Die TBB und die Rückkehrer
Im Auswärtsspiel gegen die Artland Dragons musste die TBB nach der mehr als blamablen Niederlage gegen die Paderborn Baskets ein positives Signal setzen – noch eine so indiskutable Vorstellung würde auch noch die letzten Fans vergraulen. Das gelang zwar, doch das Spiel ging trotzdem mit 76:73 knapp verloren. Matchwinner war, wie so oft in Spielen mit Trierer Beteiligung, ein BBL-Rückkehrer: Hollis Price, früher bei Alba Berlin und erst seit kurzem im Aufgebot der Dragons, traf den entscheidenden Dreier.
QUAKENBRÜCK. Es wird allmählich zur Farce, gleichzeitig ist es eine der vielen Merkwürdigkeiten, die die Faszination dieses Sports ausmacht: Zum wiederholten Mal in dieser Saison ist der entscheidende Faktor im Team des jeweiligen Trierer Gegners ein Spieler, der erst vor kurzem nachverpflichtet wurde. All jene Spieler haben gemein, dass sie bereits BBL-Erfahrung vorweisen können und in ihrer Zeit “im Exil” offensichtlich nicht an Qualität verloren haben.
In Hagen stellte Rückkehrer Michael Hakim Jordan die TBB-Defense vor große Probleme und sorgte mit sechs Assists für einen knappen Heimsieg seiner Feuervögel, Bremerhavens Andrew Drevo traf den entscheidenden Dreier in der Trierer Arena, obwohl er erst seit einigen Tagen wieder in Deutschland war, und gestern in Quakenbrück war es ausgerechnet Hollis Price, ehemaliger Point Guard von Alba Berlin in der Saison 2005/06 und seit Mitte Februar im Artland tätig, der eine Sekunde vor Schluss den “Gamewinner” traf – einen gut verteidigten Dreier zum 76:73. Gut, dass kein Spiel mehr gegen Bremerhaven ansteht, sonst würde wahrscheinlich dem Ex-Trierer Norman Richardson auch noch die zweifelhafte Ehre zuteil werden, sein altes Team abzuschießen.
Dabei hatte die TBB bis zu dieser Sekunde eigentlich alles richtig gemacht: Gut verteidigt, sich von der dauerausverkauften Artland-Arena nicht einschüchtern lassen, offensiv geduldig den freien Dreierschützen gesucht. Artland suchte den Weg ans Brett, wo Darren Fenn klare Vorteile gegenüber Maksym Shtein hatte, diese aber zunächst nicht nutzen konnte: Shtein, für den angeschlagenen George Evans in der Starting Five, verteidigte engagiert und ohne Angst. Trier suchte sein Heil von außen, zwei Dreier in Folge von Chris Copeland bedeuten eine 5:8-Führung. Quakenbrück muss sich die ersten Punkte an der Freiwurflinie erarbeiten. Ansonsten lief viel über Darren Fenn, der entweder selbst punkten oder erfolgreich abgeben konnte: 15:14 der Stand zur ersten Viertelpause einer intensiv geführten Partie. Jetzt schon zeigte Trier mehr Selbstbewusstsein als im gesamten letzten Heimspiel.
Ähnliches im zweiten Abschnitt: Trier hielt weiter von draußen drauf und erzielte damit ordentliche Quoten (6/11 Dreier), hielt hinten die Intensität hoch. Quakenbrück suchte weiterhin Darren Fenn, der gegen Maik Zirbes keine Probleme hatte. Die Dragons können sich nach einem Technischen Foul gegen Yves Defraigne mit Freiwürfen von Price und einem Dreier von Nathan Peavy auf 31:24 absetzen. Doch eine Auszeit von Defraigne zeigt Wirkung: Trier kommt auf 36:32 zurück, Defraigne lässt die letzten fünf Sekunden “small ball” spielen und schickt mit Raivio, Neitzel, Pekovic, Shuler und Gillingham fünf Guards aufs Feld. Ergebnis: verwirrte Dragons und ein schwieriger, aber erfolgreicher Buzzer Beater von Jamal Shuler zum 36:34-Halbzeitstand.
Die Partie blieb auch nach der Pause offen bis zum Ende, unter schwierigen Umständen gab sich die TBB nicht auf, ließ sich auch durch zwei unsportliche Fouls gegen Copeland und Neitzel und einem daraus folgenden Acht-Punkte-Rückstand nicht abschütteln. Trier kann ausgleichen, George Evans erzielt das 47:48 – nach gut 25 Minuten führt die TBB wieder knapp.
Es blieb spannend. Zwischenstand zur Viertelpause: 60:56. Trier kann wieder ausgleichen, bevor die Schiedsrichter erneut auf Unsportliches Foul, diesmal gegen Gillingham entscheiden. Aber auch davon ließen sich die Gäste nicht beirren, konnten die Partie bis zum Ende offen gestalten. Vor allem Shtein ackerte wie ein Verrückter gegen Fenn, einen der besten Center dieser Liga.
Anderthalb Minuten vor Ende kann Toby Bailey für die Dragons die vermeintliche Vorentscheidung zum 72:68 markieren, doch Copeland hält nach einer Trierer Auszeit von der Dreierlinie dagegen (72:71). Trier stoppt die Uhr, die richtige Entscheidung bei der aktuellen Freiwurfschwäche der Dragons. 19 Sekunden vor Ende trifft Hollis Price tatsächlich nur einen Freiwurf zum 73:71. Derek Raivio macht es im Gegenzug besser und trifft beide zum 73:73 – Auszeit Quakenbrück, noch acht Sekunden. Und dann passiert, was nicht passieren darf: Price, der Neuzugang, trifft einen souveränen Dreier gegen gute Verteidigung von James Gillingham bei einer Sekunde Spielzeit: 76:73 Endstand, der Verzweiflungswurf von Shuler aus der eigenen Hälfte trifft nur den Ring.
Fazit: Das Signal war deutlich erkennbar, Trier spielte wie ausgewechselt gegen ein Spitzenteam der BBL – leider ohne zählbares Ergebnis.
von Tom Rüdell





7. März 2010 (19:33 Uhr)
Noch zu erwähnen ist, dass die Tbb nicht nur gegen die Dragons und die Zuschauer, sondernauch gegen die Schiedsrichter spielen musste – Foulverteilung: Trier 29 – Artland 20, Freiwürfe: Trier 13 – Artland 44 !
Deshalb sagte der Trierer Trainer auf der Pressekonferenz: “Wir alle kennen Basketball, und wir alle kennen die Statistiken. Wenn ich auf die Statistik schaue, muss ich keinen Kommentar mehr abgeben. Basketball ist ein physisches Spiel. Man muss sich nur die Freiwurf-Verteilung auf beiden Seiten anschauen. Dem habe ich nichts hinzuzufügen.”