Frankreichs SNCF will Trier mit Hamburg verbinden
In das Fernverkehrsangebot des Trierer Hauptbahnhofs könnte schon bald Bewegung kommen: Die französische Staatsbahn SNCF will ab Herbst 2011 eine durchgängige Bahnverbindung von Metz nach Hamburg anbieten, die Züge würden auch in der Moselstadt Halt machen. Die Gespräche mit den zuständigen Stellen seien bereits weit fortgeschritten, eine definitive Entscheidung soll schon im April fallen, erklärte ein Sprecher der SNCF-Tochter Keolis am Montag gegenüber 16vor. Sollte die Verbindung tatsächlich realisiert werden, würde auch Luxemburg besser an die Moselstadt sowie das Ruhrgebiet und Norddeutschland angebunden.
TRIER/HAMBURG. Wer mit der Bahn von Trier nach Hamburg reist, ist bestensfalls 6 Stunden und 45 Minuten unterwegs. Meistens dauert die Fahrt jedoch 7 Stunden und mehr – vorausgesetzt, der Umstieg in Koblenz, Köln oder Hannover hat reibungslos geklappt, was bei Umsteigezeiten zwischen sechs und acht Minuten keineswegs selbstverständlich ist.
Nun besteht begründete Hoffnung, dass Bahnreisen von Trier in den Norden der Republik und die Millionenstadt an der Elbe mittelfristig komfortabler werden könnten. Denn die französische Staatsbahn SNCF plant eine umsteigefreie Verbindung von Metz nach Hamburg, die über Luxemburg und Trier führen soll. Läuft alles nach Plan, dann wird ab Herbst 2011 täglich ein Zugpaar von Frankreich in die deutsche Hansestadt und wieder zurück verkehren, erklärte gestern Robert Kohl, Sprecher des Eisenbahnunternehmens Keolis Deutschland, gegenüber 16vor. Die Gespräche mit den zuständigen Gesellschaften, darunter die Bahn-Töchter DB Netz, DB Fernverkehr und DB Regio, seien bereits weit fortgeschritten.
Keolis ist eine Tochter der SNCF, seit vergangener Woche hält die französisches Staatsbahn mit 56,7 Prozent der Anteile die Mehrheit an dem Unternehmen, das in sieben Ländern vertreten und in Deutschland über seine Niederlassung eurobahn bislang vor allem im Nahverkehr des Ruhrgebiets und in Ostwestfalen unterwegs ist. Für die SNCF hat die Keolis nun die Bedienung mehrerer Trassen beantragt – neben der Verbindung Metz-Hamburg auch Verbindungen von Straßburg nach Hamburg sowie vom Elsass nach Halle und Berlin. Die Franzosen planen, auf den Strecken Corail-Wagen fahren zu lassen. Diese kommen schon seit vielen Jahren auf den Fernverkehrsstrecken des Nachbarlandes zum Einsatz.
Laut Keolis-Sprecher Kohl soll die Entscheidung, ob die SNCF schon bald auf der Moselstrecke verkehren wird, am 9. April fallen. Schon im kommenden Monat werde klar sein, zu welchen Tageszeiten die Züge von Metz nach Hamburg überhaupt fahren könnten. Denn das ist eine der spannenden Fragen: Ähnlich wie im Luftverkehr, wo die Flughäfen so genannte Slots – Zeitfenster – vergeben, während derer die Airlines starten und landen dürfen, müssen alle Beteiligten nun klären, ob und wann das geplante Zugpaar überhaupt freie Fahrt auf der Strecke zwischen Frankreich und der Hansestadt hätte. Schließlich werden diesselben Schienen auch von Nahverkehrs- und Güterzügen sowie dem bislang eher überschaubaren Fernverkehr der Deutschen Bahn AG in Beschlag genommen.
Kohl lässt keinen Zweifel daran, dass die Keolis-Mutter SNCF es ernst meint mit ihrem Vorhaben. Sollte sich das Unternehmen im April für die Verbindung entscheiden, könnte diese theoretisch bereits zum nächsten Fahrplanwechsel, also im Dezember dieses Jahres starten. Doch hier bremst Kohl die Erwartungen: Zunächst seien noch erhebliche Investionen, vor allem ins Fahrzeugmaterial vonnöten, um in etwa IC-Standard bieten zu können. Realistischer sei deshalb ein Start des Angebots im Herbst 2011. Aktuell geht die SNCF-Tochter Keolis davon aus, dass die Fahrtzeit von Trier nach Hamburg auf sechs Stunden verkürzen wird.
von Marcus Stölb



9. Februar 2010 (08:13 Uhr)
Erinnert mich ein wenig an das großes Hallo, als die Direktverbindung Trier – Berlin via ICE angekündigt wurde. Und dann wunderten sich alle, dass man trotz Hochgeschwindigkeitszug und nullmal Umsteigen länger unterwegs ist als mit den konventionellen Verbindungen (aktuell übrigens immer noch, ICE braucht 7:11 Stunden, Regionalexpress (!) und ICE ab Köln 7:09 Stunden (Beispielfahrt ab 7:58 Uhr). Ohne Geschwindigkeitsvorteil, attraktive Preise und gepflegte Züge hat auch dieses mögliche neue Angebot das Potential zum Rohrkrepierer. Aber vielleicht macht es die SNCF ja besser als die unzuverlässige Schmuddel-DB.
