Unter Strom Energie sparen
Das Mutterhaus der Borromäerinnen will mit einem selbst gesetzten Energiesparziel Akzente setzen. Unter dem Motto “Sei helle – Spar Watt” sollen in Zukunft alle Mitarbeiter des zweitgrößten Klinikums der Stadt zur Vermeidung von unnötigem Energieverbrauch motiviert und dafür sensibilisiert werden, auch bei hektischem Betrieb noch an den “Aus-Knopf” ungenutzter Geräte und das Schließen von Fenstern zu denken. Eingeläutet wird damit die zweite Phase eines Projektes, das zunächst mit einer technischen Bestandsaufnahme begann. Unterstützt wird das Mutterhaus dabei sowohl von der Fachhochschule als auch von der Universität Trier und bietet damit ein Beispiel, wie sich die Expertise der Hochschulen vor Ort nutzen lässt.
TRIER. Auf den ersten Blick erscheint es schwer vorstellbar, dass Menschen, die in ihrem Job permanent unter Strom stehen, ihre beanspruchten Kapazitäten auch noch zum Einsparen desselben einsetzen sollen. Genau darin besteht jedoch das Ziel der klinikinternen Energiewende, die bislang in einem Gebäudeteil des Mutterhauses in einer Testphase lief: Es geht um die Reduktion unnötigen Energieverbrauchs und die Vermeidung überflüssiger Kohlendioxidemissionen in einem Krankenhaus, das bislang jährlich rund zwei Millionen Euro an Heiz- und Stromkosten aufbringen musste. “Es ist augenfällig, was hier zum Fenster raus geblasen wird”, erklärt Peter Leonards. Der Energiebeauftragte des Mutterhauses betont jedoch auch, dass es ihm nicht allein um die ökonomische, sondern auch um die ökologische Seite der Verschwendung gehe.
Zu diesem Zweck soll die jetzt gestartete Aktion “Sei helle-Spar Watt” beitragen, bei der es vor allem um die Motivation des Krankenhauspersonals geht. Fortgesetzt wird damit, was bereits 2007 mit der Zusammenarbeit zwischen dem Mutterhaus und einer Arbeitsgruppe der Fachhochschule Trier unter der Leitung Professor Werner Amelings begann. Eine Diplomarbeit lieferte damals die Analyse des Energieverbrauchs des Klinikums – mit dem Ergebnis, dass das Mutterhaus im Vergleich zu anderen Einrichtungen dieser Größenordnung vergleichsweise schlecht abschnitt. Durch die Umstellung der Belüftungsanlage von einem Rund-um-die-Uhr- auf einen bedarfsorientierten Betrieb konnten bereits knapp 80.000 Euro jährlich eingespart werden.
Wandel hat Grenzen
Dabei soll es jedoch nicht bleiben, denn auch “nutzerspezifisches Fehlverhalten” zähle zu den vermeidbaren Ursachen des hohen Energieverbrauchs, wie Ameling feststellte. Um das Personal zu motivieren, suchte das bisherige Team Verstärkung im Fach Psychologie der Universität. Unter der Leitung des Privatdozenten Friedemann Gerhards führten die beiden angehenden Psychologinnen Julia Schwind und Eva Kraus im Rahmen ihrer Abschlussarbeit eine erste, mehrmonatige Testphase im Gebäudeteil C des Mutterhauses durch, beobachteten zunächst “inkognito” das Verhalten der Mitarbeiter und lieferten schließlich Anregungen für Verhaltensänderungen. Sechs Prozent des vorherigen Energieverbauchs konnten so allein durch größere Achtsamkeit eingespart werden, dadurch dass zum Beispiel Fenster bei laufender Heizung nicht mehr dauerhaft offen standen und PC-Monitore und Lichter dort ausgeschaltet wurden, wo sie niemand brauchte.
Dass dazu ein Abschied von bisherigen Gewohnheiten notwendig ist, bestätigt auch Helga Bohnet. Die Leiterin der Abteilung Personalentwicklung, Marketing und Öffentlichkeitsarbeit ist eigentlich bekennender “Lichtfan”, hat in der Testphase jedoch bereits festgestellt, “was ich mir abgewöhnen muss”. Der forcierte Wandel hat jedoch nach Aussagen der Initiatoren auch seine Grenzen. Der normale Betrieb des zweitgrößten Trierer Klinikums solle unter dem neuen Energiebewusstsein nicht leiden, die Qualität der Arbeit nicht gemindert werden. “Weder das Personal, noch die Patienten sollen frieren”, betont Leonards.
Was bislang nur einen Teil des Mutterhauses betraf, wird seit dem 8. Januar auf das gesamte Klinikum übertragen – begleitet von Maskottchen “Brighty”, einer freundlich lächelnden Energiesparlampe, die Studenten des Faches “Intermediales Design” der FH entwickelten.
