Tausende Anrufe, 162 Gespräche
TRIER. Die Beratungs-Hotline der katholischen Kirche für Opfer sexuellen Missbrauchs, die gestern freigeschaltet wurde, verzeichnete bereits am ersten Tag insgesamt 4.459 Anrufversuche.
Dahinter stünden laut Dr. Andreas Zimmer, Leiter des Arbeitsbereichs “Beratungsstellen und Telefonseelsorge” im Bistum Trier, schätzungsweise rund 1.000 verschiedene Anrufer, da von mehreren Anrufversuchen pro Anrufer ausgegangen werden müsse.
Zimmer erläutert weiter, dass bereits am ersten Tag 162 Gespräche geführt worden seien. Diese hätten zwischen fünf Minuten und einer Stunde gedauert. In erster Linie hätten sich Opfer und Angehörige von Opfern gemeldet. Viele Anrufer äußerten, sie seien froh, dass es endlich eine solche Hotline. “Die von Kritikern im Vorfeld der Einrichtung geäußerte Auffassung, diese werde nicht angenommen werden, weil es ein Angebot der katholischen Kirche selbst ist, hat schon die Resonanz des ersten Tages widerlegt”, meint Zimmer. Zugleich räumt er ein, mit einem derart gewaltigen Ansturm nicht gerechnet zu haben. Er bittet auch um Verständnis, dass aufgrund der Vielzahl der Anrufer nicht alle gleich bei einem Berater oder Beraterin landen. “Aber wer auf dem Anrufbeantworter seine Nummer nennt, erhält einen Anruf. Wir werden alles daran setzen, dass dies so schnell wie möglich geschieht”, verspricht er.
Zurückhaltend, so erläutert er weiter, sei die Resonanz noch auf das Angebot der Online-Beratung gewesen. Zwar besuchten 2.761 Menschen die Internetseite www.hilfe-missbrauch.de. Online-Beratungsanfragen gab es insgesamt 33. “Das hängt sicher auch damit zusammen, dass sich bislang vor allem Menschen gemeldet haben, die nicht so internetgeübt sind”, vermutet Zimmer.
Die kostenlose Hotline ist dienstags, mittwochs und donnerstags von 13.00 Uhr bis 20.30 Uhr unter 0800-120 1000 erreichbar.
von 16vor





31. März 2010 (16:28 Uhr)
Diese statistische Aufarbeitung des Themas treibt mir die Tränen in die Augen.
,,Die Opfer in die Mitte stellen” — so lautete ein Halbsatz, den Bischof Ackermann vor ein paar Wochen geäußert hat.
Sollen die gezählten Anrufe und Klicks uns zeigen, wie beschäftigt das Referat für Mißbrauchsfragen momentan ist? Und das hier von ,,Resonanz ” gesprochen wird, läßt den Eindruck erwecken, es ginge um einen Contest oder eine Umfrage. Die Opfer stehen so nicht in der Mitte, sondern sind ein Mittel um zu zeigen: seht her, wir tun doch was!
JedeR einzelne, der/die nur eine besetzte Leitung erreicht, tut mir unendlich leid, denn wie groß mag die Überwindung sein, bei einer kirchlichen hotline anzurufen, um über ein in der Kirche immer noch so tabuisiertes Thema wie Sexualität zu sprechen!
Wird das Thema bei den Heilig-Rock-Tagen eine Rolle spielen? — In Gerechtigkeit dein Angesicht suchen — ich hoffe, die vielen Betroffenen haben ihren Glauben an Gott durch ihre Erlebnisse mit Priestern und Kirche nicht verloren, wenn auch womöglich die Zugehörigkeit zur Letzteren.