“Kunst soll gelebt werden”
Er tauscht Privatsphäre gegen Kunst: Markus Mitschke hat seine Wohnung zum Ausstellungsraum erklärt. Noch bis Ende Februar zeigt er unter dem Titel “Vom Blatt bis zur Wurzel” Werke des Kölner Künstlers Ralf Witthaus. Ein außergewöhnliches Projekt, das aufgeschlossene Besucher verlangt.
TRIER. Seinen Fernseher hat er ins Nebenzimmer geräumt, die meisten Möbel ebenso. Was jetzt noch wichtig ist, hängt an den Wänden: Seit Ende Januar zeigt Markus Mitschke in seinem Wohnzimmer Arbeiten des Kölner Künstlers Ralf Witthaus. Dabei wehrt er sich gegen den Begriff “Galerie”, er nennt es lieber “Kunstsalon”. Denn was er geschaffen hat, ist keine Ausstellung, in die man mal eben reinschauen kann, und erst recht ist es keine, in die man geht, um gesehen zu werden.
Wer Interesse verspürt, der muss Herrn Mitschke anrufen. Er muss einen Termin mit ihm vereinbaren, und er muss sich trauen, die Wohnung eines Fremden zu betreten. Der Besucher hat also ziemlich viele Hemmschwellen zu überwinden, und genau das ist das Konzept hinter dem Kunstsalon. “Wir haben uns daran gewöhnt, Kunst im Vorbeigehen zu konsumieren. Wenn ich mich als Besucher aber aktiv um etwas bemühen muss, dann setze ich mich automatisch intensiver mit dem auseinander, was ich sehe”, sagt Mitschke.
Und darum geht es ihm: Auseinandersetzung mit Kunst, jenseit von kunstgeschichtlichen Theorien: “Der Betrachter soll sich trauen, selbst etwas zu sehen, ohne immer in den Kategorien ‘richtig’ und ‘falsch’ zu denken.” Er weiß, wovon er redet. Bis Anfang zwanzig hielt er sich für “zu dumm”, um moderne Kunst zu verstehen. Erst als er Künstler persönlich kennen lernte, habe er begriffen, worum es gehe. Das ist die Erfahrung, die er gerne an die Besucher des Kunstsalons weitergeben würde: Die Hemmschwelle abbauen, die manche spüren, wenn sie vor einem Bild stehen und Angst haben, etwas “Falsches” zu sagen. Heute weiß er: “Es gibt kein richtig und falsch. Niemand kann sagen, was gute moderne Kunst ist, und es ist nicht meine Aufgabe, Wahrheit zu verkünden.” Die Frage “Was will uns der Künstler damit sagen?” ist für ihn die “Todesfrage”.
Geschichten wie diese erzählt Mitschke, wenn er durch die Ausstellungsräume führt. Die Ausstellungsräume sind: sein Wohnzimmer und sein Flur. Er trägt Pantoffeln, während er in das Werk von Ralf Witthaus einführt. Der Künstler, der durch seine Rasenmäherzeichnungen bekannt geworden ist, hat einige seiner Arbeiten zur Verfügung gestellt. Sie sind ein Paradebeispiel für die Werke, die Mischke gerne in seine Wohnung einziehen lässt. International aufstrebende Profi-Künstler, außergewöhnliche Impulsgeber der zeitgenössischen Kunstszene.
Alle Exponate stehen zum Verkauf. Mitschke ist das, was man “Kunstwirtschaftler” nennt, und er verdient sein Geld mit dem Verkaufen von Bildern. Er weiß, dass er kein öffentlicher Anbieter von Kunst ist, genauso möchte er sich aber vom geläufigen Bild des Kunsthändlers distanzieren. “Hier wird niemand abgewiesen oder anders behandelt, weil er nichts kaufen kann oder will. Natürlich freue ich mich, wenn jemand ‘sein Bild’ hier findet. Aber in erster Linie geht es mir um das Kommunikative der Kunst.”
Genau dieses Kommunikative, das fehlt ihm noch ein wenig in seiner Altbauwohnung. Über mehr diskutierfreudige Besucher würde er sich freuen. Und darüber, gemeinsam abends zwischen den Bildern ein paar Gläser Wein zu trinken. “Kunst soll gelebt werden”, findet er, “und alles ist besser, als vor der Glotze zu sitzen.”
Der Kunstsalon kann noch bis zum 28. Februar besucht werden. Anmeldung unter 0651/4205468.
von Kathrin Schug





5. März 2010 (15:40 Uhr)
Hut ab! Schade, dass ich das verpasst habe.
10. März 2010 (13:18 Uhr)
Liebe Christine,
habe eine gute Nachricht für Sie. Die Ausstellung von Ralf Witthaus wird von Trier direkt nach Mannheim weiterziehen. Da die Ausstellung dort erst im April zu sehen sein wird, kann man sie sich in Trier noch bis zum 28. März 2010 anschauen. Über Ihren Besuch würde ich mich freuen. Rufen Sie mich einfach unter der oben angegbenen Nummer an.
Herzliche Grüße
Markus Mitschke (STIMULART SALON Trier)