Brücken bauen zurück in den Alltag

Beim Thema “Resozialisierung von Straftätern” ist die gesellschaftliche Akzeptanz eher gering. Hier müssen ehrenamtliche Helfer zusätzlich zum Alltagsjob noch Imagepflege betreiben. Mit großem Engagement arbeitet Probare e. V. seit nunmehr fünf Jahren an der Wiedereingliederung von straffällig gewordenen Menschen. Das Jubiläum wurde vor wenigen Tagen im neuen Büro in der Schönbornstraße 1 gebührend gefeiert.

TRIER. Wer Soziologen und Juristen fragt, welchen Zweck Gefängnisse erfüllen, wird in den meisten Fällen gänzlich unterschiedliche Antworten erhalten. Erstere werden vielleicht mit Michel Foucault argumentieren, die Konstruktion des Subjekts als Gefangener sei nichts weiter als ein Ausdruck von Repression und Macht: Knäste dienen demnach vor allem der Abschreckung für Nicht-Gefangene und nicht etwa der Pädagogisierung von Delinquenten.

Rechtsgelehrte hingegen haben bekanntlich nicht die Aufgabe, die Gesellschaft zu analysieren, sondern die Einhaltung der Herrschaftsnormen zu gewährleisten. So würden Richter oder Staatsanwälte sicher den Resozialisierungsgedanken im Gefängnis-System hervorheben.

Eine Symbiose beider Sichtweisen praktiziert seit einem halben Jahrzehnt “Probare – Trierer Verein für Straffälligenhilfe e. V.”. Das zentrale Anliegen der ehrenamtlich tätigen Mitarbeiter besteht in Präventionsmaßnahmen sowie der Resozialisierung und Rehabilitation straffällig gewordener Erwachsener. Was in der Praxis eine schwierigere Herausforderung ist, als dem Laien auf Anhieb ersichtlich sein dürfte.

Anders als bei anderen ehrenamtlichen Aktivitäten beginnen die Probleme in diesem Fall nämlich schon bei der fehlenden gesellschaftlichen Akzeptanz. “In weiten Teilen der Öffentlichkeit herrscht nach wie vor die falsche Auffassung, dass den ‘bösen Straftätern’ keine Hilfe bei der Resozialisierung zustünde”, sagt Rainer Görgen, eines der Gründungsmitglieder. Nicht nur aus rein menschlichen Gründen jedoch sei diese Sichtweise unhaltbar, sondern auch aus gesamtwirtschaftlicher Sicht: “Ein erfolgreich in das Gemeinwesen reintegrierter Sünder spart auch dem Steuerzahler eine Menge Geld.”

Ende 2004 machte sich der gelernte Sozialarbeiter Görgen mit seinen Kollegen Stephanie Jungen, Claudia Giehl und Astrid Marx vom Sozialdienst des Landgerichts Trier unter Leitung des Trierer Richters Theo Rang mit der Mission ans Werk, an der mangelnden Hilfestellung für straffällig gewordene Menschen nachhaltig etwas zu verändern. Auch die Trierer Justiz begrüßte die Initiative. “Ohne die ehrenamtliche Tätigkeit der kompetenten Pädagogen würde es in unserer Stadt düster aussehen, was die Resozialisierung von Straffälligen betrifft”, so der Präsident des Trierer Landgerichts Wolfgang Krämer. Zum Jubiläum stellte der Jurist dem Verein dann auch weitere finanzielle Mittel in Aussicht.

Das Repertoire an konkreten Projekten ist jedenfalls auch mit den verhältnismäßig knapp gehaltenen Finanzhilfen durch offizielle Instanzen bislang äußerst vielfältig. Die Konzepte, welche der Verein “Bausteine” nennt, werden jeweils von einem der Sozialarbeiter verantwortet und fungieren für die Verurteilten zumeist als wichtiger Bestandteil der Bewährungsauflagen. Neben Hilfen bei der Lebenspraxis und dem gemeinsamen Besuch von kulturellen Veranstaltungen ist der Baustein “Hilfe bei finanziellen Schwierigkeiten” sicher besonders bedeutsam. Hier wird beispielsweise darüber aufgeklärt, welche Berechtigungen einem Gerichtsvollzieher zukommen, wann die Kündigung einer Wohnung rechtens ist oder was bei einer Konto- und/oder Lohnpfändung zu beachten ist.

Im Bereich “Erlebnistraining” gibt es ein Projekt, das speziell auf Straftäter aus der rechten Szene zugeschnitten ist. Vom Amtsgericht Hermeskeil treten die Teilnehmer eine Wanderung zur KZ-Gedenkstätte Hinzert an. Damit die beabsichtigte erzieherische Wirkung eintreten kann, werden entsprechende Maßnahmen ergriffen: Handys, MP3-Player und dergleichen werden zuvor im Tresor des Gerichts eingeschlossen, um die diesbezüglich meist unzureichend informierten Probanden ohne jede Ablenkung zu einer intensiven Auseinandersetzung mit den realgeschichtlichen Konsequenzen der faschistischen Ideologie zu bewegen.

Einer der neueren Bausteine heißt “5 vor 12″ und richtet sich als letzter Warnschuss an Straftäter, deren Strafe zur Bewährung ausgesetzt wurde. Die Gesetzesbrecher erhalten dabei detaillierte Einblicke in den vollständigen Tagesablauf der Justizvollzugsanstalt Trier. Görgen, der das Projekt betreut, betont jene präventive Absicht seiner Idee besonders nachdrücklich: “Es geht vor allem darum, die Sensibilität dafür zu schärfen, dass das Leben im Gefängnis weitaus unangenehmer ist, als gemeinhin angenommen wird.” Man dürfe die Menschen nicht aufgeben, müsse sie vielmehr im gesellschaftlichen Interesse dabei unterstützen, zu einem gesetzeskonformen, weitgehend unabhängigen und freien Leben zu gelangen. Der Einbezug von Angehörigen und Freunden sei hier ebenso hilfreich. Eine wöchentliche “Offene Sprechstunde” bietet daher auch deren Angehörigen die Gelegenheit, bei der ambulanten Straffälligenhilfe fachkundige Beratung einzuholen.

Weitere Infos: http://www.probare-trier.de/

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