“Wir ham die Schnauze voll”
Fußball kann weh tun. Nicht nur, wenn man als Spieler gefoult wird oder mit den Stollen im Rasen hängenbleibt, und dabei die Kreuzbänder reißen. Auch als Zuschauer kann Fußball schmerzen. In den Augen. Das mussten gestern 1590 Besucher im Moselstadion erleben. Ideen- und harmlose Trierer unterlagen gegen die zweite Mannschaft von Fortuna Düsseldorf mit 0:3. “Es ist für mich beschämend, wie die Mannschaft den Trainer im Regen stehen gelassen hat”, sagte Vorstandsmitglied Ernst Wilhelmi nach der schwachen Vorstellung der Eintracht. “Ab heute ist Abstiegskampf pur angesagt.”
TRIER. Das Gute zuerst: Während des Spiels hat die Sonne geschienen. Was die Trierer Fans in den 90 Minuten zu sehen bekamen, verhagelte ihnen jedoch dermaßen die Stimmung, dass es im Anschluss für Trainer und Mannschaft ein Donnerwetter gab. Dutzende Eintracht-Anhänger versammelten sich nach der Partie vor dem VIP-Zelt und skandierten “Wir ham die Schnauze voll” und “Basler raus”.
Rollen wir das Feld von hinten auf, denn das gestrige Elend leitete eine völlig indisponierte Trierer Innenverteidigung ein. Der Düsseldorfer Marco Königs passt im Trierer Strafraum auf Olcay Turhan, der legt ab Erhan Zent, welcher nur noch einschieben muss (6.). Wie schon bei einer Chance der Gäste zwei Minuten zuvor, war SVE-Kapitän Josef Cinar nicht eng genug an seinem Gegenspieler.
Von einem Aufbäumen der Hausherren war nach dem Gegentor nichts zu spüren. Vergeblich suchte die Trierer Abwehr nach Anspielstationen, was nach zehn Minuten einen bereits früh ungehaltenen Herrn auf der Haupttribüne dazu veranlasste, lautstark mehr “Bewejung” zu fordern.
Die einzige gute Chance für die Eintracht in der ersten Halbzeit ergab sich durch einen Querschläger von Düsseldorfs Schlussmann Maximilian Schulze Niehues. Martin Wagner schickt Sahr Senesie in den Strafraum, doch der Torwart der Fortuna kann seinen Fehler wiedergutmachen, indem er dessen strammen Schuss pariert (16.).
Während die Eintracht-Fans auf der Gegengerade weiter unverdrossen ihre Mannschaft anfeuerten, ließ das Festival der Fehlpässe die übrigen Besucher verstummen. Umso größer war die Überraschung, als Düsseldorf das 2:0 erzielte. Im Laufduell mit dem insgesamt schwerfällig wirkenden Nicolas Fernandes zieht Marco Königs aus 19 Metern ab und versenkt die Kugel in der rechten Torhälfte (35.). Assen Alexov im Trierer Kasten machte keine allzu glückliche Figur dabei. Vereinzelt sind kurz vor der Pause erste “Basler raus”-Rufe zu vernehmen, in die Halbzeit wird die Mannschaft mit der Aufforderung “Aufwachen!” verabschiedet.
In den zweiten 45 Minuten wird es nicht besser. Im vielleicht schlechtesten Heimspiel dieser Saison mangelt es den Trierern weiterhin an Ideen – es werden fast nur noch lange Bälle in die Spitze gespielt – und bis auf wenige Ausnahmen auch am Willen zu gewinnen. Herauszuheben sind lediglich der eine Gesichtsmaske tragende Kevin Lacroix, der vor der Abwehr trotz einer vor wenigen Wochen zugezogenen Kopfverletzung furchtlos in Zweikämpfe geht, und Neuzugang Gilles Bettmer, der schnell seine anfängliche Unsicherheit abgelegt hat und sich als Linksverteidiger immer wieder gut ins Spiel nach vorne einschaltet. Der Luxemburger zeigt sich dribbelstark und bietet sich viel an.
Dennoch verläuft die Partie so, wie man sich eine Regionalliga-Begegnung zwischen dem 11. und 13. vorstellt, bei der beide Mannschaften Angst haben, in die Abstiegsregion zu geraten. Das meiste spielt sich zwischen den Strafräumen ab. Von den Stürmern sieht man nicht viel. Wilko Risser holt in der zweiten Halbzeit immerhin noch ein paar Freistöße in Strafraumnähe heraus, Senesies Zweikämpfe enden nur noch mit Pfiffen des Schiedsrichters gegen ihn.
