Bündnis fordert weitreichende Lösung für Kornmarkt

Eigentlich sollte er längst autofrei sein, doch weil über den Kornmarkt die Zufahrt zu den Stellplätzen auf dem “Linzschen Grundstück” führt, wird der Platz auch weiterhin von Fahrzeugen gequert. Vor allem im Sommer, wenn die Außengastronomie floriert, sorgt der Parkraumsuchverkehr für einigen Unmut. Mit einer “weitreichenden Lösung” wollen SPD, Bündnis 90/ Die Grünen und FDP nun gegensteuern: Ab der Einfahrt zur Tiefgarage am C&A soll die Konstantinstraße für den “nicht berechtigten Verkehr” dicht gemacht werden. Der Antrag, der Ende Februar vom Stadtrat beraten und beschlossen werden soll, dürfte noch für einige Diskussionen sorgen.

TRIER. Ist von “Triers guter Stube” die Rede, dreht sich das Gespräch meist noch immer um den Hauptmarkt. Der zählt zweifelos zu den schönsten Plätzen Deutschlands, doch vor allem in den Abendstunden hält sich die Aufenhaltsqualität zwischen Petrusbrunnen, Marktkreuz und Steipe arg in Grenzen. Ist die Sonne erst einmal untergegangen, versinkt der Hauptmarkt in Dunkelheit. Das Leben pulsiert derweil anderswo, keine drei Fußminuten entfernt: auf dem Kornmarkt, der sich seit seiner aufwändigen Umgestaltung zur wohl beliebtesten Terasse Triers gemausert hat. In den wärmeren Jahreszeiten floriert hier bis in die späten Abendstunden die Außengastronomie, planschen tagsüber ungezählte Kinder im Wasserband, ist auf den öffentlichen Sitzbänken oft kaum noch ein Platz zu bekommen.

Es gibt nicht viel, was einen Kornmarktbesucher dann noch aus der Contenance bringen kann. Für Unmut sorgen allenfalls die zahlreichen Autos, die den Platz in Richtung “Linzsches Grundstück” (hinter dem Casino) queren, und weil diese den Tischen und Stühlen auf dem Platz oft unangenehm nah kommen und das die Aufenthaltsqualität merklich beeinträchtigt, wird schon seit Jahren über Maßnahmen diskutiert, wie der Verkehr weitgehend unterbunden werden könnte. Im November 2005 stellte die CDU den Antrag, versenkbare Poller an der Zufahrt zum Kornmarkt aufzustellen. Obwohl der Stadtrat die Forderung unterstützte, hat sich an der Situation bis heute nichts geändert. Nun unternehmen SPD, Bündnis/Die Grünen und FDP einen neuen Anlauf: Am 25. Februar soll der Stadtrat eine weitreichende Lösung beschließen, heißt es in einem gemeinsamen Antrag des Ampelbündnisses.

Noch einiges an Klärungsbedarf

Konkret verlangen die drei Fraktionen, dass die Zufahrt in Richtung Kornmarkt nahezu komplett dicht gemacht wird, und das bereits ab Höhe Einfahrt Konstantin-Tiefgarage. Der “nicht berechtigte Verkehr” soll außen vor bleiben. Betroffen von der Maßnahme wären einige Stellplätze in der Konstantinstraße, aber auch Johann-Philipp- und Gangolfstraße sowie die Sackgasse “Am Zündel” wären nur noch für Anwohner oder die Inhaber der vorhandenen Stellplätze mit dem Auto erreichbar. Das Bündnis fordert denn auch die Auflösung der wenigen noch vorhandenen Stellplätze im öffentlichen Raum, die hinter der vorgesehenen Sperrung liegen. Mit der Maßnahme wolle man nicht nur erreichen, dass der Kornmarkt frei vom störenden Parkraumsuchverkehr gemacht werde, sondern dass auch die Kreuzung Brot-/Konstantin-/Johann-Philippstraße nicht mehr so stark von Fahrzeugen frequentiert wird, erklärte SPD-Fraktionschef Sven Teuber am Dienstag gegenüber 16vor.

Der Sozialdemokrat ist überzeugt, dass der Antrag dem Anliegen gerecht wird und die vorgesehene Maßnahme auch praktikabel ist. Teuber räumt aber auch ein, dass es noch einiges zu klären gibt. Tatsächlich dürfte das Vorhaben noch für Diskussionen sorgen, denn auch wenn es in der Begründung zum Antrag heißt, dass “Betroffene des ansässigen Einzelhandels (…) bereits signalisiert” hätten, “dass sie diese Lösung für sinnvoll ansehen und sich an der Umsetzung der Maßnahme konstruktiv einbringen wollen”, besteht im Detail noch einiger Klärungsbedarf.

