Nun ist die Mannschaft wieder im Fokus
Nach knapp anderthalb Jahren gehen Eintracht Trier und Mario Basler getrennte Wege. Der prominente und polarisierende Cheftrainer wurde gestern beurlaubt. Nach drei Niederlagen mit jeweils drei Gegentoren in Folge war trotz der Winterpause zwischen den letzten beiden Spielen kein Aufwärtstrend zu erkennen. Im Gegenteil: In der Partie gegen Fortuna Düsseldorf II am vergangenen Samstag hatte man den Eindruck, einige im Team würden gegen den Trainer spielen. Das hat auch der Vorstand so gesehen: “Basler und die Mannschaft passen nicht mehr zusammen”, sagte Ernst Wilhelmi gegenüber 16vor. Der bisherige U23-Trainer Reinhold Breu soll nun der Eintracht möglichst schnell den Klassenerhalt sichern.
TRIER. Auf die Frage nach der frühen Entlassung seines Vorgängers Werner Weiss antwortete Mario Basler bei seiner Vorstellung im September 2008: “So ist nun mal das Geschäft. Der Trainer ist das leichteste Glied.” Nun hat es auch ihn erwischt. Da man nicht die halbe Mannschaft entlassen kann, muss nach einem solchen Spiel wie gegen Düsseldorf eben der Trainer gehen.
Der Abwärtstrend hat jedoch nicht erst vor drei Partien eingesetzt. Von den letzten elf Spielen konnte die Eintracht nur zwei gewinnen. Bergab geht es schon seit Ende September. Auf die 2:3-Niederlage in Leverkusen folgten zwei 0:4-Klatschen zuhause gegen Rot-Weiss Essen und bei Preussen Münster. Keine Mannschaft hat bisher so viele Gegentreffer kassiert wie der SVE.
Das Ziel des Vereins, am Ende der Saison auf einem einstelligen Tabellenplatz zu landen, ist angesichts der vergangenen Vorstellungen der Mannschaft in weite Ferne gerückt. Obwohl zwischen der Eintracht und dem vierten Rang nur sechs Punkte liegen. Allerdings sind es auch nur zwei Zähler bis zu einem Abstiegsplatz. Und einem solchen ist Trier derzeit nicht nur rechnerisch näher.
“Wir stecken im Abstiegskampf”, betont Ernst Wilhelmi vom Vorstand. “Wir haben aber auch noch 15 Spiele.” Der Vorstand und der Aufsichtsrat trafen sich gestern, um die Frage zu klären: “Machen wir so weiter oder nicht?” Sie haben die Notbremse gezogen. “Trotz der guten Vorbereitung hat das Spiel am Samstag gezeigt, dass keine Verbesserung eingetreten ist”, so Wilhelmi.
Baslers Ziel ist es, Bundesligatrainer zu werden. Das plante er freilich nicht mit der Eintracht; sie sollte sein Sprungbrett in die höchste Spielklasse sein. “Schauen Sie”, erklärte er Ende Oktober der FAZ, “die Frage ist: Welches ist der richtige Weg für mich? Ich hätte sagen können, ich bleibe nach dem Fußball-Lehrerschein zu Hause und hoffe, dass ich in den nächsten fünf Jahren ein Angebot aus der Bundesliga bekomme. Das wäre wie jede Woche Lotto spielen und immer auf einen Sechser hoffen.” Stattdessen entschied er sich für den Weg über die vierte Liga. “Ich gebe mir drei, vier Jahre Zeit, um mir als Trainer einen Namen zu machen und meine Vorstellungen ohne großen Druck zu entwickeln und umzusetzen.”
Der Verein wollte ihm diese Zeit nicht mehr geben, denn schließlich geht es der Eintracht nicht um die Karriereförderung ihres Trainers, sondern um die eigene sportliche Zukunft. Schon Ende Dezember beklagte sich Sportdirektor Fritz Fuchs in einem Interview mit 16vor, dass sich die Mannschaft nicht weiterentwickelt habe. Einige der über ein Dutzend Verpflichtungen während Baslers knapp anderhalbjähriger Amtszeit – wie beispielsweise die ehemaligen Bundesligaprofis Markus Anfang und Christopher Reinhard – erwiesen sich nicht als die erhoffte Verstärkung.
Und dennoch profitierten die Eintracht und “Super-Mario” auch voneinander. Die Überraschungssiege im DFB-Pokal gegen Hannover 96 und Arminia Bielefeld bescherten dem Verein nicht nur eine knappe Million Euro Zusatzeinnahmen, sondern auch viel Aufmerksamkeit. Und Basler, der zwar oft für unterhaltsame Pressekonferenzen sorgte, aber im Gegensatz zu seinen Zeiten als Spieler in der Öffentlichkeit stets um ein professionelles Auftreten bemüht war, kam diesmal nicht in die Medien, weil er an einer Poker-Sendung oder einem Stock-Car-Rennen von Stefan Raab teilgenommen hatte, sondern als Trainer von Eintracht Trier. In dieser Funktion rückte er allerdings auch in den Blickpunkt der Öffentlichkeit mit fragwürdigen Disziplinarmaßnahmen (z.B. nächtliche Strafrunden nach einer Auswärtsniederlage) und unbedachten Äußerungen zu seinem Wettverhalten.
Noch ist unklar, was Baslers Beurlaubung den Verein kosten wird. Im Idealfall willigt der 41-Jährige der Auflösung seines Vertrages ein, der noch bis zum 30. Juni 2012 läuft. Für seine Nachfolge wurde indes schnell eine kostengünstige und naheliegende Lösung gefunden. Der bisherige Nachwuchskoordinator und U23-Trainer Reinhold Breu übernimmt Baslers Posten. Vielleicht sogar über die Saison hinaus, denn der gebürtige Niederbayer hat noch einen Vertrag bis 2011. Breu ist Triers zehnter Trainer seit dem Abstieg aus der zweiten Liga 2005.
Heute um 18 Uhr leitet er das erste Training und morgen um die selbe Zeit sitzt er beim Nachholspiel gegen den 1. FC Saarbrücken erstmals als Coach der Regionalligamannschaft am Spielfeldrand. Das Team, das zu Beginn der Saison gezeigt hat, dass es in der Regionalliga oben mitspielen kann, kann sich ab jetzt nicht mehr hinter dem Trainer verstecken.





22. Februar 2010 (08:25 Uhr)
Da er jetzt ja wieder wetten darf, würde mich interessieren: Wie tippt Mario Basler Trier-Saarbrücken?
22. Februar 2010 (13:29 Uhr)
Da die Vereine in der Regionalliga West zwischen 18 und 21 Spiele bestritten haben, ist die Tabelle nun wirklich nicht besonders aussagekräftig.
22. Februar 2010 (14:09 Uhr)
Linze Paul, Linze Paul, Linze Paul !!!!!! Paul, bitte rette uns !!!!