9. Februar 2010 (09:26 Uhr)
Das Argument von Paul, daß der Direkt-ICE länger für die Fahrt nach Berlin braucht als die Verbindungen mit Umsteigezwang, hat einen Haken:
Wer in damals 8, jetzt knapp 7 Stunden mit dem ICE nach Berlin fährt, kann diese Zeit effektiv nutzen und muß sich keine Gedanken mehr machen, ob er irgendwo den Anschlußzug verpassen könnte. Zudem fällt das lästige Umsteigen weg. Ich fahre im Zweifel lieber eine Stunde länger mit Direktverbindung, als durch Umsteigen eine Stunde einsparen zu können, wenn alles gut geht.
Das größte Problem stellt m.E. nicht die Fahrzeit, sondern der Preis dar.
9. Februar 2010 (12:34 Uhr)
Bevor sie über die schmuddel DB herziehen, der Ableger der SNCF ist auch nicht besser.
Was die Eurobahn hier in WUppertal derzeit an Leistung erbringt, spottet jeder Beschreibung. Museumszüge sollen Pendler beförden wo während der Fahrt die Türen aufgehen und die Sitzplätze von Eisenbahnfreunden schon seit Hamm belegt sind und man als Pendler gar keinen Platz mehr bekommt.
Auch die neuen Triebwagen der Eurobahn spotten jeder Bechreibung. Zu wenig Sitzplätz nur ein WC für 270 Fahrgäste, unfreundliches Personal, keine Zugbegleiter, geschweige denn Sicherheitsdienst und ein Fahrkomfort wie in einem Linienbus.
Danke dann kann ich auch lieber mit der von ihnen als schmuddelig betitulierten DB fahren, denn da weis ich das mein Anschlußzug bei Verspätungen, die die DB nicht zu verantworten hat, auf mich wartet.
9. Februar 2010 (18:46 Uhr)
An Tim: Im Nahverkehr fährt genau das, was der Besteller einkauft. Dass das Personal unfreundlich ist, ist eine andere Sache. Die Eurobahn wird für den jetzigen Umstand Strafen zahlen. Die neuen Fahrzeuge kommen, wenn die Hochleistungsindustrie es schafft ihre Produkte EBA-konform auszuliefern.
9. Februar 2010 (20:48 Uhr)
@ Paul, @Klartexter
Eine Alternative für Fahrten nach Berlin ist auch noch die Nachtzugverbindung über Saarbrücken. Gerade, wenn man bereits morgens in Berlin sein will, ist die Alternativlos.
Da macht es dann auch wenig, wenn die Reisezeit mal etwas länger ist.
9. Februar 2010 (23:49 Uhr)
Die Schuld für die angeblichen “Mueseumszüge” gilt es, wie Bahnfreund bereits schrieb nicht bei der Eurobahn zu suchen. Die eingesetzten Fahrzeuge fahren auf vielen deutschen Strecken bereits in anderer Konfiguration, es ist der Hersteller der hier Fehler machte und ein vielleicht übersensibles Eisenbahnbundesamt.
Im Gegenteil, ich finde die Eurobahn hat einen halbwegs akzeptablen Ersatzfahrplan aufgestellt und das sogar in Zusammenarbeit mit der ex-Bundesbahn (der die Schmuddelzüge übrigens gehören, selbige fuhren übrigens vormals lange Zeit die Strecke nach Venlo).
In modernen Doppelstockwagen sind auch prinzipiell zu wenige Toiletten vorhanden. In den NV-Triebwagen der DB ebensowenig, wie im Flirt. Der metronom hatte damals auch keinen famosen Start hingelegt und gilt heute als Vorzeige-EVU. Bei Keolis arbeiten ganz sicher keine Amaeure.
Das die Anschlussicherung von/auf Privatbahnen schlechter ist, halte ich für ein Gerücht.
Die Bundesbahn ist schon lange tot. Die Realität ist eine staatliche Bahn die privatwirtschaftlich arbeitet, mit horrenden Preisen. Warum geben wir Konkurrenten nicht einfach eine (faire) Chance?