Beispiel Gangolfstraße: Falschparker bescheren dem städtischen Ordnungsamt zwar täglich Einnahmen, doch nicht wenige steuern mit ihrem Auto oder im Taxi auch die hinteren Eingänge der im nördlichen Abschnitt der Fleischstraße gelegenen Arztpraxen an; unter anderem ist hier eine große Radiologische Gemeinschaftspraxis ansässig. Das Ampelbündnis fordert von der Verwaltung, nun zu prüfen, welche “technischen Sperrvorrichtungen und Verfahren geeignet sind, nur Berechtigten die Einfahrt zu ermöglichen”. Stimmt der Stadtrat dem Antrag zu, dann wird die Verwaltung rasch handeln müssen: SPD, Grüne und Liberale verlangen, dass “in einem ersten Schritt, bis spätestens zu Beginn der Osterferien (…), mit einfachen, geeigneten Mitteln die Sperrung vollzogen werden” soll.

Print Friendly

von

8 Leserbriefe | RSS-Abo

  1. Thomas Albrecht schreibt:

    Tatsächlich eine alte Forderung der CDU, den Kornmarkt vom (nicht-berechtigten) Autoverkehr zu befreien, wie ich auch schon hier http://www.albrecht-trier.de/html/poller.html dargelegt habe.
    Im Haushalt 2008 wurden auf unseren Antrag hin, sogar Mittel in den Haushalt eingestellt, um die Poller aufzustellen.
    Dass gleichwohl bisher nichts geschehen ist liegt nach Auskunft der Baudezer-nentin Simone Kaes-Torchiani daran, dass die Poller teurer als gedacht sind und die Lösung recht aufwändig sein soll. Bislang waren nicht genügend Mittel vorhanden.
    Gleichwohl erscheint mir die Poller-Lösung die einzige effektive Möglichkeit zu sein, den Autoverkehr sinnvoll zu regulieren.
    Welche geeigneten „technischen Sperrvorrichtungen und Verfahren“ es sonst noch geben soll, verraten die Antragsteller bezeichnenderweise nicht.
    Es ist wohl angebracht, die Angelegenheit noch einmal im zuständigen Dezer-natsausschuss zu behandeln. Hierher hätte der Antrag auch gestellt werden müssen.
    Thomas Albrecht
    Verkehrspolitischer Sprecher der CDU Stadtratsfraktion

  2. Henning schreibt:

    Auf jeden Fall wäre es toll, weniger Autoverkehr in der Fußgängerzone zu haben. Als nächstes sollten dann noch die MalebenschnellzurBank-Fahrer vom Stockplatz und die Parker vom Jakobsspitälchen vertrieben werden.

  3. Torsten Egner schreibt:

    Ich stimme Henning zu. Die beschriebene Situation trifft genauso auch auf den Stockplatz zu.

  4. Jenny schreibt:

    Vor allem stoppt man mit Pollern auch die “es ist Wochenende, ich bin schon 18 und fahre Mamas Sportwagen und flitze mal eben mit Karacho zum Mc Donalds” Irren, die ab und an tatsächlich nachts in der Fußgängerzone unterwegs sind. Klingt hohl, ist es auch, aber kommt leider nicht selten vor.
    Auch Fahrer der Art, “ich habe ein gelbes Autokennzeichen, Eure Schilder sind mir total egal” kommen nicht an Pollern entlang. Speziell der Einzelhandel muss endlich mal aufwachen und die laufende Kundschaft für sich entdecken. Damit diese dann tatsächlich gemütlich und ohne Hatz durch Trier flanieren können sind solche scheinbar drastischen Maßnahmen leider aber nötig. Lieferdienste, tatsächliche Anwohner, Taxis, Rettungskräfte etc. für all jene stellen Poller kein Problem dar. Alle anderen haben mit Auto/LKW nichts in der Fußgängerzone zu suchen, schon gleich keine vermeintlich kostenlosen Parkplätze.

  5. Stephan Jäger schreibt:

    Thomas Albrecht: “Gleichwohl erscheint mir die Poller-Lösung die einzige effektive Möglichkeit zu sein, den Autoverkehr sinnvoll zu regulieren.”

    …und auch der Unterhaltungswert ist nicht zu unterschätzen!

    http://www.youtube.com/watch?v=i_Cw0QJU8ro&feature=related

    http://www.youtube.com/watch?v=CpkGvr2q3xw&feature=related

  6. anlieger schreibt:

    schau mer mal was die triwo sagt, die mehr als hundert parkplätze hinter dem ehemaligen casino hat. sehr spannend diese frage denn schroer ist nicht mehr da.

  7. nochnanwohner schreibt:

    hoffe bloß, dass die öffentlichen parkplätze hinter der parkhauseinfahrt dann zu bewohnerparkplätzen werden und nicht wegfallen. sonst werden die o.g. fahrer/parker mit den gelben schildern die bisherigen bewohnerparkplätze nämlich tatsächlich bald restlos für sich beanspruchen.

  8. S.Hansen schreibt:

    Ohjeminee, bloss keine automatischen Poller! Da kracht es regelmässig, die Poller müssen immer wieder teuer ersetzt werden!

    Siehe:
    http://www.youtube.com/watch?v=4Ngc0b58rrw

    Wieso nicht eine einfache kleine Schranke?

Schreiben Sie einen Leserbrief

Angabe Ihres tatsächlichen Namens erforderlich, sonst wird der Beitrag nicht veröffentlicht!

Bitte beachten Sie unsere Kommentarrichtlinien!

Noch Zeichen.

Unterstützen

In Evernote merken