Heitere Stimmung, maues Spiel
So schnell, wie von einigen erhofft, funktioniert die sportliche Gesundung bei Fußball-Regionalligist Eintracht Trier auch unter dem neuen Cheftrainer Reinhold Breu nicht: Verdient zog der SVE am Samstagnachmittag mit 0:1 beim Bonner SC den Kürzeren. Die Eintracht ist auf den 13. Platz zurückgefallen, hat aber immerhin weiter drei Punkte Vorsprung auf die Abstiegsränge.
BONN. Das Geschehen auf dem Rasen im Sportpark Nord hatte über weite Strecken doch noch viel mit der sich offenbar bereits bei einigen Akteuren anbahnenden Frühjahrsmüdigkeit zu tun. Dafür hatte es die Pressekonferenz umso mehr in sich. Ein nicht ganz ernst zunehmender Fan der Rheinlöwen fragte angesichts von “nur” noch 17 Punkten Rückstand auf die Tabellenspitze in die Runde, ob es noch klappt mit dem Aufstieg. “Das wird eng”, meinte Vorstandsmitglied Bernd Lehmann grinsend. Als BSC-Trainer Wolfgang Jerat auf sich warten ließ, kündigte Triers sportlicher Leiter unter dem Gelächter von VIPs und Journalisten an: “Ich gehe ihn mal auf der Tribüne suchen.”
Damit spielte Fritz Fuchs auf Jerats Vergehen in der 82. Minute an, als er den in Seitenaus gerollten Ball unsportlich weggekickte und zurecht von Schiedsrichterin Riem Hussein aus dem Innenraum des Stadions verbannt wurde. Diese Aktion war einer der wenigen Aufreger in einer an Höhepunkten armen Schlussphase, in der die Eintracht in der Offensive nichts mehr zuzusetzen hatte. “Unser Auftreten war couragiert und in der Abwehr weitestgehend diszipliniert. Im Spiel nach vorne kam am Ende aber sicher zu wenig”, fasste der seit Sonntag amtierende Cheftrainer Breu zusammen.
Ähnlich wie beim 2:2 im Nachholspiel gegen den 1. FC Saarbrücken monierte er Unkonzentriertheiten nach Standards. Fielen am Dienstag zwei Treffer nach Freistößen, ließ sich die Trierer Hintermannschaft diesmal von einer Ecke düpieren. Der von Jan-Philipp Hammes getretene Ball sorgte in Minute 66 für Konfusion im Gäste-Strafraum, die der erst kurz zuvor eingewechselte Ex-Bundesligaspieler Mike Rietpietsch am langen Pfosten per Kopf nutzen konnte.
Bis dahin hatten die Bonner deutlich mehr fürs Spiel getan und wirkten insgesamt entschlossener. Was die klaren Chancen anging, war der SVE aber lange Zeit ebenbürtig: Bereits nach sechs Minuten prüfte Gustav Schulz aus halblinker Position BSC-Keeper Andy Hubert, nach 21 Minuten scheiterte Wilko Risser, der sich schon kurz nach dem Abpfiff zum Länderspieleinsatz mit Namibia (am Mittwoch in Südafrika) aufmachte, ebenfalls am Bonner Schlussmann. Glück für die Eintracht, dass Schiedsrichterin Riem Hussein den frei durchgebrochenen Marco Quotschalla zurückpfiff, nachdem angeblich ein Bonner im Mittelfeld ein Foul begangen haben sollte (26.). Zuvor war Stephan Nachtigall nur knapp gescheitert (24.). Auch Quotschallas Schuss strich am von Ulli Schneider gehüteten Gehäuse vorbei (36.).
Auf Flanke des eingewechselten Thomas Kempny scheiterte Südafrika-Fahrer Risser sechs Minuten nach dem Seitenwechsel am Innenpfosten. Das war es aber mit der Trierer Offensiv-Herrlichkeit. Der überraschend zunächst als Reservist aufgebotene, dann aber doch eingewechselte Bonner Goalgetter Ercan Aydogmus (zehn Saisontreffer) brachte neuen Schwung ins Angriffspiel der Gastgeber, scheiterte selbst in Minute 63 am starken Schneider. Das Führungstor der Rheinlöwen drei Minuten später kam zu dem Zeitpunkt nicht überraschend. Aus guten Konteransätzen machte der BSC danach zu wenig, musste aber wegen mangelnder Trierer Offensivkraft auch nicht mehr richtig um den Sieg zittern.
Die Schlussphase hatten etwa 50 Eintracht-Anhänger aus dem Lager der “Ultras” gar nicht mehr mit bekommen. Sie zeigten sich solidarisch mit acht ihrer Kollegen, die sich wegen Stadionverboten vor dem Sportpark Nord aufhielten, dort aber von der Polizei vertrieben wurden. Stocksauer darüber zeigte sich der Fanbeauftragte Thomas Metzger: “Den Ultras gehen es offenbar gar nicht mehr um die Mannschaft und unseren Verein. Sie machen nur ihr eigenes Ding. Für solch ein Verhalten habe ich kein Verständnis.”
Einen Seitenhieb auf Vorgänger Mario Basler konnte sich derweil Reinhold Breu in seiner Analyse nicht verkneifen: “Wir versuchen jetzt, Fußball zu spielen. Vorher wurde ja meist Langholz praktiziert…” Sein Gegenüber Wolfgang Jerat sprach von einem verdienten Dreier seiner Schützlinge, sah aber auch gegenüber der Ära Basler einen Aufwärtstrend: “Die Eintracht spielt jetzt wesentlich geschlossener und disziplinierter. Von daher wären wir froh gewesen, wenn der Trainerwechsel nicht einige Tage vor dem Spiel bei uns gekommen wäre.” Auch dieses Statement trug wesentlich zur heiteren Pressekonferenz nach einem eher mauen Kick bei… (ks)
Bonner SC: Hubert – Binder, Wiwerink, Höhn – Moschny, Danilo – Nachtigall, Karnay (53. Rietpietsch), Mager (63.Hammes)– Quotschalla (57. Aydogmus), Kastrati.
Eintracht Trier: Schneider – Dingels, Cinar, Kühne, Rakic – Bettmer, Bachl-Staudinger (72. Brandscheid)– Schulz (76. Anicic), Wagner – Senesie (46. Kempny), Risser.
Tor: 1:0 Rietpietsch (66.)
Zuschauer: 800
Schiedsrichterin: Riem Hussein (Bad Harzburg)
von 16vor





28. Februar 2010 (12:42 Uhr)
Schade, gäbe es einen Judas-Preis, R. Breu wäre bestimmt ein aussichtsreicher Kandidat!!!
28. Februar 2010 (17:36 Uhr)
Mario Basler war/ist die Tragödie für Eintracht Trier, Wie kann man nur auf eine solche NULL hereinfallen und dann noch so lange zuwarten, bis die Mannschaft nur noch ein Scherbenhaufen ist.