“Ein zupackender Macher”

Der Neujahrsempfang sei ein bisschen zu ehrenlastig und zu personenbezogen, stellte Professor Werner Lorig in seiner Rede bei der Feier des Studierendenwerkes Trier in der Mensa der Fachhochschule fest. Das war nicht als Kritik zu verstehen, sondern als Ausdruck seiner Bescheidenheit. Denn der Abend war ausschließlich ihm gewidmet. Der Dozent für Lebensmitteltechnik an der FH wurde am vergangenen Dienstag als Vorsitzender vom Verwaltungsrat des Studierendenwerkes verabschiedet und bekam zudem – unter anderem für sein langjähriges Engagement in diesem Gremium – von ADD-Präsident Dr. Josef Peter Mertes den Verdienstorden der Bundesrepublik verliehen.

TRIER. “Einen Verdienstorden erhält man nicht für seine hauptamtliche Tätigkeit”, erklärt Dr. Josef Peter Mertes, “sondern für ehrenamtliches Engagement.” Davon kann Professor Werner Lorig viel aufweisen. So ist er beispielsweise seit über 20 Jahren Vorstandsmitglied der Deutsch-Französischen Gesellschaft Trier, seit 1996 Vorsitzender des Vereins der Freunde und Förderer der Musikschule und seit 2005 Vorsitzender im Kreisverband der Europa-Union. Vor allem aber hat er sich um das Studierendenwerk verdient gemacht, wo er seit 1993 Mitglied des Verwaltungsrates und seit 2002 dessen Vorsitzender gewesen ist.

“Wir verabschieden einen zupackenden Macher, der zum Wohle der Studierenden in Trier gehandelt hat”, sagt Achim Meyer auf der Heyde in seiner Lobrede, in der er zu jedem Wort stehe, wie er ausdrücklich betont. Professor Lorig halte die Idee des nachhaltigen Handelns hoch, hebt der Generalsekretär des Deutschen Studentenwerks hervor und verweist auf dessen Einsatz für eine glutamat- und genfreie Mensa. Dazu passt auch, dass das Studiwerk seinen Wasserverbrauch in den vergangenen fünf Jahren um ein Drittel senken konnte und seine Wohnheime mit Photovoltaikanlagen bestückt hat. “Hier wird nicht nur übers Klima geredet – hier wird gehandelt!”

Als gebürtiger Saarländer (Neunkirchen), der in deutsch-französischer Gemengelage groß geworden sei, habe er auch das Studiwerk auf Europakurs gesteuert. “Greifbares Ergebnis seines außergewöhnlichen Engagements sind eine französische Partnerschaft von 20-jähriger Dauer und eine quietschfidele Partnerschaft mit Polen”, so Meyer auf der Heyde. Wie quietschfidel diese Verbindung ist, konnte man an der überschwänglichen Rede des Vize-Rektors der Universität Opole, Professor Piotr Wieczorek, und der anschließenden innigen Umarmung mit dem Geehrten erkennen.

Obwohl Andreas Wagner, Geschäftsführer des Trierer Studiwerkes, sich in seinen Ausführungen über Lorig kurzfasste, war wie bei seinen Vorrednern aufrichtiger Dank und Rührung zu spüren. “Ich wünsche Ihnen, sehr geehrter Herr Professor – ganz im Sinne meiner vor 19 Jahren unter Ihrer Betreuung geschriebenen Diplomarbeit – mit einem griechisch-fröhlichen ‘Panta rhei’ – ‘Alles fließt’ –, das Beste für Ihre Zukunft.” Wagners Thema lautete übrigens: “Rheologische Messungen an Schokoladenmassen unter besonderer Berücksichtigung des Emulgatoreneinflusses auf die Fließgrenze”.

Tränen fließen bei Lorig keine, als er vors Mikrofon tritt, doch er ist sichtlich bewegt. “Mir war bewusst, dass bei diesem Neujahrsempfang etwas im Busch war”, gesteht der Diplom-Chemiker, der offenbar erst spät davon erfuhr, dass er nicht nur verabschiedet, sondern auch geehrt werden würde. In einer offenen, ungezwungenen Ansprache gibt er den Dank an seine Kollegen und Mitstreiter zurück. “Ich habe persönlich auch stark profitiert”, so der aufgeschlossene 66-Jährige. “Diese Arbeit hat meinen Horizont sehr erweitert.”

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