Stadtteil am Fluss
Die Mosel und Trier sind untrennbar miteinander verbunden. Für Einheimische wie Touristen symbolisiert der Fluss ein Stück Identität und Lebensart der Stadt. Bisher ist das Moselufer jedoch nur mäßig für die Freizeitnutzung erschlossen. Weil das ambitionierte Projekt “Stadt am Fluss”, in dessen Rahmen die Verwaltung wesentliche Teile des Ufers umgestalten will, nicht so recht in die Gänge kommt, organisieren sich die Bürger nun selbst: Das Projekt “Trier-Nord am Fluss” will die Bewohner und Institutionen des Stadtteils für die Umgestaltung ihres Moselabschnitts mobilisieren und so Veränderungen anstoßen.
TRIER-NORD. “Wenn man etwas erreichen will, muss man die Leute vor Ort integrieren, nur so bewegt sich was”, erläutert Norbert Damm den Ansatz von “Trier-Nord am Fluss”. Der Diplompädagoge betreut zusammen mit der Geographin und Raumplanerin Silke Schares das Projekt, das vom Europäischen Sozialfonds für Deutschland (ESF) gefördert wird und als dessen Träger der Exzellenzhaus e. V. fungiert. Für das Moselufer vom Gelände der ehemaligen Talstation der Kabinenseilbahn bis hin zu den Wohnblöcken nördlich des Ex-Hauses will die Initiative gemeinsam mit den Anwohnern und dort ansässigen Einrichtungen wie der Jugendherberge, dem Ruder- und Kanuclub, dem Studentenwohnheim und dem Nordbad Ideen zur Verbesserung der Ufersituation sammeln und nach Möglichkeit auch umsetzen.
Gerade die Jugendlichen spielten in allen diesen Institutionen eine wichtige Rolle und müssten deshalb auch die Möglichkeit bekommen, den Ausbau des Ufers mitzugestalten, verlangt Damm. Ein runder Tisch mit den Anliegern Anfang Februar erbrachte bereits eine Reihe von konkret benannten Problemen und Verbesserungsvorschlägen: So wurde angeregt, das ehemalige Strandbad unterhalb des Nordbades zu reaktivieren – der ursprüngliche Eingang wurde vor Kurzem wieder freigelegt. Weitere Forderungen: das Müllproblem mit dem Aufstellen von Behältern bekämpfen und sanitäre Einrichtungen installieren, um das Moselufer als Naherholungsgebiet attraktiver zu machen; ein Beachvolleyballfeld oder eine Grillhütte für die Freizeitgestaltung einrichten; oder einen Hundespielplatz schaffen, um Verunreinigungen durch die Vierbeiner entgegen zu wirken.
Die Finanzierung solcher Pläne ist bisher allerdings ungeklärt. Den Vorwurf, man würde lediglich Luftschlösser bauen, die hinterher ohnehin nicht umsetzbar seien, weist Damm entschieden zurück: “Wir gucken am Ende, was machbar ist”. Statt das Moselufer die nächsten Jahre sich selbst zu überlassen, wolle man mit “Trier-Nord am Fluss” kleine Erfolge vor Ort erzielen. “Herr Jensen hat im Rahmen des Projektes von Leuchttürmen gesprochen, die bisher nicht entstanden sind, wir sind dagegen eher eine beständig brennende Kerze”, beschreibt Silke Schares die Wirkungsmöglichkeiten der Initiative. Oberbürgermeister Klaus Jensen hatte “Stadt am Fluss” 2006 zu einem Thema seines OB-Wahlkampfes gemacht. Anfang dieses Jahres musste der Stadtchef gegenüber 16vor aber einräumen, dass die Realisierung erster Maßnahmen sich weiter verzögern wird und Vorhaben wie eine neue Uferpromenade für Fußgänger und Radfahrer schon aus haushalterischen Gründen für die nächsten Jahre vom Tisch sind.
Mit der Verwaltung, insbesondere dem Stadtplanungsamt, sei man in Kontakt, berichten Damm und Schares. Doch die Unterstützung beschränke sich wegen der Finanzlage der Kommune momentan auf einen Informationsaustausch. Für den 17. März ist nun ein weiterer runder Tisch geplant, zu dem auch Vertreter des Rathauses eingeladen sind. Von dem Treffen erhoffe man sich stärkere Unterstützung und Wahrnehmung von städtischer Seite sowie die Klärung rechtlicher und stadtplanerischer Hürden und finanzieller Möglichkeiten für die Umsetzung der Ideen. Größere bauliche Maßnahmen lässt das eng begrenzte Budget von “Trier-Nord am Fluss” nicht zu, auch deshalb sei das Projekt auf die ehrenamtliche Mithilfe von Anwohnern angewiesen, erklären die Initiatoren.
