal zu Applaus zu kommen, obwohl es eigentlich auf der Hand liegt. Er ist Kabarettist geworden. Mit seinem Programm ist er deutschlandweit unterwegs, auch in Trier zeitnah zum traditionellen Silvesterlauf, der auch in zahlreichen Bezügen mit ins Programm integriert wird.
Aber der Reihe nach: Abends erst schnell nochmal ans Waschbecken, um mit frisch geputztem Atem nicht unangenehm aufzufallen, bei all den sportlichen Odol-Gurglern, die sich erwartungsgemäß im Chat-Noir eingefunden haben. Aber nicht nur die, das Meeting ist ausverkauft, und auch walkende sowie nicht-walkende Hausfrauen befinden sich zwischen all den Ironmen, Altherren-Cracks und Nachwuchschampions. Alle selbstverständlich mit tadelloser Mundhygiene.
Dann der Startschuss. Aus den Lautsprechern tönt der Balsam des Ex-Sportlers: Die Reporterstimmen, seine Reporterstimmen. Der Kommentar der beiden Fernsehreporter Rubenbauer und Adler lässt allen, die es erlebt haben, das Finale des olympischen 5000 Meter Laufs 1992 noch einmal lebendig werden. Und dann kommt er, quasi über die Ziellinie, und lässt sich wie ein Olympia-Sieger begrüßen.
Jetzt beginnt der neue Lauf des Dieter Baumann. Hier kann er als Alleinunterhalter im Mittelpunkt stehen, bekommt Beifall von seinen Fans und kämpft sich alleine, nur mit zwei „Hasen“ aus dem Publikum, und nicht ohne Selbstironie durch die 2 Stunden Programm. Immer agil, mit Tempowechseln und Zwischensprints. Er schlüpft beim Erzählen der zahlreichen Anekdoten in die verschiedenen Charaktere, erzählt anschaulich und gestenreich und man glaubt ihm: er ist wirklich dabei gewesen. Aber Baumann hat noch Kraft; da ist die Lücke: kurz vor der Ziellinie legt er noch einen Strip aufs Parkett und schämt sich nicht, sich zum Affen zu machen. Gold für Baumann.
Dabei profitiert Baumann von seiner Herkunft, denn seine Schwäbische Aussprache ist für manchen Lacher gut („Nasenpflaschder“). Ansonsten verlässt sich das Programm auf bewährte Elemente. Publikumsanimationen zur Pulskontrolle, („los! Auf geht’s! noch Zehn! SCHNELLER!“) Witze über Sex und Frauen, viele Witze über Afrikaner. Doch Baumann darf das, er ist ja der weiße Kenianer, spricht quasi über Brüder, nie respektlos. Schließlich das Bekenntnis zum Alkohol („Zisch“): ja, hier hat Baumann das Publikum auf seiner Seite. Nur einmal verliert er seinen Charme, beim Vergleich einer jungen Frau mit einer Schildkröte; doch auch das wird ihm verziehen, wie ihm schon so manches verziehen wurde.
Baumann bewegt sich dabei in seinem Kosmos: Trainingspläne, Reporterstimmen, Körnerfutter, Siege und Niederlagen und der Ehrgeiz, der niemals ruht. Alles in allem ein unterhaltsamer Abend, mit einem ganz feinen Geschmack von Pfefferminz.
Von unserem Gastredakteur Florian Burg
von 16vor





23. April 2010 (16:58 Uhr)
Sehr interessante Geschichte. Wünsche Ihm weiterhin viel Erfolg!