Stadtrat nimmt erneuten Anlauf
Entschlossen wirkte SPD-Ratsmitglied Rainer Lehnart, als er am Donnerstagabend den gemeinsamen Antrag des Ampelbündnisses für eine Sperrung der Zufahrt in Richtung Kornmarkt für den “nicht berechtigten Verkehr” begründete. Dass sich Lehnart nach kurzer aber heftiger Diskussion bereit erklärte, die seit Jahren schwelende Angelegenheit an den zuständigen Dezernatsausschuss zu delegieren, überraschte indes wenig. Schließlich signalisierten zuvor sämtliche Fraktionen ihre grundsätzliche Unterstützung des Vorhabens.
TRIER. Flaneure kennen das Problem: Permanent queren Fahrzeuge den eigentlich zum Schlendern und Verweilen einladenden Platz. Hinzu kommen Falschparker, die einen Teil des Kornmarktes schon mal als Stellplatz umfunktionieren. Auch den Stadtratsfraktionen ist dieses Phänomen seit langem bekannt, und an Initiativen, das Ärgernis abzustellen, hat es in der Vergangenheit nicht gefehlt. Allein bis heute ist nichts geschehen.
Das Thema birgt deutlich mehr Brisanz, als die vordergründige Einmütigkeit der Entscheidungsträger suggeriert. Konsens herrscht nur beim “Ob”, nicht aber bei der Frage nach dem konkreten “Wie?”. Während beispielsweise der verkehrspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Thomas Albrecht, für das Aufstellen eines Hinweisschildes als Sofortmaßnahme plädierte, sprach sich Anja Matatko (Bündnis 90/Die Grünen) mit Nachdruck für versenkbare Poller aus, weil diese am effektivsten den motorisierten Störenfrieden Einhalt gebieten könnten. Beides ist Teil des Forderungskatalogs, den die drei Bündnisfraktionen Anfang Februar eingebracht hatten (16vor berichtete).
Vier wesentliche Punkte beinhaltet das gemeinsame Gesuch von SPD, Grünen und FDP zur “Causa Kornmarkt”: Die Stadtverwaltung soll beauftragt werden, “Vorbereitungen und Voraussetzungen zu schaffen, die Zufahrt Richtung Kornmarkt ab Höhe Einfahrt Konstantin-Tiefgarage für den nicht berechtigten Verkehr zu sperren”. Rainer Lehnart betonte bei der Antragsbegründung, dass die Maßnahmen “schnellstmöglich” umgesetzt werden müssten, spätestens zu Beginn der Osterferien.
Das Rathaus soll deshalb untersuchen, “welche technischen Sperrvorrichtungen und Verfahren geeignet sind, nur Berechtigten die Einfahrt zu ermöglichen”, heißt es in dem Antrag. Anschließend müssten die daraus resultierenden Entscheidungen mit den betroffenen Wirtschaftsunternehmen und Anliegern abgestimmt werden. Als konkrete Ideen tauchen in der Antragsbegründung neben Pollern auch absenkbare Ketten sowie Signalanlagen mit visueller Überwachung auf. Diese dürften aber einiges kosten, und so wies Albrecht darauf hin, dass die Sperrung des Kornmarkts bislang nicht etwa am politischen Willen des Stadtrates gescheitert sei, sondern ausschließlich am Fehlen der benötigten Haushaltsmittel.
Albrecht bezweifelte generell den Sinn der Ampel-Initiative, weil es sich hierbei um ein “altes Thema” handele und die Bündnispartner lediglich eine Forderung wiederholten, die längst an die Verwaltung gerichtet worden sei. Der CDU-Mann schlug unter anderem die Einrichtung einer Wendemöglichkeit im Bereich der Einfahrt Konstantin-Tiefgarage vor. Christiane Probst (FWG) verlangte derweil die ersatzlose Streichung der Zeitvorgabe “Osterferien”. Einträchtig zeigten sich CDU und FWG in ihrer Forderung, aufgrund der zahlreichen noch zu klärenden Detailfragen den Antrag an den zuständigen Dezernatsausschuss zu verweisen. Ein Ansinnen, dem schließlich auch die Bündnisfraktionen folgten. “Mir geht es um die Sache”, so Lehnart, und gerade bei einer solchen Maßnahme sei es besonders wichtig, eine breite Mehrheit zu haben.
