“Räumgeschwindigkeit ausreichend!”
Seit langem ist sie ein Ärgernis, und selbst im Kommunalwahlkampf spielte die Schaltung der Ampelanlage an der Ecke Zuckerberg-/Böhmerstraße eine Rolle. Für Fußgänger ist es nahezu unmöglich, bei Grün die andere Seite der Straße zu erreichen. Der Ortsbeirat von Trier-Mitte/Gartenfeld verlangt deshalb von der Verwaltung, die Ampelanlage “fußgängerfreundlich umzustellen”. Im Rathaus sieht man jedoch keinen Handlungsbedarf: “Ampelschaltungen sind immer ein Kompromiss”, ließ Baudezernentin Simone Kaes-Torchiani Ortsvorsteher Dominik Heinrich wissen.
TRIER. “Extrem fußgängerunfreundlich” sei die Schaltung, beklagte Dominik Heinrich schon vor Monaten in einem Schreiben an die Baudezernentin: “Die Wartezeiten sind extrem lang, die Grünphasen derart kurz, dass die Fußgängerampel bereits dann auf Rot schaltet, wenn die Passanten in der Straßenmitte angelangt sind – und dies bei einem für Erwachsene schnellen Schritttempo”, kritisiert der Ortsvorsteher von Trier-Mitte/Gartenfeld. Das Problem ist nicht neu, und wirklich neu ist auch nicht der Beschluss des Ortsbeirats vom 19. November letzten Jahres, mit dem die Verwaltung aufgefordert wird, die Ampelanlage im Sinne der Fußgänger umzuschalten. Allein bis dato ist noch nichts geschehen, und offenbar hat man im Rathaus auch eine völlig andere Wahrnehmung von der Situation.
Zwar räumt die Verwaltung indirekt ein, dass die Grünphasen für Fußgänger eher knapp bemessen sind. Doch darauf komme es auch nicht so sehr an, denn entscheidend sei vor allem die so genannte “Schutzzeit” oder “Zwischenzeit”: In dieser Phase erhalten die wartenden Fahrzeuge auch dann noch kein Grünlicht, wenn die Fußgängerampel schon auf Rot umgesprungen ist. Und weil die Fußgänger das Recht haben, “von der ersten bis zur letzten Sekunde” ihrer Grünphase die Fahrbahn zu betreten, sieht man am Augustinerhof kein ernsthaftes Problem. Im Gegenteil: “Fußgänger, die sich beim Farbwechsel bereits auf der Fahrbahn befinden, haben auch bei Rot noch ausreichend Zeit, die Fahrbahn gefahrlos zu verlassen”, so Kaes-Torchiani in einem Schreiben an den Ortsvorsteher. Die Baudezernentin weiter: “Für die Sicherheit der Fußgänger ist also nicht die Länge der Grünzeit, sondern ausschließlich die Länge der Zwischenzeit entscheidend”.
Nur, dass dies den wenigsten Fußgängern bekannt sein dürfte und man sich, zumal mit Gehhilfe, Kinderwagen oder Rolator unterwegs, subjektiv kaum sicher fühlen wird, wenn schon nach wenigen Schritten auf der Fahrbahn die Ampel wieder auf Rot schaltet. Die, die es noch können, beschleunigen dann ihr Schritttempo. Andere kehren auch wieder um. Laut Ortsvorsteher Heinrich soll es demnächst einen Vorort-Termin mit Vertretern der Verwaltung geben. Doch folgt man den Ausführungen der Baudezernentin, dann besteht nur wenig Optimierungspotenzial. Schließlich sei die Zwischenzeit so bemessen, dass “der Fußgänger, der in der letzten Sekunde der Grünphase die Fahrbahn betritt, diese mit einer Räumgeschwindigkeit von 1,2 Metern in der Sekunde komplett überqueren kann, bevor konfliktierende Ströme einfahren”. Bei dieser Räumgeschwindigkeit handele es sich zudem um den nach der RILSA-Richtlinie für Lichtsignalanlagen “niedrigsten und somit sichersten anzusetzenden Wert”.
Der Forderung des Ortsbeirats, die Grünphasen für Fußgänger zu verlängern und die Wartezeiten zu verkürzen, hält Kaes-Torchiani denn auch nicht für umsetzbar: Lange Grünzeiten verursachten lange Umlaufzeiten und somit auch lange Wartezeiten. Kurze Grünzeiten verkürzten die Umlaufzeiten und somit auch die Wartezeiten, erläutert die Dezernentin: “Lange Grünzeiten und kurze Wartezeiten schließlich sich deshalb leider aus”, behauptet Kaes-Torchiani.
von Marcus Stölb





5. März 2010 (08:47 Uhr)
Meines Erachtens gäbe es möglicherweise eine ganz einfache Lösung des Problems: Die Ampel einfach abschaffen!