Im Anschluss an die im März auslaufende Förderung durch den ESF stellen die Macher die Gründung einer Bürgerinitiative in Aussicht, die sich mit ehrenamtlichen Helfern um die weitere Verfolgung der Projekte kümmern soll. Der Erfolg des ganzen Vorhabens ist derweil ungewiss: Schon vor zwei Jahren war eine ähnliche Ideensammlung des Bürgernetzwerks Trier-Nord ergebnislos verlaufen. Und erst kürzlich wurde bekannt, dass mit dem “Bit Sunbeach” die einzige wirkliche Attraktion am Moselufer dieses Jahr ins Wasser fallen wird.
Für Norbert Damm kein Grund zum Verzweifeln: “Man muss manche Themen einfach immer wieder auf den Tisch bringen, sonst wird es nichts.”
Weiteres zum Thema: Stadt am Fluss wartet auf bessere Zeiten





25. Februar 2010 (11:13 Uhr)
Prima!
Geht doch auch mit Bild der Initiatoren, statt der Seilbahn. So hat man denn auch mal zu dem ein- oder anderen hier häufiger auftauchenden Namen ein Gesicht ;o)
Wünsche Euch jedenfalls – zumindest, was die “rechtlichen” Sachen angeht – mehr Glück mit der Stadt, als die Beach es hatte…und bin (als “Altkanute) natürlich mal gespannt, was dieser “Anlieger” zum Gelingen beitragen kann.
25. Februar 2010 (11:22 Uhr)
Aber bitte nicht auch noch die letzten freien Wiesen, die an der Mosel liegen und
von der Innenstadt noch zu erreichen sind, auch noch versiegeln !
Schöner kann ein Flussufer doch gar nicht sein.
Viel problematischer finde ich da die Nähe der vierspurigen Straße
mit ihrem Lärm und Gestank, die den Naherholungswert der Mosel zwischen
Kaiser-Wilhelm-Brücke und Konrad-Adenauer-Brücke stark sinken lässt.
Zudem trennt sie die Stadt von der Mosel.
Für Trier Mitte und Süd sieht es deswegen “am Fluss” wesentlich schlechter aus!
25. Februar 2010 (11:43 Uhr)
Mit den Moselwiesen haben Sie völlig recht.
Was schlagen Sie vor zum Thema Uferstraße?
25. Februar 2010 (14:19 Uhr)
@Christian Moeris
“Schöner kann ein Flussufer doch gar nicht sein.”
Doch! Zum Beispiel mit (zumindest auf eine Abschnitt begrenzt) etwas weniger “grobkörnigem Kies” an der direkten Wasserkante, wodurch ein Betreten und Baden/Schwimmen möglich würde.
Der Selbstversuch im letzten Sommer hat gezeigt, dass die Wasserqualität das wohl ohne Weiteres hergibt. Im Rahmen meiner (hobby)sportlichen Betätigung bin ich jedenfalls schon in deutlich “unappetitlicherem” Offenwasser geschwommen. Und, wie gesagt, auf einen Abschnitt beschränkt, sollte das doch, selbst inklusive Auslichtung des Ufergehölzes, auch sowohl Natur-verträglich, als auch mit überschaubarem Kostenaufwand realisierbar sein.
25. Februar 2010 (15:46 Uhr)
Viele andere Städte nutzen ihre Lagegunst eines innerstädtischen Flusses sehr wirksam und andernorts wird dies sehr offensiv auch offiziell vorangetrieben. In Trier dagegen wartet man bislang leider vergeblich auf entsprechende Taten. Ich hatte seinerzeit im Rahmen des Masterplans für Trier-West mit einer Gruppe Studierender den sog. Moselaktionstag organisiert
http://www.16vor.de/index.php/2007/08/27/jensen-lobt-studierende/
oder auch
http://www.volksfreund.de/1471068
Einfach um zu zeigen, dass man auch mit wenigen Mitteln zunächst einmal den Fluss und seine einzigartigen Möglichkeiten ins Bewusstsein der Bevölkerung bekommen kann und auf diese Weise den Fluss und das Flussufer positiv besetzen kann und es aus seiner derzeitigen Lethargie zu holen vermag. Das wäre auch mit den wenigen Möglichkeiten der Stadt machbar (fortsetzbar), setzt aber Aktion und Kontinuität voraus. Jedoch ist so ein Vorgehen in meinen Augen auch ohne jede Alternative. Denn ohne dass die Bürger ihren Fluss wieder in die Köpfe und ihre Erlebniswelt zurückholen und private Akteure die Potentiale dieser Lage erkennen, wird es niemals gehen. Denn nichts weniger ist nötig, um diese Lagegunst zu erschließen, wenn man denn, so wie Trier, nicht selbst über die ökonomischen Mittel verfügt, diese Anstrengungen federführend zu erledigen.
