Die spektakuläre Nichtsensation
Mit 59:68 verliert die TBB Trier ihr Saison-Highlight, das Heimspiel gegen Alba Berlin. Ein Spiel, das, bis auf den verletzungsbedingten Ausfall von Chris Copeland, verlief, wie erwartet und dennoch den gut 5300 Zuschauern beste Unterhaltung bot.
TRIER. Eigentlich war schon im Vorfeld alles wie immer: Alba kommt, die Arena ist ausverkauft. Über die Chancen der TBB wird viel spekuliert. Die letzten Jahre sei es gegen Berlin immer knapp gewesen, heißt es (stimmt). Außerdem sei Albas bester Mann Julius Jenkins wahrscheinlich verletzt und werde nicht auflaufen (stimmt nicht).
Auch der Spielverlauf war genau wie erwartet: Trier ging mit der richtigen Einstellung in die Partie und hatte die auch dieses Jahr wieder exzellent besetzten Gäste aus der Hauptstadt bis drei Minuten vor Schluss am Rand einer Niederlage (57:58). Dann traf ausgerechnet der angeblich angeschlagene Jenkins seinen fünften Dreier gegen den Mann. Der bis dahin offensiv eher unauffällig agierende Rashad Wright packte direkt noch einen drauf, und der Auswärtspunkt war gerettet. So spielt ein Spitzenteam, das seine Kräfte wegen des engen internationalen Spielplans zusammenhalten muss, aber dennoch in der Halle des Tabellenvierzehnten einen Ruf zu verlieren hat.
Trier war gut in die Partie gekommen, konnte das erste Viertel durch aggressive Verteidigung und schnelles Offensivspiel offen gestalten; Berlin hielt mit guten Pick-and-Rolls dagegen, die Trier den ganzen Abend nicht in den Griff bekam. 15:14 der Stand zur ersten Pause, mit einigen spektakulären Aktionen wie dem Trierer Dreipunkt-Spiel nach Fastbreak von Derek Raivio und zwei wie immer sehenswerten Alba-Dreiern von Jenkins.
Im zweiten Viertel passierte dann das, was man eventuell als spielentscheidend bezeichnen könnte: Chris Copeland verletzt sich bei seinem Dreier zum 20:17 am linken Fuß, muss nach einigen Minuten wegen zu großer Schmerzen ausgewechselt werden und beendet die Partie auf der Bank. Bitter vor allem, weil man ihm in seinen 13 Minuten auf dem Parkett anmerkte, dass heute Abend für ihn einiges drin war. Doch das Team gab sich redlich Mühe, den Ausfall des Topscorers zu kompensieren. Trier erarbeite sich mit einem Dreier von Miladin Pekovic und Freiwürfen von Maik Zirbes und Raivio eine 27:21-Führung, bevor Alba-Coach Luka Pavicevic genug gesehen hatte und eine Auszeit verlangte.
Bislang verteidigten die Gäste intensiv, ebenso wie die Hausherren, lediglich in der Offensive wirkte Alba fahrig. Das änderte sich nach der Standpauke: Ein schneller 0:6-Lauf brachte den 27:27-Ausgleich. Yves Defraigne reagierte clever, indem er aus der Not eine Tugend machte. Auf der Position des verletzten Copeland spielte jetzt Pekovic, deutlich kleiner und um einiges schneller. Der sichtlich verwirrte Berliner Adam Chubb konnte fünf schnelle Punkte von Pekovic nicht verhindern, der letzte Angriff der Berliner über Jenkins wird zudem dank bärenstarker Defense von Raivio vereitelt: 36:33 zur Halbzeit, zur Freude eines frenetischen Trierer Publikums, das, ebenfalls wie immer, an die Sensation glaubte.
Die Gäste kamen verdächtig früh aus der Kabine, das Donnerwetter wird kurz aber heftig gewesen sein. Alba intensivierte jetzt seine Defense; dazu hatte Jenkins auf Trierer Dreier (Shuler zum 42:37) fast immer die passende Antwort (42:40). Die Berliner setzten sich Zug um Zug auf 46:52 zur Pause ab.
Doch Trier war noch nicht fertig mit dieser Partie. Die “Kleinen” Brown, Shuler und Raivio attackierten den Berliner Korb, Pekovic markierte mit einem Dreier die letzten Punkte eines 9:0-Laufs zum 57:56 – die Gastgeber hatten sich sechs Minuten vor Ende der Partie einwandfrei zurückgekämpft, die Halle stand Kopf. Von den in den letzten Spielen durchklingenden Motivationsproblemen war nichts mehr zu sehen – hier spielte ein Team.
Luka Pavicevic nahm jetzt wieder eine Auszeit, wieder mit Erfolg: Fünf Punkte von Jenkins, der nur auf diese Ansage gewartet zu haben schien, ein weiterer Dreier von Rashad Wright und ein Korbleger von Blagota Sekulic, das alles in knapp zwei Minuten – fertig war der 10:0-Lauf und der Auswärtssieg. Trier verstrickte sich in dieser Phase gegen starke Berliner Defense zu sehr in Einzelaktionen und konnte nichts mehr am Ergebnis ändern. Um zwei Trierer Fans auf Facebook zu zitieren: “Die Trauben hängen heute verdammt hoch – leider ist in letzten Minuten die Leiter umgekippt.”
Auch wenn schon wieder nichts Zählbares unter dem Strich steht und Trier langsam mal punkten muss – dieses Spiel hat gezeigt, dass mit dem Team weiterhin zu rechnen ist. Es zeigte aber auch, dass Alba Berlin nach wie vor zu Recht ganz oben mitspielt.
Beste Trierer:
Miladin Pekovic – 13 Punkte, 3/6 Dreier: Sein wohl bestes Spiel im TBB-Trikot.
Derek Raivio – 10 Punkte, 2 Assists, 2 Steals: Vor allem defensiv gut drauf.
Jamal Shuler – 5 Punkte, 8 Rebounds: Offensiv unter seinen Möglichkeiten, defensiv aber vor allem in der ersten Halbzeit ein Faktor gegen Imanuel McElroy – danach sah man den Klassenunterschied.
von Tom Rüdell