Von dieser psychologischen Unterstützung einmal abgesehen, sollen Anreize für die Mitarbeiter jedoch auch aus der Konkurrenz der einzelnen Abteilungen in einer Art Wettbewerb entstehen. Als weiteres Lockmittel wird schließlich die Aussicht auf den sinnvollen Einsatz des gesparten Geldes dienen: Fünf Prozent der voraussichtlich sechsprozentigen Einsparung gehen an Projekte in Tansania, weitere fünf Prozent werden den Mitarbeitern in Form von Sachleistungen zugute kommen. Anvisiertes Fernziel des Klinikums ist das BUND-Gütesiegel “Energie sparendes Krankenhaus”, das unter anderem eine Reduktion der Kohlendioxidemissionen um 25 Prozent erfordert.
von Andrea Wanek





12. Januar 2010 (10:49 Uhr)
Super Sache! Sehr vorbildlich! Tolles Projekt!
12. Januar 2010 (12:51 Uhr)
Super Projekt! Da sollten sich einige andere große Unternehmen eine Scheibe abschneiden!
12. Januar 2010 (13:17 Uhr)
Ein sehr gutes Projekt, das eine Vorbildfunktion für alle (insbesondere die größeren) Einrichtungen darstellen sollte. Nachahmung ausnahmsweise und unbedingt erwünscht!
12. Januar 2010 (23:04 Uhr)
Eigentlich schade, dass man über in der heutigen (OK, vielleicht war es auch früher schon ein Problem, aber da war es jedem egal, weil keine Eisbären ertrunken sind) Zeit da noch so viel Überzeugungsarbeit leisten muss.
OK, den inneren Schweinehund zu überwinden… fällt jedem schwer, denke ich, aber.. Einen unbenutzten Stromerzeuger ausschalten ist leider nicht die neueste Innovation.. Der Trick ist schon relativ alt, glaube ich. .
Damit möchte ich in keiner Weise das Ergebnis oder die Intention in Frage stellen. Es macht sowohl ökologisch als auch ökonomisch sinn, an jeder nur sinnvollen Stelle Strom und Energie zu sparen. Schade ist nur, dass es immer noch diverser Anstöße von aussen bedarf, bis man, und davon kann ich mich leider nicht ausnehmen, sich dazu durchringt und endlich das durchzieht, was einem selbst schon seit 20 Jahren verinnerlicht haben sollte.
Fragt sich nur, wieso nicht alle Firmen (oder die meisten, unbelehrbare gibt es immer) ebensolche Projekte durchziehen und auf diese Weise auch noch viel Geld sparen…
Aber wie bei vielen Dingen und Entwicklungen, heißt es auch hier: Kleinvieh macht auch Mist. Sicher, ein Krankenhaus ist da schon um einiges größer als ein normales Einfamilienhaus, aber… Was ist mit den großen Konzernen? Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass sich da einer von denen so ein Projekt durchzieht und es NICHT an die große Glocke hängt. Ich meine, Umweltschutz und das Schonen von Ressourcen ist doch heute sehr medienwirksam..
Aber vielleicht brauch es in der heutigen Zeit ja einen gewissen Anreiz, sei es monetärer oder gesellschaftlicher Art, bis alle oder zumindest die große Masse endlich lernen, dass sich etwas ändern sollte. Und damit sind nicht nur Firmen und (öffentliche) Institutionen gemeint, nein, auch der einzelne Haushalt oder Einzelpersonen… Die meisten wissen es besser, aber aus Faulheit, Ignoranz oder weil es vielleicht uncool ist, lässt man es bleiben.. Das Mutterhaus hat scheint es den ersten Schritt getan. Mal gespannt, wer noch die Zeichen der Zeit erkennt.
Ich versuche auch mal wieder, ein bisschen mehr auf das zu achten, was ich so verbrate…
Daher wird dieser PC im Anschluss auch nicht wie üblich in Stand-By versetzt sondern ausgeschaltet. Auch, wenn es morgen dann ein Handgriff mehr ist, ihn wieder hochzufahren…
13. Januar 2010 (14:06 Uhr)
In Ergänzung des Lächlers sei angemerkt, dass die Herausforderung des Projekts wohl weniger in Überzeugungsarbeit bei lang Bekanntem liegt, sondern eher in der Überwindung dessen, was man als “Verantwortungsdiffusion” bezeichnet.
13. Januar 2010 (14:35 Uhr)
Ob durch diese Krankenhausinitiative auch nur ein Eisbär größere Überlebenschancen hat, oder nicht, tut doch überhaupt nichts zur Sache!
Ob es letztlich etwas bringt, oder einen anthropogenen Grund für den – realen – Klimawandel abschwächt oder vermindert, ist angesichts der klimatischen Auswirkungen die allein ein Ausbruch des Mayon auf den Philippinen gegen die Erderwärmung hätte, gegenstandslos.
Was an der Initiative überzeugt, ist die Tatsache, dass (Energie)sparen sich auch lokal und vor Ort lohnt, und dass man bei sich selbst den Anfang machen muss.
Verantwortung für Ressourcen und Energieverbrauch müssten wir meiner Meinung nach konsequenter Weise auch dann übernehmen, wenn es nicht “um die Wurst” ginge.
Beziehungsweise, die Band sollte auch dann überlegen, ob sie durchgängig weiterspielt, wenn das Schiff am Ende nicht sinkt…
28. Januar 2010 (10:33 Uhr)
Super Sache… Weiter so!