Aber das Signal ist seinerzeit irgendwie nicht richtig angekommen und evtl. ist das auch ein Fehler in der Vermittlung dieser Idee, das will ich nicht ausschließen. Jedenfalls hat man erst einmal innegehalten und (symptomatisch für Triers Planungskultur) noch einen Workshop und noch weitere hochfliegende Ideen entwickeln lassen (die man sich ohne Weiteres nicht leisten können wird). Dabei würde schon ein wenig Erinnerung an Erich Kästner helfen: “Es gibt nicht Gutes, es sei denn man tut es!”
Und so freue ich mich umso mehr über diese Initiative, denn ganz offenbar ist in Trier nur dieser Weg möglich und ich gratuliere den Initiatoren ausdrücklich dazu und wünsche Ihnen viel Erfolg.
Beste Grüße
Christian Muschwitz
25. Februar 2010 (15:51 Uhr)
interessant… und in welchem stadtteil liegt genau nun st. paulin? die thyrsusstraße? der hauptfriedhof? das maarviertel?
ich frage nur, weil trier-nord anscheinend ja am moselufer beginnt und links der zurmayener wieder endet?
wenn die ideen ja gesammelt werden mit “den Anwohnern und dort ansässigen Einrichtungen wie der Jugendherberge, dem Ruder- und Kanuclub, dem Studentenwohnheim und dem Nordbad”… oder ist trier-nord vieleicht am ende doch was größer, allerdings haben die anwohner der kloschynski- oder karl-grün-straße keine wirtschaftlichen interessen und daher auch keine eigenen ideen zu haben?
klar gehören die direkten anwohner in solche planungen einbezogen – aber unter “trier-nord am fluss” stelle ich mir nun doch etwas anderes vor… das hier hat in meinen augen allerdings weniger was von “stadtteil am fluss” als eher von – hmmm… am ehesten “interessengemeinschaft zur wirtschaftlichen nutzbar-machung des moselufers unter dem deckmäntelchen des gemeinnützigen gedankens”…
ich stelle mir das gerade so vor: der kanuklub bekommt für’s vereinslokal ‘ne schöne außenterrasse hingestellt, die jugendherrberge die grillhütte, die sie ganz selbstlos vermieten kann, das studentenwohnheim zwei, drei beachvolleyball-felder zur vermietung, zudem erhöht ein aufgepimptes umfeld sicherlich auch die mieteinnahmen, das nordbar darf sein strandbad mit außenkiosk betreiben, natürlich auch nur gegen eintritt… das alles natürlich nur im interesse der trier-norder – allesandere wäre böse nachrede!
sehr gut jedoch finde ich, daß überhaupt jemand auf die idee kommt, was ändern zu wollen… allerdings sollte für eine aktion “trier-nord am fluss” eben auch trier nord mit einbezogen werden und nicht nur der geringste, tatsächlich am fluss liegende teil zwischen zurmayener und mosel.
25. Februar 2010 (17:25 Uhr)
@irritiert
…bin auch ich allerdings. Und zwar darüber, dass es (typisch trierisch?), wieder einem Zeitgenossen gelingt, selbst in dieser meines Erachtens für Trier und die Trierer SEHR ambitionierten und potentiell Lebensqualität fördernden Initiative – selbstverständlich mutig anonym – nahezu ausschließlich NEGATIVES zu sehen, bzw. zu unterstellen.
Haben Sie versucht, an dem Runden Tisch Anfang Februar teilzunehmen, hatten die Tasche voller guter Ideen und sind abgewiesen worden? Ich war auch nicht dort. Aber ich war über die Medien (16vor UND TV) informiert und kann mich nicht erinnern, dass da irgendjemand ausdrücklich ausgeladen war. Sie hätten mit dem Masterplan, wie man das Ufer mit “tatsächlich gemeinnützigen” Attraktionen “aufpimpen” kann, das alles – zumindest für Trier-Norder – “für lau” und sich das Ganze trotzdem trägt, sicher weit offene Türen eingerannt.
Es wird niemand da (ohne öffentliche Unterstützung) irgendetwas machen können, ohne dass es zumindest seine Kosten einspielt. Und, wenn dann für irgendwen ein Euro überher hängenbleibt, bin ich TROTZDEM froh, dass er was macht. Aber es ist – leider – ein Stück weit typisch für diese Stadt, dass sich sofort wieder jemand findet, der ausschließlich wirtschaftliche Interessen unterstellt, und lieber garnichts hätte, als dass er Demjenigen diesen Euro gönnt. Sind es die Moselgene, aufgrund derer sich “der Trierer an sich” nicht vorstellen kann, dass irgendwer etwas ohne banal eigennützige Hintergedanken tut?
