Feuer nicht nur im Spiel
Reinhold Breu ist der Einstand als Trainer der “großen” Eintracht geglückt. Vor 5150 Zuschauern im Moselstadion erkämpfte sich die von ihm stark umgekrempelte Trierer Mannschaft ein 2:2 gegen den Aufstiegsaspiranten 1. FC Saarbrücken. Feuer war gestern Abend jedoch nicht nur im Spiel.
TRIER. Zu großen Sportereignissen gibt es in Stadien oft ein Feuerwerk. Aus Sicht von eingefleischten Eintracht- und FCS-Fans mag das Aufeinandertreffen ihrer Mannschaften auch ein großes Sportereignis sein, allerdings war offiziell dafür keine Pyroshow vorgesehen. Und dennoch wurden kurz vor dem Anpfiff im Moselstadion, genauer gesagt: im Gästeblock einige Böller und Bengalische Feuer gezündet. Einer der Hobby-Pyrotechniker konnte schnell identifiziert und nach dem Spiel festgenommen werden. Das gleiche Schicksal ereilte einen weiteren Anhänger des 1. FC Saarbrücken, der versucht hatte, einen Feuerwerkskörper in einem Baguette ins Stadion zu schmuggeln. Nach Feststellung der Personalien wurden beide wieder entlassen.
Seit Jahren kommt es bei jeder Begegnung zwischen Eintracht Trier und dem 1. FC Saarbrücken zu verbalen und handgreiflichen Auseinandersetzungen der beiden Fan-Lager. Inzwischen ist ein massives Polizeiaufgebot vonnöten, um die aggressiven Anhänger auseinanderzuhalten. Sechs Krawallmacher wurden vor der Partie kurzzeitig festgenommen. Dass es im Anschluss zu keinen Komplikationen mehr kam, dürfte vor allem an dem für beide Teams zufriedenstellenden Ergebnis gelegen haben.
“Alles neu macht der Breu” ist man angesichts der gravierenden Kaderumstellung geneigt zu sagen. Vier Spieler (Anfang, Ay, Pektürk, Reinhard) wurden auf Wunsch des neuen Trainers freigestellt, vier rückten neu in die Manschaft. Für Assen Alexov stand Ulrich Schneider im Tor. Dies soll laut Breu auch so bleiben. Für Anfang spielte Max Bachl-Staudinger vor der Abwehr, und Andy Rakic durfte wieder als linker Verteidiger ran. Dafür rückte Gilles Bettmer auf die zweite Sechser-Position. Michael Dingels ersetzte Kempny auf der rechten Seite und Kevin Lacroix wurde für Nicolas Fernandes in die Innenverteidigung zurückgezogen.
In einer spielerisch nicht sehr ansehnlichen, aber zum Schluss äußerst spannenden Partie hatten die Gäste die ersten guten Chancen. Velimir Grgic, der in 90 Minuten auch ohne Einwirkung des Gegners häufiger und noch dramatischer zu Boden ging als Antigone in der gleichnamigen Tragödie, legt ab auf Markus Fuchs, dessen Schuss Schneider jedoch gut parieren kann. Der Nachschuss von Sammer Mozain geht übers Tor (4.). Wenig später trifft Mozain, der sich im Strafraum den Ball noch in aller Ruhe zurechtlegen kann, nur das Außennetz (16.).
In der darauffolgenden Minute beschloss die Eintracht, ihre bis dahin vorhandene Verunsicherung abzulegen. Indem sie ein Tor schießt. Gustav Schulz fängt einen Ball der Saarbrücker Abwehr ab und schickt Sahr Senesie in den Strafraum, der Enver Marina im Tor des FCS zu einer Glanztat zwingt. Marina kann den Ball jedoch nur zur Seite ablenken, vor die Füße von Wilko Risser (17.). 1:0.
Neben dem Regen wurde nun auch die Eintracht stärker und ging aggressiver in die Zweikämpfe. Dennoch gelang den Saarländern nach einer halben Stunde der Ausgleichstreffer. Schneider kann einen flach geschossenen Freistoß von Mozain aus 20 Metern nicht festhalten und lässt die Kugel vor Fuchs abtropfen, der aus kurzer Distanz zum 1:1 trifft. Und wieder ist es Fuchs, der acht Minuten später nach einer Kopfballvorlage von Manuel Zeitz abermals keine Mühe hat, völlig frei aus wenigen Metern einzunetzen.