von Christian Baron





26. Februar 2010 (01:16 Uhr)
Noch nie habe ich die verkehrspolitische Sprecherin der §Grünen” Anja Matatko bei Nico`s am Kornmarkt sitzen sehen. Mich beinahe jeden Tag. Meistens morgens nach meinem hausmännlichenEeinkauf so gegen10.00. Weiß sie eigentlich, was ein versenkbarer Poller kostet? OB Jensen grinst. Einmütig. Eine Kette mit Vorhängeschloss, 50 €, täte es auch. Für die gleiche Lösung bin ich in der Speestraße. da wohnen Frau Matatko und ich. Da rasen, trotz Tempolimit 30, gegen 7.55 und 13.05 SchülerInnen, vielleicht auch LehrerInnen über das Pflaster, da fällt mir der Suppenlöffel aus der Hand. Oder eine Katze liegt tot auf der Straße. Was ist shon ein kleines Kind oder alter Mann oder Frau? Nichts gegen Poller. Ketten tun es auch, dort, wo sie hingehören. Z. B. Gilbertstraße Einfahrt Speestraße. Wg. Menschen- und Tierschutz. Vielleicht täte es eine Pflaserstein-Werf-Anlage auch. Die liegen vor Ort, denkmal-geschützt.
26. Februar 2010 (10:09 Uhr)
Wissen Sie, was versenkbare Pollersysteme so kosten? Ich nicht.
Aber Abhilfe ist nah: http://www.google.de/search?q=versenkbare+poller&ie=utf-8&oe=utf-8&aq=t&rls=org.mozilla:de:official&client=firefox-a
26. Februar 2010 (13:58 Uhr)
Es ist schade, dass einige Autofaher so rücksichtslos sind und einfach auf den Kornmarkt fahren. Ohne dieses schlechte Benehmen könnte die Stadt Geld und die Ratsmitglieder Atem sparen.
Eine Kette klingt super. Das ist nur leider ein Sicherheitsproblem, weil man die nicht so gut sieht und schlichtweg drüber stolpern könnte. DIe Alternative wäre also absolutes Parkverbot und konsequentes Abschleppen. Der Vorteil dieser Variante ist: Die Verursacher des Problems müssen das refinanzieren.
26. Februar 2010 (16:32 Uhr)
Versenkbare Poller sind eine tolle Sache. Sie dienen nicht nur der Verkehrsberuhigung sondern auch als Attraktion für Einheimische und Touristen. Der Kornmarkt z. B. wäre um noch eine Sehenswürdigkeit reicher!
Warum? Das kann man in den Videos erfahren, welche Leo in ihrem Altgruftipunk-Blog eingebettet hat.
http://www.der-leo-aspekt.de/wordpress/?p=1091
26. Februar 2010 (17:21 Uhr)
Ich hätte gerne eine Bodenwelle an der Kreuzung Bergstraße/Kurfürstenstraße. Die meisten Fahrer, die aus Richtung Sickingenstraße kommen, scheinen nicht zu wissen, dass sie in einer Tempo 30 Zone unterwegs sind und Rechts-vor-Links gilt. Da wird weilweise mit 60/70 KMH durchgebrettert. Ein Wunder, dass es hier noch keine Schwerverletzten gab.
26. Februar 2010 (23:44 Uhr)
Liebes 16vor-Team, liebe Leserbrief-Schreiberinnen,
da mag wohl eine Verwechslung vorliegen. In meiner Rede tauchten die versenkbaren Poller nämlich nicht “mit Vehemenz” auf.
Die Punkte, von denen ich in ca. 3-4 Minuten gesprochen habe, waren:
- eine weiträumige Lösung, d.h. nicht direkt am Kornmarkt (was in früheren Diskussion einige Fraktionen forderten) sondern viel weiter oben in der Konstantinstr.
- eine Prüfung auch neuer, innovativer Systeme (es gibt Chipkarten-Systeme, bei denen PKW automatisch geblitzt werden, wenn sie in einen Bereich ohne eine solche Karte reinfahren, die habe ich in der Rede erwähnt, und es gibt andere Systeme, die ich sicher nicht kenne, aber in Trier vielleicht auch Sinn machen würden); dass versenbare Poller die effektivste Lösung seien, habe ich nicht behauptet, kann ich auch nicht abschätzen, da ich gar nicht weiß, welche diversen Maßnahmen überhaupt zur Verfügung stehen und was das jeweils kostet – das müssen die Fachleute aus der Verwaltung prüfen und uns zur Entscheidung vorlegen.
- eine Prüfung, ob eine Beschäftigung von Personal zur intensiven Kontrolle nicht letztendlich vielleicht von den Kosten gar nicht teurer wäre als eine technische Lösung und ob eine Personal-Lösung vielleicht somit sogar die effektivste
Lösung des Problems wäre; etwas in dieser Richtung wurde uns noch zu Dietzes Zeiten im Ausschuss berichtet, ob es nach wie vor so ist, wissen wir nicht, muss die Verwaltung ausrechnen.