Eine schöne Außenterasse hat der Kanuclub übrigens schon. In dem Punkt also Entwarnung.
25. Februar 2010 (19:49 Uhr)
Das Kästner-Wort gilt nicht in der Moselmetropole (sic!). Hier heisst es eher: Belebung des Moselufers? Warum? Hamm wa doch schon gehabt….
Die Abscheu des Trierers vor allem Neuen offenbart sich im Vergleich mit angeblich Ähnlichem, Bereitsdagewesenem aus der Vergangenheit und heisst übersetzt: ihr könnt mir doch nix vormachen – ich weiss bescheid.
Bis diese Grundangst dereinst überwunden sein wird, bedarf es noch einiger OBs in der langen Reihe derer, die nicht aus T. stammen und für hiesige Verhältnisse viel, eigentlich aber viel zu wenig bewegen konnten.
25. Februar 2010 (23:55 Uhr)
Die Wirte am Zurlaubener Ufer bieten die einzige Möglichkeit für Gastronomie am Fluß, wenn auch auf sehr engem Raum. Mich wundert es immer wieder wie eng sie dort wildfremde Menschen auf Plastikstühlen aneinander reihen, nur um ein bisschen am Fluss sitzen zu dürfen. Gäste die vom Schiffsanleger stammen, genauso wie Radler und Fußgänger aus ganz Trier und sonstige. Wieso sollte das also anderswo am Fluss nicht klappen. Irgendwie lässt mich das Gefühl nicht los, dass die Wirte am Zurlaubener Ufer mit am meisten bremsen, zumindest werden sie kein Interesse daran haben der Status Quo zu ändern, weil sie mit dem zufrieden sind was sie haben – wenn das Wetter stimmt. Armes Trier.
26. Februar 2010 (04:48 Uhr)
@Jürgen
Ja, wenn Trier nicht über die Wirte am Zurlaubenenr Ufer hinaus kommt, dann wirklich “armes Trier”!
26. Februar 2010 (14:30 Uhr)
Es freut uns dass, das Thema doch noch einige Menschen interessiert, was die unterschiedlichen Leserbriefe ja zeigen.
Vielleicht hat der ein oder andere ja Lust am 2. Runden Tisch teilzunehmen. Dieser findet am Mittwoch 17.03 um 18 Uhr in der Jugendherberge statt.
Bei weiterem Interesse setzen Sie sich gerne mit uns in Verbindung: triernordamfluss@web.de
@irritiert
Ihre Anmerkung, dass nicht der ganze Stadtteil mit in die Projektplanung genommen wurde können wir gut verstehen. Uns ist durchaus klar, dass Trier Nord weitaus größer ist als unser Projektraum.
Wir haben uns auf diesen Ausschnitt konzentriert, zum einem aus augenscheinlichen Grund, mit der direkten Nähe zur Mosel, aber vor allem durch den zunächst begrenzten Projektzeitraum. (ursprünglich sollte das Projekt nur von November bis Dezember 2009 laufen).
Es geht bei unserer Ideen sicherlich nicht darum, dass die Anlieger eine gewinnbringende Einnahmequelle vor die Tür gesetzt bekommen. Vielmehr, ist es unser Anliegen, dass die „Betroffenen“ miteinander reden, denn nur dadurch ist unserer Meinung eine Veränderung möglich.
Gemeinsame angedachte Aktionen, wie z.B. ein Anwohnerfest oder Müllbeseitigung, stärken unsere Zielrichtung einer aktivierenden Vernetzung.
@ Christian Muschwitz
Wie sie aus eigenen Erfahrungen wissen, scheint es auch bei unserem Thema zu sein, dass man einen langen Atem braucht um etwas zu ändern Uns ist es wichtig, dass das Thema nicht von der Bildfläche verschwindet und einfach „den Bach runter geht“ und wir hoffen, dass wir andere von der Idee begeistern können.
Vielleicht haben Sie ja Lust und Interesse mit Ihren Studis sich näher mit dem Thema auseinanderzusetzen, denn es gibt in diesem Bereich sicherlich viel Potential. Wir würden uns darüber sehr freuen.
27. Februar 2010 (18:15 Uhr)
@ silke schares:
sehr schön zu lesen, dass nicht jeder verfechter einer sache (ob beteiligt oder außenstehend) eine in form einer kritik geäußerten persönlichen meinung direkt persönlich nimmt…
danke, daß sie auf den inhalt eingegangen sind und zur aufklärung beigetragen haben, anstatt wild drauf los zu palavern (wie der ein oder andere vor ihnen), weil ja eine andere meinung natürlich nur falsch sein kann…
wie auch immer – ich wünsche ihrem plan jedenfalls gutes gelingen und viel erfolg bei seiner umsetzung, um die lebensqualität an der “freizeiteinrichtung” mosel zu verbessern!