Ganz schön feine Komik
Dass “Ganz Schön Feist” ganz schön lustig ist, bewies das selbsternannte Popacappellacomedytrio dem Trierer Publikum schon einmal in den 90ern. Am vergangenen Freitag stellten Mathias Zeh, Rainer Schacht und Christoph Michael Jess (der 2004 Beo Brockhausen ersetzte) ihre aktuelle CD “Klassentreffen”, einige Stücke des Vorgängeralbums “Aphrodisiakum” und vereinzelt Hits früherer Platten in der Tufa vor. Gemein haben fast alle Titel, dass darin Alltagsgeschichten durch Reime veredelt und mit einer hübschen Pointe angerundet werden.
TRIER. Das Trio ist gekleidet, als hätte es sich in der Garderobe der “Flippers” umgezogen. Die anzüglichen Anzüge haben Farben, in denen man sonst nur Torten für Kindergeburtstage dekoriert. Das verstärkt die Wirkung ihres Vortrags, denn das Erfolgsrezept von “Ganz Schön Feist” ist die große Diskrepanz zwischen Inhalt und Form: Schreiende Farben auf leisen Musikern, brüllend komische Texte mit dezenten Arrangements.
“Ganz Schön Feist” gelingt es vorzüglich, in Geschichten über alltägliche Situationen oder Alltagspersonen scharfsinnige Wendungen zu integrieren. So heißt es im Titelstück des neuen Albums “Klassentreffen”: “Der Abend geht bis in den Morgen / man schwört, dass man sich mal besucht / dabei ist allen ganz gewiss / man sieht sich nur wieder / wenn Klassentreffen ist.” Noch doppelbödiger sind die Verse in dem Song “Dönerrevolution”, in dem der Angestellte Achmed die expansiven, utopischen Pläne für den türkischen Imbiss seines Onkels nicht umsetzen darf: “Isch tu, was er sagt, denn der Laden is ihm / doch die Zeit läuft für misch, irgendwann erb’ isch ihn / isch wünsch meinem Onkel ein echt langes Leben / doch manchmal passieren Unfälle eben.”
Der brav wirkende, mehrstimmige Gesang potenziert die Pointen. Eine besonders harmlose Note verleiht dem A-Cappella-Vortrag die heisere Stimme von Mathias Zeh. Dadurch geraten auch selbstironische Stücke wie “Innere Werte” noch komischer: “Sie war nicht besonders helle / sie war eher etwas schlicht / sie lachte immer an der falschen Stelle / und leise lachte sie nicht / In ihrer Wohnung hingen Poster / von den Backstreet Boys und Take That / sie las keine Bücher / höchstens mal einen Douglas-Prospekt. [...] Ich hatte schon ein schlechtes Gewissen / weil ich nur scharf auf ihr Äußeres war / als ich versuchte, sie endlich zu küssen / verblüffte sie mich ganz und gar / und meinte: Die Reduzierung ihrer Persönlichkeit / nur auf ihr Äußeres sei unreflektiert / und das zeige ihr klar / dass bei mir der Trieb / das bisschen Verstand regiert / die Grundlagen meines Vorurteils / seien ohne jegliche Basis / denn nur, weil ich etwas nicht sehen kann / heißt das nicht, dass es nicht da ist.”
Es dürfte zum großen Teil an der Ausstrahlung des zerbrechlich erscheinenden Herrn Zeh, der sich inzwischen von seinem immer dünner gewordenen Pferdeschwanz getrennt hat, liegen, dass die Nummer “Du willst immer nur ficken”, die “Ganz Schön Feist” nach zwei Stunden als Zugabe spielt, zum bekanntesten Hit der drei farbigen Musiker wurde. Darin beklagt der Ich-Erzähler, dass er im Gegensatz zu seiner Frau oft viel lieber nur schmusen als mit ihr schlafen möchte. Nie hat das Wort “ficken” so unschuldig geklungen.




