Deadline Dezember 2011

Vor rund einem Jahr erhielten verschiedene Trierer Einrichtungen aus dem Gesundheits- und Bildungsbereich gute Nachrichten aus Mainz: Im Rahmen des Konjunkturpakets II werden insgesamt knapp 37 Millionen Euro in die Moselstadt fließen. Während einige Projekte sich derzeit in der Realisierungsphase befinden oder bereits abgeschlossen sind, ist bei anderen Vorhaben bislang noch offen, ob die Frist bis Ende 2011 eingehalten werden kann. 16vor besuchte fünf Einrichtungen und erkundigte sich vor Ort über den Stand der Dinge.

TRIER. Ein kurzer Blick auf das Gebäude J der Berufsbildenden Schulen in der Oerenstraße genügt, um sich die Notwendigkeit der nun begonnenen Komplettsanierung vor Augen zu führen: Unverputzte Außenwände, eingeworfene Fenster, Schimmel an den Regenrinnen – der ursprünglich zur BBS Wirtschaft gehörende Bau vermittelt einen fast klischeehaften Eindruck vom Investitionsstau in dieser Stadt. Nun erhalten die drei Berufsbildenden Schulen am Irminenfreihof insgesamt sechs Millionen Euro aus dem Konjunkturpaket II, um die besonders maroden Teile der Einrichtung auf Vordermann zu bringen. Dabei gelang es den zuständigen Schulleitern, neben der energetischen Sanierung auch für eine neue Innenausstattung zu sorgen, um so künftig die Unterrichtsqualität verbessern zu können. Das Gebäude J ist bereits eingezäunt, in 18 Monaten soll alles fertig sein – schließlich verlangt der Gesetzgeber, dass die Mittel bis Ende 2011 ausgegeben sein müssen.

Die energetische Sanierung, eine der Hauptprämissen des am 5. März 2009 verabschiedeten “Pakts für Beschäftigung und Stabilität”, ist auch Schwerpunkt beim Wohnheim Martinskloster des Studierendenwerks Trier. Insgesamt eine Million Euro fließen in den nächsten eineinhalb Jahren in den Umbau der Appartements des Altbaus. Die Maßnahme umfasst den Austausch der Fenster und die Installation einer neuen Lüftungsanlage. SWT-Geschäftsführer Andreas Wagner rechnet durch die Investition mit einer künftigen Energieeinsparung von rund 33 Prozent. Sein Ziel: Die Mieten für die finanziell weniger betuchten Studierenden will er konstant halten. Auch beim SWT geht man fest davon aus, das Geld fristgerecht zu verwenden.

Das wohl prestigeträchtigste Projekt des Konjunkturpakets in Trier lässt sich an der Universität in Tarforst mit dem P-Gebäude begutachten. Innerhalb von nur drei Monaten war der Bau eines neuen Seminargebäudes mit sechs Unterrichtsräumen abgeschlossen. Passé sind damit die Zeiten, als 20 Jahre lang notdürftige Container den Raummangel an der Hochschule aufzufangen suchten. Dementsprechend stolz zeigt sich Vizepräsident Professor Michael Jäckel bei der Präsentation des funktionalistisch anmutenden Gebäudes: “Wir haben die Umsetzung bewusst forciert, um zu zeigen, dass es auch schnell gehen kann”. Einziger Wermutstropfen sind die dadurch entstandenen Mehrausgaben, die den Bau auf 2 Millionen Euro verteuerten .

Dies könnte auch die Umsetzung eines weiteren Neubaus (N) beeinflussen, den der Landesbetrieb Liegenschafts- und Baubetreuung (LBB) ab Ostern in Angriff nimmt. Insgesamt erhielt die Alma Mater für die beiden Projekte 7 Millionen Euro. Daneben bewilligte das Land im März letzten Jahres weitere drei Millionen Euro für Anschaffungen, die die Hochschule für die Modernisierung des Sprachzentrums, eine Erweiterung des E-Learning-Angebots sowie den Kauf neuer PC für die Bibliothek und das Rechenzentrum einsetzte. Trotz der daraus resultierenden Verringerung des Investitionsstaus an der Universität äußert sich Vizepräsident Jäckel kritisch: “Beim Konjunkturpaket handelt es sich um eine kurzfristige Abhilfe. Wichtiger ist, dass uns das Land durch eine langfristige Finanzierung fördert”.

Was an der Universität in den Bildungsbereich fließt, kommt beim Klinikum Mutterhaus der Borromäerinnen dem Gesundheitssektor zugute. Wo früher die physiotherapeutische Abteilung angesiedelt war, ist heute nur noch der Rohbau zu sehen. Die Umbaumaßnahmen dienen der Anschaffung eines so genannten PET-CT, ein hochmodernes Diagnosegerät zur frühzeitigen Erkennung von Tumoren, das es laut Mutterhaus in Rheinland-Pfalz sonst nur noch im Mainzer Uni-Klinikum gibt. Die Gesamtkosten belaufen sich auf 4 Millionen Euro, allein 3 Millionen erhält das Klinikum aus dem Konjunkturpaket.

So etwas wie das Sorgenkind des Konjunkturpakets stellt das Friedrich-Wilhelm-Gymnasium (FWG) dar. Hier sollte eigentlich mit dem Bau eines Fahrstuhls und der energetischen Sanierung für insgesamt 1 Million Euro begonnen werden – allein passiert ist bisher noch nichts. Auch Schulleiter Dr. Harald Heim kann über die Umsetzung keine Auskunft geben. Das Beispiel zeigt, dass die zuständigen Behörden inzwischen ihre liebe Mühe mit der parallelen Realisierung aller Projekte haben. “Wir arbeiten derzeit an Projekten im Wert von 71 Millionen Euro und sind sehr stark belastet”, beschreibt Klauspeter Quiring, Leiter des Amts für Gebäudewirtschaft, die momentanen Engpässe bei der Stadt. Könnte aus dem jahrzehntelangem Investitions- nun also ein Abwicklungsstau werden? Quiring: “Wir wissen, dass wir die Frist bis Ende 2011 einhalten müssen. Es wird nicht passieren, dass eines unserer Projekte daran scheitert”.

(Mitarbeit: Hannah Espin)

Print Friendly

von

Schreiben Sie einen Leserbrief

Angabe Ihres tatsächlichen Namens erforderlich, sonst wird der Beitrag nicht veröffentlicht!

Bitte beachten Sie unsere Kommentarrichtlinien!

Noch Zeichen.

Unterstützen

In Evernote merken