Ein Amerikaner mit britischem Humor

David Ives wurde 1950 in Chicago geboren, lebt heute als Autor in New York und arbeitete zwischendurch ein Jahr lang als Englischlehrer in Deutschland. Seine Komik ist jedoch britisch, wovon man sich am Samstagabend bei der Premiere von “All in the Timing” in der Tufa überzeugen konnte. Die English Drama Group der Universität Trier zeigte aus Ives Stückesammlung acht, pythoneske Einakter. Die meisten Schauspieler – ehemalige und eingeschriebene Studenten und sogar Dozenten – konnten sich derart gut in ihre Rolle hineinversetzen und sie auch ebenso gekonnt umsetzen, dass ihnen jegliches Amateurhafte abging.

TRIER. Sind interessierte Anglistikstudenten oder allgemein Sprachwissenschaftler aufgrund ihrer intensiven Auseinandersetzung mit Sprache begabtere Schauspieler als beispielsweise Maschinenbauer, Juristen oder Geographen? Zumindest die English Drama Group “Caution! Students at play” der Trierer Uni legt diese Vermutung nahe. Seit vielen Jahren zeigt das Ensemble von Christoph und Elke Nonn englischsprachiges Laientheater auf hohem Niveau.

Die aktuelle Inszenierung ist eine Wiederaufnahme von “All in the Timing”, das bereits vor zwei Jahren aufgeführt wurde. Weil die Fluktuation in einem Ensemble aus Studenten hoch ist, konnte allerdings bis auf wenige Ausnahmen nicht auf die gleiche Besetzung zurückgegriffen werden. Bei keinem der neuen Darsteller hatte man jedoch das Bedürfnis, gerne mal den ursprünglichen Rolleninhaber zu sehen. Fast alle spielten so unverkrampft, natürlich und wohldosiert, dass die Umsetzung der ohnehin schon guten Vorlage richtig gelungen geriet.

Von der Grundidee her könnten alle der 10- bis 30-minütigen Einakter von Monty Python stammen. In “Babel’s in Arms” beispielsweise überlegen zwei Sklaven, wie sie mit einem einzigen Steinquader den Turm zu Babel errichten sollen. In “Variations on the Death of Trotsky” wird der marxistische Revolutionär von seiner Frau durch einen Lexikoneintrag darauf hingewiesen, dass er tags zuvor ermordet wurde. Nun “erlebt” er verschiedene Versionen seines Todes.

Noch abstrakter und absurder geht es in “Words, Words, Words” zu. Drei Affen diskutieren über die Theorie des Forschers Dr. Rosenbaum, dass sie in der Lage wären, mit vorgesetzten Schreibmaschinen ein Meisterwerk wie “Hamlet” zu verfassen. Und ähnlich wie Trotsky sind auch die beiden Eintagsfliegen in “Time Flies” über ihr Schicksal überrascht, als sie in einem Fernsehbeitrag von Sir David Attenborough von ihrer Lebenserwartung erfahren.

Ives vielschichtige und subtile Komik basiert vor allem auf Wortspielen, Zitaten und Anspielungen, Anachronismen und absurden Elementen. Nicht nur, dass die Sprach- und die Situationskomik funktionieren, sondern auch die Figurenkomik, ist der Verdienst der Darsteller. Caroline Schröter ist gleichermaßen überzeugend als herrische Geschäftsfrau und schlampige Bedienung (hier mit breitem amerikanischen Akzent), Lisa Keimburg spielt vorzüglich eine geschäftstüchtige Priesterin und verführerisch-blasierte Waschmachine, der Anglistikdozent Michael Banks gibt äußerst köstlich einen süffisanten David Attenborough, einen selbstbewussten Eunuchen und einen arroganten französischen Kellner und der mit großem komödiantischen Talent ausgestattete Manuel Anghel ist eine Traumbesetzung in der Rolle des etwas minderbemittelten Sklaven, des verwirrten Trotsky-Attentäters und des verrückt gewordenen Waschmaschinenreparateurs – die Liste ließe nochmal so lange fortsetzen.

Die Qualität der Darbietungen der English Drama Group hat sich längst rumgesprochen. Das hat zur Folge, dass viele Aufführungen schon früh ausverkauft sind. Karten für “All in the Timing” gibt es lediglich noch für den kommenden Donnerstag. Die nächste Produktion will man wegen der großen Nachfrage endlich in den Großen Saal verlegen.

von Christian Jöricke

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