Man sollte prüfen, ob es nicht möglich wäre, anstatt der Ampelanlage an dieser Straßenkreuzung einen kleinen Mini-Kreisel (überfahrbar) zu errichten. Das hätte vielfache Vorteile: Die Fußgänger hätten immer Vorrang. Der Verkehr würde meiner Meinung nach wesentlich besser fließen als jetzt, Wartezeiten für die Autofahrer würden verringert werden. Die gefahrene Geschwindigkeit wird automatisch reduziert. Für die Fußgänger gebe es in Bezug auf die Linksabbieger bessere Sicherheit.
Es mag sein, dass der Platz an dieser Kreuzung nicht allzu groß ist. Eine ernsthafte Prüfung dieser Möglichkeit könnte jedenfalls nichts schaden. Es ist anerkannt, dass es bei Kreisverkehren die geringsten Unfallzahlen gibt.
5. März 2010 (10:21 Uhr)
Köstlich: “mit einer Räumgeschwindigkeit von 1,2 Metern in der Sekunde” überqueren, “bevor konfliktierende Ströme einfahren”.
Auf solche Formulierungen kann nur der Amtsschimmel kommen, jeder Satiriker ist damit heillos überfordert.
Was bedeuten diese harmlos klingenden “1,2 Meter in der Sekunde” aber? Das entspricht einer Geschwindigkeit von 4,32 km/h – mit Sicherheit ein Wert, der für nicht wenige aufgrund körperlicher Einschränkungen nicht zu erreichen ist.
Statt sich auf die Deckung von Paragraphen und Richtlinien zu verlassen, sollte die Verwaltung sich unter Umständen öfter mal mit dem tatsächlichen Leben befassen.
5. März 2010 (10:44 Uhr)
Das spricht meiner Meinung nach für die Einführung einer Gelbphase für die Dauer der Räumzeit nach Schweizer, Düsseldorfer und italienischer Regelung.
5. März 2010 (10:47 Uhr)
Beim Ortstermin die Baudezernentin bitte in so einen Hohes-Alter-simulierenden-Anzug stecken – und als Gegenpart im beräderten Verkehr bitte auch ein paar tiefergelegte Sportfelgen, eilige Arzeimittel/sonstige Lieferanten, Stadtbusse und Taxen auffahren … Ach ja, Fahrradkünstler nicht vergessen.
Viel Spaß!
5. März 2010 (10:59 Uhr)
Das oben im Artikel beschriebene Problem mit den kurzen Grünphasen und den nicht bekannten Schutz- oder Zwischenphasen gilt für einige Ampeln im Stadtgebiet. So ist dies auch von den Ampelanlagen an der Porta und die Fußgängerampel über die Nordallee auf Höhe der Engelstraße Ähnliches bekannt. Zu beiden Ampel gab es auch Änderungsanfragen im Ortsbeirat Trier-Nord an die Stadtverwaltung.
Markus Nöhl,
SPD-Mitglied im Ortsbeirat Trier-Nord
5. März 2010 (16:29 Uhr)
Fragt sich nur, wie bei der klammen Kasse der Kreisel bezahlt werden soll.
Wie wäre es statt dessen mit 2 Hinweisschildern:
Fußgänger haben das Recht bis zur letzten Sekunde der Grünzeit die Fahrbahn zu betreten. Für ihre Sicherheit ist trotzdem gesorgt, da die wartenden Fahrzeuge auch dann noch kein Grünlicht bekommen, wenn die Fußgängerampel schon auf Rot umgesprungen ist.
Dann ist es auch vorbei mit der subjektiven Unsicherheit
5. März 2010 (20:18 Uhr)
Wir haben seitens des Ortsbeirates Trier-Nord genau das gleiche bei den Ampeln in der Nordallee bemängelt und ich vermute, dass die zu erwartende Antwort uns nicht schlauer machen wird.
Wir haben allerdings auch speziell darauf hingewiesen, dass uns diese “Schutzzeit” bekannt ist und wir vor allem das subjektive Sicherheitsgefühl zu wenig beachtet sehen.
Zum Thema subjektives Sicherheitsgefühl muss man nur einmal “Grünphase” und “Fußgängerampel” zusammen bei google eingeben. Ist ja nicht so, dass wir uns das ausdenken. Schade, dass das immer noch zu wenig beachtet wird. Gerade für ältere Menschen und Menschen, die nicht so gut zu Fuss sind.
Ein Lösung könnte sein, dass digitale Zähler angebracht werden würden, die zeigen beispielsweise wie lange die Rotphase der Autofahrer noch dauert.