Obwohl es im Angriff auch bei den Düsseldorfern nicht mehr rund läuft und bei den Kontern der entscheidene Ball zu lang gespielt wird oder der Mitspieler im Abseits steht, gelingt ihnen in der 76. Minute auch noch ein drittes Tor. Der starke Königs legt im Strafraum ab auf Zent, der abermals keine Mühe hat, zu vollenden.
Nachdem die treuesten Eintracht-Anhänger ihren Unmut über den spielerischen Offenbarungseid ihrer Mannschaft kund getan haben (“Wir ham die Schnauze voll”), verlassen sie das Stadion. Nach Hause gehen sie allerdings nicht. Sie versammeln sich vor dem VIP-Zelt, um nach dem Spiel das Team und den Trainer zu empfangen. Ein herzlicher Empfang sollte es, wie eingangs erwähnt, nicht werden.
Ernst Wilhelmi vom Vorstand ist besonders verärgert über die Leistung des Teams. “Für mich ist es beschämend, wie die Mannschaft den Trainer im Regen hat stehen lassen.” Basler selbst wirkt etwas ratlos bei den Fragen, wie es weitergehen soll. Zwar denke er nicht an einen Rücktritt und gehe auch notfalls mit in die Oberliga (“So weit wird es aber nicht kommen”), aber zu den aktuellen Problemen hat er nur Phrasen parat. “Wir müssen daran arbeiten, die Fehler abzustellen.”
Viel Zeit bleibt nicht, um der Mannschaft neuen Biss zu verleihen. Am Dienstag um 18 Uhr kommt es im Moselstadion zum Nachholspiel gegen den 1. FC Saarbrücken, der die Tabellenspitze zurückerobern will. Bereits heute will sich der Vorstand treffen, um die aktuelle sportliche Situation zu besprechen.
Eintracht Trier: Alexov – Bettmer, Fernandes, Cinar, Kempny – Wagner (77. Salem), Lacroix, Anfang (61. Pektürk), Schulz (68. Schulz) – Risser, Senesie.
Fortuna Düsseldorf II: Schulze Niehues – van den Bergh, Haas, Palikuca, Löber – Schmitz, Zaskoku, Abelski, Zent (81. Dauser) – Turhan (78. Behlau), Königs (89. Schmetz).
Tore: 0:1 Zent (6.), 0:2 Königs (35.), 0:3 Zent (76.).
Zuschauer: 1590
Schiedsrichter: Alexander Schlutius





21. Februar 2010 (12:10 Uhr)
Das war wirklich das schlimmste Spiel der Eintracht, das ich seit langem gesehen habe. Wie diese Mannschaft noch einmal die Kurve kriegen soll, ist mir völlig schleierhaft. Mit einer solchen Null-Bock-Haltung stürzen – wahrscheinlich – überbezahlte Halbprofis einen Traditionsverein in die Katastrophe. Wäre die Eintracht ein normales Unternehmen, hätten gestern sechs oder sieben Spieler eine Abmahnung, ach was: die fristlose Kündigung verdient. Die bekommt aber wahrscheinlich nur Herr Basler, wenn der SVE am Dienstag gegen Saarbrücken ein Debakel erlebt.
21. Februar 2010 (12:37 Uhr)
Und für diese Tränen sollte letztens noch ein neues Stadion gebaut werden! Das zeugt ja von einem “sehr verantwortungsvollen” Umgang mit den öffentlichen Finanzen durch den vielgerühmten Schorsch Bernarding. Ich hoffe die neue Hauptverantwortliche zeigt da mehr Augenmaß.
21. Februar 2010 (21:36 Uhr)
wann werden denn nun die 300000 eu darlehnschulden der eintracht an die stadt zurückgezahlt,herr bernarding? normaler weise müsste man sie in regress nehmen.wahrscheinl braucht man dieses geld jetzt als teil einer millionenabfindung für herrn basler.
22. Februar 2010 (10:21 Uhr)
Lieber Matthias Braun,
im Fußball gilt Nachtreten als grobe Unsportlichkeit, die selbst dann mit einer Sperre geahndet wird, wenn sie nach Spielende geschieht.
Außerdem ist Nachtreten dämlich. Erst recht, wenn man den Falschen trifft. Dass “letztens noch ein neues Stadion gebaut werden” sollte, ist mir neu. Wir schreiben das Jahr 2010. Seit dem Abstieg in der Saison 2004/05, hat niemand mehr ein neues Stadion gefordert. Auch Schorsch Bernarding nicht.
Daher meine Bitte: Selbst wenn Sie ihn nicht mögen, bleiben Sie bei der Wahrheit!
22. Februar 2010 (11:03 Uhr)
Lieber Frank Jöricke,
in der Politik gelten andere Regeln als im Fussball.
