“Kirche ist keine Randerscheinung”
TRIER. Die Kirche in Deutschland ist keine Randerscheinung. Das erklärte der Trierer Bischof Dr. Stephan Ackermann an Silvester im Jahresschlussgottesdienst im Dom.
In seiner Predigt warnte der Bischof die Kirche vor einer “selbst gewählten Emigration” und davor, sich “in den vermeintlich geschützten kirchlichen Innenraum zurückziehen, um auf diese Weise das zu bewahren, was noch zu bewahren ist”.
Ackermann wandte sich gegen das Bild, das die Kirche als eine “Kirche des Exils” beschreibe. Zwar ließen sich bestimmte Ähnlichkeiten zwischen einer Situation des Exils und der heutigen Kirchenerfahrung erkennen, doch insgesamt sei dieses Bild zu düster und überzeichnet: “Das hieße nämlich, das vielfältige Engagement, die Kreativität und die Vitalität kirchlichen Lebens in unserem Bistum zu übersehen”. Er jedenfalls erlebe in der Diözese viele positive Überraschungen, intensivere Zusammenarbeiten und ein neues Wir-Gefühl. Allerdings: “Pastorale Entdeckerfreude und die Lust zum Aufbruch als die vorherrschende Grundstimmung in unseren Pfarreien zu bezeichnen, wäre übertrieben.”
Ackermann ging auf die Frage ein, ob es nicht einer Vision bedürfe, die klar mache, was die Ziele der Kirche im Bistum Trier seien und “wohin die Reise führt”. Sicher sei dieser Ruf berechtigt. Allerdings falle es auch schwer, “ein visionäres Bild von der Kirche der Zukunft zu entwerfen”. Wirkliche Visionen, so betonte der Bischof, entstünden “weder am Schreibtisch noch im abgeschiedenen Elfenbeinturm, sondern in der Auseinandersetzung mit der konkreten Realität”. Notwendig sei, wie es der Psychologe Albert Görres einmal formuliert habe, vor allem ein “Gehorsam der Sachlichkeit”. Das bedeute, darauf zu verzichten, “die Dinge so zu sehen, wie wir sie gern hätten”.
Der Bischof erneuerte auch den Aufruf an die Gläubigen, sich bis zum 1. März 2010 an der Suche eines Leitwortes für die Heilig-Rock-Wallfahrt 2012 zu beteiligen: “Ich glaube, dass ein stimmiges Leitwort für die Wallfahrt mit dazu beitragen kann, unseren christlichen Auftrag in dieser Zeit in neuer Weise zu erkennen”. Und im Blick auf den begonnenen Kostensenkungsprozess in der Diözese sagte der Bischof, dass es hier notwendig sei, in einem möglichst transparenten und beteiligungsorientierten Vorgehen, “die vielfältigen Engagements des Bistums auf ihre Zukunftsfähigkeit hin zu überprüfen.” Dabei werde es aber auch zu Entscheidungen kommen, “die nicht ungeteilte Zustimmung finden werden”.
von 16vor




