Das Glück des Älterwerdens

Ja, ist denn schon Karneval? Bereits zwei Wochen vor Fastnacht geht es im Studio des Trierer Theaters so bunt und laut zu wie auf einer Kappensitzung. In Sibylle Bergs Tragikomödie “Die goldenen letzten Jahre” gibt es Herren mit roten Perücken und zu kleinen Krawatten, Lieder nach dem Motto “Reim dich oder ich fress dich” und sogar ein Männerballett. Entsprechend kreischte so manche Dame am Sonntagabend bei der Premiere vor Lachen.

TRIER. Bea (Barbara Ullmann), Rita (Antje Härle), Uwe (Paul Steinbach) und Paul (Tim Olrik Stöneberg) haben in der Lotterie des Lebens nicht das Hauptlos gezogen. In der Schule wurden sie – wie man bei einem Klassentreffen in Rückblenden erfährt – gemobbt, verspottet und sogar einmal lebendig begraben.

Als Folge konnten die vier Schüler, die wegen körperlicher oder psychischer Abweichungen zu Außenseitern gemacht wurden, nicht an der Abschlussprüfung teilnehmen, womit der weitere Werdegang vorgezeichnet war. “Wir dachten, die Schule wäre irgendwann vorbei und ein gutes Leben würde beginnen”, hatte Paul gehofft, doch er sollte sich zunächst irren. “Es ändert sich nichts nach der Schule”, korrigiert ihn der Lehrer Herr Krammacher (teuflisch gut: Michael Ophelders), der wie ein zynischer Zirkusdirektor seine ehemaligen Schüler vorstellt. “Menschen teilen sich in Aussätzige, die große meinungslose Mitte und einige Alpha-Tiere.”

Und für die “Aussätzigen” bleibt es nicht einmal, wie es ist. Es kommt schlimmer. Oder in den Worten des diabolischen Lehrers: “Weiter runter geht immer.” Die gehbehinderte Bea bekommt Depressionen, der Autist Paul wird als Lagerist entlassen, bloß, weil er den Mitarbeitern nicht behagt, der dicke Uwe mit der feuchten Aussprache verliert seinen Posten in einem Zoo, weil der Bär, dessen Gehege er reinigt, aus Bosheit seine Ausscheidungen zurückhält, und die unscheinbare, von ihren Eltern verstoßene Rita wird – drunter macht es Sibylle Berg nicht – in einem Obdachlosenheim tagelang massenvergewaltigt.

Ihre ehemaligen Mitschüler und Peiniger Imke (Antje Härle), Bernd (Paul Steinbach) und Carl Gustav (Tim Olrik Stöneberg) – fast jeder Darsteller spielt zwei oder mehrere Rollen – hingegen betrachten das Leben durch ein Champagnerglas. Ausgestattet mit Schönheit, Geld und Macht gehören sie weiterhin zu den Alpha-Tieren. Doch nach einigen Jahren wendet sich das Blatt. Die Autorin lässt die Dekadenten und Herrenmenschen im Alter tief fallen und den Zukurzgekommenen Gerechtigkeit und Glück widerfahren – goldene letzte Jahre erleben. Ein erstaunlich optimistisches Ende für eine düstere Dramatikerin und Schriftstellerin wie Frau Berg.

Die Menschen in ihren Werken tun oft – wie oben beschrieben – extreme Dinge. Vielleicht wollten deshalb auch Anne Simon (Inszenierung), Anouk Schiltz (Bühnenbild) und Alevtina Enders (Kostüme) bei ihrer Arbeit bis zum Äußersten gehen. So geriert sich beispielsweise der homosexuelle Bernd wie die Parodie einer Tucke, die Kulisse gemahnt an einen unter Sparzwängen entstandenen Zoo und Paul trägt eine zu kurze Krawatte und sieht mit seiner roten Perücke aus wie das “Sams”. Lachen ist also erwünscht. Auch wenn es eben bloß über einen Mini-Schlips ist.

Übertreibung ist ein Stilmerkmal bei Sibylle Berg. Dem Stück hätte aber ein bisschen weniger davon gut getan. Zwar sind die Figuren in der Vorlage als Stereotype angelegt, doch werden in der Trierer Inszenierung die Eigenschaften mancher Protagonisten zu offensichtlich und überzeichnet dargestellt, wodurch die Charaktere eindimensional geraten. Zu oft kippt das Stück ins Klamaukhafte, wo es eher verstörend sein sollte. Das schadet der Wirkung der rasant erzählten Geschichte.

Weitere Aufführungen: Samstag, 6. Februar, 20 Uhr; Freitag, 12. Februar, 20 Uhr; Freitag, 19. Februar, 20 Uhr; anschließend Gastspiele im Theatre National du Luxembourg.

Trier. Hoher Sachschaden bei Hotelbrand im Stadtteil Zewen

Feuerwehr und Polizei waren am Montagnachmittag, 1. Februar, im Einsatz, als aus noch ungeklärter Ursache ein Brand in einem Hotel in der Kirchenstraße in Trier-Zewen ausbrach. Der Feuerwehr konnte den Brand eindämmen. Der entstandenen Sachschaden ist beträchtlich, Menschen kamen nicht zu Schaden.

Gegen 15 Uhr wurde Alarm ausgelöst. Das Feuer, so das Ergebnis der ersten Ermittlungen brach vermutlich im Bereich der Rezeption des Hotels in der Kirchenstraße in Trier-Zewen aus.

Die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen nach der Brandursache aufgenommen. Aussagen dazu können zurzeit noch nicht gemacht werden.

Als der Brand bemerkt wurde, befand sich niemand in dem Hotel, so dass kein Personenschaden entstand.

Der Sachschaden wird auf ca. 200.00 Euro geschätzt.

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