Das Spiel geht im wahren Leben eben nicht nur 90 Minuten.
Daher ist es aus Aspekten der Nachhaltigkeit durchaus zu kritisieren, wenn Millionen in ein Stadion investiert werden sollen, dessen Nutzer ständig gegen den Abstieg kämpft.
Stellen Sie sich vor, die Eintracht wäre nicht bereits vor Baubeginn des geplanten Stadions abgestiegen!
Könnten Sie uns anderen Steuerzahlern dann erklären, warum mit dem Geld nicht von tausenden Kindern täglich genutzte Schulgebäude saniert wurden?
22. Februar 2010 (13:11 Uhr)
Abgesehen davon wäre der Stadionneubau durch Gelder des Sportfördertopfes des Landes Rheinland-Pfalz mitfinanziert worden und nicht durch igendwelche anderen öffentliche Mittel! Durch einen möglichen Neubau eines Stadions wäre keine einzige Heizung in Trierer Schulen ausgegangen oder neu errichtet worden, ebenso wenig Fahrradwege errrichtet worden,der Dom schöner gemacht,Trier-West saniert oder der bahnhof schöner angemalt worden oder sonst irgendwas! Zwei verschiedene Töpfe – die man aber gerne verwechselt wenn es dem Populismus dient! Aber die Sache ist lange her, bekommt eben Koblenz das neue Stadion! Mit dem gleichen Geld das uns zur Verfügung gestanden wäre!
22. Februar 2010 (14:14 Uhr)
Na ja Hautzenthiel,
nette Argumentation, die m.E. aber nur dem Populismus dient.
Töpfe hin oder her – unsere Steuergelder können trotzdem nur einmal ausgegeben werden. Und das am besten sinnvoll statt “Hauptsache hier in Trier”.
Denn wenn hier in Trier ein leeres Stadion stünde, dann wäre damit niemandem geholfen.
Aber ohne Stadion sparen wir uns wenigstens die laufenden Unterhaltungskosten. Und die erste Sanierung in 20 Jahren…
22. Februar 2010 (14:59 Uhr)
Dann mag man mir bitte meinen Lokalpatriotismus verzeihen – aber wenn ich die Wahl zwischen neuem,leerem Stadion in Trier oder Koblenz habe – dann ganz sicher Trier! Und besser Sanierungskosten in 20 Jahren, denn wie momentan jedes Jahr! Aber müßig darüber zu diskutieren – es gab kein neues Stadion und es wird in naher Zukunft auch keines geben! Leider!
23. Februar 2010 (14:08 Uhr)
Lieber Frank Jöricke,
mich indirekt als dämlich zu bezeichen ist zwar nicht die feine Art, aber man muss auch einstecken können. Mir eine Lüge zu unterstellen mag ich mir jedoch nicht gefallen lassen: Ich empfinde fünf Jahre angesichts der geplanten Investitionssumme nicht als lange Zeit – wenn auch länger als die Eintracht 2. Liga gespielt hat, nämlich DREI Jahre. Gegen den Menschen Schorsch Bernarding hab ich garnichts (und würde ihn also auch nicht treten wollen ;-) ), seine politischen Entscheidungen zu kritisieren muss aber erlaubt sein – gerade angesichts der überbordenden Lobhudeleien bei seiner Verabschiedung. (Wie er darauf reagiert hat, spricht dann m. E. menschlich wieder für ihn.)
Ernstgemeinte freundliche Grüße,
Matthias Braun
23. Februar 2010 (15:58 Uhr)
Solchen Schwachsinn hört man eigentlich nur von solchen trotzigen “Lokalpatrioten”. Was ist daran Lokalpariotismus, Hautzenthiel? Lieber ein hohler Kopf in Trier als einer in Koblenz? Lieber eine Skischanze in Trier als eine in Koblenz?
WErden die Steuergelder des Landes Rheinland-Pfalz nicht aus den Steuern verteilt, die Sie und ich in welcher Form auch immer bezahlen müssen? Meinen Sie, dass ist fremdes Geld, das einfach nur irgendwo gedruckt wird? Und glauben Sie, dass die Stadt nichts dazu hätte zahlen müssem, wenn ein neues Stadion gebaut worden wäre. Da wären der Stadt einige Milliönchen an der Backe kleben geblieben, für die Zinsen gezahlt werden müssten, und das nicht zu knapp. Oder glauben Sie in Ihrer hinterwäldlerischen Einfalt, dass die Banken der Stadt umsonst Geld leihen?
Awer scheißegal, de Hauptsaach, mir hann en nei Stadiun. Et nützt uns zwor neist, awer de Hautsaach, die annern krien dat Geld nit, weil mir jo immer zu kurz kommen un nie ebbes krien.