- egal welche Lösung, sie sollte auch übertragber sein auf Stockplatz, Domfreihof und andere Bereiche der Fußgängerzone, z.B. Jesuitenstraße. Es macht keinen Sinn, für diese Bereiche dann andere Beruhigungsmaßnahmen zu wählen als am Kornmarkt. Besser eine übertragbare Lösung für all die Standorte mit identischen Problemen.
Wäre mal spannend, sich die Bänder der Ratssitzung anzuhören, ob ich “versenkbare Poller” überhaupt erwähnt habe. Mag sein, dass ich sie als eine der technisch denkbaren Lösungen mit erwähnt habe. Aber dennoch, in der Art, wie es in diesem Artikel geschrieben ist, definitiv nicht!
Im Übrigen sehe ich mich nicht verpflichtet, wem auch immer in dieser Stadt Rechenschaft darüber abzulegen, wann ich mich wo in welchen Cafés, mit wem und aus welchen Gründen aufhalte. Andere mögen solche Dinge twittern oder sich in 16vor-Leserbriefen darüber auslassen. Schade, wenn man mit seiner Zeit nichts besseres anzufangen weiß!
Anja Matatko
Fraktion Bündnis 90 / Die Grüne, im Artikel zitierte Sprecherin zum Kornmarkt-Antrag
27. Februar 2010 (12:28 Uhr)
@Anja Matatko
“dass versenbare Poller die effektivste Lösung seien, habe ich nicht behauptet, kann ich auch nicht abschätzen,…”
Um die “Effektivität” versenkbarer Poller muss man sich wohl keine Sorgen machen.
http://www.youtube.com/watch?v=AkpeYl4FenE&feature=related
2. März 2010 (09:48 Uhr)
Solche Poller sind in der Tat reichlich effektiv. Die Frage ist natürlich, wieviele geistige Fußgänger in der Zeit nach der Installation dagegen dotzen werden, weil sie a) mit der veränderten Verkehrssituation nicht klarkommen oder b) glauben, sie könnten das System vielleicht überlisten, wenn sie nur schnell genug hinter einem Berechtigten hinterhergurken!
Und zu guter Letzt müsste geklärt sein, wie die Zugangskontrolle erfolgt. Rettungsdienste, Feuerwehr, Polizei etc. müssen schließlich Zufahrt erhalten können.
Und @Frau Matatko: Keine Sorge – zumindestens mir ist es leidlich gleich, in welchem Café Sie wann was mit wem zu sich nehmen oder auch nicht. Vielleicht wollte Herr Damm auch einfach nur ausdrücken, dass er entweder zuviel Geld, zuviel Zeit oder gar beides hat, wenn es ihm wie beschrieben möglich ist, die Kornmarkt-Gastronomie derart häufig zu frequentieren. Möglich ist allerdings auch, dass er sich dort ein wenig einsam fühlt, und sich über Ihre Gesellschaft freuen würde.
2. März 2010 (16:01 Uhr)
@Metallkopf
Nicht so streng sein. Wenn ich bei einem Milchkaffee morgens gegen 10.00 erlebe, was auf dem Kornmarkt verkehrsmäßig abgeht, ist völlig klar: so kann das nicht weitergehen. Deshalb meine Billiglösung: eine schwere Kette. Wie könnte es anders sein, aus Metall.
4. März 2010 (02:53 Uhr)
@Metallkopf
“b) glauben, sie könnten das System vielleicht überlisten, wenn sie nur schnell genug hinter einem Berechtigten hinterhergurken!”
Speziell zu diesem Thema bietet Youtube nahezu abendfüllendes an. Einfach mal “Manchester” und “Bollards” googeln…
4. März 2010 (10:02 Uhr)
Solange Sie nicht meinen Kopf dafür einschmelzen, soll mir’s recht sein. Ketten gibt’s immerhin auch in automatisch versenkbar…
5. März 2010 (12:57 Uhr)
@metallkopf mit nicht eingeschmolzenem Kopf? Ich bin gegen eine Automatik. Jede(r), der da reinfährt, soll aussteigen, durchfahren, wieder absperren und das zurück genauso müssen. Wir Sozialen- Pädagogen setzten hierbei auf “Learning by doing”.
9. März 2010 (15:35 Uhr)
Bei “normalen” Anliegern würde ich Ihnen recht geben. Die Gesellschaft ist im Durchschnitt ohnehin zu feist, also sollte jeder, der sich motorisiert durch eine Fußgängerzone bewegt, ein wenig Bewegung vertragen dürfen.
Mir ging es um die Rettungs- und Einsatzkräfte. Wenn der erste (oben indirekt angesprochene) Koronararterienverstopfte das Zeitliche segnet, weil der Notarzt erst einmal den Aufschließtango hinlegen musste, bevor er zum Kranken kommt – und dann auf dem Rückweg nochmal – oder gleich weil ein paar urcoole Homies gerade Kaugummi oder Sekundenkleber ins Schloss gedrückt haben.