Die Junior-Unternehmer

Ein Unternehmen zu führen ist keine Kleinigkeit. Produkte wollen geplant, entwickelt und verkauft werden, man braucht Geschäftspartner und Investoren, und auch das Marketing und die Buchführung müssen für den Erfolg auf dem Markt stimmen. Schüler der Berufsbildenden Schule für Wirtschaft haben sich nun dieser Herausforderung gestellt: Im Rahmen des bundesweit ausgerichteten Wirtschaftsplanspiels JUNIOR gründeten sie eine eigene, an die Unternehmensform einer Aktiengesellschaft angelehnte Firma.

TRIER. “Es ist zwar viel Arbeit, aber sie macht Spaß und wir lernen eine Menge dabei”, berichtet Arrigo Batton von seinen bisherigen Erfahrungen als Jungunternehmer. Der 17-Jährige gehört zu einem Team aus zehn Wirtschaftsgymnasiasten und einem Schüler der höheren Berufsfachschule der Jahrgangsstufe 12, das seit September 2009 unter dem Namen Arivo11 als einzige Trierer Gruppe an dem JUNIOR-Projekt teilnimmt. Auf das Projekt aufmerksam wurden die Schüler durch Hinweise ihrer Lehrer, von denen drei auch als Paten die Arbeit begleiten.

Zu Beginn von JUNIOR diskutierten die Teilnehmer – auch mit Unterstützung der IHK Trier – an mehreren Projekttagen Produktideen. Schließlich einigte man sich auf einen Aktenordner, der insbesondere den speziellen Bedürfnissen von Schülern und Studenten entgegen kommen soll: Daher auch der Name der Gruppe, denn Arivo 11 ist eine Anlehnung an das spanische Wort “archivador” für Aktenordner, die Ziffer bezieht sich auf die Gruppengröße. Nachdem der Kunde einen Basisordner ausgewählt hat, kann er sich Extras wie Locher, Geo-Dreieck, Stifte, Taschenrechner, laminierte Spiele-Seiten und vieles mehr individuell zu einem Gesamtpaket zusammenstellen. “Es ist das gleiche Prinzip wie bei einem Pizza-Service, bei dem man aus den Belägen auswählt”, erklärt Vorstand Stefan Zimmer die Idee. Die einzelnen Komponenten werden mit Halterungen oder Klettband gleichermaßen stabil und leicht abnehmbar an der Deckelinnenseite des Ordners befestigt.

Das Startkapital für ihre Arbeit besorgten sich die Schüler durch den Verkauf von Aktien, von denen sie mittlerweile die verfügbaren 90 Stück zu je 10 Euro vollständig an Familienmitglieder, Bekannte und Prominente wie OB Klaus Jensen, die rheinland-pfälzische Sozialministerin Malu Dreyer oder den luxemburgischen Premierminister Jean-Claude Juncker absetzen konnten. Auch der Verkauf der Ordner läuft nach Darstellung der Jungunternehmer gut, die ersten Bestellungen seien erfüllt, die Kunden zufrieden. “Ich habe durch Mundpropaganda von dem Ordner erfahren”, erzählt Mitschüler Stephan Menges, der seit kurzem sein individuell gestaltetes Arrivo11-Produkt benutzt – “der ist schon praktisch, man vergisst einfach nichts mehr”.

Mittlerweile arbeiten die Schüler eigenständig und regelmäßig an dem Projekt, einmal in der Woche treffen sie sich für ein bis zwei Stunden zur Besprechung, abseits davon sprechen sie sich über Telefon, Emails und Chatprogramme ab. Jeder Teilnehmer hat dabei seinen Aufgabenbereich, ganz wie im realen Unternehmen: Der Vorstand koordiniert und überwacht die Abteilungen, die Verwaltung und die Buchhaltung erstellen Berichte und behalten den Überblick über Kalkulation und Finanzen, während die Produktion an den Ordnern arbeitet und das Marketing Werbung und Pressearbeit übernimmt.

Klar, dass ein solches Gruppenprojekt nicht immer reibungslos läuft: “Anfangs fühlten sich manche ein bisschen wie das fünfte Rad am Wagen, da mussten wir erst klare Aufgaben verteilen”, beschreibt Marketing-Mitarbeiter Arrigo Batton die Findungsphase. Auch mit falscher, unvollständiger oder beschädigt gelieferter Ware und falsch kalkulierten Ein- und Verkaufspreisen hat die Gruppe bereits so ihre Erfahrungen gemacht. Für ihre Mühen belohnt werden die Schüler am Ende mit einem Zertifikat, das sie als erfolgreiche junge Unternehmer ausweist – sofern sie die benötigten 50 Stunden Arbeitszeit investiert und das Unternehmen zum Beginn der Sommerferien ordnungsgemäß aufgelöst haben. Den Schülern der BBS Wirtschaft winkt in Trier zusätzlich ein Extrapunkt für die Note im Fach BWL. “Es gibt außerdem Anerkennung von den Lehrern”, so Teilnehmer Nico Braun.

Neben dem persönlichen Lerngewinn ist auch der Wettkampf mit anderen am JUNIOR-Projekt beteiligten Gruppen ein Ansporn: Regelmäßig müssen die Teilnehmer bei der Organisation Buchführungsunterlagen und Sitzungsprotokolle einreichen, die von einer Jury aus Wirtschaftsfachleuten bewertet werden. Im Mai stellen sämtlich Gruppen aus Rheinland-Pfalz beim Landeswettbewerb ihr Unternehmen und Produkt vor. Laut ihren Paten hat Arivo11 dort gute Aussichten auf den Sieg, der den Einzug in den Bundeswettbewerb im Juni bedeuten würde. Es wäre nicht der erste Erfolg der Trierer BBS Wirtschaft: 2002 gewann eine Gruppe der Schule mit ihrer Idee von bedruckten Schnürsenkeln sogar den Bundeswettbewerb.

Mehr Informationen über die Gruppe und ihr Angebot finden Sie auf folgender Website.

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