Verstellen überflüssig

Trier gilt als Großstadt, jedoch nicht unbedingt als ein vielversprechendes Karrieresprungbrett für Musiker: Der in Deutschland bekannteste Musikschaffende aus der Moselmetropole dürfte noch immer Guildo Horn sein – und dessen große Auftritte liegen auch schon über zehn Jahre zurück. Kein Grund, die lokale Musikszene zu missachten, im Gegenteil: “The Bandgeek Mafia” gehören zu den Bands, die sich im Bereich der harten Gitarrenmusik längst auch international einen Namen gemacht haben. Mit “No disguise” haben die Trierer nun ihr zweites Album veröffentlicht. Der Albumtitel trifft: Verkleiden oder verstellen muss sich das Quartett mit diesem starken Werk sicher nicht.

TRIER. Die Resonanz auf “The Bandgeek Mafia” war bereits in der Vergangenheit beachtlich: 15.000 Leute luden sich 2005 die erste im Internet bereitgestellte EP der Band herunter, 2007 wurde das Debütalbum “Paint your target” auch außerhalb Deutschlands veröffentlicht, Auftritte mit renommierten Gruppen aus der Ska- und Punk-Szene wie den Mad Caddies, Abuela Coca, Waterdown, Less Than Jake oder erst kürzlich Reel Big Fish folgten – mehr als 200 Konzerte hat das Quintett nach eigenen Angaben in den letzten fünf Jahren gespielt.

Das aktuelle Album “No disguise” entstand bereits im Juli 2009 im Koblenzer Tonstudio 45 unter der Regie von Produzent Kurt Ebelhäuser, der durch seine Arbeit als Musiker und Produzent für Bands wie Blackmail, Scumbucket, Bubonix oder Donots bekannt ist (außerdem singt er bei dem Titel “Addicted” die zweite Stimme).

Auf ihrer neuen CD arbeiten “The Bandgeek Mafia” den Stilmix weiter aus, durch den sie sich noch immer von anderen Bands der entsprechenden Genres unterscheiden: geradlinige Punkrock-Parts treffen auf Metal-Gitarrenfiguren, energische Shouts wechseln sich wie bei Screamo und Emocore mit melodischem Gesang ab, und Bläsereinsätze und Off-Beats ergänzen das Klangbild in Richtung Ska und Reggae – “Skacore” nennen das landläufig Manche mehr oder weniger treffend.

Der Auftakt ist stark: Eine fließende Bassfigur vermählt im Titelstück fröhliche Bläser und melancholischen Gesang zu einer Hymne über Freundschaft, die sich im Refrain zu einem Midtempo-Song mit Popmelodie wandelt. Auch das folgende “Revealing the unseen” findet einen gewagten, aber gelungenen Übergang aus dem eröffnenden Metal-Riff in partytauglichen Ska-Punk, der in einem griffigen Refrain mit tollem Gesangswechsel zwischen Sänger und Gitarrist Achim und Shouter und Trompeter Dennis gipfelt.

Die große Stärke der Band ist dabei, wie sie zwischen melancholischen und fröhlichen Momenten sowie den Stilen hin und her wechselt, ohne das Brüche in den Songs entstehen. “Your kingdom? My home!” verbindet beinahe selbstverständlich bläserverzierten Reggae mit einem treibenden Rocksong, für “Ease the pain” borgt sich die Band den Off-Beat vom Ska und verwandelt ihn in ein Festival euphorischen Bläser-Rocks, und der Beginn von “Addicted” kündigt Bullet For My Valentine an und addiert dann einfach noch Trompete und Posaune dazu.

Das hohe Niveau der ersten Songs können “The Bandgeek Mafia” jedoch nicht auf ganzer Länge halten, insbesondere die Akustikgitarren-Ballade “A great reminder” mit Gastsängerin ist ein wenig zu stereotyp und glatt geraten, und “Breakdown” ist wenig mehr als ein ganz einfacher Punkrocksong. Diesen kleinen Schwächen zum Trotz ist “No disguise” ein gelungenes, technisch und musikalisch versiertes Album, das seinen Reiz aus dem offenen Mix zwischen Punk, Emocore und Ska gewinnt, und vor allem unter Live-Bedingungen sein volles Party-Potenzial zeigt.

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