Personell unverändert ging es in die zweite Halbzeit. Trier schien die Gegentreffer gut weggesteckt zu haben und drängte den Tabellenzweiten immer mehr in die eigene Hälfte. Schulz (49.), Senesie (62., 72.) und Dingels (75.) sorgten mit gefährlichen Schüssen für Hoffnung unter den Eintracht-Fans. Auch die Passivität der Saarbrücker ließ das Trierer Publikum spüren, dass die Partie für ihr Team noch nicht gelaufen war.
79. Minute. Eine lange Ecke des eingewechselten Andreas Anicic. Martin Wagner zieht aus 17 Metern ab, doch Marina kann klären. Allerdings landet die Parade abermals vor Risser, der zum wiederholten Male sicher abstaubt.
Die Gäste merkten nun, dass sie die zweite Halbzeit bisher verschlafen hatten. Es wurde hektischer und nochmal richtig spannend. Zunächst durch einen gefährlich abgefälschten Weitschuss von Kempny, dann durch eine herrliche Direktabnahme von Marcus Mann. Der Saarbrücker Kapitän ballert in der letzten Minute einen Freistoß von Grgic volley an die Latte.
“Wir haben das Spiel in der ersten Halbzeit klar dominiert und in der zweiten Halbzeit zeitweise total aus der Hand gegeben”, bilanzierte FCS-Trainer Dieter Ferner in der Pressekonferenz. “Wenn Trier weiter so spielt, braucht es sich keine Sorgen um den Abstieg zu machen.” Reinhold Breu widersprach dem nicht. Dass seine Mannschaft in der ersten Hälfte zu passiv war, sei zu erwarten gewesen. “Dann hat sie aber eine tolle Moral gezeigt.”
Als nächstes trifft die Eintracht am Samstag auf den Bonner SC. Anpfiff im Stadion Bonn ist um 14 Uhr.
Eintracht Trier: Schneider – Dingels, Cinar, Lacroix (68., Kempny), Rakic – Schulz (78., Anicic), Bachl-Staudinger, Bettmer, Wagner – Risser (85., Salem), Senesie.
1. FC Saarbrücken: Marina – Zydko, Lerandy, Bauer (72., Kohler), Mann – Zeitz, Weissmann, Dafi – Fuchs (81., Brückerhoff), Mozain (87., Strohmann), Grgic.
Tore: 1:0 Risser (17.) 1:1 Fuchs (30.), 1:2 Fuchs (38.), 2:2 Risser (79.).
Schiedsrichter: Christian Dingert
5150 Zuschauer



24. Februar 2010 (14:09 Uhr)
@Feuerwerksbildchen oben links:
Klasse, beste Werbung für (verbotene) Pyroshow im Stadion und alle mitgebrachten Digicams blitzen fleißig dazu. Vielen Dank für dieses farblich tolle atmosphärische Bild . Da träumt jeder 12-jährige Ultra-Hooligan davon…mittendrin statt nur dabei.
24. Februar 2010 (15:21 Uhr)
[...] strikt verboten sind: Bengalos, Raketen, Böller – die sogar, wie ein Kollege erfahren konnte, in einem Baguette vor den Augen der Ordnungsdienste verborgen werden sollten. Sie gehören dazu – denn schließlich ist so ein Duell zwischen zwei alten Erzrivalen ein [...]
24. Februar 2010 (18:19 Uhr)
Bitte unterscheide die Begriffe Ultra und Hooligan. Danke!
26. Februar 2010 (10:10 Uhr)
Tja, mit einem Bildchen wie diesem oben entblößt sich jeder Berichterstattet. Denn er weiß: Das Verurteilen von Pyrotechnik im Stadion ist in Deutschland eine gewachsene Norm. Zwar gehörte es vor Jahren noch zur “Atmosphäre”, wenn im Fernsehbericht oder im Zeitungsartikel ein Bild von leuchtenden Fackeln stand, heute ist es aber eine Gewalttat, fast so schlimm wie Hauerei.
Und doch wird sich immer wieder auch seitens der Journaille dran ergötzt, weshalb man wieder hier ein Bild wie solches findet.