Oder dass es am Ende der Grünphase für Fussgänger eine “Gelbphase” oder ein blinkendes Grün gebe. Aber genau für solche Lösungen und Varianten ist die Verwaltung da; das können wir uns als “Ehrenamtler” schlecht ausdenken und überprüfen.
Mit freundlichen Grüßen
Johannes Barrot
Ortsbeiratsmitlgied Trier-Nord
6. März 2010 (12:10 Uhr)
@ Thomas Albrecht, @ M.L.:
Die Idee mit dem Kreisverkehr ist gut – und muss kaum etwas kosten: die pragmatischen Engländer behelfen sich bei beengten Platzverhältnissen, indem sie in der Mitte der Kreuzung einen großen weißen Punkt auf’s Pflaster malen, um den dann herumgefahren wird – and that’s it! Dazu kommt dann nur noch an jeder Einfahrt ein Kreisverkehrsschild und die sonstigen Fahrbahnmarkierungen. (…und bei Erfolg & Gefallen der Abbau der Ampel).
Nebenbei: Eine Lösung in diesem Sinne dürfte für VIELE Trierer Kreuzungen von Vorteil sein!
6. März 2010 (14:59 Uhr)
Vielleicht wäre es ja trotzdem ganz nett, wenn man die MINDESTgrünphase grundsätzlich so bemessen würde, dass zumindest eine Person, die in der ERSTEN Sekunde der Grünphase die Fahrbahn betritt
“diese mit einer Räumgeschwindigkeit von 1,2 Metern in der Sekunde komplett überqueren kann”
…bei GRÜN!
Ich habe nämlich so meine Zweifel, ob speziell die Personen am unteren Rand der “Räumgeschwindigkeit” sich ihrer “objektiven Sicherheit” in vollem Umfang bewußt sind, wenn die Ampel, kaum, dass sie den Gehsteig verlassen haben, schon wieder auf Rot springt. Und es kann doch nicht sein, dass jemand aus Angst (ob zu recht oder zu unrecht) umkehrt, die Straße also faktisch nicht ohne Angst überqueren kann.
So sehr ich ansonsten die Arbeit von Frau Kaes-Torchiani schätze, so denke ich, sollte sie sich hier doch einmal überlegen, ob diese ihre zitierten Äußerungen nich ein ganz kleines bischen menschenverachtend sind.
6. März 2010 (16:08 Uhr)
Ja ja unsere Baudezernentin !?!
Eine schnöde Ampelregelung in den Griff zu bekommen, wo kommen wir da hin,
wo doch viel utopische Aufgaben anstehen, wie Seilbahn auf den Petrisberg, oder
der West (Desaster ) Plan, wo eine neu zu verlegende B 51 ohne die im Besitz der
dazugehörenden Grundstücke geplant werden muß bei der auch die wie der Name
sagt die vom Bund vorgegebenen Ausmaße vollkommen außer Acht gelassen
werden zumindest mal bei der Planung keine Rolle spielen.Da spielen ältere Leute
oder gar Behinderte die eine Strasse zu überqueren haben doch wohl keine
ernste Rolle. Da fällt einem doch ein Wortspiel mit dem Namen ein KÄS-T………
PRO-TRIER
7. März 2010 (09:13 Uhr)
Für mich ist das klare Absicht: die Fußgänger sollen ja auch durch die Trier-Galerie in die Innenstadt!
8. März 2010 (08:54 Uhr)
Nur zur Information der übrigen Mitlesenden und um dem dicken falschen Mainzelmännchen die phrygische Mütze vom Kopf zu holen: Bei “PRO-TRIER” handelt es sich um einen Versuch der NPD, unter unverfänglichem Namen “Gegenöffentlichkeit” zu betreiben… Hinter den Inhalten stehen allerdings unzweifelhaft der mutmaßliche Gewalttäter Safet B. und seine Partei.
Das Blättchen ist immerhin handwerklich besser zusammengeschustert, als das Beiträglein hier, jedenfalls bekommt man dort Zeilenumbrüche hin, enthält allerdings inhaltlich hauptsächlich rotzige Hetze gegen (vor allem) linke Abgeordnete und Stadträte.
8. März 2010 (12:49 Uhr)
““Lange Grünzeiten und kurze Wartezeiten schließlich sich deshalb leider aus”, behauptet Kaes-Torchiani.”
Sie würden sich dann nicht ausschließen, wenn man sich klar zur Förderung des Fußverkehrs bekennen würde. Langes Fuß-Grün und kurze Wartezeiten sind machbar, wenn entsprechend die PKW-Spur länger warten muss.
An der Ampel Brückenstr. / Hindenburgstr. ist die Frequenz der querenden Fußgänger oft höher als die der dort fahrenden Autos. Dennoch ist die Wartezeit für das Fuß-Grün so eingestellt, dass Fußgehende auf Grün warten müssen, obwohl gar kein Auto mehr fährt.