Raum für persönliche Inspiration und Kreativität
Die Nacht. Unter diesem Titel gibt Calin Kruse, der an der Trierer Fachhochschule Grafikdesign studiert hat, seit 2007 ein Magazin für Fotografie, Gestaltung und Subkultur heraus. Ein Teil der Bilder und Kunstwerke sind aktuell im großen Ausstellungsraum der Tufa zu sehen.
TRIER. Das Magazin ist handlich, hat 124 Seiten und birgt Fotografien, Illustrationen, Streetart und auch einige Texte zu Musik und Kunst sowie Interviews. Es hat eine ISSN-Nummer und kommt zweimal im Jahr heraus. Genauso gut könnte es ein Buch mit einer ISBN-Nummer sein, denn von klassischen Zeitschriften und Magazinen unterscheidet es sich ganz besonders durch eines: die Zeitlosigkeit.
Termine zu Ausstellungen oder Besprechungen solcher finden sich nicht. Und auch “angesagte” Fotografen und Künstler werden nicht bevorzugt thematisiert. “Ich entscheide aus dem Bauch heraus, welche Bilder gezeigt werden”, sagt der Herausgeber Calin Kruse. “Entweder ich spreche Künstler an oder sie schicken mir ihre Bilder mit der Bitte um Veröffentlichung.” Das gesamte Projekt ist idealistisch. Weder erhalten die Künstler ein Honorar, noch verdient Calin Kruse etwas mit seinem Magazin. Im Gegenteil. “Im letzen Jahr habe ich die Wirtschaftskrise natürlich gespürt und wir hatten weniger Anzeigen. Das geht im Schnitt weitestgehend Null auf Null auf!”
Mit dem Verkaufspreis von fünf Euro pro Band solle auch in Zukunft jeder die Möglichkeit haben, sich das Magazin leisten zu können. Die Auflage von jeweils 1000 Stück wird einzeln nummeriert – wie ein eigenes Kunstwerk.
Calin Kruse hat erst in Mannheim, dann an der FH Trier Grafikdesign studiert und arbeitet seit seinem Abschluss als freier Grafiker in Trier und Luxemburg. Das Magazin wird von ihm gestaltet, er legt die Inhalte fest und auch den Vertrieb über ausgewählte Buch- und Szeneläden in ganz Europa organisiert er selbst.
Der 28-Jährige versteht sich eher als Macher, der mit seinem ganz persönlichen Produkt lieber im Hintergrund stehen möchte. Bei der Vernissage in der Tufa ließ er einen Freund reden und auch er selbst möchte nicht von anderen fotografiert werden. Am Auslöser der analogen Kamera betätigt er sich indes selbst gerne. “Im letzen Jahr habe ich Reportagefotos in Trier-West gemacht. Hier habe ich lange gewohnt und dokumentiere mit der Serie dieses lebendige und nichtspießige Viertel von Trier. Mit diesen Bildern werde ich 2010 etwas machen. Die Bilder entsprechen dem Lebensgefühl dort.”
Calin Kruse ist zurückgenommen wie die Vokale im Titel des Logos. Er schätzt den Standort Trier mit der Nähe zu Luxemburg mit seinen vielfältigen kulturellen Angeboten. “Als ich mit 15 mit meiner Familie aus Rumänien nach Deutschland kam, haben wir in einem Dorf im Odenwald gelebt, das war im Gegensatz zu Temeswar mit seinen 350.000 Einwohnern entsetzlich. Hier in Trier lässt sich noch viel machen.”
Die Ausstellung in der Tufa zeigt Arbeiten von Künstlern, die entweder schon im Magazin gezeigt worden sind oder in der nächsten Ausgabe veröffentlicht werden. Eindrucksvoll sind die Fotos der Belgierin Alice Smeets, die eine große Serie in Haiti fotografiert hat – vor dem Erdbeben. Darunter findet auch das Unicef-Foto des Jahres 2008 “Cité soleil”, mit dem durch Müll und Morast laufenden Mädchen mit weißem Kleid und Haarschleifen.
Im kommenden “dienacht”-Magazin werden die Tier- und Landschaftsfotografien von Arno Schidlowski gezeigt, die in der Ausstellung einen breiten Raum einnehmen. “Der Oberbegriff klingt total doof”, so Kruse. “Aber diese Bilder haben eine ganz besondere Tiefe und Ästhetik.” Während die Tiere aus dem tiefen Schwarz der Nacht nur schemenhaft zu entdecken sind, erinnern die Landschaftfotos aus Rügen an die am gleichen Ort entstandenen romantischen Ölbilder von Caspar David Friedrich.
Buch- und Comicillustrationen von claire Lenkowa und Olivia Bargman sowie eine in der Ausstellung besprühte Wand des Graffitikünstlers Spike geben einen eindrucksvollen Überblick sowohl über die Inhalte des Magazins als auch über ein Genre, das in dieser Form in der Tufa erstmalig gezeigt wird. Weitere Künstler sind der bekannte Fotograf Gerhard Vormwald mit Werbe- und Reportagefotografie und Werner Schöffel mit einer Arbeit, die über 20 Jahre belichtet worden ist.
Gleich zweimal wird die Ausstellung “dienacht” in der Tufa Finissage feiern. Am 20. Februar lädt Kruse ab 21.20 Uhr zur Nachtbegehung mit Taschenlampen ein, am 21. Februar wird es um 14 Uhr eine abschließende Veranstaltung mit Kaffee und Kuchen und einigen beteiligten Künstlern geben, wozu alle Interessierten eingeladen sind.




