Die Heldin vom Martinskloster

Groß und stark sollen sie sein, tapfer und gerecht, und jederzeit bereit, sich heroisch für die gute Sache einzusetzen: Eine Gesellschaft braucht auch heute noch Helden. Allerdings verrichten viele Helfer ihr Werk mittlerweile still und unbemerkt von den Augen der Öffentlichkeit. Aus diesem Grund sucht das Deutsche Studentenwerk (DSW) in diesem Jahr zum 4. Mal unter dem Motto “Helden der Hochschule” Studenten, die sich durch ihr soziales Engagement ausgezeichnet haben. Aus Trier nominiert: Die 24-jährige Modedesign-Studentin Yü Lu, die im Wohnheim am Martinskloster als Tutorin ausländische Studierende betreut.

TRIER. Es ist leicht nachvollziehbar, warum die Studierenden im Wohnheim am Martinskloster sie so sehr mögen, dass sie sie schon mal mit Selbstgebackenem überraschen und ihr ausführliche Dankesbriefe schreiben: Yü Lu lacht viel wenn sie spricht, auf ihre Umwelt geht sie ausgesprochen freundlich und offen zu, zeigt sich interessiert und aufgeschlossen gegenüber anderen. “Ich war immer schon offen für andere Menschen, aber durch die Arbeit als Tutorin bin ich es noch vielmehr geworden”, erzählt Lu. Erst mit 14 Jahren kam die gebürtige Chinesin aus ihrer Heimat nach Deutschland, an die neue Kultur musste sie sich erst einmal gewöhnen.

Seit Oktober 2009 kümmert sich Lu nun im Auftrag des Studierendenwerks Trier (SWT) als Tutorin um die ungefähr 70 ausländischen Studierenden, die mehr als die Hälfte der Bewohner im Wohnheim am Martinskloster stellen. “Am Anfang wusste ich gar nicht so recht, was ich machen sollte, es gab fast keine Vorgaben”, erinnert sie sich. Obwohl sie vertraglich nur verpflichtet war, als Ansprechpartnerin für Fragen bereitzustehen, stellte Lu im Laufe der kurzen Zeit Beachtliches auf die Beine: Einen Tagesausflug nach Koblenz hat sie mit einer Gruppe von Studenten gemacht, Kino-, Museums- und Theaterbesuche organisiert, Geburtstage und Partys wurden gemeinsam gefeiert, Karaoke- und DVD-Abende gab es ebenfalls.

“Das ist phänomenal”

Sogar eine Facebook-Gruppe für den gemeinsamen Austausch und für Fotos und Videos gründete die sympathische Studentin. Ihr Engagement sorgt für spürbaren Zusammenhalt unter den ausländischen Studierenden, die überwiegend über das ERASMUS-Programm nach Trier gekommen sind: Beim letzten Stammtisch im Haus Fetzenreich kamen Kommilitonen aus Frankreich, der Türkei, Finnland, Italien, Polen, Ungarn und vielen weiteren Nationen, insgesamt über 100 Personen. “So viele Leute hatten wir da schon lange nicht mehr”, zeigt sich Gisela Keil, Assistentin der Geschäftsleitung beim SWT, beeindruckt, “wie sich Frau Lu über das normale Maß für die Studierenden einsetzt – das ist phänomenal”. Im Dezember 2009 fiel im SWT die Entscheidung, Yü Lu als “Heldin” für den Ehrenamtspreis des Deutschen Studentenwerks zu nominieren.

“Ich habe mich gefreut, das ist ja eine schöne Anerkennung”, antwortet die so Geehrte in aller Bescheidenheit auf die Frage nach ihrer Reaktion. Ihren eigentlichen Gewinn sieht sie jedoch in ihrer Aufgabe selbst: “Ich habe so viel mehr zurückbekommen, als ich je erwartet hätte. Das ist nicht einfach Arbeit, ich habe hier Freunde gefunden und unglaublich viel gelernt.” Noch bis zum Sommer Yü Lus Tutoren-Vertrag, eine Verlängerung wird es nicht geben, da die Modedesign-Studentin dann bereits ihr Diplom macht. Erst spät hatte sie sich beim SWT gemeldet, wollte Fleiß und Energie zunächst in ihr Studium stecken. “Sobald man sich um sich selbst kümmern kann, kann man sich auch um andere kümmern”, bringt Lu ihre Devise auf den Punkt. Den Wunsch an ihren Nachfolger formuliert sie ebenso freundlich und bescheiden wie zuvor: “Ich hoffe, er oder sie kümmert sich gut um die Studierenden im Wohnheim”.

Print Friendly

von

Schreiben Sie einen Leserbrief

Angabe Ihres tatsächlichen Namens erforderlich, sonst wird der Beitrag nicht veröffentlicht!

Bitte beachten Sie unsere Kommentarrichtlinien!

Noch Zeichen.

Unterstützen

In Evernote merken